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Metalinside.ch - Devin Townsend - x-tra Zürich 2019 - Foto Liane
Di, 3. Dezember 2019

Devin Townsend, Haken

X-Tra (Zürich)

Es kommt wie es muss

Es gibt so eine Art „full satisfaction guarantee“, wenn man von einem Auftritt von Devin Townsend spricht. Der Mann ist ein Genie, das sich irgendwie nahe am Wahnsinn bewegt. Wer seine Diskographie kennt und liebt, zeigt vor allem eines – Flexibilität! Devin Townsend bekennt sich zwar zum Metal, ist diesem aber oft genug weit entfernt.

Mit Empath, dem neuesten Release, markierte Townsend schon mal die Richtung seiner musikalischen Reise. Der aufmerksame Musikkonsument fand vom Sound her eine typische Townsend Produktion vor. Ein wahrlich gutes Album, das alle Townsendsche Musik-Fragmente wiedergibt, aber auch eine Entwicklung im musikalischen Dasein eines Devin Townsend beschreibt. Dass eine Tour auf Empath folgt, war eigentlich so gut wie sicher und so kam, was kommen musste.

Haken

Doch zuerst gehörte die Bühne Haken, die sich unermüdlich an der Spitze englischer Prog-Metal Kunst halten. Dass sich ein Devin Townsend eine solch hochkarätige Band als „Einheizer“ leistet, zeugt schon von viel Selbstvertrauen. Haken beweisen schon seit Jahren was sie draufhaben und haben durchaus Headliner-Charakter. Aber irgendwie nahm man die Engländer (ok, 1 Mexikaner ist da auch mit von der Partie) gar nicht als Supporter wahr. Wie denn auch?

Es ist einfach immer wieder ein Vergnügen diese Band live zu sehen. Sie verbindet Harmonie und hohes spielerisches Niveau mit einer für diese Musikrichtung eher feinen Stimme. Haken überzeugen einfach auf ganzer Linie. Viel zu früh verabschiedeten sich Haken vor der X-tra Bühne und überliessen den Abend dem eigentlichen Star – Devin Townsend.

Die Show des Professors – Devin Townsend

Nichts ist für ewig – und bevor der Tod etwas scheidet, so scheiden Viele schon viel früher. Es war doch sehr überraschend, als Devin Townsend verkündete, sein erfolgsgekröntes Devin Townsend Project aufzulösen und seine Karriere fortan alleine bzw. mit anderen Musikern fortzusetzen. Zugegeben – es gab wahrlich bessere Nachrichten, aber Veränderungen gehören nun mal zum Leben.

Schrill, laut, verrückt, witzig, unterhaltsam, vulgär… es träfen noch so viele weitere Bezeichnungen auf den sympathischen Kanadier zu. Ein Auftritt von Devin Townsend ist immer etwas Besonderes. Es ist überhaupt ein musikalisch illustres Leben, das der Ausnahmekünstler Devin Townsend führt und wie vermutet, ändert sich das auch mit einer komplett neuen Band nicht.

Schon in der Eingangsszene stellt Devin eines klar – Musik macht Spass und er will Spass haben. Es lachen alle von der Bühne herab. Gekleidet in Hawaii-Hemden, im Hintergrund eine Projektion eines typischen, ja schon fast kitschigen Strandes mit Palmen und eine sichtlich super gelaunte Truppe, transportierte erstmal nur eines ins Publikum: FUN!

Ein neues Team

Dies rüber zu bringen schaffte Devin problemlos. Was soll man sagen… mit 47 Jahren ist er kein Anfänger mehr und Entertainment scheint ihm im Blut zu sein. Aber auch seine Band – unauffälliger könnte man nicht sein, zeigte eindrücklich was man drauf. Trotz der Unauffälligkeit holte sich Townsend keine Anfänger ins Boot. Diego Tajeda von Haken jobbte zum zweiten Mal am Abend als Keyboarder und so nebenbei auch als Bar-Mixer, Markus Reuter von Stick Men und Mike Keneally (Frank Zappa, Steve Vai etc.) teilten sich mit Devin die Gitarrenarbeit, während Kaipa Drummer Morgen Agren und Empath Bassist Nathan Navarro die Rhythmus Sektion formierten. Besonders viel Freiraum bekam Sängerin und Gitarristin Ché Aimee Dorval, die mit Devin Townsend zusammen Casualties Of Cool bildet. Nicht zu vergessen, drei bezaubernde Backgroundsängerinnen, welche die zehn köpfige Truppe vervollständigten.

Zitat Devin Townsend: „Das wird ohne Netz sein. Keine Backingtracks, keine Klicks, viel Raum für Improvisation, und jeder erdenkliche Weg durch Musiker und hochkarätige Produktion für jeden Abend neue und interessante Dinge.“  Trotz des gegebenen Freiraums, wirkte der Sound keine Sekunde lang improvisiert, was sicher der unglaublich hohen Qualität der beteiligten Musiker zuzuschreiben war.

Musikalisch gesehen lieferte Townsend ein sehr breites Spektrum seines Schaffens ab. Fast wie eine Retrospektive hörte sich die Songauswahl an, die jeden Abschnitt seines musikalischen Lebens abbildete. Und als hätte man es vermutet, griff auch Townsend tief in die Disco-Kiste und „beglückte“ das Publikum mit entsprechenden Klängen. Ja, es ist im Moment in, dem Sound der 80ern zu huldigen. Aber braucht man das wirklich? Womöglich nicht, denn inzwischen tun dies genug Bands. Lange hielt sich Devin auch nicht im Disco-Sumpf auf und bretterte dem Publikum als letzten Song noch Kingdom um die Ohren.

Das Fanzit – Devin Townsend

Ein gelungener Abend, der einen tollen Einblick in das musikalischen Schaffen eines Devin Townsend gewährte. Für Neuentdecker eine absolute Bereicherung. Für „alte“ Fans war der Abend sicher toll, doch leider oftmals weit vom Metal entfernt. Nicht dass man das permanent einfordern sollte, aber manchmal war das Hawaii-Feeling einfach zu viel und man hätte sich gerne eine SYL-Nummer gewünscht. Nun, Devin Townsend ist zu musikverrückt um sich kategorisieren zu lassen und macht auch mit seinem neuen Bühnenprogramm keine Ausnahme. Ob es sich gelohnt hat? Ja, das hat es definitiv!

Setlist Devin Townsend

1. Borderlands
2. Evermore
3. War
4. Sprite
5. Coast
6. Gato
7. Heaven Send
8. Ain’t Never Gonna Win
9. Deadhead
10. Why?
11. Lucky Animals
12. Castaway
13. Genesis
14. Ih-Ah!
15. Spirits Will Collide
16. Disco Inferno*
17. The Black Page #1*
18. Kingdom*

*Zugabe

Fotos Devin Townsend, Haken – x-tra Zürich 2019 (Liane)


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Autor Bewertung: 9/10