Metalinside.ch - Doro - Komplex 457 Zürich 2019 - Foto pam
Di, 12. November 2019

Doro, King Creature

Komplex 457 (Zürich, CH)
/ 05.01.2020

Audienz bei der Metal-Queen 

Royaler Besuch im Komplex 457. Nach etlichen Jahren schaute Doro Pesch wieder einmal für ein Konzert in der Stadt Zürich vorbei. Mit im Gepäck hatte die blonde Powerfrau all ihre Hits und den Support-Act King Creature aus Grossbritannien. Bedauerlicherweise ging die ganze Sache in einer schwach besuchten Location über die Bühne. 

Stimmt, eigentlich ist die Aussage in der Einleitung bezüglich Doros Gastspiel in der Limmatstadt nicht ganz korrekt. Die Düsseldorferin war erst vor zwei Wochen auf helvetischem Grund unterwegs – und zwar gemeinsam mit Fabienne Erni von Eluveitie im Rahmen eines Promo-Events der Good News Productions AG. Meine Metalinside-Mistreiter Liane und pam konnten übrigens in diesem Zusammenhang mit den beiden Mädels ein interessantes Interview führen (siehe Video-Interview).

Mir obliegt nun die Aufgabe, die Königin des Schwermetalls heute Abend auf der Bühne zu beobachten und das Gesichtete schriftlich festzuhalten. Trotz meinem Jungspund-Dasein ist es keinesfalls meine erste Begegnung mit Frau Pesch. Gut, auf dem unheiligen Acker von Wacken läuft man ihr gezwungenermassen eh irgendwann über den Weg. Musikalisch hat sie die Szene geprägt – ohne Frage! Egal, ob mit Warlock, zahlreichen «Featurings» oder auf Solopfaden. Da sind wahrhaftig Hymen für die Ewigkeit entstanden. Mit ihrer Art spaltet die Sängerin hingegen die Gemüter. Nicht wenigen gehen die übertriebenen und nie mehr enden wollenden Liebeserklärungen während eines Auftritts auf den Senkel. Ich persönlich hoffe ehrlich gesagt auch darauf, dass sie sich diesbezüglich etwas zurückhalten wird. Andererseits muss man vielleicht einfach einsehen, dass das die Persönlichkeit der Queen ist und man daran eh nix ändern kann.

Hallo Merch-Stand, wo versteckst du dich? Ich habe jetzt bestimmt das ganze Komplex abgesucht… Offenbar erhält meine Geldbörse für einmal – zumindest was Textilien und CDs anbelangt – eine Schonfrist. Dann muss eben der Hopfen-Smoothie herhalten. Hmm, der Besucheraufmarsch macht mir ebenfalls Sorgen. Sieht bisher leider arg spärlich aus. Tja, Metal und Zürich… man kennt das Problem.

King Creature

Es ist sicherlich eine riesige Ehre, für die Metal-Queen höchstpersönlich eröffnen zu dürfen. Auf diese Mission begeben sich Punkt 20.00 Uhr die Herrschaften von King Creature aus dem Südwesten Englands. Sie spielen Hard Rock, der verdammt knapp an der Schwelle zum Heavy Metal liegt. Nett und solide – aber irgendwie hat man das alles schon einmal irgendwo gehört. Oder auf gut Deutsch gesagt: Die Innovationen lassen zu wünschen übrig. Allerdings ist das Aufwärmen dieses Eiszapfen-Publikums definitiv kein Zuckerschlecken. Gegen Ende dreht das Quartett nochmals so richtig auf. Schade, würden mehr Stücke wie «Desolation» oder «Power» klingen, hätten mich die Jungs eventuell besser überzeugen können.

Doro

Um 21.15 Uhr wird schliesslich der rote Teppich ausgerollt. Ne Quatsch, Madame Pesch mag zwar eine Königin sein, aber sicher nicht eine, die auf Kitsch oder sonstigen Schnickschnack angewiesen ist. In den kommenden 100 Minuten gibt’s die royale Schwermetall-Dosis. Die Sängerin nimmt das Abenteuer mit Wegbegleitern in Angriff, die ihr schon seit vielen Jahren treu zu Seite stehen. Das wären namentlich Johnny Dee (Drums), Luca Princiotta (Gitarre), Nick Douglas (Bass) und Bas Maas (Gitarre).

