Metalinside.ch - Rival Sons - Volkshaus Zürich 2019 - Foto Nicky
Mi, 13. Februar 2019

Rival Sons, The Sheepdogs

Volkshaus (Zürich, CH)
/ 21.02.2019

Nicht vollends überzeugend 

Die Schäferhunde und die rivalisierenden Söhne durften am Mittwochabend in einem bis unter das Dach gefüllten Zürcher Volkshaus ihr Können unter Beweis stellen. Reibungslos ging die ganze Geschichte leider nicht über die Bühne. Insbesondere der Headliner hatte kurzzeitig mit mühsamen, technischen Problemen zu kämpfen. Was da genau vorgefallen ist, wird in den nachfolgenden Zeilen genauer erläutert. 

Katerstimmung in der Schweizer Metal- und Konzert-Szene. Nach dem gestrigen Parkway Drive-Gig, bei dem es sich gemäss Aussagen der Besucher wohl um einen spektakulären Abriss gehandelt haben muss, befindet sich die Nation offenbar noch in der Erholungsphase. Ich war in Oerlikon nicht mit von der Partie und kann somit heute mit voll aufgeladenen Batterien ins Volkshaus reisen. Vor exakt zwei Jahren haben die Rival Sons hier an Ort und Stelle schon einmal eine beeindruckende Performance abgeliefert. Die damaligen Support-Acts – ein Poet und ein DJ, der Videos von kleidungsresistenten Damen über die Bildschirme flimmern liess – waren allerdings ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Mit den The Sheepdogs sollte dieses Mal jedoch eine «normale» Vorgruppe am Start sein. Lassen wir uns überraschen.

The Sheepdogs

Als die Kanadier Punkt 20 Uhr in ihr Set starten, ist der Volkshaussaal noch eher mässig besucht. Hui, die Herrschaften auf der Bühne unternehmen mit uns eine kleine Reise in die Vergangenheit. Mit ihren farbenfrohen Outfits erinnern sie mich stark an die Protagonisten der TV-Serie «Die wilden 70er». Das Quintett bringt zweifelsohne ein Stück Woodstock-Festival in die Limmatstadt. Die interessantesten Akteure sind rasch ausgemacht: Klampfer Jim Bowskill und Tastenmann Shamus Currie. Erstgenannter könnte mit seinem Look problemlos als Cowboy durchgehen. Regelmässig kitzelt er coole Soli aus seiner Saitenkönigin und spielt sich dabei – zumindest nach seinen Gesichtsverzerrungen zu urteilen – in einen ziemlichen Rausch. Sein mit Pornoschnäuzer ausgestatteter Kollege Shamus besticht derweil durch Vielseitigkeit und tauscht sein Keyboard auch schon einmal gegen einen Schellenring oder eine Posaune ein.

Aber welche Stilrichtung spielen die Herrschaften aus Saskatoon (witziger Ortsname) eigentlich genau? Eindeutig ist es nicht. Rock, Country, Blues – eine Mischung aus diesen drei Genres könnte hinkommen. Instrumental ist das keine üble Sache, aber irgendwie vermögen die Kanadier nicht über die gesamten 45 Minuten zu überzeugen. Mir persönlich fehlt da phasenweise ein bisschen der Elan. Wuschelkopf-Basser Ryan Gullen sammelt gegen Ende allerdings wieder Sympathiepunkte, da er nur lobende Worte für das «Chopfab»-Bier übrig hat. Prost, Kollege!

Rival Sons

Für die Amis ist alles wunderprächtig angerichtet. Volle Hütte! Da kommt das altbekannte Sardinenbüchsen-Feeling auf. Die Anziehungskraft der Rival Sons hat mich übrigens schon bei ihrem Gig vor zwei Jahren fasziniert. Unglaublich, wie die Herrschaften die Massen jeweils mobilisieren können. Der kürzlich veröffentlichte Silberling «Feral Roots» wurde von den Kritikern nur so mit Komplimenten überschüttet. Da ich leider noch keine Gelegenheit dazu hatte, mir das Ding zu Gemüte zu führen, darf die heutige Setliste gerne den einen oder anderen Vertreter dieses neuen Eisens enthalten. So viel sei vorweggenommen, mein Wunsch wird erhört. Wir werden nämlich insgesamt neun (!) Nummern von «Feral Roots» zu hören bekommen. Ausserdem figuriert das Album-Cover als gigantisches Backdrop.

Herausragender Künstler in Reihen der Söhne ist zweifelsohne Fronter Jay Buchanan. Wie in Trance schwebt er durch die Gegend und verwöhnt die anwesenden Gehörgänge mit seinem hammermässigen Stimmorgan. Selbst wenn er sein Mikro einen gefühlten Kilometer von seinem Gesicht entfernt hält, ist er noch gut zu hören. Dieser «Trick» – wenn man ihn den so nennen möchte – sorgt in den Publikumsreihen jedes Mal für tosenden Applaus (auch wenn er zugegebenermassen nicht immer funktioniert).  Meine Kollegin und ich rätseln ausserdem darüber, ob Jay von seiner Musik so beflügelt wird oder ob sich der Fronter vor dem Gig noch irgendeine Rausch auslösende Substanz reingepfiffen hat.

