Metalinside.ch - 70'000 Tons of Metal 2019 - Tag 1 - Delain - Foto pam
Do–Mo, 31. Januar–4. Februar 2019

70’000 Tons of Metal 2019 – Eluveitie, Accept, Delain, Soulfly u.v.m.

Independence of the Seas (Fort Lauderdale, USA/Karibik)
/ / 22.02.2019

Runde 9 – die coolste Kreuzfahrt der Welt sticht wieder in See

Es ist Ende Januar. Es ist die Zeit, in der sich 3’000 Metalheads – zusammen mit 60 Bands (mit nochmals über 1’000 Musikern und Festival-Crew) – auf den Weg nach Florida machen. Es ist die Zeit der geilsten Metalparty des Jahres. Es ist Zeit für die 70’000 Tons of Metal!

Kaufi: Aus allen Teilen der Welt reisen die Fans an zur neunten Kreuzfahrt. Manche kommen erst einen Tag vor Abfahrt in der Region Miami an, andere holen irgendwo noch Anlauf – so zum Beispiel Kollege Sandro und meine Wenigkeit. Wir tanken Energie an den wunderschönen Stränden der Turk Islands, bevor es endgültig nach Florida geht. Dort wollen wir uns dann eigentlich mit Ober-Metalinsider Pam im Hardrock Cafe treffen. Allerdings ist er dann im Lokal in Miami, während wir in Hollywood / Fort Lauderdale auf ihn warten… Tja, klare Kommunikation wäre was…

pam: In der Tat, ja. Gut hatte ich eigentlich gar keinen Hunger und das wohl liebloseste Hard Rock der Welt lud auch nicht grad zum gemütlichen Verweilen ein. Ich gehöre zu denen die eineinhalb Tage vorher anreisen. Die Beach Party als Warm-up muss reichen als Anlauf für die 70K Cruise. Bei meiner sechsten Teilnahme ist ja auch etwas Routine dabei 😉. Und bekanntlich bin ich jetzt auch nicht grad der Strandaffe. Aber jedem das Seine. Mir der Pulverschnee und den anderen Sand an den Füssen. Ich hätte ja die Cruise lieber im November, dann müsste ich nur das graue Europa verlassen und nicht den geliebten Winter. (Kaufi: Nix da, das passt schon so!) Nun, genug gejammert. Ist ja nur eine Woche und wer die nächsten Zeilen liest, versteht dieses ja sowieso als Mi-Mi auf hohem Niveau.

Auch wenn es nicht mehr ganz so einfährt wie bei der ersten Cruise bei der wir dabei waren, es ist immer noch sehr speziell mit Hunderten anderen Brothers and Sisters aus aller Welt in den Sunshine State zu fliegen* und den Ocean Drive in Miami South Beach hoch und runter zu flanieren. *Mit dem Nachteil, dass in meinem Swiss-Flug ab Zürich nach der ersten Runde und keiner Stunde in der Luft der mitfliegende Biervorrat aufgebraucht ist. Da hat wohl jemand vergessen ein paar durstige Metalheads anzumelden (zeigt auf Kaufi). Nun, halb so schlimm, es gibt ja noch genügend Wein an Bord. Mit Tom Winkler von Gloryhammer – und seiner IKEA-Tasche als Handgepäck … – versuchen wir uns mit Uber vom Flughafen nach Miami-Beach. Nach dem zweiten Versuch haben wir immerhin gemerkt, dass wir auf dem falschen Deck sind … das passiert uns auf der Cruise sicher nicht mehr.

Kaufi: Sandro und ich, mittlerweile mit Verstärkung aus Kalifornien, feiern am Abend schon mal mit ein paar Dutzend Metalheads an der Warm Up Party in einer Brauerei in Hollywood. Mit der Folge, dass zumindest ich am nächsten Tag ziemlich leide. Und das an der phänomenalen Beach Party in Miami…

Mittwoch, 30. Januar 2019 – Heavy Metal Warm-up-/Beach-Party

Kaufi: Es sind unglaubliche Bilder, die man am Vortag der Cruise wieder zu sehen bekommt! Eine riesige Masse an schwarz gekleideten Menschen jeglicher Nationen feiert am Mittwochnachmittag ein grosses Fest (pam: … und wie immer vor allem auch ein superfriedliches Fest, bei dem jeder Hippie vor Neid erblassen würde, … und das nicht nur wegen der Winterweisse). Auch Bands und Musiker sind anzutreffen, Gloryhammer beispielsweise sind in voller Besetzung anwesend. Überall trifft man alte Bekannte, die man vor einem Jahr das letzte Mal gesehen hat. Pams Fotos sprechen hier sicherlich für sich!

pam: In der Tat again. Das ist jeweils der Moment, bei dem man definitiv weiss, es ist wieder so weit. It’s that time of the year again. Der schwarze Flash Mob wird nicht nur jedes Jahr grösser, sondern man kennt mit jeder Cruise auch immer mehr Leute. Die meisten Cruiser trifft man ja schon hier am weltberühmten Strand der Reichen und plastisch Verschönerten so ganz unnatürlich. Die Vorfreude fängt spätestens hier an, seinen Höhepunkt zu erreichen. Dieser wird wohl nicht nur bei mir grad nochmals deftig angeheizt, als ein Schiff mit einem gigantischen Screen drauf nicht nur die Cruise mit dem 70‘000 Tons of Metal-Logo, weitere Bands, sondern auch eine Weltpremiere von Eluveitie angekündigt. Was das sein wird, erfahren Kaufi und ich dank exzellent sprudelnder Quelle zur Promoagentur, die auch uns Medien exzellent und supersympathisch betreut, noch direkt am Strand. Kaufi muss innerlich hochjauchzend sein (äusserlich lässt er sich natürlich wieder mal nichts anmerken). Der Fakt, dass Eluveitie auf der Cruise eine exklusive Listening-Session ihres neuen Albums «Ategnatos», welches am 5. April 2019 erscheint, ist kaum zu Toppen. (Anm. Kaufi: Ja, ich bibbere schon…. *hust*) Dass eine Band und ihr Label so früh vor einem Release ihre Songs an einem breiteren Publikum vorspielt, ist schon sehr, sehr aussergewöhnlich. Das gibt es nur auf der Original Metal-Cruise!

Fotos Warm-up Beach-Party 2019 (pam)

Donnerstag, 31. Januar 2019 – Tag 1

Kaufi: Endlich geht’s los! Wir können es alle kaum mehr erwarten zur „Independence Of The Seas“ zu gelangen. Und wo es früher „70’000 Tons Of Waiting“ hiess, geht es heute ratzfatz. Sicherheitscheck, Sail Pass holen – heute dauert das keine 10 Minuten. Im Warteraum selbst dauert‘s zwar noch einen Moment, doch um halb eins sind wir endlich zurück auf „unserem“ Schiff! Da folgt dann zwar gleich der erste „Schock“ – Das Bier kostet sagenhafte 25% mehr! Letztes Jahr noch $8.02, verlangen die Halsabschneider nun bereits $9.99! Hier wird langsam eine Grenze überschritten… Nun ja – etwas weniger Bier soll ja auch nicht ungesund sein. Und Wucherpreise hin oder her – der eine oder andere Hopfentee wird dennoch vernichtet…

pam: Wir sprechen dies bei der Pressekonferenz ein paar Tage später an. Auf die Preise haben Andy und sein Team der 70K nur bedingten Einfluss. Dies liegt im Einflussbereich der Reederei – die Royal Caribbean. Andy ist dann auch mehr oder weniger überrascht, dass die Preise aufgeschlagen haben sollen. Nun, wir aus Ländern mit hoher Kaufkraft können es eher verschmerzen als viele Mitcruiser, die sich einen Arsch absparen, um jedes Jahr dabei zu sein. Aber dennoch ist das etwas unschön. Aber das Thema ist hiermit fürs 2019 auch beendet. Ist ja beim Schreiben dieser Zeile eh alles schon versoffen und bezahlt. Hoffen wir einfach, dass die Cruise nicht Opfer ihres eigenen Erfolges wird und jetzt die Reederei und andere Stakeholders versuchen ihren Anteil am Kuchen weiter zu maximieren. Und was es auch  positiv zu erwähnen gilt, wenn wir schon beim Bier sind, die Auswahl an internationalen Bieren wird mit jedem Jahr besser.

Kaufi: Die Zeit bis zur Rettungsübung wird mit quatschen, begrüssen, Bierchen trinken (…pam: so viel zum Thema…) und Atmosphäre geniessen vertan. Das Familientreffen hat begonnen – unglaublich, wie viele Leute man hier bereits kennt! Doch langsam darf nun das Programm beginnen…

Pam: Wäre das nicht noch ein guter Moment, um die frisch herausgeputzte Independence zu entdecken bzw. was für läppische USD 120 Million neu ist? Vielleicht ist das ja der Grund für den Aufschlag beim Bölkstoff. Ein paar Teppiche sind neu. Und nebst der Riesenwasserrutsche im Heck – die sollte ich die nächsten 4 Tage nie von nah sehen geschweige berutschen – sind vor allem die Essensräume und ihr bisheriges geschmacklose (Ami-Style halt) und verstaubtes Mobiliar ersetzt worden. Die neue grosse Sportsbar – davon kommt sicher noch mehr von Kaufi am Sonntag – sowie die Speisesäle sind schon fast modern geworden. Also für Ami-Hotel-Verhältnisse definitiv. Das hat sich gelohnt. Da bezahlt man doch gerne mehr für sein Bier …. 😉.

Zum Thema Leute kennen … das ist in der Tat zum Dritten so, aber der Schreibende ist dann doch überrascht, als ihm ein Musiker von hinten auf die Schulter klopft und sich freut, dass man auch hier sei. Den Musiker bzw. schottischen Sänger eine nicht näher genannten deutschen A Cappella Metal-Band, hat man bisher nie persönlich getroffen, sondern kennt sich nur aus dem Fotograben-Bühne-Umfeld von 2, 3 Konzerten … Just in dem Moment ich das schreibe, läuft per Zufallsgenerator in meinen Ohrenboxen diese Band … manchmal macht einem das Schicksal oder Siri die mitliest (?) Angst

Genug dem Introgeplappere, davon dann sicher mehr noch später, aber jetzt soll‘s losgehen, der Kaufi wird sonst zappelig.

Fotos Eindrücke 70’000 Tons of Metal 2019 – Tag 1 (pam)

Dragony – Lounge

Kaufi: Ja, nämlich! Während Mors Principum Est den Konzertreigen im Ice Rink eröffnen, gebührt diese Ehre in der Star Lounge den Österreichern Dragony. Ob Pyramid Lounge, Star Lounge oder wie-auch-immer Lounge: Der Laden ist einfach eine Zumutung für Fans und Musiker. Da hat sich trotz der Renovation, welche die „Independence“ durchlaufen hat, leider nichts geändert. Dragony lassen sich davon allerdings kaum Beirren und liefern den geschätzten 150 Zuschauern eine geballte Ladung Power Metal. Ich kannte die Band bislang nur vom Hörensagen, aber das muss sich ändern! Hier sind CD Käufe eigentlich schon Pflicht…

Mir bleiben bei diesem Auftritt vor allem „Lords Of The Hunt“ und die Schwarzenegger-Hymne „If It Bleeds, We Can Kill It“ im Gedächtnis, vor allem der zweitgenannte Song ist ein Ohrwurm, der sich aber so richtig in den Lauschern festkrallt! Aufgrund technischer Probleme muss schlussendlich der Set noch etwas gekürzt werden – leider. Dafür wird nun wird Gig Nummer 2 ganz fett angestrichen! Denn dann spielen Fronter Siegfried Samer und seine Jungs unter deutlich besseren Bedingungen.