Der Fotograben ist rappelvoll; in den Publikumsreihen klaffen für einen Act dieses Kalibers meines Erachtens hingegen zu viele Lücken. Da braucht man sich überhaupt nicht zu wundern, wenn die Düsseldorferin beim nächsten Boxenstopp hierzulande wieder das Z7 oder das Kofmehl bevorzugt. Die glorreichen Zeiten damals in den 80ern im Volkshaus scheinen effektiv der Vergangenheit anzugehören… Des Weiteren sind auffallend viele Smartphones im Einsatz. Da bin ich selbst als Jüngling froh, dass bei den Balladen nach wie vor vereinzelte Feuerzeuge in die Luft gestreckt werden. Immerhin verhält sich die Zuhörerschaft aktiver als beim Gig der Support-Truppe.

An der Songauswahl habe ich kaum etwas zu bemängeln. «The Night Of The Warlock» wird zurecht abgefeiert. Was für ein Kracher! Mitmach-Stücke hat die Band ebenfalls ausreichend am Start. Beispiele hierfür wären «Raise Your Fist In The Air» oder «Fight For Rock». Unsere Schweizer Metal-Hexen werden dann indirekt bei «Burning The Witches» zum Thema. Dank dem gefühlvollen «Für Immer» machen wohl nicht nur meine Körperhärchen brav Männchen. Ein Gruss nach Wacken darf natürlich keinesfalls fehlen – Zeit für «We Are The Metalheads»! Einzig das Judas Priest-Cover zu «Breaking The Law» hätte man ruhig weglassen können. Nicht, weil es schlecht ist, aber es wäre ja strenggenommen mehr als genug eigenes Material vorhanden. Ungeachtet dessen möchte die Königin ihre zahlreichen Freunde in der Szene (Lemmy, Biff Byford, Rob Halford, Ronnie James Dio) gleichwohl grüssen beziehungsweise den traurigerweise nicht mehr unter uns weilenden Persönlichkeiten gedenken.

Sämtliche Musiker zeigen vollen Einsatz. Ihre Anführerin mag vielleicht nicht mehr das jüngste Pferd im Stall sein, aber von Rost oder Alterserscheinungen fehlt da jede Spur. Respekt! In dieser Form werden die Blondine und ihre Kumpels wohl noch eine ganze Weile in dieser Welt herumturnen. Auf dem Bühnenboden platzierte Spickzettel sind bloss teilweise notwendig. Zu meiner Erleichterung hält sich die Metal-Queen heute Abend mit ihren «Ich liebe euch alle»-Aussagen tatsächlich zurück. Ob sie dafür endlich ein gesundes Mass gefunden hat? Schlussendlich biegen wir mit dem unverzichtbaren «All We Are» langsam aber sicher auf die Zielgerade eines gelungenen Auftritts ein.

Das Fanzit – Doro

Die Metal-Queen kam, sah und rockte. Blöderweise haben das irgendwie viel zu wenige Nasen mitbekommen, denn das Komplex wirkte stellenweise beinahe schon verwaist (man sprach von lausigen 300 bis 350 Besuchern). Die Soundqualität war dagegen gar nicht einmal so übel.

PS: Meine Vermutung hat sich inzwischen bewahrheitet. Doro wird 2020 in die Schweiz zurückkehren. Austragungsort wird jedoch die Konzertfabrik Z7 in Pratteln sein. Schade Zürich, hier wurde freilich eine Chance vergeben, den metallischen Ruf dieser Stadt zu verbessern.

Setliste – King Creature

  1. Live Forever
  2. Wrath
  3. Lowlife
  4. Fortune Teller
  5. King For A Day
  6. Breaking Down
  7. Desolation
  8. Falling Down Again
  9. Power

Fotos Doro – Komplex 457 Zürich 2019 (pam)


Wie fandet ihr das Konzert?

/ 05.01.2020
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Autor Bewertung: 7.5/10