Der Fünfer ist sehr gut Im Fluss, als plötzlich der fiese Technik-Teufel zuschlägt. Bei Basser Dave Beste geht nix mehr. Aus die Maus. Die Crew versucht zwar emsig, die Dinge wieder ins Rollen zu bringe, aber vorerst will das nicht klappen. Wie reagieren die Herren auf diesen unerwarteten Unterbruch? Sehr löblich! Hipster-Gitarrist Scott Holiday, Drummer Michael Miley und Tour-Keyboarder Todd Ögren (samt ZZ Top-Gedenkbart) bleiben nämlich auf der Bühne und legen ein kleines Improvisationsständchen aufs Parkett. Well done, Sons! Die erzwungene Pause dauert keine zehn Minuten. Bei der bekannten Hymne  «Electric Man» ist die Band dann wieder vollzählig. Dave agiert jedoch auffällig zurückhaltend. Offenbar möchte er seinen neuen Bass nicht direkt erneut schrotten. Verständlich!

Für die knipsende Zunft ist inzwischen Feierabend. Wie ich am Rande mitbekomme, haben Kollegin Nicky und die anderen zwei Optionen: Kamera an der Garderobe abgeben und dem Konzert weiterhin beiwohnen oder nach Hause gehen. Von der ersten Variante sind offenbar nicht alle gleichermassen begeistert. Auch das heikle Equipment durch einen rappelvollen Saal schleppen zu müssen sorgt keinesfalls für Jubelsprünge. Tja, aber Regeln sind Regeln. Und ein Veranstalter wie Good News Productions AG muss sich natürlich an diese halten, wenn sie weiterhin Shows dieser Art durchführen möchten. Vielleicht hätte man die Fotografen in diesem Fall ausnahmsweise einfach durch einen Seitenausgang herauslassen können. Ich bin jedenfalls dankbar, dass ich mich nicht mit solchen Angelegenheiten quälen muss und die musikalische Darbietungen weiterhin mit toller Sicht auf die Bühne verfolgen kann.

Die Rival Sons sind mit viel Einsatz bei der Sache. Blöderweise streuen sie für meinen Geschmack heute zu viel lahmere Songs in ihr Programm. Da hatte ich das Ganze irgendwie rockiger in Erinnerung. Somit sind auch sie – genau wie zuvor die Schäferhunde – nicht vollends überzeugend. Die Mehrheit des Publikums scheint dies aber offenbar anders zu sehen als meine Wenigkeit, denn es herrscht stets eine fantastische Stimmung. Speziell an meinem Standort vorne rechts kann durchaus die eine oder andere Eskalation beobachtet werden. Bei einem hohen Ton gegen Ende der Show verabschiedet sich Jays Stimme beinahe. Höchste Zeit also für den Zugaben-Block. Dieser wird mit einem bebenden Herzschlag eingeläutet. Jetzt werden auch die auf dem Balkon sitzenden Zuschauer aufgefordert, sich zu erheben. Ein älterer Herr kann dem allerdings nicht Folge leisten, da er eingenickt ist. Doof nur, wenn man beim Dösen von einem Scheinwerfer so prominent und für alle gut sichtbar in Szene gesetzt wird. Mit dem starken «Keep On Swinging» beenden die Amis nach rund zwei Stunden ihren Gig.

Das Fanzit

Beide Truppen lieferten heute Abend sicherlich nicht die besten Darbietungen ihrer Karriere ab. Speziell im Fall der Rival Sons weiss ich, dass sie es besser können. Die Performance hier vor zwei Jahren oder auch diejenige als Support-Act von Black Sabbath im Hallenstadion waren nämlich bärenstark. Heute wurden uns schlichtweg zu viele seichtere Nummern vorgesetzt. Die rockigeren Tracks vermochten dagegen abermals zu überzeugen. Selbiges gilt für die geniale Stimme von Jay Buchanan und die fetzigen Soli von Scott Holiday. Mit ausverkauften Locations werde ich mich wohl nie anfreunden können, aber dafür können die beiden Bands ja nix. Dann blieb es halt für einmal bloss bei einem Hopfentrunk. Ich wird’s knapp überleben. Gegen ein baldiges Wiedersehen mit den Rival Sons hätten wohl die wenigstens Besucher, die heute Abend im Volkshaus waren, etwas einzuwenden. Bei einer passenden Setliste wäre dann wohl auch ich wieder am Start.

Setliste – The Sheepdogs

  1. I’m Gonna Be Myself
  2. I’ve Got A Hole Where My Heart Should Be
  3. Who
  4. Southern Dreaming
  5. Cool Down
  6. Kiss The Brass Ring
  7. How Late How Long
  8. Help Us All
  9. Feeling Good
  10. I Don’t Know
  11. Nobody

Setliste – Rival Sons

  1. Back In The Woods
  2. Sugar On The Bone
  3. Pressure And Time
  4. Electric Man
  5. Too Bad
  6. Jordan
  7. Feral Roots
  8. Torture
  9. Face Of Light
  10. Imperial Joy
  11. Open My Eyes
  12. All Directions
  13. End Of Forever
  14. Do Your Worst
  15. Shooting Stars*
  16. Keep On Swinging*

*Zugabe

Fotos Rival Sons, The Sheepdogs – Volkshaus Zürich 2019 (Nicky)


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Rival Sons, The Sheepdogs
User Bewertung: 8/10

/ 21.02.2019
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