Setliste Dragony – Lounge

  1. Shadowrunners
  2. Grey Wardens
  3. Lords of the Hunt
  4. Defenders
  5. Kiln of the First Flame
  6. If It Bleeds, We Can Kill It
  7. Wolves of the North

Delain – Theater

Kaufi: „Stress“ am Tag 1. Sofort nach Dragony geht’s zwei Stockwerke runter. Neu heisst es da „Royal Theater“, aber ansonsten ist kaum ein Unterschied festzustellen gegenüber früher. Hier starten nun die holländischen Symphonic Metaller von Delain. Die ultrasympathische Fronterin Charlotte Wessels hat auf der letzten Cruise bei der Kleiderwahl ziemlich danebengelegen – heute nimmt einen allerdings sowohl das Outfit wie auch die Performance gefangen. Mit „Hands Of Gold“ beginnt der nur gerade 45-minütige Auftritt. Für die Growls in diesem Song (im Original ist’s bekanntlich Alissa von Arch Enemy – dazu muss ich mir grad jeglichen Kommentar verkneifen…) ist hier George Oosthoek von Mayan zuständig. Auch beim abschliessenden „Pristine“ kommt er nochmals als Unterstützung dazu.

Charlotte und ihre Mannschaft präsentieren sich hochmotiviert, speziell die zierliche Gitarristin Merel Bechtold hat enormen Spass und strahlt übers ganze Gesicht. Geboten wird viel Neues: Vier Songs vom (noch) aktuellen Werk „Moonbathers“, dazu gibt’s auch den kürzlich mit Video veröffentlichten „Masters Of Destiny“ vom kommenden Studioalbum zu hören. Dem gegenüber stehen Klassiker der Marke „Mother Machine“ und natürlich auch „We Are The Others“. Aufgrund der kurzen Spielzeit fällt dafür zwar einiges durch („The Gathering“!), aber da besteht die Hoffnung auf der zweiten Show, dann auf dem Pooldeck. Delain legen jedenfalls die Messlatte für die Konkurrenz sehr früh sehr hoch! Pam ist zwar mit dem Wort „Machtdemonstration“ nicht ganz einverstanden – aber es kommt der Wahrheit schon verdammt nahe. Die Niederländer sind mittlerweile einfach eine affengeile Live-Band! Und das zeigen sie hier erneut auf beeindruckende Weise…

pam: Ich bin immer etwas vorsichtig mit Superlativen und solchen Ausdrücken wie Machtdemonstration. Ausser es handelt sich natürlich um  einer meiner bevorzugten Bands 😉. Nun, Delain und insbesondere Charlotte machen mit ihrer dritten Teilnahme bei der 70K Cruise schon sehr viel routiniert richtig – inzwischen sogar beim Gewand. Da erkennt man sogar ein Konzept: Die Farbe Rot überdeckt nicht nur der Sängerin‘s Pfeffersäcke (der musste jetzt sein, obwohl ich solche Wörter ja auch nicht brauchen würde … kleiner Insider, denn Kaufi sicher in Kürze auflöst), sie zieht sich wie ein gleichfarbiger Faden bei allen Bandmitgliedern durch. Was es nebst dem Visuellen im Speziellen zu erwähnen gilt, ist die Top-Soundqualität. So gut hab ich es selten Indoor auf der Cruise erlebt. Das wird sich die nächsten Tage durchziehen. Da hat man gegenüber den Vorjahren einen Riesenschritt nach vorne gemacht. Auch ist die Lautstärke nicht mehr auf Tinnitus- und Soundbrei-Niveau.

So oder so, das ist das schon mal ein sehr guter Einstieg in die Cruise Ausgabe 2019 – wie wir diesen bei früheren Ausgaben der 70K Cruise auch schon mit Alestorm und Sabaton erlebt haben, wenn auch das Interesse an Delain noch nicht so gross ist wie bei den anderen beiden oben erwähnten. Das Theater ist eher locker als bumsvoll.

Setliste Delain – Theater

  1. Hands Of Gold
  2. Suckerpunch
  3. The Glory And The Scum
  4. Danse Macabre
  5. Mother Machine
  6. Masters Of Destiny
  7. Don’t Let Go
  8. We Are The Others
  9. Pristine

Fotos Delain – Theater (pam/Kaufi)

Kaufi: Während Pam zu Tyr geht, heisst es für mich das erste Mal „Buffet checken“. Wer das Gefühl hat, dass man auf der Cruise abnehmen könnte – vergesst das! Dafür ist das Essen hier schlicht viel zu fein… Aber etwas gegen das allzu schlechte Gewissen (für die, die überhaupt ein Gewissen haben…) ist die Methode, nur Treppen zu steigen und keine Lifte zu benutzen. Letztes Jahr hab ich das bis zum Ende durchgezogen, mal sehen, ob es dieses Jahr auch klappt…

pam: Hehe, genau. Hab dich dazu «motiviert» und war überrascht, dass du es im letzten Jahr durchgezogen hast … und dieses Jahr auch wieder. Wer jetzt da für sich denkt, easypeasy: Der Kahn hat 15 Stockwerke! Die Konzerte finden zwischen dem 3. und 11. Stock statt. Da kommen über die Tage bei fleissigem Konzertgenuss schon ein paar Stufen zusammen.

Zum Essen … das war in der Tat immer gut. Doch dieses Jahr noch einen Tick besser. Mehr Abwechslung beim Buffet und bessere Qualität beim à la Carte Restaurant. Wobei ins Letztere soll ich es  dieses Jahr nur einmal schaffen. (Kaufi: Immerhin – ich hab’s gar nie geschafft…) Zu dicht ist mein Konzertprogramm. Da kann man nicht einfach mal so ein, zwei Stunden ins Resti sitzen. Leute, das liegt auf der 70K mit diesen Line-ups nicht drin. Wir sind ja nicht zum Vergnügen hier 😉. Oder wollt ihr jetzt noch weiter vom Essen lesen? So oder so, Essen muss warten, zuerst steht bei mir ein anderes Menu – Konzerte – auf dem Plan.

Týr – Ice Rink

pam: Man könnte jetzt etwas salopp sagen, dass sich die Färöer Týr Eis und Kälte gewöhnt sind und somit ein Heimspiel haben im Ice Rink. Nun, gleich vorweg, egal ob sie im Ice Rink spielen oder ein paar Tage später auf der Pool Bühne, die Stimmung fühlt sich definitiv wie bei einem Heimspiel an. Man fühlt sich für eine Stunde auf einer der kleinen Inseln in der Nordatlantik und nicht auf dem grossen Schiff in der Karibik. Nur, ganz so kalt ist es dieses Jahr auf dem ganzen Schiff nirgends. Die Klimaanlage wurde dieses Jahr mal europäischen Gewohnheiten angepasst.

Zurück zu  Týr: Ihr manchmal etwas eintöniger Folk Metal kann etwas einlullend wirken (was deren Sound aber auch ausmacht), aber das tut es auf dem Schiff definitiv nicht. Die Leute gehen ganz schön ab – und das im einem auf Tutti gefüllten Ice Rink. So voll hab ich es hier selten erlebt. Und auch der Sound ist wie schon erwähnt um Welten besser als in den Vorjahren. Da hat man definitiv einen grossen Fortschritt gemacht. Zwar nicht ganz so top wie bei Delain im Theater, aber für Kühlbox-Verhältnisse auch schon fast top.

Irgendwie wirkt die Bühne weniger tief als früher – was ganz OK wäre, das gibt mehr Platz für die Fans und denn können diese bei Týr definitiv gebrauchen. Starke Setliste mit Highlights wie «Ramund Hin Unge» und dem Klassiker «By The Sword In My Hand». Einen anderen Live-Klassiker – «Hold the Heathen Hammer High» sparen sie sich noch für die zweite Show auf dem Pool Deck auf. So oder so, das war definitiv ein erstes, oder sagen wir nach Delain mal ein weiteres, man will es ja nicht schon so früh in Bericht mit Kaufi verscherzen, Highlight der Cruise Ausgabe 2019.

Setliste Týr – Ice Rink

  1. The Lay Of Thrym
  2. Lady Of The Slain
  3. Hail To The Hammer
  4. Gates Of Hel
  5. Ramund Hin Unge
  6. Mare Of My Night
  7. Fire And Flyme
  8. By The Sword In My Hand

Fotos Týr – Ice Rink (pam)

Pam: So, aber wie man so schön sagt, mit dem Essen oder mit dem Studieren der Menükarte kommt der Appetit. Jetzt könnte man grad so schön eine Habberpause einlegen. Wenn sie schon so schöne neue Möbel in den Windjammer gestellt haben. Und was mir sonst noch auffällt, wie viele Cruiser mit einem Anthrax Shirt unterwegs sind. Da frag ich mich grad, warum dann die Big 4 Thrasher jeweils nicht mehr grössere Venues füllen und bessere Slots an Festivals kriegen. Nun, vor zwei Jahren hatten die New Yorker auf dem Schiff schon etwas wie ein Headliner Status. Aber kann mich nicht erinnern, dass damals so viele Milzbrand-Shirts anhatten. Nun, ich schweife ab, aber beim Essen hat man so seine Gedanken. Mal lesen, was so Kaufis Gedanken zu dem Disney Metal in der Lounge sind …

Twilight Force

Kaufi: Eigentlich hab ich mir geschworen, dass ich keine Konzerte mehr in dieser doofen Lounge besuche. Aber was will man machen, wenn eine der Lieblingstruppen dann halt doch da spielen muss? Twilight Force werden auf ihrem zweiten Besuch auf der Cruise erneut in den kleinen Club verbannt. Technische Probleme, Soundprobleme – und über 20 Minuten Verspätung, als die Schweden endlich loslegen können. Die Tonqualität ist mehr als bescheiden, Gebrumme und Rückkopplungen über fast die ganze Show. Doch trotz all dieser widrigen Umstände spielen Neo-Sänger Alessandro Conti und seine Jungs einen engagierten Set und erhalten von der recht stattlichen Anzahl Fans grossen Applaus. Disney-Metal? Oh ja! Aber das funktioniert! Nichtsdestotrotz wage ich zu behaupten, dass sich sowohl Band wie auch Fans auf die zweite Show freuen. Selbst wenn sie in aller Herrgottsfrühe auf dem Pooldeck ist!

pam: Hm, ich wollte mir die ja auch mal antun. Aber a) Essen musste sein und b) die Lounge ist kein starkes Argument, um sein Essen abzukürzen. Und wenn ich das von Kaufi lese, hab ich ja zumindest wie erwartet lokalitätsbedingt  nicht viel verpasst …

Setliste Twilight Force

  1. Battle of Arcane Might
  2. To the Stars
  3. Riders of the Dawn
  4. Enchanted Dragon of Wisdom
  5. Flight of the Sapphire Dragon
  6. Gates of Glory
  7. The Power of the Ancient Force
  8. Knights of Twilight’s Might (Outro)

Fotos Twilight Force – Lounge (Kaufi)

Fleshgod Apocalypse – Ice Rink

pam: Und c) ich bevorzuge nicht nur wegen der besseren Bühne, sondern auch soundmässig die Highspeed-Techniker aus dem Bel paese Fleshgod Apocalypse. Ich habe die Italiener vor ein paar Jahren an dem «Nothing But Metal Festival» in Malters für mich entdeckt. Und war paff, über die brutal schnell gespielten, komplexen Riffs.

