Make A Change Kill Yourself - Hall of Fame Wetzikon 2018
Sa, 3. November 2018

Make A Change… Kill Yourself, Imperium Dekadenz, Tardigrada, ColdCell

Hall of Fame (Wetzikon)
06.12.2018
Make A Change Kill Yourself - Hall of Fame Wetzikon 2018

Ruhmeshalle erneut im Griff des Schwarzmetalls 

Aufgrund von Renovationsarbeiten an der Oltener Location Provisorium 8 musste sich die Promoter-Crew von Dea Atra nach einem neuen Austragungsort für ihre Veranstaltung umsehen. Fündig wurde man schliesslich in Wetzikon. Hall Of Fame sei Dank. Mitte Oktober konnten beide Seiten nämlich schon einmal einen Event erfolgreich durchführen. Wie dieser Samstagabend u.a. mit Make A Change… Kill Yourself abgelaufen ist, könnt ihr den nachfolgenden Zeilen entnehmen.

Wenn ich so an das Taake-Konzert zurückdenke, stellt sich mir eigentlich bloss eine Frage: Müssen wir uns heute abermals auf polizeiliche Observationen einstellen? Oder hält sich die vermeintliche Panik dieses Mal in Grenzen? Ha! Erwischt. Auf dem gegenüberliegenden Parkplatz hat sich tatsächlich ein Ordnungshüter-Fahrzeug versteckt. Hinter dem dünnen Baumstamm sind die Kollegen allerdings nicht wirklich sonderlich gut getarnt. Naja, immerhin nur ein Wagen – bei Taake war’s nämlich ein ganzer Konvoi. Veranstalter und Besucher sehen der ganzen Geschichte allerdings gelassen entgegen. Zeit unseren Freunden und Helfern zu beweisen, dass sie sich vergebens auf die Lauer gelegt haben.

Vier Truppen aus dem schwarzmetallischen Sektor geben sich die Ehre. Dank ColdCell und Tardigrada ist die Schweiz sogar gleich doppelt vertreten. Als ich die Ruhemshalle betrete, erhalten die Jungs von Imperium Dekadenz gerade eine persönliche Führung durch die Location. Offenbar sind sie erst vor Kurzem angekommen. Halb so wild. Gemäss Plan müssen die Deutschen erst um 21.15 Uhr ran. Der Headliner-Slot gebührt den Dänen von Make A Change… Kill Yourself. Für mich wird das ein Abend voller musikalischer Horizonterweiterungen.

Black Metal-Anhänger scheinen die Lieblinge des Wachstumsgottes zu sein, denn im Raum tummeln sich einige Riesen. Die Garderobe scheint nicht besetzt sein. Glücklicherweise kenne ich das Hall Of Fame überaus gut und finde rasch ein Plätzchen, an welchem ich meine Jacke sorglos deponieren kann. Danach folgt der obligate Abstecher an die Bar und anschliessend geht’s zur Bühne. ColdCell haben mich schliesslich vor etwas mehr als einer Woche im Winterthurer Gaswerk ziemlich überzeugt. Aufgrund dessen möchte ich sie unbedingt von Beginn an unterstützen.

ColdCell

Die Basler von ColdCell haben zwei enge Freunde: Blaues Scheinwerferlicht und die Nebelmaschine. Beide sind jeweils wichtige Bestandteile ihrer Auftritte. So erzeugen die Herrschaften eine kühle Atmosphäre, die ausgezeichnet zu ihrem Sound passt. Da sie – abgesehen vom Drummer – ihre Gesichter zudem hinter grossen Kapuzen verbergen, haftet dem Ganzen zusätzlich ein mysteriöses Flair an. Nichtsdestotrotz ist das Hall Of Fame insgesamt etwas weniger «benebelt», als noch vor rund einer Woche das Winterthurer Gaswerk. Dort konnte ich nämlich nicht einmal mehr die eigene Hand vor Augen sehen. In Sache Setliste setzt der Fünfer heute Abend ausschliesslich auf Material des 2017er-Werks «Those». Dieses werde ich mir nach der Show definitiv kaufen, denn ColdCell liefern erneut eine überzeugende Performance ab. Die Publikumsreihen vor der Bühne wachsen konstant. Ein Auftakt nach Mass, würde ich meinen.

