Terror - Dynamo Zürich 2019 (Plakat)
Mo, 8. Juli 2019

Terror, Dying Fetus, Negative Approach, Virvum, Just Ice

Dynamo (Zürich, CH)
12.07.2019
Terror - Dynamo Zürich 2019 (Plakat)

Ein Wochenstart nach Mass!

Montagskonzerte sind immer so eine Sache. Das Wochenende noch in den Knochen und bereits wieder spät ins Bett kommen ist nicht Ideal. Wenn aber so ein Eindrückliches Line-Up lockt wie diesen Montag im Dynamo, überwindet man sich leicht. Neben den Death Metalern von Dying Fetus und den Hardcore-Legenden Terror sind auch noch 3 Support-Acts im Programm. Also 5 gute Gründe für einen Wochenstart der härteren Art.

Da so viele Bands auch entsprechend viel Zeit brauchen, ist die Türöffnung auf 18:00 und die erste Show bereits auf 18:40 angesetzt. Da ich glücklicherweise in der Stadt Zürich arbeite ist es für mich kein Problem pünktlich vor Ort zu sein, für Konzertbesucher die von weiter anreisen und ebenfalls noch arbeiten müssen aber eher schwierig. Bei einem noch späteren Beginn würden aber alle mit ÖV-Angereisten wohl den Schluss verpassen, somit ist der frühe Beginn natürlich schon gut.  Löblicherweise war die Running Order schon Tage zuvor auf Facebook gepostet worden, so kann man für sich selbst schauen, um welche Zeit und zu welcher Band man spätestens da sein will.

Als ich um kurz nach 18 Uhr den Saal betrete ist es aber noch gähnend leer. Es hat zwar eine riesige Auswahl an Merch von allen auftretenden Bands, zudem hat jede Band eigene VerkäuferInnen mit dabei. Aber diese 5 Leute machen kurz nach Türöffnung die Hälfte der Anwesenden Personen aus… Ich bin gespannt wie viele Leute schlussendlich kommen. Und auch ein bisschen ob es wohl mehr Death Metal- oder Hardcore-Shirts im Publikum zu finden gibt.

Just Ice

Den Auftakt macht die Junge Hardcore-Band Just Ice aus Kanada. Zu Konzertbeginn sind wohl ca. 20 Leute da, nicht die leichteste Aufgabe so zu eröffnen. Die Jungs machen ihre Sache aber ziemlich gut, Sänger Jonathan B hüpft motiviert über die Bühne und erwähnt mehrmals, dass sie zum ersten Mal in Europa sind.

Die Gruppe spielt klassischen Hardcore, der aber auch eine Portion Metal enthält. So gibt es zum Beispiel extrem schleppende Parts, die mich teilweise ein bisschen an Doom Metal erinnern. Auch Stimmlich hat die Band ein Alleinstellungsmerkmal, ich habe noch keinen Hardcore-Shouter mit so einer Stimmlage gehört. Der Frontmann klingt teilweise fast ein bisschen nach Lemmy, oder so wie ich mir einen betrunkenen Lemmy als Hardcore-Frontmann vorstellen würde. Was mir nicht so gefällt ist das «Background-Geschrei» des Gitarristen, ziemlich grell.

Im Grossen und Ganzen aber ein guter Support-Auftritt und sehr kurzweilig. Nach 7 Songs plus Intro und knapp 20 Minuten Spielzeit ist schon Schluss. Gemäss Zeitplan hätte die Band 30 Minuten zur Verfügung, aber eventuell haben sie gar nicht mehr Songs. Viel mehr ist jedenfalls auch auf der Bandcamp-Seite der Gruppe nicht aufgeführt.