Der Ice Rink ist erneut gestopft voll – so wie vorher hier bei Týr bzw. jetzt fast gleichzeitig bei Twilight Force in der kleinen Lounge. Und die Seefahrer-Meute kriegt ganz schön schnellen Technical Death Metal vor den Latz. Wer nicht nur auf Technik und Geschwindigkeit steht, der kriegt ab zu auch Klassik (Samples) eingespielt und von der Dame im Hintergrund etwas Oper-Gedudel. Und schliesslich auch fürs Auge – die Band zieht ihren Look bei den Kleidern mit Barock-Einflüssen und auch bei den Instrumenten im Klassik-Design stilecht durch. Für mich persönlich dürfte es ab und zu etwas mehr «Melodic» drin haben, aber definitiv eine Band die man sich ab und zu gönnen sollte.

Fotos Fleshgod Apocalypse – Ice Rink

Soulfly – Theater

pam: Nicht nur ab und zu, sondern immer sollte man sich einen Cavalera gönnen. Egal ob dieser mit Sepultura (das wäre zu schön, um wahr zu sein), mit der Cavalera Conspiracy, mit Soulfly oder mit Return To Roots unterwegs ist. Und die drei Letzteren sind mehr oder weniger auf dem Line-up. Heute steht Max auf dem Plan mit Soulfly. Iggor macht noch Pause, schickt aber schon mal seinen Neffen und Max’ Sohn Zyon vor, um die Felle mal schön warm zu klopfen. Uiuiui, der Junge ist ganz schön überdreht, bewegt sich ungelenkig wie ein Punk-Schlagzeuger und so reduziert ist auch sein Drum-Kit, aber was er da rausprügelt ist schon ganz in dem Stile des Onkels und kann sich mehr hören als sehen lassen.

Nicht ganz überraschend ist das Theater komplett voll. Die Cavaleras sind zwar auf der ganzen Welt eine Legende und Macht, aber mit den vielen Latinos auf dem Schiff können die Brasilianer natürlich auch von einem Heimspiel-Bonus profitieren. «Un, dos, tres»… und schon grooved es gewaltig los. Max bringt den Groove, den Antibeat in den Thrash und da braucht es kaum noch ein «Jump The Fuck Up» von dem Meister als Aufforderung an seine Jünger. Wenn einer den fetten Kahn zum Wanken bringt, dann Max mit Soulfly. Oder Max mit seinem noch fetteren Dreadlockklumpen. Da wird jeder Biber neidisch … und wenn wir schon bei fett sind, was der mit seiner fetten E-Saite rausholt, war schon zu Sepultura-Zeiten legendär und jetzt auch wieder einmal mehr bei Soulfly.

Mit «Eye For An Eye» wird DER Abriss vom Tag 1 erfolgreich beendet. Man singe noch ein bisschen «Oléeeee, Olé, Olé, Olé, Soulfly, Soulfly …». (Kaufi: DER Abriss folgt imfall erst – aber Du kneifst ja… :-)). Kaufi, das was du meinst ist kein Abriss, das ist eine Metal-Party … Soulfly ist eine Urgewalt, eine Abrissbirne 😉 .

Setliste Soulfly – Theater

  1. The Summoning
  2. Under Rapture
  3. Fire / Porrada
  4. Prophecy
  5. Babylon
  6. I and I
  7. Arise Again
  8. Rise of the Fallen
  9. Dead Behind the Eyes
  10. Back to the Primitive
  11. No
  12. Jumpdafuckup / Eye for an Eye

Fotos Soulfly – Theater (pam)

pam: Nun, was habe ich mir noch grün angestrichen? Accept … Tiamat, Mayan … hm, bis es mit den Deutschen losgeht, mach ich mal einen Kabinenbesuch. Doch die hat mich dann tatsächlich für den Rest der Nacht verschluckt. Das werde ich der heimzahlen und die nächsten Nächte mich weniger mit ihr abgeben. Jawohle! Sprach das Schaf! Oder war es Zarathustra? Mano, ich sollte während dem Essen und Schlafen nicht schreiben 😉.

Accept – Theater

Kaufi: Wie meinen? Pam macht schlapp? (pam: Nö, Kabine hat mich verschluckt und nicht mehr ausgespuckt). Und der „Untergebene“ darf sich nun die Nacht um die Ohren hauen…? Ähm – Moment: DAS kommt später. Zuerst steht nach meiner ersten grösseren Pause ein echtes Highlight im Theater an: Accept! Die 80er Legende feiert ihr Debüt auf dem Schiff und es cool zu sehen, dass auch solch arrivierte Truppen durchaus für diese Art Festival zu gewinnen sind.

Ja, ich gebe zu: Ich kritisiere Accept oftmals für ihre immer wiederkehrenden Setlists. Zu wenig Abwechslung und so… Doch heute ist das jetzt genau richtig. Denn es sind doch recht viele Fans hier, welche die Truppe nicht alle Tage zu sehen bekommt. Kein Wunder also, dass der Auftritt nun eigentlich zum Triumphzug wird. Zumal Wolf Hoffmann & Co als eine von gerade mal drei Bands überhaupt zweimal 75 Minuten Spielzeit erhält. Klar, ich habe „Princess Of The Dawn“ oder „Metal Heart“ schon gefühlte hundert Mal live erlebt. Doch heute werden die Tracks wohl speziell von den Südamerikanern mächtigst abgefeiert.

Abgesehen von den Songs präsentieren sich Accept aber auch sonst wirklich von der besten Seite. Fronter Mark Tornillo macht sogar Ansagen – bekanntlich eher eine Ausnahme. Drummer Christopher Williams ist eine verdammte Maschine, unfassbar wie der auf seine Kübel eindrischt und den Rest der Band unermüdlich antreibt. Auch Aushilfs-Basser Danny Silvestri spielt grossartig auf und was die Gitarrenfraktion Wolf Hoffmann / Uwe Lulis kann, ist hinreichend bekannt. In der Summe gibt das somit – einen Triumphzug!

DIE Accept-Hymne schlechthin beendet am frühen Morgen die Show. Ganz ehrlich: Ich habe das noch selten erlebt, dass „Balls To The Wall“ dermassen abgefeiert wird! Das bis auf den letzten Platz gefüllte Theater wird zum Tollhaus und Accept lassen sich völlig zurecht richtig feiern. Wenn ich vorhin bei Delain von „hoher Messlatte“ sprach, dann sage ich nun, dass diese Show in die Top 3 der ganzen Cruise landen wird. DIESE Performance zu toppen wird für die anderen 59 Bands sehr, sehr schwer!

Setliste Accept – Theater

  1. Die By The Sword
  2. Stalingrad
  3. Restless And Wild
  4. No Regrets
  5. Shadow Soldier
  6. Princess Of The Dawn
  7. Midnight Mover
  8. Up To The Limit
  9. Pandemic
  10. Fast As A Shark
  11. Metal Heart
  12. Teutonic Terror
  13. Balls To The Wall

Fotos Accept – Theater (Kaufi)

Tiamat, Sodom – und eine lange Nacht

Kaufi: Da am nächsten (respektive diesem) Morgen das alljährliche «70’000 Tons Of Waiting For The Merch Shop To Open» beginnt, überlege ich mir mal: «Schlaf ja oder nein». Vorerst mal «nein». Dafür gucke ich mal bei Tiamat im Ice Rink rein. Während Kollege Sandro völlig begeistert ist, verdufte ich schon recht bald wieder, denn auch die Lichtverhältnisse für die Fotografen sind sehr schwach. Dann riskiere ich einen Ausflug ins Theater zu Sodom. Die Ruhrpott-Legende hat immerhin vernünftiges Licht und die stattliche Anzahl Fans gibt ordentlich Gas. Ich kann allerdings damit herzlich wenig anfangen und überlasse das Feld nach 20 Minuten den Leuten, denen das gefällt…

Fotos Sodom – Theater (Kaufi)

Mittlerweile ist es 2 Uhr. Und ob ihr das glaubt oder nicht: Vor dem Eingang zum Merch-Shop stehen resp. liegen bereits etwa 20 Nasen! Da ich eine Monsterbestellung von Shirts aus dem Kollegenkreis erhalten habe, ist bereits klar: Schlaf wird überbewertet. Was zu lesen holen, Kissen holen (pam: Und pam wecken!) (Kaufi: Davon weiss ich nichts!) und sich auf langweilige Stunden einrichten. Mit Kaffee geht zudem alles besser…

Um 5 Uhr – also zwei Stunden bevor der Shop öffnet – ist die Schlange bereits auf weit über 50 Leute angewachsen. Alles nur darum, dass man eines der begehrten Bandshirts mit speziellem «70’000 Tons Of Metal»-Aufdruck bekommt… Die sind schlussendlich halt schon rar. Rage beispielsweise haben 100 Shirts gedruckt, Gloryhammer 150. Und die Dinger gehen weg wie warme Weggli… optisch die wohl schönsten Shirts haben Visions Of Atlantis, Delain und Eluveitie anzubieten. Halt immer eine tolle Geschichte und ein einmaliges Souvenir! Tja, und so bricht dann auch Tag 2 an…

Für mich ist ja also immer noch Tag 1. Eigentlich. Ich gammle ja mit Dutzenden von weiteren Leuten vor dem Merch Shop herum. „70’000 Tons Of Waiting“, als um halb Sieben plötzlich Bewegung in die Sache kommt. Ein Mitarbeiter beginnt die Bestellformulare zu verteilen. Das war eine Neuheit im Vorjahr und ist nicht die dümmste Idee. Um 7 Uhr beginnt nun die „Zuteilung“, Nümmerli ziehen (nicht schieben, ihr Ferkel!) ist angesagt. Die ganze Meute stellt sich mehr oder weniger auch brav in der Reihenfolge an, wie man vor Stunden aufgetaucht ist. Ich erhalte Nummer 35. Passt so. Dass es auch absolut rücksichtslose Typen gibt, ist leider wohl einfach so. Einer taucht um zehn vor sieben auf, schaut sich vorne einfach mal um – und ist schlussendlich einer der ersten im Laden. Nun ja – ich hoffe, dass ihm die Motten alle seine Merch auffressen. Arroganter, rücksichtsloser Idiot. Oder um den amerikanischen Comedian Vic Dibitetto zu zitieren: „It’s all about YOUUUU!“. Erstaunlich nur, dass niemand diesen Kerl in die Schranken weist. Aber was soll’s. Ich kriege meine Shirts und auch das eine oder andere für pam. Somit Auftrag erfüllt – Zeit fürs Frühstück! Oder Abendessen? Ist ja eben noch Tag 1…

pam: Und ich habe mir sogar vorgenommen, um 7 Uhr – wenn der Shop offiziell eröffnet – mich Kaufi und seinem Kissen anzuschliessen. Aber als ich mir das wirklich antue und aus dem Bett quäle ist der Kaufi schon im Shop drin. Das war wohl nix. Wenn wir schon hier sind, dann machen wir doch mal grad ein Foto von der Schlange, die inzwischen schon die ganze Promenade im fünften Stock quert. Längs wohlverstanden … also locker 100 Meter oder mehr.

