Meh Suff! Winter Festival 2020 - Flyer
Sa, 18. Januar 2020

Meh Suff! Winter-Festival 2020 – Tag 2 – Benighted, Grave, Mnemocide u.a.

Dynamo (Zürich, CH)
13.02.2020
Meh Suff! Winter Festival 2020 - Flyer

Süffig, laut und fordernd für die Nackenmuskeln 

Dem Freitagsprogramm des diesjährigen Meh Suff! Winter-Festival konnte ich leider nicht beiwohnen. Dafür gab’s am Samstag dann keine Ausreden mehr. Von der ersten bis zur letzten Band habe ich mir alles reingezogen. Beurteilungen der einzelnen Performances können den nachfolgenden Zeilen entnommen werden. 

Hä? Bist du betrunken, werter Dutti? Man beginnt einen Festivalbericht auf gar keinen Fall mit Tag zwei. Geht’s noch?! Tja, in diesem Jahr bleibt mir ehrlich gesagt nicht viel anderes übrig. Gestern weilte ich bei Sabaton, Apocalyptica und Amaranthe im Hallenstadion und wurde dort – vor allem dank den Cellisten und dem Headliner – hervorragend unterhalten. So, nach dieser Aussage dürfte der Puls bei der «trve»-Fraktion extrem in die Höhe geschnellt sein, aber keine Angst, der Fokus wandert nun brav in Richtung Meh Suff! Winter-Festival.

Wie gewohnt findet die ganze Geschichte im direkt an der Limmat gelegenen Jugendkulturhaus Dynamo statt – und zwar im grossen Saal (3. Obergeschoss). Allerdings fallen mir bereits kurz nach dem Durchschreiten der Eingangspforte ein paar Änderungen auf. Die Merchandise-Ecke und der Met-Stand befinden sich dieses Mal gleich neben der Garderobe (in dem Raum, in welchem sonst jeweils junge Leute irgendwelche komische Tänze oder andere Körperzuckungen einstudieren). Aufgrund dessen müssen Einkäufe von Textilien und süsser Flüssignahrung zwingend taktisch durchgeplant werden. Das ständige Treppensteigen wird nämlich nicht ohne sein. Andererseits kann ein bisschen Fitness bekanntermassen nie schaden. Schliesslich muss man sich die angenehmen Dinge des Lebens zuerst verdienen. Nichtsdestotrotz bin ich mit dieser Umstellung völlig zufrieden, denn dadurch haben die Besucher oben vor der Bühne mehr Platz.

Wenn man den Informationen meiner Kumpels trauen kann, haben gestern scheinbar speziell Thyrfing und Hour Of Penance ordentlich abgeräumt. Moonsorrow hätte ich ebenfalls gerne wieder einmal gesehen, aber eben, die Technologie für das Teleportieren zwischen verschiedenen Konzerten ist nach wie vor zu wenig weit fortgeschritten. Egal, heute wird einem auch einiges geboten. Meine Vorfreude gilt primär Benighted, Grave und Mnemocide. Ich habe übrigens keinen blassen Schimmer, wieso einige Nasen das heutige Line-up im Vorfeld als schwach betitelt haben. Die Bekanntgabe des «Sold Out»-Status’ durch den Veranstalter dürfte sowieso sämtliche Kritiker Lügen strafen.

Infinitas

Ausgerüstet mit je zwei eisgekühlten Blondinen (schliesslich ist immer noch «Happy Hour») platzieren wir uns auf der rechten Bühnenseite und lauschen gespannt den Klängen der ersten Kapelle. Diese entführt unsere Gehörgänge ohne zu zögern regelrecht in die Hölle. Gestärkt durch ihren neusten Streich «Infernum» schreiten Infinitas aus dem Muotathal mit gehörig Elan zur Tat. Das Quintett zeigt einen absolut soliden Gig; muss aber allerdings mit wenig Publikum auskommen. Das altbekannte Problem eines jeden Openers… Gemäss diversen «Experten» passen die Schwyzer vom Genre her ohnehin nicht an diese Veranstaltung. Diesbezüglich gehen die Meinungen sicherlich auseinander. Ich persönlich habe derweil ganz ein anderes Problem – die Zeit geht enorm rasch vorbei. Das nächste Mal muss definitiv wieder ein längeres «Infinitaner»-Set her.