Nun heisst es für mich wieder Treppen laufen. Da so viele Bands den üblichen Backstage sprengen, ist der Raucher-Bereich im Dynamo heute geschlossen. So komme ich neben einer Zigarette zwischen den Shows auch noch zu (unfreiwilligem) Training…

Setliste Just Ice

  1. Intro
  2. IATY
  3. Sleep
  4. Negative
  5. 38
  6. Prime Time
  7. Enemy Of Myself
  8. Burning Roses

Virvum

Nach der Hardcore-Eröffnung folgt nun die erste Death Metal-Band des Abends. Virvum haben ein Heimspiel hier in Zürich und dürfen erfreulicherweise bereits auf ein einiges grösseres Publikum zählen als Just Ice vor Ihnen. Allerdings steht der Grossteil der Leute zwar interessiert, aber eher Regungslos im hinteren Teil der Halle. Vor der Bühne hat es noch genügend Platz. Auch Sänger Bryan Berger fragt das Publikum, ob das hier ein Kaffekränzchen oder ein Konzert ist. Im Laufe der Show ist dann jedoch wenigstens immer mehr Headbanging auszumachen. Es scheint aber schon etwas mehr Hardcore-Leute hier zu haben als Metalheads.

Der Auftritt bietet die volle Ladung progressiver Technical Death Metal, bei dem ich Zwischendurch auch eine kleine Dosis Black Metal heraushöre. Ich bin immer wieder aufs Neue Begeistert von zwei Sachen bei Virvum: die absolut geile Growl-Stimme von Frontmann Bryan Berger und die technischen Fertigkeiten der Instrumentalisten. Besonders Nic Gruhn an der Lead-Gitarre und Arran McSporran am 6-Saitigen Bass spielen auf einem sehr hohen Niveau. Das Songmaterial ist sehr technisch und nicht gerade leichte Kost, aber definitiv stark. In meinen Augen ist Virvum eine der besten Extrem Metal Bands der Schweiz, was sie auch heute Eindrucksvoll unter Beweis stellen. Kein Wunder ist die Gruppe unterdessen auch ausserhalb der Schweiz ein gefragter Live-Act. Ein sehr starker Auftritt, so kann es weitergehen!

Setliste Virvum

  1. New Song
  2. Earthwork
  3. Illuminance
  4. Ad Rigorem
  5. Tentacles
  6. Final Warming Shine

Negative Approach

Nun folgen echte Legenden und Pioniere des Hardcore Punk: Negative Approach aus Detroit wurden 1981 gegründet und waren eigentlich nur bis 1984 wirklich aktiv. Unterdessen ist die Gruppe aber von Zeit zu Zeit wieder auf Tour. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich zwar den Namen schon gehört habe, viel mehr weiss ich aber nicht über die Band und ihre Musik. Umso gespannter bin ich was mich erwartet.

Die Truppe betritt die Bühne und legt sofort los. Sänger John Brannon, das einzig verbliebene Gründungsmitglied, schreit sich die Seele aus dem Leib und erweist sich als absoluter Grimassen-Meister. Gitarrist Harold Richardson spielt mit dem Rücken zum Publikum in Richtung seines Verstärkers. Während der kompletten Show dreht er sich nicht einmal Richtung Zuschauer, dafür Klatscht er nach dem Konzert mit der kompletten ersten Reihe ab. Bassist Ron Sakowski hat einen beeindruckenden Bart, spielt Richtung Publikum und steuert zwischendurch Backing Vocals bei. Optisch wirkt das Ganze von A bis Z sehr kauzig, aber höchst unterhaltsam.

Musikalisch wird aggressiver Uralt-Hardcore geboten, dem man seine Wurzeln im Punk und Oi! noch sehr deutlich anhört. Mir kommen ab und zu auch Napalm Death in den Sinn, da der Sound teilweise ziemlich schnell und hart ist und der Frontmann auch optisch und vom Acting her etwas an Barney Greenway erinnert.