Nun, das ist ja das Lieblingsjammerthema der Cruiser. Der Merch-Verkauf. Es hat sich in den letzten Jahren einiges zum Besseren gewendet. Das Gejammere hat sich also diesbezüglich mal gelohnt. Der aller, allergrösste Fortschritt ever der Cruiser-Geschichte: Endlich kann man die Bandshirts vorab begutachten. Warum diese ein, zwei Tage vor Leinen los nur über den inoffiziellen 70’000 Tons 2019 Facebook-Kanal geteilt wurden, ist mir aber immer noch ein Rätsel. Gut, auf dem Schiff sind diese ab jetzt auf einem Kanal des Schiffs-TV zu sehen. Das hilft doch schon gewaltig und hält wohl viele vor unnötigen Besuchen beim Merch ab, wenn sie schon vorher wissen, was sie nicht wollen oder eben unbedingt wollen und dann einen Schlaflosen wie den Kaufi als Kollegen hat …

So kommt rund eine Stunde später Kaufi mit Dutzenden Shirts zurück in die Kabine – wo ich mich inzwischen wieder dem Schlaf der Gerechten widme – und meine 4 Favorites von Rage, Coroner (auch sehr cooles Cruise-Shirt und wohl noch rarer als alles andere), Return To Roots und natürlich Eluveitie freudig in Empfang nehme. Herzlichen Dank nochmals dafür Mr. Kaufi – du wurdest deinem Namen 100% gerecht.

Also, jetzt aber noch einen weiteren Verbesserungsvorschlag: Warum muss man – zumindest nach dem offiziellen Beginn ab 7 Uhr – immer noch stundenlang anstehen? Verteilt doch einfach jedem sein Ticket mit der Nummer drauf an allen von Anfang an nicht nur immer ein paar Nasen die grad zuvorderst sind. So hat man sein Ticket schnell und kann sich wieder dem wesentlichen der Cruise widmen.

So, jetzt aber nochmals eine Stunde Nachtruhe. Bald geht’s schon wieder los mit dem Metal-Marathon auf und in der Independence of the Seas.

Fotos Merch-Schlange morgens um 7 Uhr – 70’000 Tons of Waiting (pam)

Kaufi: Schlaf? Ist überbewertet! Ich widme mich dem Frühstück und dem, was Tag zwei bringen wird. Zum Beispiel die Eröffnung der Poolbühne – mit einem furiosen Auftritt!

Freitag, 1. Februar 2019 – Tag 2

(Fotos Tag 2 folgen in Kürze)

pam: So, bin auch am Start und treffe Kaufi doch tatsächlich noch am Morgenessen an. Entweder er war ewig dran oder ich bin doch schnell wieder auf der Matte. Man trifft nicht nur Kaufi, sondern auch das Metal-Ehepaar Nr. 1 – die Küchles aus dem grossen Kanton – und setzt sich zusammen an einen grossen Tisch. Und dieser wird grad vollgemacht. Die halbe Rage-Mannschaft – Peavy mit Partnerin, Drummer Lucky und ihr Tour-Manager Bob setzen sich zu uns. Vor allem die Küchles und Lucky scheinen sich gut zu kennen. Es ergibt sich ein offenes Gespräch, welches auch ein paar vertrauliche Infos zu der damaligen Trennung mit Victor Smolski offenbart. Peavy trägt da sein Herz auf der Zunge. Und das wollen wir hier jetzt aber auch nicht boulevardesk ausschlachten.

Vor allem mit Bob – eine Ikone der Branche und mit viel, viel Erfahrung – tausche ich mich dann noch etwas länger aus. Dass sind die spontanen Gespräche mit Musikern und ihrem Begleittross, was die 70K Cruise als Festival auch einzigartig macht. Und nebenbei «verpflichtet» mich Lucky grad noch, ein paar Fotos von ihrer ersten und einzigen Probe mit dem Orchester zu schiessen. Da fühlt sich so ein Hobby-Knipser wie ich natürlich gebauchpinselt. Grad mit Rage bzw. dem Lingua Mortis Orchester. Die erste Scheibe von denen war ja in den 90ern meine Offenbarung betreffend Symphonic Metal im wortwörtlichen Sinne.

Nun, Kaufi hat sich schon lange in Stellung für sein wohl Cruise Highlight – gut, nebst Delain und Charlotte natürlich – gebracht … ich folge im etwas später auf den Pool.

Gloryhammer – Pool

Kaufi: Und wie ich in Stellung bin! Obwohl ich schon einen Moment wach bin… Starke Winde haben auch dieses Jahr wieder einmal für Verzögerung beim Bühnenaufbau auf dem Pooldeck gesorgt. Die Lichttraverse konnte nicht auf die eigentlich vorgesehene Höhe gebracht werden, doch glücklicherweise ist sie trotzdem so weit oben, dass die Bühne bespielt werden kann. Das Problem sind schlussendlich weiterhin die äusseren Konditionen, denn es windet auch jetzt enorm stark. Doch davon lässt sich niemand beirren – als die Tore öffnen, strömen dutzende, nein: HUNDERTE Fans aufs Pooldeck! Fronter Thomas Winkler wollte es mir nicht glauben und wird jetzt eines Besseren belehrt: Gloryhammer ziehen das Publikum in Scharen an! Einige wollen wohl einfach endlich die einmalige Atmosphäre der 70K spüren – und davon profitieren die Fantasy-Metaller zweifellos. Auch wenn sie selbst natürlich eine beachtliche Fanbase haben: Es sind unglaublich viele Leute mit Gloryhammer Shirts zu sehen…

pam: Dass die 70’000 Tons of Metal Cruise DAS Original ist, das am wenigsten Aufwand scheut, die grösste und genialste Metal-Kreuzfahrt zu sein, haben sie auch dieses Jahr wieder eindrücklich bewiesen. Wegen dem starken Wind auf dem direktesten Weg nach Haiti, hat man sich gestern nach Abfahrt in Fort Lauderdale entscheiden, dass Schiff kurzerhand umzudrehen und einfach mal drei Stunden in die falsche Richtung zu segeln. Andi Piller und sein Team hatten genau zwei Optionen: 16’000 Dollar Mehrkosten oder keine resp. verspätete Open-Air Bühne. Denn es wäre für die Crew zu gefährlich gewesen, diese gegen den Wind aufzubauen. Da ziehen wir einmal mehr unseren Hut und wohl am allermeisten Kaufi, denn sonst wäre Gloryhammer ein Poolauftritt wieder Mal verwehrt gewesen … Aber Wind ist trotzdem Scheisse und Anti-Metal-Langhaar-Frisur …

Kaufi: 45 Minuten haben Angus McFife und seine Truppe heute Zeit. Sie starten mit dem obligaten „Rise Of The Chaos Wizard“ in ihren Set und der Prinz erklärt auch sofort, dass sie heute „Songs about Hammers“ spielen wollen. Der geneigte Fan (beispielsweise ich…) erwartet nun natürlich „Legend Of The Astral Hammer“ – und wird komplett überrascht von „Quest For The Hammer Of Glory“! Auch das darauf folgende „Goblin King Of The Darksome Galaxy“ ist nicht alltäglich: Gloryhammer wollen hier den Fans wirklich was bieten. Gut so!

Es windet nach wie vor wie verrückt. Während einige der Musiker etwas mit ihren Klamotten zu kämpfen haben, sorgt die Witterung zudem für verrückte Sounderlebnisse. Von komplett leise bis zu übermässig laut ist auf dem Pooldeck alles zu hören. Der Soundmann kann einem echt leidtun – diese Bedingungen sind alles andere als einfach! Die Musikanten lassen sich allerdings hiervon nicht beirren und zocken ihren vielumjubelten Set durch.

Und der beinhaltet nochmals einen richtigen Knaller: Nach „The Hollywood Hootsman“ (frenetisch gefeiert von den Cruisern!) folgt mit „Heroes Of Dundee“ die nächste faustdicke Überraschung. Seit Album Nummer 2 auf dem Markt ist, hab zumindest ich diese Hymne kaum mehr live erlebt – Freude herrscht!

Der Abschluss ist mit „Universe On Fire“ und „Angus McFife“ hingegen standesgemäss, allerdings bleibt überraschenderweise „The Unicorn Invasion Of Dundee“ aussen vor. Doch die Krönung des „King Of California“ resp. des Hootsman darf selbstverständlich nicht fehlen. Ein restlos überzeugender Auftritt von Gloryhammer ist zu Ende, die Menschenmasse feiert und jubelt der Band zu. Spätestens jetzt fragt sich manch einer, warum zum Geier diese Truppe ihre zweite Show tatsächlich in der Lounge spielen muss! Wer immer diese Running Order zusammenstellt: Gloryhammer sind längstens ZU gross dafür… Das zeigen die Bilder vor der Poolstage!

Setliste Gloryhammer

  1. Infernus Ad Astra (Intro)
  2. Rise of the Chaos Wizards
  3. Quest for the Hammer of Glory
  4. Goblin King of the Darkstorm Galaxy
  5. Victorious Eagle Warfare
  6. The Hollywood Hootsman
  7. Heroes (Of Dundee)
  8. Universe on Fire
  9. Angus McFife
  10. The National Anthem Of Unst (Outro)

Fotos Gloryhammer – Pool (Kaufi/pam)

Warbringer

Kaufi: Kollege Sandro meint, dass ich unbedingt mal bei Warbringer reinschauen soll. Thrash Metal der Marke Death Angel? Ich bin ja zwar nicht so der Thrasher, aber DA find ich spitze – also ab ins Theater. Und in der Tat: So schlecht tönt das im ersten Augenblick gar nicht. Doch als die Kalifornier – übrigens wie Night Demon aus Ventura stammend – dann aber so richtig an der Geschwindigkeitsschraube drehen, ist’s vorbei. Mir ist’s nun ZU heftig und da ich mittlerweile über 28 Stunden wach bin, mach ich die Fliege. Etwas Schlaf muss nun sein – Pam, bitte übernehmen. Gute Nacht…

pam: Noch so gerne. Denn auch ich kenne Warbringer noch nicht wirklich und im Gegensatz zu Kaufi bin ich ja ganz offiziell ganz tief im Herzen ein Old Skul Thrasher. Und Thrashen tun die Jungs definitiv – allen voran Fronter John Kevill ist eine explosive Bank, auch wenn es nicht immer 100% mein Geschrei ist.

