Metalinside.ch - Treat - Hall Of Fame Wetzikon 2018 - Foto Nicky
Fr, 9. November 2018

Treat, Dark Sky, Jessica Wolff

Hall of Fame (Wetzikon)
/ 18.11.2018

Ein Melodic Rock Abend der Extraklasse

Die Schwedischen Melodic Rocker Treat beehren wieder einmal die Schweiz und präsentieren in Wetzikon ihr neues Album. Mit dabei sind zudem Jessica Wolff und Dark Sky – zwei mir noch völlig unbekannte Bands. Wollen wir mal schauen, was die drei Bands so alles zu bieten haben!

Es ist ein ungastlicher Herbstabend. Ideal, um im gemütlichen Hall of Fame im Zürcher Oberland ein paar Stunden mit guter Mucke zu verbringen. Ganz speziell Treat sind da aus meiner Sicht natürlich DAS Argument. Auch wenn ich das neue Werk „Tunguska“ noch nicht so gut kenne, so darf man trotzdem davon ausgehen, dass der Fünfer auch genügend Klassiker aufbieten wird. Doch bis dahin dauert es noch, erstmal sind die beiden Vorgruppen dran. Wie sagt Kollege Dutti immer? „Horizonterweiterung“! (Anm. Dutti: Genau, kann nur in den seltensten Fällen schaden.)

Jessica Wolff

Jessica Wolff? Noch nie gehört. Also macht man sich mal etwas schlau und findet raus, dass es sich hier um eine 30-jährige Sängerin aus Finnland handelt und kürzlich ihr Debut Album „Renegade“ veröffentlicht hat. Musikalisch bietet das blonde Energiebündel Hardrock, der teilweise schon fast ins poppige geht. Trotzdem ist es ganz nett anzuhören. Und die Lady hat auch Sinn für Humor. So erzählt sie von ihrer panischen Angst vor Zahnärzten. Und dass sie neulich in Deutschland zu einem gehen musste – und der die längste Zeit am falschen Zahn gearbeitet habe! Also nochmals hin – „it feels like the title of the next track: The War!“

Neben der Sängerin ist der Bassist DER Blickfang auf der kleinen Bühne. Der hüpft und tänzelt ununterbrochen herum, springt wie ein Gummiball auf und ab und verbreitet so ziemlich viel Spass. Den Fans gefällt die Darbietung ebenfalls, es gibt ordentlich Applaus für die Truppe. Insgesamt wird’s mir allerdings dann doch etwas zu poppig („Love Me Like You Never Did Before“, „Trophy Girl“), trotzdem kann man sicherlich von einem gelungenen Auftakt sprechen.

Setliste Jessica Wolff

  1. You Should Get Over Me
  2. Playing For Keeps
  3. War
  4. Grounded
  5. Butterfiles
  6. Reckless
  7. Roots
  8. Love Me Like You Never Did Before
  9. Magic Castle
  10. Trophy Girl

Dark Sky

Zweite Band, zweite Unbekannte. Und das ist irgendwie erstaunlich – denn die Band existiert gemäss Wikipedia bereits seit 1982! Wenn man bedenkt, welche Mucke die Süddeutschen machen, hätten die mir längstens mal über den Weg laufen müssen…

Alleine schon als der Sänger und einziges Originalmitglied Frank Breuninger die Bühne betritt, ist klar was jetzt kommt: Genau diese Art von 80er Melodic Rock, die bei mir direkt ins Blut geht. Wer eine solche Frisur hat wie Frank, kann gar keinen anderen Sound machen! Und so geht’s mit „Hands Up“ auch grad richtig los – jawohl, DAS macht nun richtig Laune. Cooler Hardrock mit kleinem Metaleinschlag, grossartige Melodien, spielfreudige Truppe – was will man mehr? Eine Ballade? Nein – eigentlich nicht. Also ich nicht. Aber passt schon, da hat man Zeit für den Getränkenachschub…

Mir gefallen da Songs wie „Food For A Million“ deutlich besser, dies ist zudem eine Nummer, wie sie Europe in den späten 80ern hätten schreiben können. Ganz stark! So vergehen die etwa 40 Minuten wie im Flug und für mich ist klar, dass da meine CD Sammlung vergrössert werden muss. Dies geschieht dann nach Konzertende: „Once“ wird mir zudem auch bereitwillig von der ganzen Band unterschrieben. Cooler Auftritt, coole Band!

