Black Stone Cherry - Komplex 457 Zürich 2018
Mo, 26. November 2018

Black Stone Cherry, Monster Truck

Komplex 457 (Zürich, CH)
26.12.2018
Black Stone Cherry - Komplex 457 Zürich 2018

Mit Southern Rock in die neue Woche starten 

Möglich machten dies die beiden Truppen Black Stone Cherry und Monster Truck im Zürcher Komplex 457. Ging der Headliner in gewohnter Manier als Sieger dieses gut besuchten Events hervor? Oder stahl am Ende doch der Support-Act allen die Show? Die Antworten auf diese Fragen und weitere Details gibt’s im nachfolgenden Konzertbericht. 

Das Programm des heutigen Abends verspricht eine äusserst rockige Affiche zu werden. Ich durfte beide Bands in der Vergangenheit schon mehrmals in Aktion erleben. Monster Truck hinterliessen bei mir 2016 als Einheizer für Nickelback im Hallenstadion bleibende Eindrücke. Eigentlich hätten die Kanadier meines Erachtens hierzulande endlich einmal einen Gig verdient, bei welchem ihr Name zuoberst steht. Tja, es hat abermals nicht sollen sein. Rein hierarchisch gesehen ist es allerdings schon korrekt, dass die aus dem US-Bundesstaat Kentucky stammenden Black Stone Cherry (kurz BSC) den Haupt-Slot erhalten haben. Die vier Kirschen sind doch noch um ein paar Stufen populärer als ihre Kollegen aus dem Ahornblatt-Land. Am 20. April dieses Jahres haben Chris Robertson und Co. mit «Family Tree» ihr inzwischen sechstes Studioalbum veröffentlicht. Erfahrungsgemäss wird das Publikum im Verlaufe des Auftritts sicherlich einige der neuen Nummern zu hören bekommen. Selbstverständlich freut man sich aber ebenfalls auf die altbekannten Hits.

Ich bin überrascht, denn für einen Montagabend ist die Hütte äusserst gut besucht. Ausserdem latschen auffällig viele Personen in Monster Truck-Shirts herum. Könnte sich der Support-Act dadurch eventuell zum heimlichen Sieger des Abends mausern? Wir werden es in Bälde herausfinden. Trotz hoher Besucherdichte klappt der Weg zur Bar problemlos. Anschliessend richtet sich mein Blick jedoch umgehend wieder zur Bühne. Aus den Boxen dröhnt zur Einstimmung die geniale AC/DC-Hymne «For Those About To Rock». Da salutiert man doch sehr gerne.

Monster Truck

Punkt 20 Uhr starten die vier Kanadier in ihr abwechslungsreiches Set. Da treffen schnellere auf langsamere Nummern, Rock auf Blues und eine spielfreudige Truppe auf gut gelaunte Fans. Wuschelkopf Jon – seines Zeichens Fronter der Band – wurde von Gott (oder wem auch immer) mit einem hammermässigen Stimmorgan gesegnet. Der echte Aktivposten des Quartetts ist allerdings Klampfer Jer. Der nutzt jetzt wirklich jeden Quadratzentimeter der Bühne aus. Sprinten, hüpfen, herumwirbeln – hat man diesem Duracell-Hasen vor dem Gig etwa literweise Red Bull eingeflösst? Bin gespannt, welcher Knipser am heutigen Abend brauchbare Schnappschüsse dieses Energiebündels hinbekommen wird.

Insbesondere in der Raummitte werden die vier Herrschaften frenetisch abgefeiert. Und genau diese Festivitäten weiten sich mit der Zeit immer weiter aus. Da hat der Tour-Planer ein glückliches Händchen gehabt. Nach einem solch starken Support-Act brauchen sich Black Stone Cherry eigentlich bloss noch ins gemachte Nest zu setzen. Stücke wie «True Rocker», «Don’t Tell Me How To Live», «Evolution» (bärenstark!) oder «Sweet Mountain River» überzeugen auf ganzer Linie. Vom Balkon aus beobachtet auch das eine oder andere BSC-Mitglied die fulminante Show ihrer Kollegen. Coole Aktion!

Schade, dass nach 45 Minuten bereits alles wieder vorbei. Doch offenbar wurde mein Wunsch erhört, denn Monster Truck werden im kommenden Jahr tatsächlich als Headliner in unsere Gefilde zurückkehren. Am 07. Mai lege ich Anhängern der Rock-Stilrichtungen Stoner, Blues, Hard und Southern einen Besuch des Zürcher Dynamo wärmstens ans Herz. Für den Preis von CHF 40.00 wird euch auch wirklich etwas für euer Geld geboten.