Das Theater ist nicht voll. Jedoch um den Mittag rum Indoor voll zu machen, ist ja auch nicht grad Sonntagsschule. Umso mehr wollen Warbringer den Anwesenden beweisen, was sie draufhaben mit ihrem rohen Thrash/Speed Metal im Stile der 80er von frühen Metallica, Slayer oder Exodus. Sie nutzen die Gunst der frühen Stunde.

Ins Auge und Ohr sticht mir nebst John vor allem Basser Jessie Sanchez. Am Tieftöner hatten die 2014 gegründeten Warbringer schon einige Wechsel zu verzeichnen. Ich weiss nicht, was die anderen draufhatten, aber Jessie, der seit 2016 mittut, würde ich ins Standard-Menu übernehmen. Er zupft und hämmert immer wieder mal ganz schön fett.

Das Set im Theater ist ganz aufs neue Album fokussiert, während sie dann beim zweiten Auftritt auf der Cruise in der Lounge ihre Klassiker zum Besten geben wollen. Etwas was ich bekanntlich jeweils nicht so verstehe, dass eine Band nicht in der grösseren, besseren Location jeweils ihre Klassiker raushaut, mit denen man auch neue Fans gewinnen kann und dann den bestehenden Anhängern im kleineren Rahmen neue(re) Songs präsentiert. Dazu leider später nochmals mehr …

Foto Warbringer – Theater (pam/Kaufi)

Eluveitie – Meet & Greet wird zur exklusiven Listening Session – Viking Lounge

pam: Ich check mal, wann die Listening Session von Eluveitie sein könnte. Bisher hab ich diesbezüglich noch nichts gelesen und Fabienne Erni war gestern ziemlich erstaunt, als ich ihr sagte, dass ich mich darauf freue. Sie wusste scheinbar davon nichts … und wie mir später Chrigel bestätigt, die ganze Band nicht, dass neue Songs präsentiert werden sollen. Zwar habe Elu dies schon vor Monaten an Andy angeboten, dann jedoch nichts mehr gehört.

Und heute – ja, heute ist das Meet & Greet, wie ich jetzt grad mit Schrecken feststelle und die läuft schon seit einer halben Stunde – erfuhr unsere Helvetier-Truppe in letzter Minute, dass man jetzt eine Listening Session mache. Ui, schnell muss sich die Band organisieren, damit überhaupt Material vorhanden ist, das abgespielt werden kann. Ja, das ist typisch Cruise: Die Bands erfahren meist ganz kurz vorher von ihrem Glück, aber für die Fans ist es dann jeweils schon ziemlich einzigartig. Wie im Warm-up schon geschrieben, welche Band und vor allem an welchem Festival, hört man sechs komplett neue Songs Monate vor dem Release?

Nun, nichts wie 12 (!) Stockwerke vom Theater in die Viking Loung hochrennen und hoffen, dass noch ein, zwei Songs gespielt werden. Doch als ich ankomme, schreiben sie noch fleissig Autogramme. Nochmals Glück gehabt, die Listening Session hat noch nicht angefangen. Und die Küchles haben für mich in der ersten Reihe einen Stuhl freigehalten. Absicht oder nicht. Ich nehme dankend an.

Irgendwann sind auch die letzten Fan-Utensilien signiert und alle Fotos mit der Band gemacht. Chrigel erzählt zuerst noch etwas zum neuen Album. Dann ist es endlich soweit: Wir dürfen Songs von «Ategnatos» geniessen. Die ersten? Nicht ganz, «Rebirth» wurde ja schon 2017 rausgehauen und ist schon länger fixer Bestandteil der Live-Sets. Und wer die eine oder andere Elu-Review von mir gelesen hat, weiss, dass ich diesen neuen «Signature-Song» liebe. Somit sind auch meine Erwartungen an die neue Scheibe sehr hoch.

Ich möchte jetzt nachfolgend nicht zu stark ins Detail der einzelnen Songs gehen. Dafür reicht einmal hören nicht, die ausführlich Review inklusive Interview mit Chrigel zum neuen Album folgt in Kürze. Aber nachfolgend meine spontanen Eindrücke, notiert bei der Listening Session mit der ganzen Band (ausser Kai, dazu mehr später).

Ategnatos

Der Titelsong ist auch der Eröffnungssong. Das bei vielen Elu-Scheiben gewohnte Intro ist direkt in den Song integriert. Dementsprechend gemächlich startet dieser. Doch schnell wird es sehr episch, bombastisch im Stile von „Rebirth“. Der erste Eindruck erfüllt meine hohen Erwartungen schon mal sehr gut.

Deathwalker

Song Nummer drei ist heute als Nummero zwei am Start. Hier geben meine Notizen preis, dass dieser ein geiles Riff hat und speziell der Refrain – Chrigel zusammen mit Faby – wiederum sehr episch und vor allem ohrwurmig ist.

Black Water Down

Anfangs eher Old Skul Nummer, Chrigel kreischt/growlt sehr geil, während der Refrain gesungen von Fabienne an Delain bzw. Charlotte erinnert. Im zweiten Teil des Songs offenbart sich mit einer Tempobeschleunigung ein Hammergroove. Einmal mehr sehr viel Abwechslung wie eigentlich alle neuen Stücke, die ich bisher gehört habe.

Ambiramus

Wir werden von Chrigel vorgewarnt, dass der Song eher poppig ist und wohl auch gemäss Nicole am meisten Kontroversen unter den Fans auslösen wird. Nun, kann ich jetzt nicht ganz bestätigen. Er ist zwar von der Länge her mit unter drei Minuten eher im Pop-Bereich einzuordnen. Aber alles andere find ich ganz vertretbar. Gut, der Gesang ist sicher speziell, aber Fabienne hat eine tolle, variantenreiche Stimme, warum diese nicht auch etwas ausreizen? Also ich fand damals «Call Of The Mountains» und eigentlich auch heute noch gewöhnungsbedürftiger. Mir gefällt Ambiramus. Er animiert zum Hüpfen. Und Hüpfen ist ja nie falsch. Wer ist schon gegen Hüpfen? Das wäre ja wie gegen Katzenbabies sein.

Worship

Der Anfang erinnert an einen Movie-Soundtrack und für einmal soll ein Sprecher mit schottischem Akzent nicht passen (dazu in meiner Album Review mehr). Und so hat man einen gewissen Randy Blythe (Lamb of God) angefragt … dem gefiel der Song so gut, dass er dann auch grad ungeplant beim Refrain mitgegrowlt hat. Sehr düstere Angelegenheit. Sogar das Gefiddle von Nicole lockert diese für einmal nicht auf, sondern unterstreicht diese sogar.

… und jetzt fehlt mir tatsächlich ein Song auf der Liste. Hm, da hat mich der Bündner, der sich irgendwie im 15. Stock verloren hat und nicht verstehen will, warum wir hier alle so still Songs ab Band lauschen, etwas abgelenkt. Chrigel kann ihn mit Müh und Not etwas beruhigen. Tut mir leid der Worte, aber das war ein ziemlicher Depp. Als ich ihn später beim Pizzaessen nochmals erlebe, tut mir der fast ein bisschen leid. Warum auch immer.

Nun, das erste Fanzit zur neuen Elu ist von mir, mit dem was ich bisher hörte, schon mal sehr positiv. Ich freue mich, den Download für die Review in wenigen Tagen zu erhalten und dann zwei Monate später schliesslich das neue Album – ich brauch noch Physisches – in den Händen zu halten.

Fotos Eluveitie – Meet & Greet/Listening – Viking Lounge (pam)

Rage & Lingua Mortis Orchestra – Probe – Lounge

pam: Mehr als ein kurzer Schwatz mit den Elu-Leuten liegt nicht drin. Denn jetzt proben Rage mit den lokal zusammengewürfelten Orchestermusikern in der Lounge. Und wenn man da schon exklusiv eingeladen ist, ein paar Fotos zur Dokumentation für die Band zu schiessen, geht man auch gerne in die Lounge. Und so im intimeren Rahmen ist die auch gar nicht so übel.

Das Orchester füllt den Zuschauerbereich (sagt so viel aus, wie gross das Orchester oder halt eben auch wie klein die Lounge ist …) und die drei Jungs von Rage stehen im Hintergrund auf der Bühne. Es ist die erste gemeinsame Probe für alle Beteiligten. Aber sowohl Band als auch die Orchestermusiker inklusive deren Dirigenten sind genug professionell und erfahren, dass sich das von der ersten Sekunde wie ab Band anhört.

Dirigent und Band bzw. bei Letzterer vor allem Lucky an den Drums geben den Rahmen für alle vor. Rage mit Lingua Mortis ist voll mein Ding. Da bin ich in erster Linie nicht «Fotograf», sondern Fanboy. Nehm meinen Job aber natürlich sehr ernst. Mehr zu Rage & LMO dann bei den Konzert-Reviews in den nachfolgenden Seiten …

Arkona – Pool

pam: Während der Rage LMO Session springe ich kurz mal zur Poolbühne hoch. Denn dort spielen jetzt Arkona – leider schon seit mehr als einer Stunde. Zumindest gemäss Plan. Doch ich hab Glück, sie fangen grad erst an, als ich bei der Open-Air-Bühne ankomme. Und mit ihnen ein ziemlich heftiger Platzregen. Ich will zumindest ein paar Fotos schiessen … und nach drei Minuten bin ich klitschenass. Da haben die Russen grad ziemlich Pech. Zuerst müssen sie lange warten, bis alles bereit ist und dann schifft es auch noch auf dem Schiff – praktisch die ganze Bühne ist geflutet, trotz dem immer noch zu tief fliegenden Dach. Es regnet quer. Dementsprechend spärlich ist das Publikum bzw. die stehen alle irgendwo auf den Seiten, wo man vom Nass geschützt ist.

Ironischerweise hat sich Mascha nur in einen Gumelsack mit Fetzen dran gehüllt und nicht wie bei ihrer ersten Cruise in dicke Felle, die sich mehr für Sibirien im tiefen Winter als in der Karibik eignen … heute wären die Felle schon fast angebracht. Nichtsdestotrotz lässt sie sich und ihre Jungs überhaupt nichts anmerken und es geht gewohnt deftig ab auf der Bühne. Schon sehr cool, dass man sich wegen ein bisschen Sintflut nicht aus dem Konzept bringen lässt.

Doch wegen des intensiven Regens fällt es mir leichter wieder zu Rage runterzugehen. Ich nutze die Gunst des Runterlaufens grad für einen T-Shirt-Wechsel. Es langsam Zeit für sich für Elu heute Abend zu outen. Und das vorher getragene Rage Shirt darf sich trockenruhen.

