Metalinside.ch - Steel Panther - Z7 Pratteln 2019 - Foto Nicky
Di, 19. Februar 2019

Steel Panther, Gus G., Matt Stocks

Z7 (Pratteln, CH)
/ 27.02.2019

Feministinnen-Schreck im Z7 

In der Schweiz schauen Steel Panther regelmässig vorbei. Doch an diesem Dienstagabend verschlug es die Glam Metaller vom Sunset Strip erstmals in die Prattlener Konzertfabrik. Die Herrschaften standen gewaltig unter Druck, denn der letzte Auftritt auf helvetischem Boden erhielt von den meisten Besuchern keine positiven Bewertungen. Ob Michael Starr und Co. die «Schmach von Zürich» korrigieren konnten? Die Antwort gibt’s auf den nachfolgenden Zeilen. 

Ich oute mich gleich einmal vorweg als Anhänger von Steel Panther. Der derbe sexistische Humor, den die vier Herren in ihren Songs jeweils an den Tag legen, trifft genau meinen Geschmack. Sie polarisieren – daran bestehen keine Zweifel. «Schwule Klamotten» und «endloses Geplapper» sind nur zwei Anschuldigungsbeispiele, mit denen sich die Amis regelmässig herumschlagen müssen. Die Meinungen über die Darbietungen der Truppe gehen effektiv weit auseinander. Selbst ich muss zugeben, dass das letzte Gastspiel hierzulande alles andere als überzeugend gewesen ist. Damals hat es der Vierer mit seinen Plauder-Sequenzen zwischen den einzelnen Nummern massiv übertrieben. Deswegen hoffe ich heute wirklich auf eine Rehabilitation.

Als Verstärkung haben die Glitzer-Panter einerseits einen DJ und mit Gus G. auf der anderen Seite einen genialen Saitenhexer in die Nordwestschweiz gebracht. Mal schauen, wie gut das Publikum auf Betriebstemperatur gebracht werden kann. Die heutige Veranstaltung ist übrigens ausverkauft. Schon wieder – in letzter Zeit erwische ich irgendwie immer die «Sold Out»-Events. Während ich es am Samstag bei Amorphis als gar nicht so schlimm empfunden habe, entwickelt sich die ganze Sache am heutigen Abend mit der Zeit zu einer mühsamen Angelegenheit. Hauptsache der Weg zum Bartresen bleibt einigermassen hindernislos.

In den Publikumsreihen tummeln sich auffallend viele Kerle. Einige haben sogar die passenden Glam-Outfits aus dem Schrank geholt. Dabei sollte der Fokus während einer Steel Panther-Show eigentlich primär auf dem weiblichen Geschlecht (und den dazugehörigen Rundungen) liegen. Oder habt ihr schon einmal vom Songtitel «17 Dudes In A Row» gehört? Gut, ich nämlich auch nicht. Hoffentlich gibt’s es heute mehr nackte Tatsachen zu bestaunen als damals in Zürich. Ein prüde Zuhörerschaft hat an einer Show dieser Band nix zu suchen. Da die momentan laufende Europatournee im Z7 ihr Ende finden wird, steht einer ausgelassenen Sause kaum etwas im Wege.

Matt Stocks

DJ Matt Stocks legt um 19.25 Uhr los und beschallt uns mit den bekanntesten Rock und Metal-Hymnen. Da ist die Crème de la Crème mit von der Partie: Judas Priest, Iron Maiden, Motörhead, Scorpions, Mötley Crüe – was will man mehr? Wie so oft verfällt das Schweizer Publikum in den altbekannten Salzsäulen-Modus und schaut dem Herrn auf der Bühne bei der Arbeit zu. Irgendwie wissen sie nicht so recht, wie sie sich verhalten sollen. Ehrlich gesagt bin ich auch kein grosser Befürworter von Discjockeys als Support-Act. Meinetwegen hätte man den Slot ruhig einer lokalen Band geben können. Dizzy Fox hätten sicherlich gut ins Programm gepasst. Tja, jetzt heissts halt abwarten und Hopfentee trinken. Die knipsende Zunft hat somit ebenfalls noch Pause. Ich bin gespannt, welche Schweinereien Kollegin Nicky im späteren Verlauf des Abends vor die Linse bekommen wird.

Gus G.

