Metalinside.ch - Infinitas - Hall of Fame Wetzikon 2019 - Foto Friedemann
Sa, 7. Dezember 2019

Infinitas (Album Release Show), Varda

Hall of Fame (Wetzikon)
/ 24.01.2020

«Infernum» ist getauft! 

Die Muotathaler Metaller Infinitas haben am 7. Dezember 2019 ihre höllische Scheibe in der Wetziker Ruhmeshalle getauft. Diese Zeremonie war allerdings bloss ein kleiner Bestandteil des wohl bisher aufwendigsten Auftritts in der Geschichte der Band. Zuvor unternahmen die Besucher zu den Melodien von Varda eine Reise zurück ins Mittelalter. 

Eigentlich hätte ich problemlos meine Zelte im Hall Of Fame aufschlagen können, denn gestern ging hier ja der symphonische Abend mit den Kapellen Leaves’ Eyes, Sirenia, Lost In Grey und Asphodelia über die Bühne. Doch im heimischen Daunenbett (Danke Till Lindemann, seit dem ersten Hören des «Puppe»-Songs werde ich dieses Wort nicht mehr los) döst man nun einmal am besten. Nun stehe ich allerdings erneut vor den Pforten des Zürcher Oberländer Rock-Clubs und warte gespannt auf den Einlass. Der Grund meines abermaligen Gastspiels? Eine Schweizer Band, die in diesem Jahr besonders intensiv und fleissig geackert hat, möchte der Welt ihr neues «Baby» präsentieren. Die Rede ist selbstverständlich von Infinitas und ihrem Silberling «Infernum». Bleibt zu hoffen, dass sich zahlreiche Nasen ins HoF verirren, damit die Feier in einem würdevollen Rahmen stattfinden kann. Die Innerschweizer haben sogar einen eigenen Fan-Car für ihre treuen Fans organisiert. Ehe die Hauptattraktion ans Werk geht, dürfen Varda aus Embrach beim Publikum den Puls fühlen.

Wir kommen gleich auf die erste musikalische Darbietung zu sprechen, aber zuerst folgt ein kurzer Exkurs zu einer anderen Geschichte. Heute Abend würden nämlich ebenfalls Krokus im Hallenstadion spielen – also sozusagen die Hard Rock-Legenden unseres Landes! Lange Zeit bin ich im Besitz von Tickets für dieses Konzert gewesen. Als schliesslich die ganze «es-ist-dann-jetzt-übrigens-doch-nicht-unsere-endgültige-Abschieds-Show»-Sache aufgekommen ist, habe ich mich dazu entschlossen ein Exempel zu statuieren und meine Karten vertickt. Da unterstütze ich definitiv viel lieber unseren Nachwuchs (Anm. von pam: Gut so, ging mir ganz genau gleich). Gut, dann hätte man zwar auch in die Met-Bar und an die Taufe von Hellvetica pilgern können. Tja, wie ihr seht ist der Veranstaltungskalender wiederholt rappelvoll. Stimmt, darüber hinaus würden Powerwolf eine ihrer umjubelten Messen in Bern abhalten. Dieser Event wird für euch durch Metalinside-Kollege Kaufi abgedeckt (siehe Review).

Varda

Also, genug von anderen Gigs geschwafelt. Fokussieren wir uns auf die Geschehnisse in der Ruhmeshalle. Sieben Spielmannsleut’ betreten um 20.30 Uhr die Bühne und bringen fortan einen deftigen Hauch MPS in die Hütte. Bekanntermassen habe ich einem solchen «Mittelalterlich Phantasie Spectaculum» bisher höchst selten beigewohnt, aber die Mucke hat freilich ihren Reiz. Da werden die anwesenden Knochen sogleich zum munteren Tanzen animiert. Zum Einsatz kommen unter anderem die Instrumente Dudelsack, Flöte und Drehleier. Für den Gesang ist hauptsächlich Skal verantwortlich. Das zierliche Mädel könnte wahrlich als Abbild einer Waldelfe durchgehen. Ihr Kumpel Pfeifenschrey schlüpft derweil in die Rolle des Sprücheklopfers und Publikumsanimateurs.

Die Setlist besteht sowohl aus eigenen Nummern als auch der einen oder anderen Cover-Version. Personen mit einem Faible für diese mittelalterlichen Melodien kann ich einen Besuch einer Varda-Performance nur wärmstens empfehlen. Die heutige Vorführung verläuft – abgesehen von 1-2 ungewollt herumfliegenden Sticks der Trommelfraktion – reibungslos. Wenn’s die Zeit zulässt, muss ich anschliessend unbedingt beim Merch-Stand vorbeischauen. Das Septett verdient eindeutig Unterstützung.

Infinitas

Alles klar, für die nächsten zwei Stunden gehört die ruhmreiche «Spielwiese» Andrea Böll (Gesang), Savannah Childers (Geige), Piri Betschart (Drums), Selv Martone (Gitarre) und Marcel «Camel» Koller (Bass) oder kurz gesagt den Infinitanern. Im ersten Teil des Auftritts bewegen sich die Innerschweizer ausschliesslich auf den Pfaden ihres Debütwerks «Civitas Interitus» aus dem Jahre 2017. Schritt für Schritt erzählen sie der Zuhörerschaft in vertonter Form die Geschichte der Zerstörung der fiktiven Stadt Lunatris durch dämonische Mächte und Kreaturen. Der Hauptprotagonist wird von einem Kollegen der Band verkörpert und taucht regelmässig für kleine Intermezzi auf der Bühne auf. Dadurch können die Besucher all das nicht bloss akustisch, sondern ebenfalls visuell mitverfolgen. Puh, da gab’s im Vorfeld sicherlich einige Proben. Diese hemdsärmelige Art passt einfach zu Infinitas. Es funktioniert auch bestens ohne hyper-spektakuläre, Budget sprengende Show-Effekte. Von den Personen in meiner Umgebung vernehme ich gemischte Meinungen. Die einen finden es gelungen; andere ziehen das Theater eher ins Lächerliche. Fakt ist, dass da jede Menge Herzblut drinsteckt.