Fotos Arkona – Pool (pam)

Grim Reaper – Ice Rink

pam: Eine dieser Bands, die jeweils irgendwo bei einer Festival-Review von Kaufi aufpoppen und in den 80ern scheinbar eine grosse Nummer waren. Frag mich, woher er die immer kennt. So alt ist der doch gar nicht?!? Gut, wenn man Wikipedia fragt, dann nicht ganz so (also nicht Kaufis Alter – dazu schweigt Wiki –, sondern bezogen auf die grosse Nummer). Sie gehörten zwar zur New Wave Of British Heavy Metal (NWOBHM) und die Briten waren ein, zwei Mal in den Top 100 der US-Charts.

Geblieben von Kaufis Review vom Bang Your Head Festival !!! (siehe Review) ist mir, dass Frontmann Steve Grimmett mit einem Bein weniger die Bretter die die Welt bedeuten betritt. An Krücke oder auch ab und zu dann wieder mal vom Rollstuhl aus kreischt. Darf man jetzt schreiben, dass ich mich jetzt vor allem aus Respekt und vielleicht auch Mitleid in den Ice Rink begebe? Nun, jetzt ist es ja schon geschehen. Der Mitleidfaktor ist zum Glück gleich verflogen, als mir Steve im Fotograben den Finger zeigt. Auch wenn es nur Gepose ist. Weder als Fan noch als Fotograf steh ich drauf. Ich find’s weder cool noch originell. Zwar schön, wenn man für die Knipser ein bisschen posed, aber bei mir werden Stinkefinger immer sofort wieder gelöscht (Anm. Kaufi: Ach, so schlimm ist das nicht. Solange es wirklich nur Gepose ist… 😉 ).

Nun, für sein Alter und kaum übersehbarem Handicap, gibt er ganz schön Gas, der Herr Grimmett. Manchmal auch … ja grimmig. Musste sein, aber passt auch. Nomen est hier im Deutschen Omen. Ob er einfach auf Sensenmann macht? Gut, zu negativ soll er jetzt auch nicht rüberkommen. Er hat durchaus einen rohen Charme, was auch zu ihrer doch eher rohen Auslegung von NWOBHM passt.

Am Ende ist es eine der Bands bei der ich mir sage, cool mal gesehen und gehört zu haben. Aber das reicht mir auch. Kaufi, darfst gerne kommentieren – auch wenn du wohl grad im Tiefschlaf bist (Anm. Kaufi: Werde ich – bei der zweiten Show dann!).

Fotos Grim Reaper – Ice Rink (pam)

Tristania – Theater

pam: Ob die norwegische Symphonic Metal Band der ersten Stunde des Genres – als Female Fronted mit etwas Orchester ab Band/Keyboard irgendwann gleichbedeutend zu Symphonic wurde – Tristania (uiuiui, brutaler Schachtelsatz-Alarm) auch zu der Once-in-a-lifetime-is-enough-Sorte (OIALIE) gehört, hab ich für mich noch nicht ganz geklärt. Gut, eigentlich schon, weil ich hab sie schon mehr als einmal live erlebt.

Als ich damals Ende 90er grad so auf Nightwish gestossen bin, wurde mir auch Tristania empfohlen. Aber gepackt hat mich dann die blind gekaufte Scheibe «World of Glass» nie. Und live eben desgleichen. Da mir jedoch die Positionierung der Band grundsätzlich gefällt, schau ich aber gerne wieder mal vorbei. Ist ja nicht weit vom Ice Rink ins Theater …

Der teilweise düstere, einlullende Gesang von Kjetil Nordhus hat was von Pink Floyd und grundsätzlich was. Für meinen Geschmack hat es etwas viel Geschrei von dem einen Gitarristen, da gefällt mir der Clean Gesang von Kjetil viel besser. Lieber mehr davon. Und natürlich vom nicht ganz unbekannten Mädel Mariangela „Mary“ Demurtas aus Sardinien – vor allem wenn sie klassisch-opernhaft singt. Sehr, sehr hühnerhäutig. Die zierlich-schöne Mary liefert dann auch ein theatralisches, wunderschönes Duett mit dem Zwei-Meter-Hünen Kjetil. Inklusive seines Barts wirkt das ein bisschen wie the Beauty and the Beast. Schön hörbares Kino.

Leider ist jedoch im überraschend schwach besuchten Theater wieder Mal der Bass Hausmeister. Schade, da brummt es ab und zu viel davon aus den Boxen – zuungunsten dem restlichen Soundspektrum. So oder so, ganz abschreiben kann ich Tristania immer noch nicht. Es hat schon was und wer weiss, irgendwann packt es mich doch noch ganz. Aber eine OIALIE waren sie bei mir definitiv nie.

Fotos Tristania – Theater (pam)

Coroner – Pool

pam: Die Schweizer Tech-Metal-Pioniere Coroner haben mich dafür vor ein paar Jahren auf der 70’000 Tons of Metal Cruise deftig gepackt. Ihr grooviger (Gesang) Thrash wirkt auf mich mit jedem Song geiler. Und wohl nicht nur auf mich. Das Oberdeck ist nach dem Platzregen wieder sehr gut besucht.

Etwas Schmunzeln muss ich bei der Vorstellung der Band: «Keyobard: Däni Stössel». Die Herkunft kann und muss man nicht verleugnen. Mit Coroner und Eluveitie haben wir auf jeden Fall zwei der bestmöglichen Vertreter ihrer Genres aus unserem Lande auf der Independence.

Das finden natürlich auch Chrigel und Nicole sowie mit Rafi und Alain weitere Mitglieder von Eluveitie (siehe  nachfolgende Fotos), die ihrem Produzenten Tommy Vetterli ihre Aufwartung machen.

So, das war fett. Zeit was – leichtes 😉 – zu essen. Und das ist wie schon erwähnt in diesem Jahr irgendwie noch einen Ticken besser, mehr Auswahl und Abwechslung beim Buffet. Vor allem auch gesünder mit mehr frischem Gemüse und vor allem Salaten. Aber ich geb’s zu, wenn man so beim Fleisch, Pasta, Mexicana etc. Buffet vorbeischlendert, dann hat’s schnell keinen Platz mehr für Grünzeugs auf dem Teller. (Anm. Kaufi: Also ich kann mein Fleisch zur Not auch ohne Gemüse essen….?)

Fotos Coroner – Pool (pam)

Nile – Pool

pam: Auf dem Weg zu Ensiferum runter ins Theater gibt’s sozusagen als Dessert noch ein bisschen Nile. Technisch ist das schon der Hammer, was die Amis da abliefern. Aber die Growls sind hier für mich schon zu deftig. So werde ich auch dieses Jahr mit Nile einmal mehr nicht 100% warm.

Ensiferum – Theater

pam: Wooah, im Theater pogt der Bär. Wilder Ritt im Pit. Crowdsurfing am Fliessband wie es man auf der Cruise nicht so oft und jeder Band sieht. Hat sicher auch etwas mit dem Durchschnittsalter der Cruiser zu tun.

Was sofort auffällt, Ensiferum sind zu einem Quartett geschrumpft. Ohne Dame am Akkordeon. Das haben sie glatt zu Hause gelassen. Das Instrument meine ich. Wo die Dame ist, weiss ich leider auch nicht. Zuletzt war es ja Netta Skog. Nun, somit kommt etwas mehr ab Band bei den Schwertträgern als auch- schon. Die vielen von Gastmusikern aufgenommenen Folk-Instrumente kamen live bisher schon mehrheitlich in Form von Samples daher.

Doch das hat bisher wohl noch nicht und schon gar nicht heute gestört. Der Hammerstimmung tut es hier grad keinen Nachteil. Stimmungsmässig ist es der Höhepunkt von den Konzerten, die ich auf der 70’000 Tons of Metal Cruise Ausgabe 2019 bisher erlebt habe. Das wird schwierig zu toppen. Die Finnen passten mir schon immer, aber so geil wie heute kamen sie mir bisher noch nie rein. Sie sind sehr cool drauf. Mehr Bewegung als sonst. Da sieht man sogar ein Hinter-Kopf-Gitarren-Duell … was dann zum Riff von «Sweet Child O’ Mine» ausartet. Respekt alter Finne. Das könnten die wenigsten vor dem Kopf geschweige dahinter so perfekt slashig covern.

Als Rausschmeisser dient dann eine Polka ab Band und nochmals dreht der Pit am Rad. Gerne mehr davon (also von Ensiferum live) und das sei jetzt schon verraten – bei einer Review kann man eben auch in die Zukunft schauen, weil man die ja schon erlebt hat – das kriegen wir auch!

Setliste Ensiferum

  1. By The Dividing Stream (Intro)
  2. From Afar
  3. Token of Time
  4. In My Sword I Trust
  5. One More Magic Potion
  6. Wanderer
  7. Way of the Warrior
  8. Two of Spades
  9. Burning Leaves
  10. Guardians of Fate
  11. Sweet Child O‘ Mine

Atrocity – Ice Rink

pam: Germanischer Alte-Schule-Todesmetall. Wie schon vor ein paar Jahren als Atrocity auf der Cruise waren, gibt es auch heute keine Melodie-Schlacht. Gefühlt ist es eine ziemlich ähnliche Setliste wie damals, bestehend aus älteren Songs, bei denen brutale Härte und Geschwindigkeit noch das Elixier der Band war. Schade, wie ich finde. Denn «Atlantis» aus dem Jahr 2004 gehört für mich zu einem der besten Alben überhaupt. Melodie und Härte finden das Gleichgewicht. Und so kommt die die Hammer-Clean-Stimme von Alexander Krull wieder nur gesprochen Auslauf.

Auch ein «Love Is Dead» – einer der grössten Anti-Ohrwürmer überhaupt – oder gar ein Werk 80’er Stück (metalisierte, dark-rockisierte Covers von 80er Pop-Songs) würde ich nicht ausschlagen. (Anm. Kaufi: Werk 80? Au ja, DA wäre ich auch dabei!) Vor allem Ersterer wäre verdammt geil, mal live zu erleben.

Nun, nebst dem Extrem-Geknüpple – mehr Tempo als bei «Death By Metal» geht glaub nicht mal auf der Deutschen Autobahn – bietet Meister Krull und seine Mannen den selbigen aus dem Publikum (natürlich auch den Mädels) was fürs Auge. Bei drei Songs kommt jeweils die zum Songthema passend gekleidete Dame auf die Bühne – z.B. die «Satansbraut». Und wer Atrocity-Artworks kennt, weiss, dass sie einen guten Geschmack haben… Schade, dass der Rink nur zu gut 1/3 gefüllt ist, und somit viele diesen Augenschmaus verpassen.

Zum Abschluss gibt es dann doch noch einen Atlantis Song mit «Reich of Phenomena». Selbstredend, dass dies einer der härteren Songs von diesem Überalbum ist …

Auch bei der zweiten Show von Atrocity auf der Cruise 2019 ändert sich die Setliste kaum und somit darf ich weiter hoffen, doch noch mal einen melodiöseren Tag von Atrocity zu erwischen. Die Songs dazu hätten sie wie erwähnt auf jeden Fall abendfüllend vorhanden.

pam: So, jetzt darf dann Kaufi wieder mal übernehmen. Ich hoffe, der kommt wieder mal aus seinen Federn … und ich hab jetzt Hunger. Dafür lass ich mal Obituary gut sein … aber noch auf der Cruise finden wir einen neuen Metalinsider (Lukas), der uns von den Death Metal Veteranen berichten wird. Ich melde mich mal bis zu einem absoluten Cruise Highlight – Eluveitie – ab.

