Fr, 19. April 2019

Avantasia (Show 1)

Z7 (Pratteln, CH)
/ 30.04.2019

Avantasia – oder die Krönung des Karfreitags

Ich darf mit Glück behaupten, dass ich seit den Anfängen von Avantasia mit dabei bin. Ich mag mich noch gut erinnern, als ich dazumal in Huttwil am Rocksoundfestival 2008 die erste Schweizer Show von Tobias Sammet und seinen zahlreichen Gästen hautnah miterleben durfte. Ein unvergesslicher Abend im Emmental (Anm. Kaufi: Oh ja!). Seither habe ich die Geschichte von Avantasia mehr oder weniger immer wieder live miterlebt. Unvergesslich auch die vermeintlich „letzte“ Show in Wacken, welche dann aber später zum Glück trotzdem nicht das Ende dieser Ära bedeutete.

Heute, viele Jahre und einige Alben später pilgere ich ins Z7, um mich einmal mehr der Musik von Tobi und seinen Gästen hinzugeben. Schon unglaublich: Drei Tage gastiert die Formation nun im Z7 in Pratteln, zwei ausverkaufte Shows und ein Zusatzkonzert. Ich kenne keine andere Formation in dieser Konstellation, die das fertig bringt. Noch dazu zu bemerken, dass Avantasia wohl locker grössere Venues füllen könnte, aber sich mit dem wohl bekanntesten Standort der Schweiz für Metal-, Rock- und andere Konzerte zufrieden zeigt. Wenn das nicht Solidarität pur ist oder einfach zeigt, dass es noch Bands gibt, welche auf dem Boden geblieben sind.

Auch dieses Jahr sind wieder unglaubliche Grössen des Rock-Business dabei: Jorn Lande, der nordische Gesangsgott, Eric Martin von Mr. Big, Bob Catley von Magnum, der mit seiner Gestik immer wieder unvergesslich ist und bleibt oder auch Geoff Tate, welcher mit seinem Gesangsspektrum fast die Gläser im Z7 sprengt.

(Fast) Pünktlich geht es im Z7 los und Tobias Sammet legt mit „Ghost in the Moon“ schon mal vor. Mit dem ersten Song wird schon mal die neuste Scheibe „Moonglow“ zelebriert, denn der Song hat eine Überlänge, welche aber mit den musikalischen Wendungen gar nicht so lang erscheint. Ein toller Einstieg in den heutigen Abend.

Der Mastermind von Avantasia scheint heute in Hochform zu sein, dies wird schon nach den ersten Songs klar. Dies meine ich gesanglich wie auch stimmungsmässig. Bereits in der ersten halben Stunde manövriert er das Publikum gekonnt und die maximal erlaubte Lautstärke von 105 Dezibel wird unter Anleitung des Masterminds bereits die ersten Male getoppt. Dies bezeugt auch das Messpanel, welches die Schrei-Leistung des Publikums wiederspiegelt.

Was auch auffällt ist, dass Tobias heute mit ein wenig Selbstironie (er nimmt sich diesbezüglich selbst auf die Schippe) weniger „labbert“ als auch schon. Ich persönlich finde das großartig, es dient meiner Sicht der ganzen Stimmung, wirkt effizient und gibt der Show einen unheimlichen Drive, welchen ich nicht immer so erlebt habe (Kollege Kaufi, du hast recht, wenn einer labbern darf ist es Tobi, aber trotzdem: Es passt so einfach für heute). (Anm. Kaufi: Das Labbern hat er sich auf den Samstag aufgespart! 🙂  ).

Es geht Schlag auf Schlag im Z7. „Starlight“ gefolgt von „Book of Shallows“, anschliessend „The Raven Child“ und das geniale Stück „Lucifer“ mit meinem favorisierten Gastsänger Jorn Lande. Ich mag diese Stimme einfach. Apropos Gäste: Nebst den bereits genannten Grössen gibt es leider auch einige Absenzen (Michael Kiske oder Amanda Sommerville), welche mich natürlich im Vorfeld überlegen liessen ob die Qualität der Show darunter leiden wird. Tut sie definitiv nicht! Die Gesangparts von Kiske und Sommerville werden von den anderen Gastsängern übernommen (z.B. Geoff Tate für Michael) und für Amanda hat Tobi wieder mal zwei grossartige weibliche Sängerinnen aus dem Hut gezaubert: Ina Morgan und Adrienne Cowan. Vor allem Adrienne Cowan überzeugt mich auf ganzer Linie. Diese Frau hat eine unglaubliche Power und beherrscht sowohl Growls wie auch feinfühlige Gesangspassagen, faszinierend.