Auf Ansagen wird lange Zeit verzichtet, erst ungefähr in der Mitte des Sets wendet sich der Frontmann zum ersten Mal ans Publikum. Wenn ich ihn richtig verstanden habe scheint er etwas verwirrt zu sein, ich höre «Cleveland, it’s good to be back». 100% sicher bin ich mir nicht, Switzerland hat er aber definitiv nicht gesagt. Dem lässt John noch folgende tief-philosophischen Ratschläge an die Anwesenden Leute folgen, welche ich zum Glück dann gut verstanden habe: «Kids, stay in school, don’t do drugs, and never date your co-workers». Danke, John! Und weiter geht’s mit Musik, das bleibt die einzige längere Ansage bis zum Schluss der Show.

Das Wort «Kult» ist meiner Meinung nach etwas überstrapaziert. Für diese Band und auch den Auftritt passt das aber perfekt! Auch dem nun bereits ziemlich zahlreich anwesenden Publikum scheint es zu gefallen, so gibt es bereits etwas Bewegung vor der Bühne und auch viel Applaus. Absolut gerechtfertigt – sackstarke Show, ich würde mir die Band jederzeit wieder ansehen.

Setliste Negative Approach

  1. Hypocrite
  2. Whatever
  3. Why Be Something
  4. Pressure / Fair Warning
  5. Can’t Tell / Sick Of
  6. Evacuate / Said + Done
  7. Dead Stop
  8. Live Your Life
  9. Ready To Fight
  10. Your Mistake
  11. Genocide / Nothing
  12. Lost Cause
  13. Borstal
  14. NA
  15. Tied Down
  16. Friend Or Foe
  17. I’ll Survive

Terror

Als nächstes ist die Gruppe an der Reihe, wegen der heute wohl der Grossteil der Leute hier ist: Terror aus Los Angeles. Der Saal ist unterdessen wirklich gut gefüllt und die Stimmung kocht von Beginn weg. Frontmann Scott Vogel scheint ausgezeichnet aufgelegt und in Form zu sein, er wirbelt wie wild über die Bühne. Und auch das Publikum gibt, angestachelt vom Frontmann, von Anfang an Vollgas. Jede Menge Bewegung vor der Bühne und Stage Dives begleiten das ganze Konzert. Teilweise fast ein bisschen fahrlässige Sprünge, öfters hat es etwas wenig Leute die den Springenden auffangen können, und so kommt es auch zu ein paar Stürzen. Gröbere Verletzungen sind aber soweit ich mitbekommen habe keine zu beklagen…

Auf der Setlist stehen 3 Songs vom bockstarken «Total Retaliation»-Album vom letzten Jahr. Einen davon, «This World Never Wanted Me» widmet Scott Vogel der (seiner Meinung nach) härtesten Band der Welt, Dying Fetus. Und natürlich kommen auch viele Classics wie «Always The Hard Way» oder «Life And Death» zum Zug.

So liefert Terror wie gewohnt eine grossartige Show, begleitet von jeder Menge Action. Der «Hardcore-Teil» des Publikums geht vorne ab, und auch den «Metal-Leuten» scheint es grösstenteils zu gefallen. Das Einzige was die Freude bei mir ein bisschen trübt: auf der Running Order war die Spielzeit mit einer Stunde angegeben, nach 45 Minuten ist aber bereits Schluss. Es waren definitiv intensive und gute 45 Minuten, aber ich hätte auch Problemlos noch weitere 15 Minuten durchgehalten…

Setliste Terror

  1. Lowest Of The Low
  2. Stick Tight
  3. Overcome
  4. This World Never Wanted Me
  5. One With The Underdogs
  6. Return 2 Strength
  7. The 25th Hour
  8. No Time 4 Fools
  9. Spit My Rage
  10. Live By The Code
  11. Always The Hard Way
  12. Mental Demolition
  13. You’re Caught
  14. Keep Your Mouth Shut
  15. Keepers Of The Faith
  16. Betrayer
  17. Life & Death
  18. Total Retaliation

