Taake - Hall of Fame Wetzikon 2018
So, 14. Oktober 2018

Taake, Bölzer, One Tail One Head, Slegest

Hall of Fame (Wetzikon)
20.11.2018
Taake - Hall of Fame Wetzikon 2018

Veranstaltung unter polizeilicher Aufsicht 

Taake, Bölzer, One Tail One Head und Slegest – das Gastspiel dieser schwarzmetallischen Vierer-Kombo am Sonntagabend in der Wetziker Hall Of Fame war für die lokalen Ordnungshüter offenbar Grund genug, um auf dem gegenüberliegenden Parkplatz Stellung zu beziehen und die ganze Szenerie zu beobachten. Ob sie dann auch aktiv in das Geschehen eingreifen mussten und wie sich die einzelnen Bands so angestellt haben, könnt ihr wie gewohnt den nachfolgenden Zeilen entnehmen. 

S.O.S. – Location gesucht! Da das Werk 21 für das heutige Datum besetzt war, musste sich die Meh Suff!-Crew nach einer Ausweichmöglichkeit umschauen. Fündig wurde man schliesslich im Zürcher Oberland. Pasquale Salatino und Co. stellen der schwarzmetallischen Zunft das Hall Of Fame (HoF) zur Verfügung. Black Metal hat man in diesen Räumlichkeiten bisher nur sehr selten angetroffen. Sollte diese Abend ein Erfolg werden, könnte sich dies allerdings eventuell ändern. Künftige Kollaborationen zwischen Hall Of Fame und Meh Suff! wären sicherlich spannende Angelegenheiten. Aber warten wir zuerst einmal ab, wie der heutige Event genau vonstattengehen wird.

Hui, wer hat denn im Vorfeld bitteschön eine solche Panik verbreitet? Auf dem gegenüberliegenden Parkplatz tummeln sich doch tatsächlich ein paar Kastenwagen der Polizei. Tja, diese finsteren Satansanbeter, die im Innern der Location mit grösster Wahrscheinlichkeit irgendwelche blutigen Rituale vollziehen werden, muss man definitiv im Auge behalten, nicht wahr? Nein sorry, Spass beiseite. Man kann’s ja auch übertreiben… Gewisse Black Metal-Truppen geniessen durchaus einen zweifelhaften Ruf, aber an deren Konzerten geht es für gewöhnlich trotzdem friedlich zu und her. Allenfalls können die anwesenden Besucher den Gesetzeshütern in diesem Bereich ein bisschen Nachhilfe geben und deren Wissensstand entsprechend erweitern. Ich bin davon überzeugt, dass heute Abend ganz klar keine Razzia nötig sein wird.

Zu Gast sind vier Bands aus dem schwarzmetallischen Sektor. Slegest und One Tail One Head (OTOH) stammen wie der Headliner Taake aus Norwegen. Letztgenannte Kapelle wurde in der Vergangenheit schon des Öfteren mit der nationalsozialistischen Thematik in Verbindung gebracht. Vorwürfe dieser Art sind in diesem Genre leider nicht unüblich. Bandleader Hoest hat sich jedoch schon in diversen Interviews sämtliche Anschuldigungen dieser Art von sich gewiesen. Taake hätte und werde niemals etwas mit Nazis zu tun haben, so die Worte des Sängers. Nichtsdestotrotz verfolge die Band primär das Konzept der Provokation. Ich habe die Norweger noch nie live gesehen und bin deswegen schon sehr gespannt auf deren Darbietung. Ein kleiner Hauch Schweiz ist übrigens in Form des Zürcher Duos Bölzer ebenfalls im Line Up vertreten.

Slegest

Bereits beim ersten Auftritt des Abends wird mir abermals eine Sache voll und ganz bewusst: Das Meh Suff!-Publikum ist verdammt treu. Ohne zu motzen sind die Fans ins Zürcher Oberland gepilgert. Der Raum ist bereits jetzt sehr gut gefüllt. Da freut sich sicherlich auch die Hall Of Fame-Crew, obwohl sie sich für einmal eher im Hintergrund aufhalten und das Gastpersonal brav ackern lassen. Trotzdem hat Barchefin Jb ihr «Baby» stets im Blick. Beim Hopfenteezapfen können die Meh Suff!-Leutchen jedenfalls noch etwas von ihr lernen. Aber kommen wir nun zurück zur Musik.

Slegest präsentieren uns eine düstere Variante des Doom Metal. Gesungen wird ausschliesslich auf Norwegisch. Mangels entsprechender Sprachkenntnisse herrscht somit wohl nicht nur bei meiner Wenigkeit ein Verständnisproblem. Soundtechnisch lässt das Gezeigte bisher noch niemanden aus den Latschen kippen. Das Publikum wirkt noch ziemlich passiv. Dafür ist Basser Hövard ein grosses Energiebündel. Nach einer halben Stunde verlässt das Quartett bereits wieder die Bühne. Doch ein Wiedersehen auf helvetischem Boden lässt gar nicht einmal sonderlich lange auf sich warten. Mitte Dezember sind Slegest nämlich im Gare de Lion als Opener für Vreid und Kalmah in Wil zu Gast.