Nach «A New Hope» (dem Cliffhanger des Debütsilberlings, bei dem der Protagonist auf dem Meer neuen Abenteuern entgegensegelt) wird es Zeit für den grossen Moment: Die Plattentaufe! Während andere ihre Scheibe jeweils einfach begiessen, setzten die «Infinitösen» noch einen drauf. Mit Hilfe einer Dame aus den Publikumsreihen wird «Infernum» mal eben so mit einem Schwert durchbohrt. Dazu hält hauptsächlich Piri eine unterhaltsame Rede, bei der er am Ende sogar leicht mit den Tränen ringen muss. Nur zu, für diese Emotionen muss man sich keinesfalls schämen. Schlussendlich ist da verständlicherweise auch sehr viel Erleichterung über die geglückte Mission mit dabei.

Nach der Zeremonie wird die Bühne kurzerhand umdekoriert. Getreu der Höllen-Thematik kommt nun deutlich mehr Rot ins Spiel. Zudem werden Zacken auf dem Boden platziert, die beinahe an die spitzen Zähne eines gigantischen Monstrums erinnern. Der Reigen der neuen Tracks wird mit dem über acht Minuten dauernden «Afanc» eröffnet. Rasch wird klar, dass nun eine deutliche härtere Gangart vorherrscht. Stilistisch kann man die Akteure jetzt endgültig nicht mehr in eine Schublade stecken. Andrea zeigt regelmässig die düsteren Seiten ihres facettenreichen Stimmorgans. Metalinside-Kollege Raphi hat sich das Album bereits ausführlich zu Gemüte geführt und ich muss sagen, dass ich seine Meinung in diversen Bereichen teile (siehe Review). Phasenweise wird effektiv der Eindruck vermittelt, dass die Musiker zu viele verschiedene Elemente ihre Songs packen möchten. Bezüglich Gesang dürfte Madame Böll für meinen Geschmack ebenfalls ab und an ruhig etwas weniger abwechslungsreich agieren. Andernfalls wird der Zuhörer leicht überfordert im Regen stehengelassen. Wenn der Fünfer diese Punkte bei künftigen Projekten komplett ausmerzt, dürfen sie zurecht in eine rosige Zukunft blicken.

Aber keine Angst, «Infernum» bleibt nichtsdestotrotz ein starkes Werk. «Avnas» wird beispielsweise mitreissend vorgetragen und könnte möglicherweise der neue «Signature Song» der Muotathaler werden. Sackstark ist zudem «Tiamat». Chrigel Glanzmann von Eluveitie hat’s heute zwar leider nicht nach Wetzikon geschafft, aber mit Stefan «Lalas» Häfliger von Devils Rage konnte man einen fantastischen Ersatz auftreiben. Meine Fresse, seine mächtigen Growls ballern alles und jeden weg. Krass! «Consults (Memoria I)» deutet schliesslich das offizielle Ende der Performance an. Der Protagonist schlendert ein letztes Mal durch die Gegend und erblickt plötzlich ein Leuchten. Er geht auf dieses zu und… – tja, das ist dann Stoff des nächsten Infinitas-Konzeptalbums. Da die Fans nach einer Zugabe lechzen, gibt’s nochmals zwei bereits gespielte Lieder auf die Lauscher. Danach wird die Truppe unter tosendem Applaus verabschiedet.

Das Fanzit – Infinitas, Varda

Der heutige Abend stand komplett im Zeichen der helvetischen Szene. Mit Varda konnte man einen interessanten und talentierten Vertreter aus dem Mittelalter-Sektor entdecken. Schade nur, dass sie so schnell zusammengepackt haben. Aufgrund dessen konnte ich mir leider keine CD mehr schnappen… Aber es wird sicherlich andere Gelegenheiten geben. Infinitas legten anschliessend einen echten Marathon-Auftritt hin, der an gewissen Stellen zwar noch Korrekturbedarf aufwies, aber insgesamt trotzdem als gelungen erachtet werden konnte.

Setliste – Varda

  1. Indigo
  2. Bärentanz (Traditional)
  3. Via Feriae
  4. Snjor Eldur
  5. Harassa
  6. Helvegen (Cover)
  7. Andro (Traditional)
  8. Siedler
  9. Skôl
  10. Uborka
  11. Carmina*
  12. Chí Mí Na Morbheanna (Trad.)*
  13. Godesses (Traditional)*

*Zugabe

Setliste – Infinitas

  1. The Die Is Cast
  2. Alastor
  3. Samael
  4. Skylla
  5. Rudra
  6. Morrigan
  7. A New Hope
  8. – Plattentaufe –
  9. Afanc
  10. A Manifested Nightmare
  11. Avnas
  12. Utukki
  13. Infernum Overture (Lilith Prelude)
  14. Lilith
  15. Rahu
  16. Tiamat
  17. Vadatajs
  18. The Seeker Of Truth
  19. Consults (Memoria I)
  20. Samael*
  21. Avnas*

*Zugabe

Fotos Infinitas, Varda – Hall of Fame Wetzikon 2019 (Friedemann)


Wie fandet ihr das Konzert?

/ 24.01.2020
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Infinitas – Infernum

Autor Bewertung: 8/10