Setliste Dark Sky

  1. Initium
  2. Hands Up
  3. Empty Faces
  4. Chase Your Dreams
  5. Food for a Million
  6. Living & Dying
  7. Eternity
  8. Once
  9. Cute Little Lies

Treat

So gut das Vorprogramm war – was jetzt folgt, ist eine unglaubliche Machtdemonstration! Ein erster Blick auf die Setlist sorgt bei mir für erste Anzeichen purer Eskalation. Denn Treat starten tatsächlich und wahrhaftig mit dem absoluten Übersong „Skies Of Mongolia“ in ihren Set! Für mich gibt es bereits jetzt kein Halten mehr, da passt, dass „Nonstop Madness“ gleich der nächste Track ist…

Die fünf Schweden präsentieren sich in absolut bestechender Form. Sänger Robert Ernlund ist prächtig bei Stimme und lässt immer mal wieder seinen Mikrofonständer durch die Luft wirbeln. Allerdings eher in gemächlichem Tempo… Totaler Einsatz zeigt Anders Wikström an der Gitarre, sein furioses Spiel untermalt er mit teilweise unglaublichen Gesichtsverrenkungen. Im Hintergrund peitscht Jamie Borger den Rest der Truppe an, während Basser Pontus Egberg sein Stageacting zu einem gewissen Grad wohl bei Metallica’s Rob Trujillo abgeschaut hat…

Dass Treat ihr neues Album „Tunguska“ ins Zentrum der Show stellen, liegt natürlich auf der Hand. Insgesamt sind es schlussendlich fünf Songs, die heute gespielt werden, der erste davon ist „Best Of Enemies“, welcher das Niveau der ersten beiden Nummern problemlos hält. Danach gibt’s etwas Abwechslung: Auf neu folgt alt folgt neu folgt alt… Ein erstes Mal durchatmen kann man bei „Ghost Of Graceland“, doch mit „Riptide“ wird sofort wieder an der Geschwindigkeitsschraube gedreht. Stimmungsmässig geht’s nun mit dem genialen Doppelpack „Papertiger“ und „Party All Over“ richtig ab. Jap, da sind einige Party-Animals im Publikum! Umso unverständlicher, dass genau jetzt mit der Ballade „Rose Of Jericho“ genau diese Stimmung fast gekillt wird…

Doch zum Glück haben die Herren da dann doch noch ein paar Asse im Ärmel, welche für nächste Eskalationsschübe gut sind: „Roar“, „Get You On The Run“ und „Conspiracy“ bilden ein geniales Triple zum (erstmaligen) Abschluss des Konzerts. Die leider recht überschaubare Menge an Zuschauern fordert lautstark noch einen Nachschlag und selbstverständlich lassen sich die Nordmänner nicht lange bitten.

Mit „Progenitors“ gibt’s zuerst den Opener von „Tunguska“ auf die Lauscher, „Build The Love“ hingegen wirkt nun irgendwie fehl am Platz. Zu diesem Zeitpunkt wünschte ich mir einfach etwas der Sorte „Sole Survivor“, „Rev It Up“ oder auch „All In“. Dass „The Pleasure Principle“ heute übrigens komplett links liegengelassen wird, ist schon etwas deprimierend. Doch mit dem überragenden „World Of Promises“ machen Treat fast alles wieder gut! Der Schlusspunkt und somit der letzte Eindruck des Konzerts vermögen restlos zu überzeugen.

Setliste Treat

  1.  Skies of Mongolia
  2. Nonstop Madness
  3. Best of Enemies
  4. Ready for the Taking
  5. Inferno
  6. Ghost of Graceland
  7. Riptide
  8. We Own the Night
  9. Papertiger
  10. Party All Over
  11. Rose of Jericho
  12. Roar
  13.  Get You On The Run
  14.  Conpiracy
  15. Progenitors*
  16. Build The Love*
  17. World Of Promises*

*Zugaben

Das Fanzit

Ein Ausflug, der sich gelohnt hat! Treat zeigen mit einer fantastischen Show, dass sie a) noch lange nicht zum alten Eisen gehören und b) in dieser Sparte Musik auch heute nur sehr wenig Konkurrenz haben. Eigentlich unverständlich, dass die Schweden nie den ganz grossen Wurf landen konnten – denn die Qualitäten dazu haben sie zweifellos! Mit Dark Sky gibt’s zudem noch eine richtige Neuentdeckung für mich, während auch Jessica Wolff ganz nett war.

Fotos Treat, Dark Sky, Jessica Wolff – Hall of Fame 2018 (Nicky)


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Autor Bewertung: 8/10