Kamelot – Pool

Kaufi: So, ich melde mich zurück – und ich bin imfall schon lange wieder aus den Federn… Nach wenigen Stunden Ruhe, einem Interview mit Gloryhammer und ansonsten rumhängen, will ich nun Kamelot wieder mal eine Chance geben. Aufgrund des Regens am Nachmittag ist der Zeitplan auf der Poolstage allerdings völlig über den Haufen geworfen worden. So starten die Amerikaner massiv verspätet mit ihrer Show. Die zahlreich anwesenden Fans ist das allerdings recht egal. Tommy Karevik & Co. bieten einen überzeugenden Auftritt. Und obwohl ich mit der Truppe immer noch nicht recht warm geworden bin: Schlecht ist das keinesfalls. Insgesamt überzeugt es zwar die Fans mehr als mich, doch immerhin bleibt uns dieses Jahr ein Gastauftritt der Arch Enemy Frontdame erspart… Und während sich pam also den Ranzen vollschlägt, mach ich mich jetzt aber auf in den Ice Rink, da wartet eine Band, die deutlich mehr nach meinem Gusto ist!

Obituary – Theater

Lukas: Obituary im Royal Theater – die Location ist bereits bei Beginn gut gefüllt, die Band aus Florida hat natürlich fast ein „Heimspiel“, auch wenn man bereits etwas weiter von der Küste von Florida weg ist. Als Intro läuft „Snortin Whiskey“ von Pat Travers durch die PA, wie schon bei den letzten Shows. Ich find das ja immer super, ein Blues-Rocker bevor die Band mit ihrem Old School Death Metal loslegt… Mit „Stinkupus“ legt die Band gleich mit dem ersten Kracher vom Kult-Album „Slowly We Rot“ los. Und sofort fällt auf: nicht nur das Publikum ist euphorisch, auch die Band ist super drauf! Auch im weiteren Verlauf des Sets habe ich das Gefühl, das besonders Sänger John Tardy super gelaunt zu sein scheint. Während er in Europa oft das ganze Konzert bis auf den Gesang das Mikro sehr wenig bis gar nicht benutzt, also wenig mit dem Publikum kommuniziert, und sein Gesicht durchgehend hinter seinen langen Haaren versteckt, ist er hier an Bord doch sichtlich gut gelaunt. Man sieht ihn lächeln und hört sogar die eine oder andere Ansage zwischen den Liedern.

Mit zwei Tracks von „Back From Death“ aus dem Jahr 1997 kommt man zum Block mit neueren Liedern – 5 Tracks von den letzten beiden Alben in einer Reihe erwecken ein bisschen den Eindruck, dass viele Leute im Publikum wirklich auf die ganz alten Klassiker warten. Die Stimmung ist zwar durchgehend gut, aber halt dann doch nicht ganz so euphorisch wie bei den grossen Klassikern, obwohl das Songmaterial meiner Meinung nach locker mithalten kann. Ich persönlich hätte deswegen auch gerne mehr von „Inked In Blood“ gehört, welches ich im Band-Katalog für eine der stärksten Scheibe halte, aber das ist halt jeweils Geschmackssache…

Nach diesem neueren Teil geht es wieder zu den älteren Alben von vor dem ersten Band-Split 1998, die Stimmung steigt und die Moshpits sind praktisch bei jedem Lied aktiv. Die Band spielt sich souverän durch den Katalog und das Set erhält mit dem Doppel „Chopped In Half / Turned Inside Out“ (von „Cause Of Death“) und dem obligatorischen „Slowly We Rot“ (vom gleichnamigen Album) seinen Höhepunkt und gleichzeitig das Ende. Das Publikum ist begeistert, und so auch ich. Obwohl ich Obituary schon oft gesehen habe war das wohl die beste Show bisher, rein von der Spielfreude der Band her. Und direkt vor der Bühne passt diesmal auch der Sound, was leider nicht von allen Royal Theater-Konzerten gesagt werden kann. Wie ich später erfahren habe war der Sound aber auch bei Obituary nicht in der ganzen Location gleich gut…

Setliste Obituary

  1. Stinkupus
  2. Threatening Skies
  3. By The Light
  4. Sentence Day
  5. A Lesson In Vengence
  6. Visions In My Head
  7. Turned To Stone
  8. Straight To Hell
  9. Find The Arise
  10. Deadly Intensions
  11. Don’t Care
  12. I’m In Pain
  13. Chopped In Half / Turned Inside Out
  14. Slowly We Rot

Vicious Rumors

Wenn es um unterbewertete Bands geht, müsste der Name Vicious Rumors weit oben stehen. Seit 40 Jahren ist Geoff Thorpe im Business. Der ganz grosse Wurf blieb ihm allerdings immer verwehrt, und daran dürften die häufigen Sängerwechsel wohl einen grossen Anteil haben. Zwar ist Thorpe noch weit davon entfernt, ein Christian Constantin des Heavy Metals zu sein, der aktuelle Fronter Nick Courtney (seit 2018 dabei) ist allerdings doch bereits der neunte Sänger in der Historie der Band.

Ein Hüne eines Mannes hat sich der Chef hier geholt! Mit seinen langen, pechschwarzen Haaren und gespickt mit Nieten und Leder repräsentiert Courtney alle Klischees eines Metalhead. Und seine Stimme? Verdammt, der Typ ist richtig gut! Vom Opener „Digital Dictator“ bis zum Rausschmeisser „Don’t Wait For Me“ überzeugt der Kerl restlos. Auch als Performer – ich habe keine Ahnung, wie lange Nick schon auf der Bühne steht, jedenfalls zeigt er eine überzeugende Rock Show! Er post, er hat Spass und er singt grossartig. Es ist nicht so, dass seine Vorgänger schlecht waren – doch Nick Courtney ist einfach richtig gut! Oh, hab ich das schon gesagt?

Erschreckend ist nur, dass die Band so wenig Aufmerksamkeit erhält. Kurz vor Beginn der Show sind vielleicht grade mal 50 Nasen im Ice Rink. Immerhin folgt in den nächsten Minuten noch Verstärkung, sodass es zumindest vor der Bühne etwas voller aussieht. Und die Stimmung ist da auch richtig gut, die Fans haben sichtlich richtig Bock auf den klassischen US Power Metal. Im Zentrum der Show steht das Vorzeige-Werk „Digital Dictator“, welches die Hälfte des Programms ausmacht. Zumindest in meinen Ohren ist jedoch „Down To The Temple“ DAS Highlight. Tja, somit werde ich wohl auch nicht drum rumkommen, den zweiten Auftritt der Kalifornier in der Lounge anzuhören. „Sehen“ ist da ja eher schwierig…

Setliste Vicious Rumors

  1. Digital Dictator
  2. Minute to Kill
  3. Towns on Fire
  4. Lady Took a Chance
  5. Abandoned
  6. Down to the Temple
  7. Hellraiser
  8. Don’t Wait For Me

So, was steht noch auf dem Programm an diesem Abend? Eluveitie, Rage, Krisiun, Paradise Lost, Vomitory, Napalm Death – ääähm: Ich habe noch Schlaf nachzuholen. Dies ist eher die Baustelle für pam und Sandro. Ich mache dann mal Feierabend. Ich bin dann wieder da zur letzten Band des Tages. Oder ist es dann die erste am Tag 3?

Eluveitie – Pool

pam: Ja da übernehm ich doch mit Handkuss, Herr Kaufi. Doch meine «fanatische» Vorfreude wird etwas getrübt. Wie schon erwähnt, ist man auf dem Oberdeck rund 40 Minuten im Verzug. Und wer jetzt grad meine Vorlieben und gleichzeitig die Running Order der 70’000 Tons of Metal Cruise 2019 kennt, weiss warum. Für alle anderen die es wissen möchten: Eluveitie gehört zu den drei ausserwählten Bands, die einen 75 minütigen Slot haben und bis Punkt 23 Uhr spielen. Gemäss Plan. Und beim gleichen Glockenschlag starten Rage & The Lingua Mortis Orchestra. Da hab ich also schon eingeplant, dass ich entweder etwas früher von Elu losrenne oder die ersten Minuten von Rage & LMO verpasse. Beamen geht leider noch nicht, es müssen acht Etagen runtergerannt werden. Doch jetzt kommt‘s halt ganz übel … es nicht nur ein paar Minuten, sondern rund 40 Minuten, die ich von einer meiner beiden bevorzugten Bands verpassen werde. Fick dich Wind. So, dass musste jetzt mal gesagt sein.

Aber hey, genug geflähnt, die grösste Schweizer Metalband aller Zeiten – nicht nur anzahlmässig – steht jetzt vor mir auf der Bühne mitten in der Karibik. Und Eluveitie machen einen topmotivierten Eindruck, ihren Headlinerstatus zu bestätigen. Leider nur zu acht. Kai hat einmal mehr vor seiner starken Flugangst kapitulieren müssen. Und gegenüber anderen Auslandtouren hat man sich auch nicht um einen Tour-Ersatz bemüht. So kommt der Bass leider ab Band. Meine Meinung dazu hab ich schon oft kundgetan und mach da auch vor Elu nicht halt: Ich find‘s nicht gut. Ein bisschen Fanbonus haben die Helvetier aber schon in meiner Kritik dazu 😉. Und andererseits, wer hat sonst schon acht Musiker auf der Bühne mit einer solchen Auswahl an Instrumenten? Gut, LMO … könnte weinen, dass sich grad diese beiden überschneiden müssen. Wie vor zwei Jahren Therion und Haggard …

Zurück zum jetzt. Und dieses ist leider vom Winde verweht. Eluveitie haben einen schlechten Start vor gut gefüllten Reihen. Wie schon – genau – Haggard vor zwei Jahren, ist es wohl fast ein Ding der Unmöglichkeit bei stetig wechselnder Windrichtung acht Instrumente gleichzeitig gut abzumischen. Oder man braucht sicher länger, bis es einigermassen passt. Und das tut es schliesslich zwei, drei Songs später auch. Ganz «perfekt», wie wir es von ihnen gewohnt sind, wird es aber die ganze Show nicht. Fick dich Wind zum zweiten.

Grad die neuen Songs, die heute ihre Konzertpremiere feiern und ja offiziell noch gar nicht veröffentlicht sind bzw. nur ein paar wenige Fans heute Morgen bei der Listening-Session schon mal gehört haben, wird’s schwierig. Bei den Klassikern überspielt wohl die Erinnerung die verwehten Passagen, bei den noch Unbekannten geht das leider nicht. Zum Beispiel beim epischen Titelstück «Ategnatos» ist das eine himmelweiter Unterschied zwischen dem was wir am Morgen ab Band gehört haben und hier jetzt nur in Bruchstücken zugeweht kommt.

