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Leaves' Eyes - Hall of Fame Wetzikon 2019
Fr, 6. Dezember 2019

Leaves‘ Eyes, Sirenia, Forever Still, Lost In Grey, Asphodelia

Hall of Fame (Wetzikon)
28.01.2020
Leaves' Eyes - Hall of Fame Wetzikon 2019

«Ladies-Night» im Hall Of Fame 

Und trotzdem waren auch einige Männer anwesend. Dann muss ja fast ein Symphonic Metal-Event stattgefunden haben. Augen und Ohren wurden effektiv gleichermassen bedient. Insgesamt war der Publikumsaufmarsch allerdings leider wieder einmal unter aller Sau. Zudem fiel eine Truppe unglücklicherweise aufgrund eines Problems mit ihrem Reisefahrzeug komplett aus. Dafür zeigten speziell Leaves’ Eyes und Sirenia packende Shows. 

«Samichlaus, du liebe Maa. Chan ich bitte hüt Abig es paar heissi Metal-Fraue uf dä Bühne ha?». Hui, ich scheine in diesem Jahr offenbar ein ganz artiges Kerlchen gewesen zu sein, denn der Mann mit der roten Zipfelmütze hat meine Bitte erhört und erfüllt mir meinen Wunsch mit dem heutigen Billing in der Wetziker Ruhmeshalle. Die Schweiz kommt in den Genuss der «Female Metal Voices Tour». Auf dem Plan stehen Darbietungen von Leaves’ Eyes, Sirenia, Forever Still, Lost In Grey und Asphodelia. Mir persönlich ist lediglich die letztgenannte Kapelle noch kein Begriff. Meinem symphonischen Entzug können sicherlich sämtliche Akteure entgegenwirken.

Die eigentlich für 18.45 Uhr vorgesehene Türöffnung verzögert sich um einige Minuten. Offenbar sind Teile des Trosses erst recht knapp im Zürcher Oberland eingetroffen und müssen nun beim Soundcheck und den anderen Vorbereitungsgeschichten Gas geben. Gottlob lässt uns die innovative Hall Of Fame-Crew nicht im Stich. Wir dürfen der bitteren Kälte entfliehen und im Club Room warten, bis der Saal mit der grossen Bühne komplett freigegeben werden kann. Kein Problem – meine Gruppe genehmigt sich die ersten Getränke und schaut Danny Frischknecht von Rocknews bei der Arbeit zu. Der gute Mann führt nämlich fleissig Interviews mit den jeweiligen Protagonistinnen durch. In einem solch intimen Rahmen erlebt der geneigte Fan Emmanuelle Zoldan (Sirenia) oder Elina Siirala (Leaves’ Eyes) auch nicht alle Tage.

Asphodelia

Um 19.35 Uhr verschiebt sich die Besucherschar schliesslich in den grossen Saal, denn die erste Band steht schon in den Startlöchern. Asphodelia stammen aus dem Südosten Italiens und haben sich dem Dark Symphonic Metal verschrieben. Der Sound weist Parallelen zu demjenigen ihrer Landsleute Ravenscry und Secret Rule auf. Samuela Fuiani macht in Sachen Gesang einen soliden Job. Mit ihren Beanies wirken die beiden Klampfer Carlo Di Pinto und Ruggero Doronzo beinahe wie ein Hipster-Duo. Nach einer halben Stunde hat das Quartett seine Aufwärmsequenz erledigt. Also ein paar Zuschauer mehr hätte man ihnen durchaus gegönnt.

Setlist – Asphodelia

  1. Welcome Apocalypse
  2. Cassandra
  3. Alive
  4. Flowers of Evil
  5. The Show

Lost In Grey

Hmm, der nächsten Equipe stehe ich eher skeptisch gegenüber. Vor zwei Jahren in Pratteln war ihre Performance nämlich alles andere als überzeugend. Auch heute fehlen blöderweise die überzeugenden Momente. Irgendwie scheinen die sechs Musiker keine Einheit zu sein. Eines Tages werden sie sich wohl oder übel für eine klare Stilrichtung entscheiden müssen. Mit dem gezeigten Durcheinander können meine Ohren kaum etwas anfangen. Nichtsdestotrotz ist festzuhalten, dass die Dame mit dem weissen Tutu – Anne Lill – eine coole Rockröhre ihr Eigen nennen darf. Zum Abschluss trägt der Sechser noch die finnische Nationalhymne «Maamme» aufgrund des heutigen Unabhängigkeitstages vor.

Setlist – Lost In Grey

  1. Revelation
  2. The Waste Land
  3. Wolves Among Men
  4. Dark Skies
  5. Far Beyond And Further
  6. Maamme – Finnische Nationalhymne (wegen dem finnischen Unabhängigkeitstag)*

*Zugabe

Sirenia

Eigentlich wären jetzt Forever Still dran, auf die ich mich im Vorfeld sehr gefreut habe. Ihnen macht jedoch eine fiese Reifenpanne einen Strich durch die Rechnung. Somit werden sie es leider nicht nach Wetzikon schaffen… Schade, aber eventuell reicht’s im kommenden Jahr einmal zu einem Gastspiel im Hall Of Fame.