Tardigrada

Das wird heute Abend die letzte Show von Tardigrada sein – zumindest für längere Zeit. Mit dieser Aussage konnten die Veranstalter im Vorfeld sicherlich den einen oder anderen Genre-Kenner nach Wetzikon locken. Die Truppe aus Zürich und Basel gibt einen Atmospheric/Depressive Black Metal-Mix zum Besten. Auf instrumentaler Ebene gefällt mir die Darbietung überaus gut. Beim Gesang von Fronter Kryptos sieht’s hingegen anders aus. Sein dämonisches Gekrächze und Geschrei ist phasenweise ziemlich gewöhnungsbedürftig. Erinnert stellenweise beinahe ein bisschen an Burzum. Somit erlebe ich diese 50 Minuten mit gemischten Gefühlen. Die Mehrheit der Zuhörerschaft wirkt allerdings völlig begeistert und es fliegen etliche Mähnen durch die Luft. Das Trio zockt die Platte «Emotionale Ödnis» aus dem Jahre 2016 beinahe komplett durch.

Imperium Dekadenz

Die dekadenten Römer kommen! Okay, nicht ganz. Eigentlich stammt der nächste Akteur aus dem Schwarzwald. In ihren befassen sich die Deutschen allerdings hauptsächlich mit historischen Ereignissen des Römischen Reiches. Die Bühne wird mit Soldatenhelmen aus dieser Epoche dekoriert. Beim Soundcheck lassen sich die Herrschaften allerdings etwas Zeit – scheinen wohl echte Perfektionisten zu sein. Schliesslich kann’s um 21.25 Uhr dann endlich losgehen.

Eigentlich besteht die Truppe nur aus dem Duo Horaz (Gesang) und Vespasian (Drums). Bei Live-Auftritten mutieren sie jedoch zu einem Quintett und holen sich jeweils Naavl (Gitarre), Kaelt (Gitarre) und Harvst (Bass) mit ins Boot dazu. In bester Abriss-Manier präsentieren die Herrschaften einen netten Querschnitt durch ihre fünf Studioalben umfassende Diskographie. Dazwischen nimmt sich Horaz immer wieder Zeit, um ein paar Worte ans Publikum zu richten. Er widerlegt damit das Klischee des wortkargen Schwarzmetallers. Wir erfahren unter anderem, dass Imperium Dekadenz sehr selten in der Schweiz unterwegs sind. Alleine schon wegen dieser sackstarken Leistung, die der Fünfer heute zeigt, sollte sich dies aus meiner Sicht unbedingt ändern. Schade nur, dass die Herren im Vergleich zu den vorangegangenen Gruppen mit weniger Publikum auskommen müssen. Kann ich mir irgendwie nicht erklären.

Make A Change… Kill Yourself

Der Headliner aus Dänemark hat sich dem Depressive Suicidal Black Metal (kurz DSBM) verschrieben und legt heute Abend in Wetzikon einen seiner raren Live-Auftritte aufs Parkett. Offenbar möchte dies niemand verpassen, denn vor der Bühne wird es wieder ziemlich eng. Mittels Beamer projiziert die Band Bilder ihrer Albumcovers und Filmchen von über Leichen herumkriechenden Krabbeltierchen auf die hintere Wand. Eindeutig keine leichte Kost. Dies gilt übrigens auch für den Sound von Make A Change… Kill Yourself. Düster, atmosphärisch, melancholisch, beinahe endlos – es gibt zweifelsohne zahlreiche Begriffe, um das musikalische Schaffen der Dänen zu beschreiben. Gewisse Stücke sind mir jedoch fast zu langatmig. Ansonsten ist das Ganze aber eine souveräne Geschichte. Beeindruckend ist übrigens auch das Auftreten der Protagonisten: Fronter Ynleborgaz hat seinen Schädel mit kleinen Petruskreuzen vollgekritzelt und ein Saitenmensch trägt eine «Texas Chainsaw Massacre»-Maske. Nach 75 Minuten schleicht das Quartett schliesslich von der Bühne.

Das Fanzit

Ein gut besuchter Event, der einmal mehr die Treue der Black Metal-Anhänger aufgezeigt hat. Organisatorisch klappte alles wunschgemäss und ich kann mir gut vorstellen, dass Dea Atra und das Hall Of Fame auch in Zukunft wieder einmal zusammenarbeiten werden. Von den Bands glänzten insbesondere ColdCell und Imperium Dekadenz mit sackstarken Darbietungen.

Setliste – ColdCell

  1. Growing Girth
  2. Entity I
  3. Seize The Whole
  4. Tainted Thoughts
  5. Drought In The Heart
  6. Heritage

Setliste – Tardigrada

  1. II Die Wand
  2. III Erschöpft
  3. IV Emotionale Ödnis
  4. V Verfall

Setliste – Imperium Dekadenz

  1. Aue der Nostalgie
  2. Only Fragments Of Light
  3. Pure Nocturnal Rome
  4. An Autumn Serenade
  5. Schwarze Wälder
  6. A Million Moons

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