Danko Jones - Dynamo Zürich 2018
Mi, 28. November 2018

Danko Jones, Prima Donna

Dynamo (Zürich, CH)
27.12.2018
Danko Jones - Dynamo Zürich 2018

Unterhaltsames Rock-Entertainment 

Freche Sprüche und coole Gitarrenmelodien – exakt dies darf man von einer Danko Jones-Show erwarten. Wer dem Auftritt am Mittwochabend im Dynamo beigewohnt hat, weiss wovon ich spreche. Alle anderen werden nach dem Lesen der nachfolgenden Zeilen sicherlich schlauer sein. 

Der November scheint zum Monat für kanadische Musiker zu mutieren. Nach Skull Fist, Striker und Monster Truck gastiert mit Mister Danko Jones nun bereits der nächste Bewohner des Ahornblatt-Landes in unseren Breitengraden. Mit ihm hatte ich zuletzt bereits das eine oder andere Live-Vergnügen. Gemeinsam mit seinen Band-Kollegen John Calabrese und Rich Knox gastierte er 2017 im Winterthurer Salzhaus und mischte ebenfalls am Rock The Ring-Festival in Hinwil mit. Dank diesen überzeugenden Darbietungen bin ich auch heute Abend wieder am Start. Die mir noch nichts sagenden Prima Donna werden als Einheizer an den Start gehen. Mit irgendwelchen Dessous wird das Ganze aber wohl herzlich wenig zu tun haben.

Prima Donna

Los Angeles – Stadt der gefallenen Engel und Heimat der Rock-Gruppe Prima Donna. Sound und kleidungstechnisch verkörpern die vier Akteure einen Mix zwischen Rockabilly und Glam. Heute Abend haben sie 45 Minuten Zeit, um das Schweizer Publikum von sich überzeugen zu können. Der Beginn fällt zwar noch ziemlich verhalten aus, aber dann entdecken die Jungs plötzlich das Gaspedal. Insbesondere Fronter Kevin Tyler Preston gibt in seinen schwarzen Lackschuhen alles. Respekt für die diversen Spagate! Ich hätte mir beim Nachahmversuch einer solchen Gymnastikübung wohl direkt meine Männlichkeit ruiniert. Kevins Kronjuwelen überstehen die ganze Sache glücklicherweise scheinbar unbeschadet. Sein Kollege Aaron Minton wechselt derweil regelmässig zwischen Keyboard und Saxophon hin und her.

Die Songs des Vierers sind ziemlich eingängig und laden direkt zum Mitsingen ein – sofern man denn möchte. Im Gegensatz zur Band sind die Zuhörer nämlich ziemliche Schlaftabletten. Elan sieht definitiv anders aus… Gott sei Dank steht in der ersten Reihe ein junger Mann, der spontanen Aktion nicht abgeneigt zu sein scheint. Als Kevin meint, dass er jetzt eigentlich nix gegen ein neues Bier einzuwenden hätte, düst der genannte Fan tatsächlich zur Bar und holt dem Sänger den gewünschten Hopfentrunk. Dieser bedankt sich mit einem breiten Grinsen bei seinem persönlichen «Beer-Boy». Hoffentlich haben die Amis durch diese Aktion gemerkt, dass nicht das komplette Schweizer Publikum dem öden «Bünzlitum» verfallen ist.

Danko Jones

Acht Studioalben hat das kanadische Trio seit seiner Gründung im Jahre 1996 bisher veröffentlicht. Durch diese Werke folgt nun währen den nächsten 80 Minuten ein abwechslungsreicher und ansprechender Querschnitt. Während sich meines Erachtens John Calabrese (der gemäss meiner Kollegin wie ein Parade-Italo aussieht) und Rich Knox in Winterthur noch etwas mehr eingebracht haben, überlassen sie heute primär ihrem Frontmann und Showmaster vom Dienst das Feld.

Dank seiner unglaublichen Charisma-Dosis hat Mister Danko Jones das inzwischen gut besuchte Dynamo rasch im Sack. Der Kerl haut einfach locker flockig am Laufmeter geile Sprüche raus. Wir lernen beispielsweise, dass sich 99.9% ihrer Songs um Sex drehen würden und 0.1% um Danko selbst. Für die Damenwelt sei er ausserdem die braune Schokolade, während John eher den milchigen Part übernehmen muss. Das Plappermaul singe zudem niemals falsch. Dies seien extra für Zürich einstudierte Varianten der Songs. Tja, so ist Danko eben. Wer seine humorvolle, freche Art nicht mag, wird ihn wohl als grosskotzigen «Schnorrihueber» in Erinnerung behalten. Die Aussage «grosse Klappe, nix dahinter» trifft heute Abend allerdings überhaupt nicht zu. Danko, John und Rich liefern souverän ab. Des Weiteren macht das Publikum viel besser mit als noch zuvor bei Prima Donna.

Nummern wie «First Date», «You Are My Woman» oder «Had Enough» machen einfach Laune. Die Zuhörerschaft feiert und erweckt dadurch den Eindruck, als würden wir uns bereits im Wochenende befinden. Die Zunge des Fronters bekommen wir ebenfalls wieder verdammt häufig zu sehen. Der beste Job hat aber sicherlich der Roadie, welche die ganze Zeit das Gitarrenkabel von Danko festhalten muss. So einen persönlichen Kabelträger hat also längst nicht jeder. Im Zugaben-Block kommt dann sogar die Doppelhals-Saitenkönigin zum Einsatz. Mit ihr möchte der Kanadier den verstorbenen Celtic Frost-Basser Martin Eric Ain ehren, der offenbar beinahe bei jeder Danko Jones-Show in Zürich zugegen war. Schöne Geste, die beim Schweizer Publikum logischerweise hervorragend ankommt. Von den drei Zusatz-Stücken lässt mich speziell «Legs» aus den Latschen kippen.

Das Fanzit

Danko Jones bescherte der Zuhörerschaft im Zürcher Dynamo einen rockigen und äusserst unterhaltsamen Abend. Diesen charismatischen Frontmann muss man einfach (mindestens) einmal live erlebt haben. Das war ganz grosses Entertainer-Kino. Die Vorgruppe Prima Donna agierte ziemlich solide, musste sich aber am Ende einem noch nicht wachen Publikum geschlagen geben. Ansonsten gab’s nix zu bemängeln. Das Dynamo hat sich erneut dank einer angenehmen Soundqualität und guter Organisation als tolle Konzert-Location präsentiert.

Setliste – Prima Donna

  1. 4 Real
  2. Soul Stripper
  3. Pretty Little Head
  4. Crucify
  5. Sociopath
  6. Eat Your Heart Out
  7. Sound The Alarm
  8. Rock And Roll Is Dead (The Rubinoos-Cover)
  9. Deathless
  10. Year Of The Rat
  11. Crimson Lust
  12. Double Crosser
  13. I Don’t Want You To Love Me

Setliste – Danko Jones

  1. I Gotta Rock
  2. Sugar Chocolate
  3. The Twisting Knife
  4. First Date
  5. You Are My Woman
  6. Sex Change Shake
  7. Lipstick City
  8. Mango Kid
  9. Code Of The Road
  10. Gonna Be A Fight Tonight
  11. Full Of Regret
  12. Invisible
  13. Had Enough
  14. Burn In Hell
  15. Lovercall
  16. We’re Crazy
  17. My Little RnR
  18. Legs*
  19. She’s Drugs*
  20. Rock Shit Hot*

*Zugabe


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