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As I Lay Dying - Volkshaus Zürich 2019 (Flyer)
Do, 10. Oktober 2019

As I Lay Dying, Chelsea Grin, Unearth, Fit For A King

Volkshaus (Zürich, CH)
30.11.2019
As I Lay Dying - Volkshaus Zürich 2019 (Flyer)

Fulminante Rückkehr eines Metalcore-Aushängeschilds 

Vier Gruppen knallten am Donnerstagabend wuchtige Melodien auf die Volkshaus-Bretter. Eine Kapelle wurde jedoch vermutlich aufgrund des Gras-Konsums des Frontmanns etwas ausgebremst. Die anderen Gruppen vermochten allerdings zu überzeugen. Beim Headliner – As I Lay Dying – stand verständlicherweise insbesondere Mikrofon-Biest Tim Lambesis im Vordergrund. Die unschöne Geschichte mit dem Auftragsmord wird ihn wohl noch eine Weile verfolgen. 

Veranstalter Mainland Music bietet heute Abend einem US-amerikanischen Quartett im Zürcher Volkshaus Unterschupf. Aus musikalischer Sicht dürften die Akteure primär das Metalcore-Publikum anlocken. Bekanntermassen ist dies nicht wirklich meine bevorzugte Sparte, aber ab und an lasse ich mich trotzdem auf ein «Abenteuer» in diesem Sektor ein. Gerade in dieser Location habe ich mit solchen Konzerten positive Erfahrungen gemacht. Man denke da beispielsweise an den mitreissenden Heaven Shall Burn-Auftritt vor etwas mehr als einem Jahr zurück.

Von der angebotenen Affiche sind mir immerhin Unearth und As I Lay Dying bereits bekannt. Letztgenannte Band wird als Headliner an den Start gehen. Mit «Shaped By Fire» haben sie erst kürzlich ihr neustes Werk auf die Menschheit losgelassen. Zuvor wurde mit einigen Single-Auskopplungen deutlich gemacht, dass man freilich wieder mit den Jungs aus San Diego, Kalifornien rechnen muss. Dabei war lange Zeit unklar, ob wir As I Lay Dying überhaupt wieder einmal live erleben würden. Schuld daran war Frontmann Tim Lambesis, der sich 2013 – gemäss gewissen Quellen komplett mit Steroiden vollgepumpt – zu einer verdammt dämlichen und hirnlosen Aktion hinreissen liess. Er beauftragte einen Auftragskiller damit, seine damalige Frau um die Ecke zu bringen. Dumm nur, dass es sich bei dem sogenannten «Hitman» um einen verdeckten Ermittler gehandelt hat. Resultat: Sechs Jahre hinter schwedischen Gardinen. Allerdings wurde Tim 2016 frühzeitig auf Bewährung entlassen. Reue hat er seither diverse Male gezeigt. Nichtsdestotrotz stehe ich der ganzen Sache nach wie vor kritisch gegenüber. Klar, bekanntermassen hat jeder Mensch eine zweite Chance verdient, aber eine solch schwerwiegende Tat kann man nicht wirklich ungeschehen machen. Damit dieser Artikel nun nicht komplett in einer Justiz-Debatte ausartet, möchte ich den Fokus trotzdem wieder auf die Musik lenken. Ihr könnt euch gerne eine eigene Meinung zum «Lambesis-Fall» bilden.

Fit For A King

Mit circa zehn Minuten Verspätung gehen Fit For A King an den Start. Das Energiebündel der Truppe ist rasch ausgemacht: Basser «Tuck» O’Leary. Regelmässig wirbelt der Glatzkopf sein Spielgerät durch die Gegend. Auch für mehrere Ausflüge ins Publikum ist er sich nicht zu schade. Die waghalsigste Aktion ist jedoch eindeutig sein Herumstolzieren auf dem Galerie-Balkon. Das erfordert effektiv riesige «Cojones» und ein gewisses Faible für Balance. Glücklicherweise bringt der Mann am Tieftöner die ganze Geschichte ohne Sturz über die Bühne.

Den vier Texanern gelingt in der ihnen zur Verfügung stehenden halben Stunde ein solider Auftakt. Sie sorgen bereits für erste Circle Pits und eine Wall Of Death kann ebenfalls schon bestaunt werden. Die Fans sind ausserdem in Hüpf-Laune. Auch die Breakdowns werden intensiv abgefeiert. Der Gesang von Frontmann Ryan Kirby dürfte hingegen ungeniert ein bisschen lauter sein.

Unearth

Von Dallas, Texas geht’s mit einem gigantischen Hüpfer hinüber nach Boston, Massachusetts. Dort ist die 1998 gegründete Kapelle Unearth domiziliert. Sie eröffnen ihr Set um 20.30 Uhr mit dem Track «Incinerate» vom aktuellsten Silberling «Extinction(s)». Der Anfang wirkt auf mich eher durchzogen. Doch die Jungs können sich konstant steigern. Bei der Zuhörerschaft ziehen insbesondere die alten Gassenhauer. Aufgrund dessen müssen es also Songs wie «This Lying World» oder «The Great Dividers» richten. Der bestens bekannte Hit «My Will Be Done» (mit verdammt packenden Riffs) löst gleicherweise Jubelstürme aus. Des Weiteren ist der Theatersaal des Volkshauses nun einem regelrechten Crowdsurfer-Angriff ausgesetzt. Das bedeutet Arbeit für die Herrschaften im Graben.

