Overkill - Dynamo Zürich 2019 (Flyer)
Mo, 18. März 2019

Overkill, Destruction, Flotsam And Jetsam, Chronosphere

Dynamo (Zürich, CH)
02.04.2019
Overkill - Dynamo Zürich 2019 (Flyer)

Vierfacher Montags-Thrash-Abriss 

Die «Killfest»-Tour legte am Montagabend einen Zwischenstopp im Zürcher Dynamo ein. Wer die restliche Woche mit zerstörten Nackenmuskeln in Angriff nehmen wollte, musste diesem Event unbedingt beiwohnen. Sämtliche vier Truppen vermochten mit ihrem Thrash-Geknüpple zu überzeugen. Wer mich jedoch ganz speziell überrascht hat, wird in den nachfolgenden Zeilen verraten.

Diesem Package haben im Vorfeld äussert viele Metalheads entgegen gefiebert. Overkill, die unerschütterlich grünen Bestien aus New Jersey, haben sich für diese Tour Destruction, Flotsam And Jetsam und Chronosphere ins Boot geholt. Wobei letztgenannte Band für die ausgefallenen Aussies von Meshiaak eingesprungen ist. Wer will diese Dampfwalzen-Karawane aufhalten? Ein Ding der Unmöglichkeit. Die Gemäuer des Jugendkulturhauses werden heute Abend definitiv intensiv auf ihre Stabilität getestet. Ich bringe mich mit Hopfentrunk und viel guter Laune auf der rechten Seite des Saals in Stellung. Man will sich ja nicht mit unnötig viel Vorgeplänkel aufhalten. Lasset die Thrash-Spiele beginnen!

Chronosphere

«D’Grieche die Sieche» starten um 18.30 Uhr vor erwartungsgemäss überschaubarer Kulisse in ihr Set. Da werden wohl leider einige Ticketbesitzer noch bei der Arbeit – oder im Falle der Autofahrer im Feierabendverkehr – festsitzen. Ich bin allerdings davon überzeugt, dass es hier in den nächsten Stunden ziemlich eng werden wird.

Chronosphere lassen sich davon nicht beirren. Jung, wild und energiegeladenen ballern sie uns ihre Songs um die Lauscher. Obligate Einheitskleidung scheinen bei den vier Jungs offenbar rote Hosen zu sein. Habe ich das gerade richtig verstanden? Heisst der Fronter wirklich Gyros? Gleich nochmals nachlesen und verifizieren. Nein sorry, Spyros Lafias wäre eigentlich korrekt. Kann man schon einmal verwechseln. Er und seine Kollegen haben einige böse Nackenbrecher-Riffs in petto. Da Thanos Krommidas Schiessbude in der Bühnenmitte platziert wurde, kommt das Quartett nicht in den Genuss der vollen Bewegungsfreiheit. Sie machen nichtsdestotrotz des Beste draus.

Für Chronoshere sei dies heute Abend die letzte Show der Tour. Meinetwegen dürfen sie aber sehr gerne in Bälde wieder einmal in die Schweiz zurückkehren. Dank dieser Performance haben sie sicherlich nochmals ein paar Fans dazugewonnen. Beendet wird der Auftritt schliesslich nach 30 Minuten mit einer gelungenen Coverversion von «Ace Of Spades».

Flotsam And Jetsam

Nach den Jungspunden gehen nun die Veteranen ins Rennen. Die Bühne wird mit Bildern der Scheibe «The End Of Chaos» dekoriert. Darauf sind postapokalyptische Szenerien zu sehen. Stellen die zerstörten Gebäude und verwüsteten Landschaften etwa einen Vorgeschmack auf den anstehenden Sound dar? Absolut, denn auch Flotsam And Jetsam dreschen von Beginn weg gnadenlos drauflos. Der Gesang von Eric A.K. ist leider auf der rechten Seite nicht sonderlich gut zu hören. Allenfalls wäre an dieser Stelle ein Abstecher in die Raummitte empfehlenswert. Da sich die Publikumsreihen jedoch konstant verdichten, ist kaum mehr an ein Durchkommen zu denken. Halb so wild, denn mit der Zeit dringt die Stimme des Fronters auch bei mir klar und deutlich in die Gehörgange ein.

