Metalinside.ch - Bloodbound - Z7 Pratteln 2019 - Foto Kaufi
Sa, 30. März 2019

Bloodbound, Dynazty, Manimal

Z7 (Pratteln, CH)
05.04.2019

Schweden Power in der Nordwestschweiz

Bloodbound, Dynazty und Manimal: Ein lupenreines Schweden-Triple rockt das Z7. Metalinside ist am Ort des Geschehens und weiss einiges zu berichten…

Es ist kurz vor halb zwölf. Bloodbound Fronter Patrik J. Selleby kommt in die Halle. Wenige Minuten zuvor hat er mit seiner Truppe einen bockstarken Auftritt beendet. Nun zeigt er sich bereits den Fans, posiert für Fotos und unterschreibt fleissig CDs und was ihm sonst noch entgegengehalten wird. Bier in der Hand, etwas müde sein Gesichtsausdruck – er erzählt dann auch von technischen Problemen mit seinem In Ear Monitoring und anderen kleinen Pannen, die der Fan eigentlich gar nicht mitbekommt. Seine Drachenmaske ist ebenfalls irgendwo verschwunden und hat heute gefehlt. Er ist nicht unglücklich, dass die Tour bald zu Ende ist (das Z7 ist die zweitletzte Station) – doch trotz allem haben die Jungs zweifellos viel Spass! Wie Patrik nimmt sich auch der Rest der Band noch Zeit ohne Ende für ihre Anhänger. Gelebte Fan-Nähe!

Manimal

Drehen wir die Uhr aber mal vier Stunden zurück. Pünktlich um halb acht starten Manimal in ihren Arbeitstag. Das Quartett stammt aus Göteborg und fällt optisch auf mit ihrer schwarzen Schminke. Wer nun aber Sound der böseren Art erwartet – nope! Böse ist höchstens der Gesichtsausdruck von Klampfer Hank Stenroos. Starke Leistung, während der ganzen Show dermassen „evil“ zu schauen – und manchmal kann er sich selber ein Grinsen dennoch nicht verkneifen. Image ist alles…

Musikalisch bieten Manimal coolen, stampfenden, klassischen Heavy Metal, der nicht nur aufgrund der oftmals hohen Stimme von Frontmann Sam Nyman an Judas Priest erinnert. Allerdings hört man leider nicht allzu viel davon, denn der Sound ist für Z7 Verhältnisse für einmal sehr bescheiden. Die Musiker lassen sich davon allerdings nicht beirren. Der Opener „Black Plague“ gibt die Marschrichtung vor und sorgt sogleich für erste fliegende Haare im Publikum.

Es folgt ein bunter Strauss an Melodien, bei denen mir speziell „Trapped In The Shadows“ und der Stampfer „Pschopomp“ äusserst positiv auffallen. Zur Schlussnummer „Irresistible“ marschiert Nyman auch noch in Zwangsjacke auf die Bühne, aus der er sich schliesslich befreien kann. Auch wenn mir der hohe Gesang ab und zu fast etwas zu viel des Guten ist, so vermögen Manimal 45 Minuten lang problemlos zu überzeugen. Und zwar sowohl die anwesenden Fans wie auch mich – ich hab mittlerweile grad die letzten zwei CDs bestellt… Ein starker Auftakt in den Abend!

Setliste Manimal

  1. Black Plague
  2. The Dark
  3. Trapped in the Shadows
  4. Purgatorio
  5. The Darkest Room
  6. Psychopomp
  7. Manimalized
  8. Irresistible

Dynazty

Nach einer ultrakurzen Umbaupause geht das Programm bereits in die zweite Runde. Von Dynazty hab ich im Vorfeld nur mal das aktuelle Album „Firesign“ gehört – und das weiss durchaus zu gefallen. Somit bin ich recht gespannt, was diese Jungs uns so bieten. Als erstes fällt auf – auch hier ist der Sound nicht wirklich das Gelbe vom Ei, Sänger Nils Molin (einigen wohl auch bekannt von Amaranthe) ist kaum zu verstehen. Die Lichtverhältnisse sind für die knipsende Fraktion zudem eher als „bescheiden“ einzustufen. Irgendwie schade, dass man die Bands hier auch etwas im Dunkeln lässt.