Matt hat vorerst Sendepause. Allerdings wird er bei der nächsten Umbauphase nochmals ein paar Hymnen zur Einstimmung für Steel Panther raushauen. Doch bis dahin gehört die Bühne Gus G. und seiner Band. Der Klampfen-Maestro aus Griechenland dürfte den meisten Zuschauern für seine Engagements bei Firewind oder Ozzy Osbourne ein Begriff sein. Alleine ist «Guschti», wie ich den Gitarristen liebevoll nenne, allerdings nicht in die Nordwestschweiz gereist. Unterstützung erhält er von Bassist Dennis Ward (Pink Cream 69/Unisonic) und Drummer Johan Nunez (Firewind). Doch die Aufmerksamkeit des Publikums gilt hauptsächlich dem griechischen Saitenhexer. Einige Mädels haben Herzchen in den Augen. So sind sie eben – die lieben Fan-Girls.

Die Setliste ist als Querschnitt des musikalischen Solo-Schaffens von Kostas Karamitroudis – wie Gus G. mit bürgerlichem Namen heisst – zu verstehen. Der Fokus liegt dabei auf dem im April des vergangenen Jahres veröffentlichten Silberlings «Fearless», welcher der Masse in Form von gleich fünf Songs nähergebracht wird. Leider reissen mich sowohl die Soundqualität als auch der Gesang von Dennis nicht wirklich vom Hocker. Das Dire Straits-Cover «Money For Nothing» ist gar ein echter Schuss in den Ofen. An der Gitarrenarbeit von «Guschti» gibt’s hingegen nix zu bemängeln. Das ist abermals Gezupfe auf äussert hohem Niveau. Kunststücke der Marke «Saitenkönigin auf dem Rücken spielen» dürfen natürlich keinesfalls fehlen. Nichtsdestotrotz hat das Trio als Gesamtpaket definitiv noch Luft nach oben. Das macht diese 45-minütige Darbietung deutlich.

Steel Panther

Nach einem weiteren kurzen DJ Matt Stocks-Intermezzo darf dann endlich der Headliner ran an den Speck. Es ist 21.15 Uhr und die Glam Metaller hauen stinkfrech mit «Eyes Of A Panther» einen ihrer grössten Hits raus. Selbstvertrauen oder verfrühtes Pulververschiessen? Der weitere Verlauf des Gigs wird es zeigen. Fronter Michael Starr ist stimmlich jedenfalls sackstark unterwegs. Outfittechnisch machen die vier Herren dem Genre sowieso jedes Mal alle Ehre. Basser Lexxi Foxx lässt seine gefakte Mähne – jep, abgesehen von ihrem Frontmann tragen nämlich alle Akteure Perücken (sorry fürs Illusion rauben) – divenhaft herumwirbeln. Ohne Schmollmund geht’s nicht. Man kann es ehrlich gesagt kaum erwarten, bis er seinen Spiegel hervorkramt.

Über die thematischen Aspekte von Steel Panther-Songs wird seit eh und je kein Geheimnis gemacht. Grundsätzlich dreht sich alles um die Begattung des weiblichen Geschlechts und das frönen irgendwelcher perverser Orgien. Die Geschichte um «#metoo»? Pha, kennen diese vier Proleten eindeutig nicht. Frauen sind mehr als bloss Objekte? Wer hat euch denn diesen Müll erzählt? Ohne das regelmässige präsentieren eurer gottgegebenen (oder je nach Situation chirurgisch nachgebesserten) Oberweiten läuft heute Abend überhaupt nix, liebe Mädels. Feministinnen sind angehalten, die Konzertfabrik besser zu verlassen, denn die Panter machen nun Jagd auf Hinterteile. Aufgepasst auf «Goin’ In The Backdoor».

Anschliessend folgt eine erster, grösserer Plapper-Abschnitt. Während sich einige Zuschauer genervt abwenden, lauschen anderen gespannt den Sprüchen des Quartetts. Genau aufgrund solcher Dinge gehen die Meinungen über Auftritte der Hollywood-Metaller auseinander. Aber ohne Gequatsche und Comedy wäre es schlichtweg nicht dasselbe. Glücklicherweise muss ich dieses Mal nicht so hart (ha, ha!) mit Michael und Co. ins Gericht gehen wie damals noch im Volkshaus. Endlich haben sie die altbackenen Witze gegen neuere Sprüche eingetauscht. Es gibt definitiv einiges zu lachen. Kritik hagelt’s hingegen für den heute exzessiven Gebrauch von Cover-Songs. Es sind insgesamt fünf an der Zahl. Klar war die Truppe zu Beginn ihrer Karriere als 80er-Jahre-Rock-Tribute-Band unterwegs. Hymnen wie «Jump» (Van Halen) oder «Pour Some Sugar On Me» (Def Leppard) liegen ihnen ja auch. Trotzdem wäre inzwischen dank vier eigener Studioplatten eigentlich genug eigenes Material vorhanden.