Die seit 1984 aktiven Amis steigern von Minute zu Minute die Intensität. Die knallharten Riffs bearbeiten die anwesenden Nackenwirbel. Von eiskalt durchkalkuliertem Heruntergespule kann keine Rede sein, denn die Herrschaften haben sichtlich Spass auf der Bühne. Speziell Eric haut schon gerne einmal ein paar freche Sprüche raus. Kracher der Marke «Desecrator» oder «Iron Maiden» (inklusive Huldigung der namensgebenden Truppe) sorgen für Eskalationen bei der Zuhörerschaft. Nach 45 Minuten dürfen sich Flotsam And Jetsam dem wohlverdienten Feierabend widmen.

Destruction

Hier jagt ein krasses Kaliber das nächste. Bass-Hüne Schmier gibt mit seinen Teutonen-Thrashern Destruction ab 20.20 Uhr den Tarif durch. Die Augen der Fans sind heute primär auf ein Bandmitglied gerichtet, denn seit kurzem mischt nämlich «unser» Damir Eskic als zweiter Saitenhexer im Gefüge des deutschen Zerstörers mit. Die Hinzunahme des Gomorra-Mannes scheint sich als waschechter Glücksgriff herauszustellen. Da bringt einer eindeutig frischen Wind in den Laden. Mir bleibt regelrecht die Spucke weg, denn so bärenstark habe ich Destruction bisher noch nie erlebt. Die restlichen Bandmitglieder wirken ebenfalls beflügelt. Selbst Schmiers-Gesang, den ich in der Vergangenheit oftmals als eintönig eingestuft habe, vermag zu gefallen.

In der Saalmitte nimmt die Action fortan zu. Es sind Gemoshe und Circle Pits auszumachen. Dirigiert wird alles vom Herrn am Tieftöner, der sich ab und sogar an schweizerdeutschen Ausdrücken versucht. Nicht ganz verwunderlich. Da man den in Lörrach beheimateten Herrn des Öfteren als Gast an helvetischen Konzertveranstaltungen antrifft, wird er sicherlich bereits das eine oder andere Wörtchen mehrmals aufgeschnappt haben. Mit dem passenden Motto des Abends – «Thrash Till Death» – läutet das Quartett langsam das Set-Ende ein. Als Zugabe wird dann noch «Bestial Invasion» hinterhergereicht. Hui, jetzt muss ich vor Overkill zuerst einmal rasch durchatmen.

Overkill

Gemäss der Aussage eines Kollegen sei das Dynamo die kleinste Location der «Killfest»-Tour. Ich bin davon überzeugt, dass man mit diesem Package auch eine grössere Halle hätte füllen können. Oder sind Overkill genau dort, wo sie sein müssen? Seit Jahren liefern die Jersey-Boys konstant gute Leistungen ab, aber irgendwie hat es trotzdem niemals zum ganz grossen Durchbruch gereicht. Definitiv nicht wirklich verständlich. So unantastbar sind beispielsweise die einzelnen Mitglieder der legendären «Big 4» nun auch wieder nicht. Lediglich gemessen an der aktuellen Form könnte die Personalie Megadeth ohne Schwierigkeiten durch Testament, Death Angel oder eben Overkill ersetzt werden. Habe ich jetzt zu blasphemisch gesprochen beziehungsweise geschrieben? Naja, fokussieren wir uns lieber wieder auf die Darbietung von Bobby «Blitz» Ellsworth und Co.

Zu den Intro-Klängen wird die Bühne in das für die Truppe typische giftgrüne Licht getaucht. Trommler Jason Bittner testet erstmals seine Felle an. Danach beritt die Saitenfraktion bestehend aus D.D. Verni (Bass), Dave Linsk (Lead-Klampfe) und Derek Tailer (Rhythmus-Gitarre) die Bildfläche. Richtig los geht’s mit «Last Man Standing» vom aktuellsten Werk «The Wings Of War», welches vor rund einem Monat veröffentlicht wurde. Studioalbum Nummer 19 (!) ist aber lediglich mit drei Songs in der heutigen Setliste vertreten. Wer fehlt noch? Genau, Mister Schreihals himself. Ohne sein markantes Stimmorgan geht’s schliesslich nicht. Allerdings spaltet genau dieses schrille Ding oftmals die Gemüter. Während die einen den Gesang frenetisch abfeiern, schreiben ihm andere Ohrenkrebs auslösende Eigenschaften zu. Sagt was ihr wollt, für mich passt der Gesang wie die Faust aufs Auge zum genialen Thrash-Abriss, den Overkill hier wieder einmal servieren.