Dying Fetus

Da ich aufgrund Rauchpause wieder mein Treppensteig-Programm in Angriff nehme, verpasse ich leider den Anfang von Dying Fetus. Obwohl ich kurz vor dem auf der Running Order genannten Beginn um 23 Uhr wieder in der Halle bin, ist die Band bereits am Spielen. Keine Ahnung ob die Veranstalter gemerkt haben, dass Mitternacht ein etwas spätes Show-Ende bedeutet und Terror auch deswegen früher Schluss gemacht haben. Wirklich damit gerechnet das deswegen Dying Fetus früher anfangen habe ich aber nicht… Zum Glück habe ich scheinbar nicht allzu viel verpasst und kann mich noch etwas nach vorne kämpfen.

Zudem bin ich wieder einmal erstaunt, wie die Jungs zu dritt so einen geilen Sound hinbekommen. Technisch auf allerhöchstem Niveau spielt sich die Band durch Songs von Total 7 Ihrer Releases und deckt somit alle Phasen Ihrer lagen Karriere ab. Auch wenn 4 Stücke vom neusten Album «Wrong One To Fuck With» kommen ist die Setlist meiner Meinung nach sehr ausgewogen und gefällt mir gut.

John Gallagher spielt nicht nur verdammt gut Gitarre, der Mann hat auch eine der absolut besten Stimmen im Death Metal. Was der seinen Stimmbändern für Geräusche entlocken kann ist immer wieder erstaunlich. Und Bassist Sean Beasley ergänzt John mit seiner Stimme perfekt.

Das Publikum hat sich zwar ein bisschen ausgedünnt, der Saal ist aber immer noch ordentlich gefüllt und auch die Stimmung passt nach wie vor. Natürlich geht es nicht mehr ganz so wild zu und her wie noch bei Terror, aber auch bei Dying Fetus kommt es zu einigen Pits und auch sonst viel Bewegung. Und wenn man sich die zahlreichen Dauer-Headbanger anschaut wird wohl beim einen oder anderen mit leichten Nackenschmerzen in die Woche gestartet.

Da ich wie erwähnt nicht von Anfang an dabei war kann ich nicht genau sagen wie lange Dying Fetus gespielt haben, ich vermute aber ebenfalls nicht ganz die programmierte Stunde. So ist ca um 23:45 Schluss. Somit sollten alle noch den letzten Zug erwischen, was ja super ist, nur hätte man die Zeiten ja auch von Anfang an so festlegen können… Das ist aber meine einzige leise Kritik, ansonsten haben mich auch Dying Fetus überzeugt. Und so findet ein toller Abend seinen krönenden Abschluss.

Setliste Dying Fetus

  1. In The Trenches
  2. Fixated On Devastation
  3. One Shot One Kill
  4. From Womb To Waste
  5. Grotesque Impalement
  6. Panic Amongst The Herd
  7. Destroy The Opposition
  8. Eviscerated Offspring
  9. Seething With Disdain
  10. Your Treachery Will Die With U
  11. Wrong One To Fuck With

Das Fanzit

So dürfte von mir aus jede Woche starten! Just Ice war ein guter Einheizer und die anderen 4 Bands haben mich allesamt auf der ganzen Linie überzeugt. Oft finde ich bei Shows mit so vielen Gruppen das Qualitäts-Gefälle zwischen den Bands grösser, heute habe ich wirklich einmal 4 Top Auftritte von 4 Top Bands gesehen. Ausserdem war dadurch, dass nicht alle Bands genau denselben Stil spielen, auch für ordentlich Abwechslung gesorgt. Bis auf die leise Kritik an der «falschen» Running Order bzw. den falschen Zeiten darauf, war der Abend wirklich grossartig. Merci Meh Suff! und Roadrage Booking. Von mir aus darf man gerne wieder einmal einen Abend mit Hardcore und Death Metal organisieren – wenn es sein muss auch an einem Montag…


Wie fandet ihr das Konzert?

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