Na dann, Zeit für das erste grosse Aushängeschild dieser Tour: Sirenia aus Norwegen. Seit 2001 bringen sie ihr Gemisch von Gothic und Symphonic Metal unters Volk. Wie bei einigen Bands aus diesen Genre-Ecken nicht unüblich, fanden auf der Sängerinnen-Position schon einige Wechsel statt. Immerhin ist Emmanuelle Zoldan inzwischen seit drei Jahren im Amt und Abwanderungsgelüste oder Rausschmiss-Vorhaben scheinen keine in Sicht zu sein. Chef Morten Veland wäre sowieso ein ziemlicher Depp, wenn er ein Mädel mit einem solch bärenstarkes Stimmorgan in die Wüste schicken würde. Der Sirenen-Zauber wirkt; Signora Zoldan zieht mich komplett in ihren Bann. Demgegenüber stehen die mächtigen Growls des Herrn am Tieftöner, die allerdings ebenfalls ihren Reiz haben.

Die Setlist bedient primär die neuste Platte «Arcane Astral Aeons», welche seit Oktober des vergangenen Jahres im Handel erhältlich ist. Da werde ich nach dem Auftritt mit grösster Wahrscheinlichkeit am Merch-Stand vorbeischauen und versuchen, ein Exemplar davon abzugreifen. Mit «Meridian» und «The Other Side» kommen dagegen auch Anhänger der ersten Stunden völlig auf ihre Kosten. Fazit: Gelungener Gig dank cleverer Songauswahl.

Setlist – Sirenia

  1. Intro – Seti (ab Band)
  2. In Styx Embrace
  3. Dim Days Of Dolor
  4. Treasure N‘ Treason
  5. Queen Of Lies
  6. The Twilight Hour
  7. Into The Night
  8. Meridian
  9. My Mind’s Eye
  10. The Other Side
  11. The Path To Decay

Leaves’ Eyes

Leaves’ Eyes waren Ende September des vergangenen Jahres gemeinsam mit Kamelot und Visions Of Atlantis in der Konzertfabrik Z7 zu Gast. Damals hinterliessen sie mit ihrem Gig ein ganz grosses Ausrufezeichen und spielten sogar ihre Kumpels aus den USA an die Wand. Seither wünsche ich mir sehnlichst eine Headliner-Show der metallischen Wikinger und ihrer attraktiven Schildmaid Elina Siirala. Und genau das wird in den nächsten 60 Minuten Wirklichkeit!

Alter Verwalter, bereits mit der ersten Nummer «Sign Of The Dragonhead» bläst das Sextett alles weg. Was für eine Machtdemonstration! Die Finnin (ihres Zeichens übrigens Cousine zweiten Grades von Nightwish-Mastermind Tuomas Holopainen) ist eine wahrhaftige Stimmgöttin, vor der man sich einfach nur verneigen kann. Sie sei brav am Deutsch lernen und habe die ersten paar Kurse mit Bravour bestanden.

Ähnlich wie bei Sirenia sorgt auch hier ein Mann mit Growls für das gesangliche Kontrastprogramm. Diese imposante Gestalt hört auf den Namen Alexander Krull. Der Motivator in Person richtet beinahe pausenlos Klatschaufforderungen ans Publikum. Die Akteure auf der Bühne agieren mit sichtlicher Spielfreude. Gast-Basser Andre Nasso lässt beispielsweise keine Grimasse aus, was die knipsende Zunft definitiv freuen dürfte.

Neben den bekannten Hymnen nutzt die Kapelle ausserdem die Gunst der Stunde, um ein paar Tracks der neuen EP «Black Butterfly» vorzustellen. Das Teil sei heute offiziell erschienen und könne signiert an der Merch-Ecke erworben worden. Doch, diese Songs machen den Gehörgängen ebenfalls Spass. Elina agiert dazu mit derselben Maske, die sie auf dem Cover der Mini-Schreibe trägt.

Sehenswert ist bei Leaves’ Eyes-Konzerten zudem stets die Wikingerarmee. Bedauerlicherweise scheint man diese für einmal Daheim gelassen zu haben. Okay, die ganze Besatzung hätte wahrscheinlich eh die Kapazität der HOF-Bühne gesprengt. Dann muss Alexander bei «Blazing Waters» eben alleine in Rüstung und mit Schwert antraben. Das klappt problemlos und stellt das passende Finale einer grandiosen Performance dar.

Setlist – Leaves’ Eyes

  1. Intro
  2. Sign Of The Dragonhead
  3. Serkland
  4. Across The Sea
  5. My Destiny
  6. Swords In Rock
  7. Black Butterfly
  8. Riders On The Wind
  9. Edge Of Steel
  10. Hell To The Heavens
  11. Night Of The Ravens
  12. Beowulf
  13. Blazing Waters
  14. Outro – Haraldskvaedi

Das Fanzit – Leaves’ Eyes & Co.

Wie so häufig geht der Mahnfinger nach einem solch tollen Event an die Menschen da draussen. Wo zur Hölle wart ihr heute Abend? Es kann effektiv nicht sein, dass Bands wie Leaves’ Eyes oder Sirenia in der Schweiz vor einer solch überschaubaren Kulisse auftreten müssen. Glücklicherweise hat ihr Einsatzwille nicht darunter gelitten, aber wer weiss, ob sie das nächste Mal erneut in einem solchen Club vorbeischauen werden? Symphonic Metal ist in dieser Region sowieso eine Seltenheit und man muss Angst haben, dass die ganze Geschichte bald nur noch in Pratteln oder so bestaunt werden kann. Und so volksnah erlebt man die Künstler nach ihren Gigs auch nicht in jeder Location.


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