Umso mehr tut es mir für die Band leid, die wirklich showmässig alles richtig macht und sehr gut abgeht. Die bestehenden Fans holt man damit sicher gut ab. Aber rein soundmässig eher wohl nicht viele neue dazugewonnen. Da kommt meine zweite leise Kritik, die für mich als Fan schon fast an Blasphemie glänzt: Warum spielen sie auf der proppenvollen Pool-Bühne die neuen Songs? Ich hab das schon bei anderen Bands geschrieben: Ich würde auf dem Oberdeck, bei dem einfach auch viele mal so reinhören und rumstehen, die Songs spielen, die sich live bewährt haben und dann auf der kleineren Bühne im intimeren Rahmen mit den Fans die neuen Stücke teilen. Besonders bei den verkackten Windverhältnissen heute wäre das im Nachhinein sicher die bessere Lösung gewesen.

Und zurück zum Bass … leider führten scheinbar technische Problem dazu (jemand soll über ein Kabel gestolpert sein…), dass dieser nicht immer ganz synchron mit dem Live-Sound (oder umgekehrt) ist.

Nun, die technischen und naturgegebenen Probleme von Eluveitie erleichtern mir den Entscheid, drei, vier Songs vor Schluss runter ins Theater zu rennen, um möglichst wenig von Rage mit dem LMO zu verpassen … und ich bin überzeugt, mit der grundsätzlich sehr guten Performance, werden Eluveitie ohne diese Probleme im Theater am letzten Abend alles vergessen machen und das Schiff im Sturm erobern. Jawohl, du Wind. Im Sturm!

Setliste Eluveitie

 

  1. Ategnatos
  2. King
  3. Nil
  4. Omnos
  5. Artio
  6. Quoth the Raven
  7. Ambiramus
  8. A Cry in the Wilderness
  9. Kingdom Come Undone
  10. Breathe
  11. Black Water Down
  12. Drum Solo
  13. Havoc
  14. Rebirth
  15. Inis Mona

 

Rage & The Lingua Mortis Orchestra – Theater

pam: Die Pioniere des wirklich wahren Symphonic Metals bzw. man kann schon sagen der Pionier Peavy Wagner spielen auf der Cruise ihr zweites Lingua Mortis Album aus dem Jahre 1998 komplett durch. Nun, wenn ich wählen könnte, dann hätte ich gerne das erste oder das dritte. Aber da ich das nicht konnte, nehm ich natürlich auch «XIII». Denn Rage gefällt mir eh und klassische Musik sowieso. Also kann da nicht so viel schief gehen.

Nur, grad mit Orchester hab ich halt schon auch grad noch gerne etwas Opera. Ich mag Peavys Stimme sehr, aber wenn schon Orchester, dann wäre es schön, auch beim Gesang noch mehr Bombast zu haben. Wie beim dritten LMO-Album mit Frauengesang. So, genug gejammert. Bei diesem Album singt keine Dame und somit auch keine auf der Cruise mit Peavy.

Leider – einmal mehr – muss ich sagen, dass so viel Aufwand und Herzblut etwas schlecht belohnt wird. Das Theater ist nur halb voll. Das lässt sich sicher mit Eluveitie erklären, die grad ziemlich vor vollem Haus auf dem Oberdeck abgehen, aber nicht nur. Selbst nach Ende von Elu ändert sich nicht viel. Für mich bleibt es für immer ein Rätsel, wieso Rage nicht mehr Zuspruch hat. Grad auch von einem Kaufi, der ja sonst doch genau auf diese Art von melodiösem Sound steht. Rage sind nicht nur reiner Power Metal, die Musik, die Riffs sind komplexer, aber dennoch bewegen sich die Deutschen auch in diesen Gewässern.

Und ja, wenn auch für mich unverständlich, Metal und Klassik ist halt auch nicht jedermanns Sache. So spielen ja zum Beispiel Haggard im Z7 jeweils in einer grosszügig gezählten nur halbvollen Halle.

Zurück zu Rage. Die Performance heute ist einwandfrei. Und aus Sicht vom Publikum ohne erkennbare Probleme. Was nicht ganz selbstverständlich ist, mit einem Orchester auf der Bühne, das heute Nachmittag zum ersten Mal gemeinsam gespielt bzw. geprobt hat.

Tiptoppe Sache. Deren Pool Show morgen ist für mich gebucht.

Setliste Rage & The Lingua Mortis Orchestra

  1.  Overture
  2. From the Cradle to the Grave
  3. Days of December
  4. Sign of Heaven
  5. Incomplete
  6. Turn the Page
  7. Heartblood
  8. Over and Over
  9. In Vain
  10. Immortal Sin
  11. Just Alone
  12. Higher Than the Sky

Paradise Lost – Pool

pam: Die Briten haben für ihren Sound den perfekt Slot erhalten. Ganz im Gegensatz zu Swallow The Sun vor zwei Jahren, die mit ihrem einlullenden Doom Metal mitten am helllichten Tag das Schiff und seine Bewohner in den Schlaf wiegten. Und mit Nick Holmes haben Paradise Lost eine Macht an der Front. Seine Growls gehören zu den fettesten der Branche, und seine Clean Stimme ebenso. Nebst Tomi Joutsen von Amorphis für mich der Sänger, der am eindrücklichsten zwischen Clean und Growl wechseln kann und bei beiden Gesangstechniken die Ohren verwöhnt.

So, jetzt könnte man sich ja mal um den Matratzenhorchdienst kümmern bzw. von Kaufi übernehmen. Aber erstes kommt der Hunger und zweitens bleibt man Stillen vom ersten bei Gesprächen mit Mitcruisern hängen.

Napalm Death – Pool

pam: Und so finde ich mich plötzlich bei Napalm Death wieder vor der Pool Bühne. Nun, vielleicht müsste man sich diese Grindcore-Pioniere und Death Metal-Legenden doch auch mal reinziehen. Ausser dem kürzesten Song der Musikgeschichte kenn ich offen gesagt nicht viel mehr von den Briten.

Und Holy-Zappelphilipp, was ich da sehe, lässt meinen Matratzen-Termin platzen. Der Fronter – von allen nur Barney genannt – ist definitiv ein paar Stunden weniger Schlaf wert. Das ist ein Fest für alle Ritalinjunkies. Ich hab sowas noch nie erlebt. Der Typ steht wortwörtlich keine Sekunde still. Ich wette der schläft in einem Hamsterrad. Aber es ist nicht nur seine Dauerbewegung, sondern wie er sich bewegt. Das ist Jack Sparrow auf Speed. Man hat das gefühlt, er rennt dauernd wildfuchtelnd vor einem Bienenschwarm davon. Notabene macht er das ohne Funk-Mikro. Faszinierend, dass er sich nie verkabelt. Wenn ich an meine alten iPhone Kopfhörer denke …

Legendär sind auch seine Ansagen. Und die sind meist länger als die Songs selbst. DAS war definitiv eine Lernstunde der Geschichte des Metals. Ich muss gestehen, da hatte ich definitiv eine Lücke betreffend Barney und Napalm Death. Die sollte jeder mal live erlebt haben, der sich vor Growls und ein bisschen Härte nicht grad in die Hosen macht.

So, was nun mit der angebrochenen Nacht? Kurz vor drei … hm, da wären noch Night Demon … aber nochmals über eine Stunde mit Flüssighopfen und Co. zu verbringen, hab ich jetzt grad nicht so bock. Auch wenn es morgen ja der «Day off» ist, aber der Kaufi hat ja ausgiebig vorgeschlafen und darf gerne übernehmen. Aber wie hiess es oben: Erstens kommt es anders …

Night Demon – Pool

Kaufi: Guten Abend – oder besser guten Morgen? Als um halb fünf der Wecker piept, staune ich nicht schlecht: Das Bett des Kabinengspändli Pam ist leer und unbenutzt! Scheint eine strenge Nacht zu haben, der Herr… Durchhaltevermögen hat er also, unser Ober-Metalinsider. Mehr als meine Wenigkeit…

Ich mach mich auf zur Poolbühne, da sollen um viertel vor Fünf Night Demon starten. Doch es scheint so, als ob kaum Verspätung gut gemacht wurde: Ne Obliviscaris beenden soeben ihren Set. Ha, und wen trifft man da auf dem Pooldeck an? Pam himself, der (wie oben zu lesen) also einiges zu berichten weiss von den letzten Stunden. Und ich warte nun auf die Dämonen der Nacht…

pam: Ja, es ist jetzt halb sechs Uhr morgens und ich steh immer noch auf dem Pool Deck. Ich bin einfach zu labil. Aber scheinbar nicht nur ich: Auch Chrigel und Nicole von Elu sind noch da. Oder das Line-up war einfach zu stark um zu pennen.

Apropos pennen: Kaufi ist ja inzwischen auch wieder unter den Wachen. So sehr mich die Amis packen, aber so nach zwei, drei Songs muss für mich Schluss sein und mein Kollege soll jetzt auch wieder mal Platz haben, sich zu hier auszudrücken. Nur eines noch: Es ist verdammt laut. Oder sind die Ohren um die Zeit einfach empfindlicher? Kaufi: Over to you, ich übernehm die Horizontalstellung in unserer Kabine.

PS: Und ja, es ist immer noch Tag zwei. Ich war schliesslich noch nicht im Bett und es ist immer noch die Running Order vom zweiten Tag …

Kaufi: Jup, bin mit Kamera bewaffnet ready for work! Schlaf gut – man sieht sich am Strand. Oder auch nicht…

Es ist surreal: Morgens um halb sechs, dutzende Metalheads auf dem Pooldeck und das Trio von Night Demon auf der Bühne – zusammen feiern sie eine spitzenmässige Metal-Party! Jarvis Leatherby, Armand John Anthony und Dusty Squires überzeugen dabei wie immer ohne Probleme. Old School Heavy Metal ist Programm, Highlights sind „The Howling Man“ und „Screams In The Night“. Diese Schreie sind jedoch bald nicht mehr nachts, denn am Horizont geht tatsächlich bereits die Sonne auf! Night Demon rocken wortwörtlich in den Sonnenaufgang – sowas gibt es halt nur auf dieser Cruise! Aufgrund dieser faszinierenden Szenerie vermag ich nicht mal mehr zu sagen, ob bei „The Chalice“ Gevatter Tod auf der Bühne erscheint – da hatte ich die Musik kurzzeitig als Hintergrundbeschallung. Sicher ist jedoch, dass „Night Demon“ den Abschluss um viertel nach Sechs bildet und das Iron Maiden Cover „Wasted Years“ somit gekippt wird. Ist aber nicht schlimm, denn die Kalifornier sind auch so stark genug!

Setliste Night Demon

  1. Welcome to the Night
  2. Full Speed Ahead
  3. Ritual
  4. The Howling Man
  5. Black Widow
  6. Dawn Rider
  7. Mastermind
  8. Screams in the Night
  9. The Chalice
  10. Night Demon

Während für pam also Tag zwei zu Ende ging, hat für mich Tag drei eigentlich bereits begonnen. Und da folgen dann Strandgeschichten, Fotosessions und massenhaft mehr Heavy Metal…

 


Wie fandet ihr das Festival?

70’000 Tons of Metal 2019 – Eluveitie, Accept, Delain, Soulfly u.v.m.
User Bewertung: 9.6/10

/ / 22.02.2019
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