Black Stone Cherry

Der Headliner schreitet um 21.15 Uhr zur Tat. Gewisse Parallelen zu den Mitgliedern von Monster Truck sind durchaus vorhanden. Black Stone Cherry-Fronter Chris Robertson verfügt nämlich ebenfalls über ein geiles, markantes Stimmorgan. Gitarrist Ben Wells scheint sogar noch mehr Stierhodensaft intus zu haben, als sein Kumpel Jer von Monster Truck. Sagenhaft, wie unermüdlich der Blondschopf auf der Bühne herumflitzt. Für ihn sind Auftritte effektiv jeweils ein intensives Fitnessprogramm. Da wundert man sich ehrlich gesagt auch nicht über seine schlanke Figur. Ich bin froh, dass Ben im Gegensatz zu Chris und Basser Jon Lawhon keinen Hut trägt. Diese würde bei ihm nämlich nicht lange überleben. Für Spektakel sorgt ausserdem wie gewohnt ebenfalls Drummer John Fred Young mit seinen Stick-Jonglier-Künsten. Wenn’s mal nicht klappt, ist stets sofort ein Roadie zur Stelle. Dadurch steht John glücklicherweise niemals ohne Werkzeug da.

Die Formalitäten werden von Chris ziemlich rasch geregelt. Wem es gefällt, der soll doch bitte jeweils «oh shit yeah!» rufen. Geradlinig und ehrlich – so kennen wir diese Truppe. Aus meiner Sicht war der Sound bei Monster Truck minim besser. Zudem hatten die Kanadier ein bisschen mehr Publikum. Black Stone Cherry lassen sich von solchen Geschichten jedoch keinesfalls aus dem Konzept bringen und ziehen ihr Ding souverän durch. Die drei Scheiben «Folklore And Superstition» (2008), « Between The Devil & The Deep Blue Sea» (2011) und «Family Tree» (2018) sind am prominentesten in der Setliste vertreten. Bei den Melodien der Band habe ich immer mein persönliches «USA-Feeling»: Ich sehe mich dabei in einem Schaukelstuhl auf der Veranda meines Ranch-Hauses sitzend, mit Bier (oder Whiskey) in der Hand und in den Sonnenuntergang blickend.

Wie gesagt, der Auftritt geht souverän vonstatten. Nichtsdestotrotz finde ich es ein bisschen unglücklich, dass die Jungs gegen Ende beinahe all ihre grossen Hits auf einen Schlag verpulvern. Klar will die Masse diese hören, aber in einer zweistündigen Darbietung hätte man diese meines Erachtens ruhig ein bisschen besser verteilen dürfen. So haftet dem Ganzen leider ein Hauch von «Fliessband-Abfertigung» an. Als Zugabe wird das gefühlvolle «Peace Is Free» hinterhergereicht. Dass sich ausgerechnet bei dieser Nummer zwei sichtlich angetrunkene Herren in die erste Reihe drängeln und herumpöbeln müssen, zeugt nicht gerade von einem sonderlich hohen Intelligenzquotienten. Chris reagiert prompt und unterbricht den Song, um die Störenfriede zu massregeln. Anschliessend werden die beiden Deppen von den Security-Mitarbeitern entfernt. Unschönes Finale, aber der Vierer beendet den Song dann trotzdem noch.

Das Fanzit

Ein guter Wochenauftakt. Der Support-Act schien heute Abend sowohl den minim besseren Sound als auch ein paar mehr Zuschauer zu haben. Auf die Headliner-Show von Monster Truck Anfang Mai des kommenden Jahres darf man sich zurecht freuen. Black Stone Cherry agierten ebenfalls souverän, hätten aber trotzdem ihre Setliste etwas abwechslungsreicher gestalten können. Für einen Montag war das Komplex überraschend gut besucht. Stimmungstechnisch hätte die anwesende Zuhörerschaft – insbesondere während des Gigs des Headliners – allerdings noch ein klein wenig Luft nach oben gehabt.

Setliste – Monster Truck

  1. Why Are You Not Rocking?
  2. True Rocker
  3. Don’t Tell Me How To Live
  4. Old Train
  5. Evolution
  6. Denim Danger
  7. For The Sun
  8. Devil Don’t Care
  9. Sweet Mountain River
  10. The Lion

Setliste – Black Stone Cherry

  1. Burnin‘
  2. Me And Mary Jane
  3. Rain Wizard
  4. Bad Habit
  5. Like I Roll
  6. My Last Breath
  7. Cheaper To Drink Alone
  8. Soulcreek
  9. James Brown
  10. Things My Father Said
  11. Ain’t Nobody
  12. In My Blood
  13. Blind Man
  14. I’m Your Hoochie Coochie Man (Willie Dixon-Cover)
  15. Lonely Train
  16. Blame It On The Boom Boom
  17. White Trash Millionaire
  18. Family Tree
  19. Peace Is Free*

*Zugabe


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Black Stone Cherry, Monster Truck
User Bewertung: 5/10

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