Gitarrist Ken Susi kümmert sich um die Fans und versorgt diese mit Wasserflaschen. Eine schleudert er obendrein auf die Galerie hinauf. Diese kommt allerdings postwendend zurück, womit der Kollege offenbar nicht gerechnet hat. Das Resultat ist eine nasse Bühne. Somit dürfen jetzt die Reinigungs-Roadies ran. Man will ja schliesslich vermeiden, dass plötzlich die Elektronik zu Schaden kommt. Wie ihr seht haben bei Unearth irgendwie alle Leute etwas zu tun.

Chelsea Grin

Bereits vor dem Gig der nächsten Gruppe dringt ein äusserst penetranter Gras-Geruch in meine Nase. Ein paar Minuten später wird dann auch klar, wo der ganze Stoff gelandet zu sein scheint – nämlich im Köper von Tom Barber (seines Zeichens Grunzer von Chelsea Grin). Während der gesamten Show scheint er irgendwo in einem ganz anderen Universum zu sein. Mit ihrem Deathcore wären die Akteure aus Salt Lake City, Utah eigentlich als härteste Band des Abends einzustufen. Aber aufgrund von «Marihuana-Tom» können sie Ihre Wucht blöderweise nur teilweise entfachen. Immerhin hilft ihm Trommler Pablo Viveros Segura ab und an mit «Gelegenheits-Gebrüll» aus. Nichtsdestotrotz wandern meine Gedanken allmählich Richtung Headliner.

As I Lay Dying

Alle drei Vorgruppen mussten auf einer verkleinerten Bühne ran. As I Lay Dying haben für ihre Darbietung jetzt aber die gesamte «Spielwiese» zur Verfügung. Von Beginn weg geht’s ordentlich zur Sache. Die Herrschaften aus San Diego, Kalifornien lassen den Fuss schön auf dem Gaspedal. Starke Performance! Sonnenschein aus ihrer Heimat haben sie in Form von gelegentlichen Pyro-Effekten mit nach Zürich gebracht. Nicht übel. Ich kann mich ehrlich gesagt gerade nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal Feuer im Volkshaus zu Gesicht bekommen habe.

Das neuste Werk «Shaped By Fire» und die 2007er-Scheibe «An Ocean Between Us» bewegen sich in der Setliste auf Augenhöhe und sind mit jeweils fünf Stücken vertreten. Egal was kommt, das Publikum agiert stets äusserst textsicher. Das ist im gleichen Masse auffällig wie beeindruckend. Es scheinen sich effektiv äussert viele Fans über die Rückkehr ihrer Metalcore-Helden zu freuen. Das zeigt auch den Stellenwert, den die Band in diesem Genre geniesst.

Während Bassist Josh Gilbert die klar gesungenen Parts übernimmt, bleibt Tim Lambesis der Mann fürs Grobe (und das meine ich jetzt nicht bloss mit Bezug auf seine imposante Statur). In seinen Ansagen zeigt der Fronter Reue. Immer wieder betont er, wie wichtig ihm diese «second chance» sei. Es scheint ihm damit effektiv ernst zu sein – auch wenn ich dies nicht hundertprozentig abschätzen kann, denn Amis neigen bei solchen Dingen ja gerne manchmal zum Übertreiben. Zudem ist mir ebenfalls unklar, ob wirklich alle der hier Anwesenden über die Auftragsmord-Geschichte Bescheid wissen. Schlussendlich muss jeder selber entscheiden, wie er zu Tim stehen möchte. Aus Sicht von As I Lay Dying ist es zweifelsohne ein Vorteil, dass der Muskelberg wieder im Sattel sitzt, denn künftig muss man definitiv wieder mit dieser Band rechnen.

Das Fanzit

As I Lay Dying sind wieder da! Dies haben sie mit ihrem fulminanten Auftritt am heutigen Abend allen bewiesen. Bleibt zu hoffen, dass sich Tim Lambesis weiterhin ausschliesslich auf die Musik konzentriert und das Erteilen von Auftragsmorden für Ex-Frauen anderen überlässt. Neben dem Headliner konnten ebenfalls Fit For A King und Unearth (trotz holprigem Start) überzeugen. Chelsea Grin tanzten dafür etwas aus dem Rahmen. Die Soundqualität wäre teilweise noch etwas ausbaufähig gewesen. Das Core-Publikum hat sich benommen und ging für einmal nicht auf den Senkel – wofür ich selbstverständlich dankbar war.

Setliste – Fit For A King

  1. Backbreaker
  2. The Price Of Agony
  3. Shattered Glass
  4. When Everything Means Nothing
  5. The End’s Beginning
  6. Pissed Off
  7. Deathgrip
  8. Tower Of Pain

Setliste – Unearth

  1. Incinerate
  2. Survivalist
  3. My Will Be Done
  4. This Lying World
  5. Dust
  6. Endless
  7. The Great Dividers

Setliste – Chelsea Grin

  1. My Damnation
  2. Cheyne Stokes
  3. Dead Rose
  4. The Wolf
  5. Across The Earth
  6. Playing With Fire
  7. 9:30am
  8. Outliers
  9. Recreant
  10. Hostage

Setliste – As I Lay Dying

  1. Intro – Burn To Emerge (ab Band)
  2. Blinded
  3. Through Struggle
  4. Within Destruction
  5. Redefined (mit Ryan Kirby von Fit For A King)
  6. The Sound Of Truth
  7. Forsaken
  8. Shaped By Fire
  9. The Darkest Nights
  10. An Ocean Between Us
  11. Gatekeeper
  12. A Greater Foundation
  13. Parallels
  14. My Own Grave
  15. 94 Hours
  16. Separation (ab Band)*
  17. Nothing Left*
  18. Confined*

*Zugabe


Wie fandet ihr das Konzert?

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