Ob es nun an der Tonqualität liegt? Jedenfalls vermögen mich Dynazty nicht so zu überzeugen wie ihre Vorgänger. Das soll aber nicht etwa heissen, dass sie schlecht sind! Nein, der Fünfer macht einen soliden Job, hat auch sichtlich viel Spass und einige der Songs sind auch richtig stark. Der Opener „Breathe With Me“ überzeugt (wenn man den kaum hörbaren Gesang ignoriert), auch „Firesign“ weiss zu gefallen. Hingegen sind das Drumsolo und die Ballade „The Smoking Gun“ im Mittelteil eher zwiespältig.

Doch dann dreht der Fünfer auf Stockholm nochmals richtig auf! „Raise Your Hands“ rockt wie die altbekannte Sau, bei „The Titanic Mass“ muss dann Publikum aushelfen – Fire! Flame! Fury! – und Molin (der beim Spiel mit dem Mikroständer sicher auch mal einem Joey Tempest zugeschaut hat…) scheint sehr zufrieden mit der Performance der Fans zu sein. Mit dem abschliessenden „Starlight“ verabschieden sich Dynazty unter viel Jubel und Applaus nach einer knappen Stunde von der Bühne. Auch hier: Trotz etwas Abstrichen ein insgesamt guter Auftritt. Und zumindest die aktuelle CD wird nun ebenfalls bald mein CD Regal bevölkern…

Setliste Dynazty

  1. Breathe with Me
  2. The Northern End
  3. Firesign
  4. The Grey
  5. Ascension
  6. Drum solo
  7. In the Arms of a Devil
  8. The Smoking Gun
  9. Raise Your Hands
  10. The Human Paradox
  11. Titanic Mass
  12. Starlight

Bloodbound

Erneut ist die Umbaupause erfreulich kurz. Es wird dunkel und aus der PA schallt Priest’s „Turbo Lover“, begeistert von den Fans und Fotografen mitgesungen. Aber zum Glück gibt’s davon (hoffentlich…) keine Ton-Aufnahmen… Dann gilt es ernst: Das düstere Intro „Bloodtale“ ertönt und die sechs Musiker entern in höllisch rotem Licht mit „Battle In The Sky“ die Bühne. Der Sound ist nach wie vor alles andere als optimal, Fronter Patrik wird behindert durch die eingangs erwähnten Probleme mit seinem In Ear Monitoring. Allen Widerständen zum Trotz drückt die Band dennoch mächtig aufs Gaspedal.

Bloodbound sind bekanntlich nicht meine allerallerliebste Power Metal Band. Vor allem mit dem früheren Material kann ich mich auch heute nicht so anfreunden. Zudem haben sie mir zu sehr bei den Grossen des Genres abgekupfert. Aber mit der Zeit haben auch mich Songs wie „Metalheads Unite“ oder „Iron Throne“ gepackt. Das neue Album „Rise Of The Dragon Empire“ finde ich nun auch fraglos das beste Werk bis jetzt (siehe Review). Insofern ist es denn auch etwas überraschend, dass heute nur gerade mal drei Songs davon den Weg ins Programm finden. Gegenüber doppelt so vielen vom Vorgängerwerk „War Of Dragons“…

„Stand And Fight“ ist früh ein richtiger Stimmungsmacher, das nachfolgende „In The Name Of Metal“ (wer hat jetzt grad was von Dream Evil gesagt?) ist einfach nur geil und mutiert zu einem ersten Höhepunkt der Show, bevor mit „Slayer Of Kings“ auch endlich ein neuer Song an der Reihe ist. Notabene einer der Besten!