Etwas später kündigt Gitarrist Satchel an, dass er in der Lage sei, die perfekte Gus G.-Parodie abzuliefern. Er müsse sich dazu allerdings rasch umziehen und verschwindet hinter der Bühne. Kurz darauf steht plötzlich Gus G. mit einem Bandana auf der Bühne. Das dürfte dann wohl als «End-of-Tour-Prank» zu verstehen sein. Und es kommt noch besser. Plötzlich flitzt ein als Ozzy Osbourne verkleideter Michael durch die Gegend. Auch wenn es momentan um die Gesundheit des echten «Prince Of Darkness» nicht allzu rosig steht, muss ich über die gelungene Imitation von Herrn Starr trotzdem herzhaft lachen. Vorgetragen wird die Nummer «Crazy Train». Passt.

Was fehlt noch? Genau, Mädels auf der Bühne. Zu «Party All Day (Fuck All Night)» kommen die Groupies – und solche dies noch werden wollen – zum Handkuss. Jubelnd reihen sie sich neben den Musikern auf, tanzen herum und halten die Momente auf ihren Kommunikationsgeräten fest. Unglücklicherweise verhindert die schweizerische Zurückhaltung den Anblick von nackten Brüsten. Ich kann gerade einmal eine zeigefreudige Dame ausmachen. Hallo?! Ich werde gleich zum Hulk hier! Ladies, ein unbeschriebenes Gesetz besagt, dass während einer Steel Panther-Show ab und an eure entblössten Rundungen zu sehen sein müssen – insbesondere, wenn ihr mit den Herrschaften auf der Bühne steht. Zieht euch doch bitte einmal den Stock – oder was auch immer gerade da drinsteckt – aus dem Gesäss. Der Beziehungsstatus ist irrelevant, heute Abend gehört ihr einzig und allein Steel Panther. Für diese lahme Performance würde ich keine der Mädels mit einem Backstage-Pass belohnen. Ein Kerl, der auf die Bühne geklettert ist, wird von der Security gleich wieder nach unten begleitet. Sorry, «Women only».

Das Licht während der Show ist übrigens exzellent. Kollegin Nicky im Fotograben wird wahrscheinlich tonnenweise Schnappschüsse hinbekommen haben. Der äussert unterhaltsame Abend neigt so langsam seinem Ende entgegen. Mit «Community Property», bei welchem das Publikum wunderschön mit singt und «Death To All But(t) Metal» werden nochmals zwei grosse Hits ins Rennen geschickt. Bei letztgenannter Nummer erkenne ich sogar vereinzelte Crowdsurfer. War’s das? Nö, eine Patrone hat der Vierer als Zugabe noch im stets schussbereiten Liebes-Revolver: «Gloryhole». Ein feuchtfröhlicher Abschluss eines beinahe 100 Minuten dauernden Gangbangs.

Das Fanzit

Einige Metallschädel werden mit Steel Panther wohl niemals warm werden. Aus meiner Sicht ist Michael, Satchel, sexy Lexxi und Stix heute Abend allerdings eine Rehabilitation gelungen. Das war effektiv um Längen besser als der Debakel-Auftritt im Volkshaus. Was sie für ein nächstes Mal verbessern können? Tja, immer brav aktuelle Sprüche und Witze bereithalten. Ausserdem wären mehr eigene Tracks wünschenswert, denn diese sind schliesslich nicht von schlechten Eltern. Die Darbietungen von DJ Matt Stocks waren hingen ziemlich unnötig. Auch Gus G. konnte bloss teilweise überzeugen. Nichtsdestotrotz war ich überrascht, dass der heutige Event ausverkauft war. Das Z7 wirkte sogar voller als beim Amorphis-Konzert vom vergangenen Samstag.

Setliste – Gus G.

  1. Fearless
  2. Burn
  3. Mr. Manson
  4. Don’t Tread On Me
  5. Letting Go
  6. Money For Nothing (Dire Straits-Cover)
  7. Force Majeure
  8. Thrill Of The Chase
  9. I Am The Fire

Setliste – Steel Panther

  1. Eyes Of A Panther
  2. Goin‘ In The Backdoor
  3. Jump (Van Halen-Cover)
  4. Fat Girl (Thar She Blows)
  5. Asian Hooker
  6. Poontang Boomerang
  7. Kickstart My Heart (Mötley Crüe-Cover)
  8. Crazy Train (Ozzy Osbourne-Cover mit Gus G.)
  9. Guitar Solo (Gus G.)
  10. Party All Day (Fuck All Night)
  11. Pour Some Sugar On Me (Def Leppard-Cover)
  12. Livin‘ On A Prayer (Bon Jovi-Cover)
  13. Community Property
  14. Death To All But Metal
  15. Gloryhole*

*Zugabe

Fotos Steel Panther, Gus G – Z7 Pratteln 2019 (Nicky)


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/ 27.02.2019
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Autor Bewertung: 8/10