Bereits früh zeichnet sich auch ab, dass die Show – so kündet es Tobias auch an – nicht nur die gewohnten 60-90 Minuten dauern wird, sondern für den aus meiner Sicht sehr humanen Preis von rund 50 Franken über DREI Stunden Spektakel geboten wird. Das nenne ich Fanverbundenheit und das macht mächtig Eindruck.

Zurück zur Musik. Mittlerweile sind wir bei Klassikern wie „Reach out for the Light“ angelangt und auch die Cover-Version vom aktuellen Dreher „Maniac“ wird performed. „Dying for an Angel“ passt perfekt in dieses Paket bei welchem Eric Martin sein Können neben Sammet zeigen kann.

Die Setlist wäre nun jetzt eigentlich schon genug lang, um das Konzert zu beenden, aber nicht für Avantasia. Es geht unvermindert weiter mit Songs wie „The Scarecrow“ oder „Twisted Mind“, die einfach immer wieder Hühnerhaut auf meinen Körper zaubern. Einsame Klasse!

Da Kollege Kaufi in seinem Bericht vom Samstag die Band ausgiebig „beleuchtet“ möchte ich an dieser Stelle den Fokus noch auf Avantasia selbst richten. Man kann von Tobias Sammet denken was man will und natürlich ist er eine polarisierende Persönlichkeit. Aber was dieser Typ hier auf die Beine gestellt hat, ist neutral und offen betrachtet einfach einmalig. All diese tollen Musiker zur selben Zeit am selben Ort zusammen zu bringen, Songs mit unterschiedlichen Längen und Intensitäten zu komponieren, die ganze Produktion auf die Bühne zu stellen, die Koordination sicherzustellen, ein solch intensives Konzert zu bieten, dass kann nur dieser Deutsche. Nebenbei ist er ja auch immer noch an allen anderen Ecken und Enden für die Musik tätig, aus meiner Sicht einfach ein Kreativkopf, welcher sein ganzes, wirklich ganzes Leben der Musik verschrieben hat. Danke an dieser Stelle für alles was du auf dich nimmst Tobi, um deinen Fans sowas Unglaubliches zu bieten. Chapeau! (Anm. Kaufi: AMEN!)

„Lost in Space“ beschliesst nach über drei Stunden den offiziellen Teil des Spektakels. Aber auch nach über 23(!!!) Songs ist noch nicht „Ende Gelände“, sondern es gibt noch zwei weitere Songs zum Geniessen, Abfeiern und Abschied nehmen. Eine Vorstellung der Band und Künstler darf natürlich nicht fehlen, auch hier hält sich Mr. Sammet aber heute wirklich kurz.

Noch eben beim Merchandise vorbeigeschaut und auch hier wieder positiv erstaunt. Ein Shirt für 30 Franken wird heute nicht mehr von jeder Band dieser Grösse angeboten.

Das Fanzit

An diesem Karfreitag-Abend bestätigt sich für mich einmal mehr, was ich schon nach dem ersten Konzert von Avantasia dachte: Dieses Konglomerat ist einfach einmalig und Hall of Fame würdig. Was heute im Z7 geboten wurde ist einfach ganz grosse Klasse. Sowohl musikalisch wie auch publikumsbezogen. Das Publikum ging heute steil und feierte die Formation regelrecht ab. Dazu beigetragen hat auch Sammet selbst, welcher die Fans immer wieder anstachelte und über die ganzen drei Stunden bei Laune halten konnte. Es gab meines Wissens kein einziges „Tief“, wie es ja so oft beobachtbar ist bei normalen Konzerten. Natürlich ist bei Avantasia auch die willkommene Abwechslung in Sachen Sänger und Stimmen dafür verantwortlich. Auch jetzt nach dem Konzert habe ich das Gefühl, ich hätte noch einige Stunden dastehen können. Fast verwegen nach über drei Stunden zu denken „wieso ist denn jetzt schon fertig….“. Ich freue mich schon auf die nächste Begegnung, es war mir eine Ehre Teil dieser Zeremonie zu sein.

Setliste

  1. Symphony No. 9, Op. 125 (Ode to Joy) (Intro)
  2. Ghost in the Moon
  3. Starlight
  4. Book of Shallows
  5. The Raven Child
  6. Lucifer
  7. Alchemy
  8. Invincible
  9. Reach Out for the Light
  10. Moonglow
  11. Maniac
  12. Dying for an Angel
  13. Lavender
  14. The Story Ain’t Over
  15. The Scarecrow
  16. Promised Land
  17. Twisted Mind
  18. Avantasia
  19. Let The Storm Descend Upon You
  20. Master Of The Pendulum
  21. Shelter From The Rain
  22. Mystery Of A Blood Red Rose
  23. Lost In Space
  24. Farewell*
  25. Sign Of The Cross / The Seven Angels*

*Zugaben

Fotos Avantasia – Z7 Pratteln 2019 (Kaufi)


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Avantasia (Show 1)
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