Es folgt ein Mix aus alten und neuen Titeln, hier bildet das seit 2006 nicht mehr gespielte „On The Battlefield“ eine Überraschung für die Hardcore Fans der Band. Mit „Silver Wings“ und dem grossartigen „Fallen Heroes“ (von Patrik seinem Vater gewidmet) nehmen Band und Zuschauer immer mehr Fahrt auf. Und es geht noch besser: Der wohl beste Song von Bloodbound überhaupt, „Moria“, wird ein Triumphzug und weil das Publikum da schön mitsingt, darf es das bei „Metalheads Unite“ gleich nochmals tun: „Sing M E T A L for METAL!“ Klischees? Aber ja doch, und wie!

Während in den Anfangstagen eher der Zwiegehörnte etwas im Zentrum der Texte stand, so haben nun die Drachen das Zepter übernommen. „Dragons Are Forever“ – eine klare Ansage! Und der Aufstieg des Drachenimperiums ist dann auch die erste Zugabe. Doch zum Schluss wird es natürlich nochmals teuflisch. „Nosferatu“, bildet seit langer Zeit das Finish. Auch heute ist die ganze Bühne in dunkles Rot getaucht, als sich der Teufel persönlich dem Publikum zeigt. Für viele ist die Bandhymne auch DER Höhepunkt, ich persönlich finde die Show besser als den Song. Aber eben – das ist dann Geschmacksache…

Schlussendlich überzeugen Bloodbound auch als Headliner. Ja, man kann immer über die Setliste nörgeln („Warlock’s Trail“ vermisse ich also schon sehr…). Aber abgesehen davon zeigen die Olsson Brüder Tomas und Henrik, Fredrik Bergh, Daniel Sjörgen, Anders Broman (sagenhaft, welch böse Grimmassen der Kerl schneiden kann!) und natürlich auch Sänger Patrik J. Selleby eine tadellose Performance. Ja, in dieser Verfassung werde ich mir die Band sehr gerne bald wieder mal anschauen! SO geht Power Metal…

 Setliste Bloodbound

  1. Battle in the Sky
  2. Satanic Panic
  3. Stand and Fight
  4. In the Name of Metal
  5. Slayer of Kings
  6. War of Dragons
  7. Skyriders and Stormbringers
  8. On the Battlefield
  9. Stormborn
  10. Silver Wings
  11. Fallen Heroes
  12. Moria
  13. Metalhead Unite
  14. Dragons Are Forever
  15. Rise Of The Dragon Empire
  16. Nosferatu

Das Fanzit

Die Wikinger zeigen an diesem Samstagabend wieder einmal, dass der Fundus an guten Bands da oben schier unerschöpflich scheint. Zugegeben: Alle drei Truppen, die heute im Z7 aufspielen, sind schon ein paar Jährchen im Business. Trotzdem fliegen einige immer noch etwas unter dem Radar der Fans. Sowohl Manimal wie auch Dynazty und selbstredend Bloodbound hätten heute jedenfalls noch ein paar Zuschauer mehr verdient gehabt. Doch die knapp 400, die da waren, hatten zweifellos ihren Spass! Das zeigt auch die Tatsache, dass nicht wenige auch kurz vor Mitternacht noch in der Halle sind und sich von den Nordlichtern ihre neu erworbenen CDs unterschreiben lassen…

Die Soundqualität im Z7 ist dafür der einzige Kritikpunkt des Abends – das ist man sich sonst schon nicht so gewohnt. Doch dafür trumpft das Package mit erstaunlich grosszügigen Spielzeiten: 45 resp. fast 60 Minuten für die beiden Support Acts sind löblich und alles andere als Standart – Hut ab!

Fotos Bloodbound, Dynazty, Manimal – Z7 2019 (Kaufi)


Wie fandet ihr das Konzert?

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