Der Fronter verschwindet immer wieder hinter der Bühne. Was er dort hinten treibt, bleibt sein Geheimnis. Sauerstoff-Zelt, Nase pudern oder einfach nur Kräfte sammeln – letztgenannter Punkt würde mich bei seiner Krankengeschichte ehrlich gesagt nicht wundern. In dieser Zeit haben seine Kollegen an der Front jedoch alles im Griff. Der grinsende Dave geizt nicht mit geilen Soli, Derek versucht sich als Plektrum-Jongleur und Mister Verni brüllt gelegentlich Anweisungen ins Mikro. Und schon sprintet Bobby wieder blitzartig (ja sorry, der musste jetzt sein) zurück ins Rampenlicht. Bei der Übergabe eines Plektrums an einen Fan in der ersten Reihe haut’s ihn sogar kurzzeitig auf den Latz. Problem? Keinesfalls. Dann wird eben einfach sitzend weitergesungen.

Abgesehen vom fehlenden «Goddamn Trouble» habe ich an der Setliste nix zu bemängeln. Insgesamt kommen Songs von zehn verschiedenen Alben zum Zug. Selbstvertrauen ist unter anderem daran auszumachen, dass die Hymne «Elimination» bereits als vierte Nummer vom Stapel gelassen wird. Nach «Rotten To The Core», bei dem das Publikum im Refrain fantastisch mitjohlt, gibt’s nochmals rasch Gelegenheit zur Erholung und Entspannung der Nackenmuskeln. Der anschliessende Zugaben-Block hat es jedoch ebenfalls in sich. Das bekannteste Stück «Fuck You» (übrigens ein Cover von The Subhumans) leitet Bobby folgendermassen ein: «My German is shit. My English is shit, too. But my sign-language is perfect.» Dazu reckt er breitgrinsend seine beiden Mittelfinger in die Höhe. Die Masse tut es ihm gleich. Dadurch zollen wir alle dem Montag zum Showabschluss genau so Tribut, wie es der verhassteste Wochentag verdient hat.

Das Fanzit

Ein Konzertabend mit hundertprozentiger «Thrash-gasm» Garantie. Chronosphere haben äussert solide begonnen und danach hat jede Band mindestens nochmals eins draufgesetzt. Ziemlich überrascht haben mich Destruction – im positiven Sinne. Als Quartett muss man den deutschen Zerstörer definitiv wieder auf dem Radar haben. Und Overkill? Die Herren sind zwar seit bald 40 Jahren im Business, wirkten während ihrer Performance allerdings weder ausgelaugt noch unmotiviert. In diesem Sinne: «Thrash Till Death!»

Setliste – Chronosphere

  1. Before It’s Gone
  2. Envirusment
  3. Warriors
  4. Picking Up My Pieces
  5. Brutal Decay
  6. Ace Of Spades (Motörhead-Cover)

Setliste – Flotsam And Jetsam

  1. Prisoner Of Time
  2. Desecrator
  3. Iron Maiden
  4. Hammerhead
  5. Demolition Man
  6. Suffer The Masses
  7. Dreams Of Death
  8. Recover
  9. No Place For Disgrace

Setliste – Destruction

  1. Curse The Gods
  2. Release From Agony
  3. Nailed To The Cross
  4. Mad Butcher
  5. Dethroned
  6. Life Without Sense
  7. Total Desaster
  8. The Butcher Strikes Back
  9. Thrash Till Death
  10. Bestial Invasion*

*Zugabe

Setliste – Overkill

  1. Last Man Standing
  2. Electric Rattlesnake
  3. Hello From The Gutter
  4. Elimination
  5. Deny The Cross
  6. Necroshine
  7. Head Of A Pin
  8. Under One
  9. Bastard Nation
  10. Mean, Green, Killing Machine
  11. Feel The Fire
  12. Rotten To The Core
  13. Ironbound*
  14. Fuck You (The Subhumans-Cover)*
  15. Welcome To The Garden State*
  16. Fuck You (Wiederaufnahme) (The Subhumans-Cover)*

*Zugabe


Wie fandet ihr das Konzert?

02.04.2019
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