One Tail One Head

Die 2006 gegründete Truppe hat Anfang des Monats mit «Worlds Open, Worlds Collide» ihr erstes Studioalbum veröffentlicht. Dies wird jedoch gleichzeitig das letzte Werk von One Tail One Head sein. Die norwegische Riesenschlange wird nämlich nach Abschluss dieser Europatournee mit Taake endgültig abtreten. Aufgrund der Leistung, die der Fünfer hier an den Tag legt, ist dies zweifelsohne ein herber Verlust. Die Herrschaften zocken astreinen Black Metal, der im HoF so manche Haarpracht in einen wilden Propeller verwandelt. Der Sängt hängt in ähnlicher Pose am Mikro herum wie jeweils Marduk-Fronter Mortuus. Das sein Kumpel an den Drums den Abend hinter Plexiglas verbringen muss, missfällt Luctus ein bisschen. «I’m not used to have my Drummer in a cage», so die Worte des Krächzers. In diesen «Knast» werden heute übrigens sämtliche Trommler gesteckt.

Vor der letzten Nummer wird dann wohl auch dem letzten Unwissenden bewusst, dass sich One Tail One Head auf Abschiedsreise befinden. «This is the last song that we ever gonna play in your country», damit hat Luctus eigentlich alles gesagt. Eine kleine Zusatzschlaufe läge allerdings noch drin. Aber das Quintett aus Trondheim beendet seinen Gig zehn Minuten zu früh und schleicht von dannen. Der einzige Negativaspekt eines ansonsten rundum gelungenen Auftritts. Das Album der Band muss ich mir definitiv noch sichern, damit sie auch bei mir nicht in Vergessenheit gerät.

Bölzer

Der Schweizer Vertreter im heutigen Billing tritt 20.45 Uhr zum Dienst an. Im Vorfeld haben mir uns noch über den Bandnamen amüsiert. Leider wird während der Show weniger «gebölzt» als erwartet. Das Zürcher Duo erinnert phasenweise an Inquisition in einer etwas weniger berauschenden Form. Gitarrist und Mikrofon-Boss KzR ist ein echter Hüne von einem Mann. Ein muskelbepackter und tätowierter Krieger. Er hätte sich sicherlich bestens ins Zeitalter der Wikinger eingefügt. In der Mitte des Sets fordert er schliesslich Freiheit für alle «Cage-Drummer». Aber es nützt nix. Kumpel HzR muss weiterhin hinter Plexiglas ausharren. Vielleicht gefallen mir Bölzer bei einer nächsten Begegnung besser. Heute ist der Funke blöderweise nicht herübergesprungen.

Taake

Um 22.10. Uhr versammeln sich dann wieder alle vor der Bühne. Zeit für die Hauptattraktion des heutigen Abends: Taake! Laute Jubelrufe hallen durch den Raum, als die fünf Musiker die Bühne vertreten. Wie einige Damen umgehend schockiert feststellen, hat sich Sänger Hoest offensichtlich von seiner langen Mähne getrennt und scheint fortan auf die aerodynamische Variante zu setzen. Beeinträchtigt ist er dadurch in keiner Weise. Seinem wilden Gehabe fallen insbesondere der Mikrofonständer und der vor ihm liegende Ventilator zum Opfer. Hier wird eindeutig nicht mit Samthandschuhen agiert. Ab und an müssen die Roadies eingreifen, um alles wieder an seinem ursprünglichen Platz in Stellung zu bringen.

Für Fotografen sind die Lichtverhältnisse – wie es an Black Metal-Konzerten eigentlich praktisch immer der Fall ist – äusserst mühsam. Grüne und blaue Farbtöne lassen kaum brauchbare Schnappschüsse zu. Nur sehr selten gewähren hellere Abschnitte einen kurzen Blick auf die mit Corpsepaint bedeckten Gesichter der Musiker. Insbesondere ein Gitarrist würdigt die Zuhörerschaft regelmässig mit überaus grimmigen Blicken. Dann wagt sich Hoest einmal nahe an die Absperrung heran und drückt einigen Zuschauern sein Mikro für einen Schrei in die Gesichter. Auch meine Wenigkeit darf sich an diesem «Spielchen» versuchen. Bei einem anderen Track figuriert Ese von Slegest als Gastkrächzer.

Die Norweger verwöhnen die Massen mit einer ausgeglichenen Setliste und zahlreichen Hits. «Nordbundet» aus dem Jahre 2011 wird beispielsweise ziemlich frenetisch abgefeiert. Im Zugaben-Block lassen sich Taake schliesslich noch etwas ganz Besonderes einfallen: Ohne Vorwarnung tauscht Gjermund seine Saitenkönigin gegen ein Banjo ein und legt damit unverblümt eine flotte Soloeinlage hin. Dieser Moment, wenn der «True Norwegian Black Metal» für einen kurzen Augenblick in Folklore-Gefilde abdriftet. Witzige Geschichte und definitiv ein interessanter Konzertabschluss.

Das Fanzit

Die Zusammenarbeit zwischen der Meh Suff!-Crew und dem Hall Of Fame-Team hat bestens funktioniert. Meines Erachtens dürften beide Seiten in Zukunft öfters gemeinsame Events organisieren. Ein grosses Lob hat sich ebenfalls das treue Black Metal-Publikum verdient. Die Fans sind in Scharen nach Wetzikon gepilgert und sorgten für eine rappelvolle Hütte. Die Soundqualität hat ebenfalls gepasst. Von den Bands vermochten mich sowohl One Tail One Head als auch Taake vollends zu überzeugen. Glücklicherweise musste die Polizei überhaupt nicht eingreifen und hat hoffentlich erkannt, dass Veranstaltungen dieser Art problemlos über die Bühne gehen können und keine übertriebene Überwachung notwendig gewesen wäre.


Wie fandet ihr das Konzert?

20.11.2018
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