Setlist – Infinitas

  1. Intro – The Fall Of Lunatris
  2. Alastor
  3. Antahkarana In Flames (Avnas Prelude)
  4. Avnas
  5. Vadatajs
  6. Samael
  7. Utukki
  8. Outro – A New Hope

Holzerhurd

Was verbirgt sich hinter der nächsten Kapelle? Lasst das muntere Rätseln beginnen. Ihren Stil bezeichnen die vier Jungs als Agglonautic Black Metal. Gemäss ihrer «Fratzenbuch»-Seite besingen sie die Schönheit der Betonwüste und die urbane Einöde. Zu dieser Thematik passt der Bandname bestens. Holzerhurd: So heisst auch die Endstation der Zürcher Stadtbuslinie 32. Aber wie klingt der Sound denn jetzt genau? Die unspektakuläre Antwort: Krächzender Gesang, Blastbeat-Wellen und monotone, repetitive Riffs – also das Übliche. Ungeachtet dessen vermag die Darbietung des Quartetts freilich zu überzeugen. Einen Song über einen «Selecta»-Automaten hört man beispielsweise effektiv nicht alle Tage. In den Outfits der Akteure macht sich die städtische Ader fraglos bemerkbar, denn mindestens ein Bandmitglied trägt Trainerhosen. Hui, wenn die sogenannten «echten» Schwarzmetaller davon Wind kriegen würden, dann wäre hier aber Feuer unter dem Kirchendach, du, mein lieber Scholli!

Setlist – Holzerhurd

  1. Chrieg
  2. Im Orkus
  3. An Rand
  4. Chettehämp
  5. Bergsee
  6. Selecta
  7. Wunderland

Mnemocide

Ihr wollt Todesmetall aus Basel hören? Dann werdet ihr kaum um Mnemocide herumkommen. Die stampfenden Rhythmen des Quintetts sorgen einfach jedes Mal für Bewegung in den Publikumsreihen. Apropos «stampfen» – das scheint offenbar die Lieblingsaktivität von Fronter Matthias zu sein. Versucht einmal während eines ganzen Gigs mit ihm mitzuhalten. Das ist verdammt anstrengend! Gemäss meiner Herzdame sollte er jetzt noch durchgehend seine Haare offen tragen und dann wäre alles perfekt. Für mich ist die Performance aber auch in dieser Form komplett zufriedenstellend. Zurzeit werkeln die Herrschaften emsig an ihrem Debütsilberling, der im Verlaufe dieses Jahres auf die Menschheit losgelassen werden soll. Mit «Anti-Tank (Dead Armour)» gibt’s zudem eine grobe Hommage an die legendären Bolt Thrower auf die Lauscher. Geiler Scheiss! (Man möge mir diese wüste Sprache bitte verzeihen).

Setlist – Mnemocide

  1. Crash and Burn
  2. In Pain
  3. Dead Men Walking
  4. Only Shades
  5. Pawns
  6. Collapse
  7. Anti-Tank (Dead Armour) (Bolt Thrower-Cover)
  8. Again
  9. Let Me Feed You
  10. Soul Collector

Harakiri For The Sky

Die Wiener Buben kommen! Dummerweise stehe ich ihnen arg kritisch gegenüber, denn bei den letzten Begegnungen wurde von meinen Kumpels und mir stets rasch die Flucht ergriffen, wenn Harakiri For The Sky die ersten Töne anstimmten. Dass es sich manchmal tatsächlich auszahlen kann, wenn man einer Truppe mehrere Chancen gibt, wird meiner Person in den nächsten 50 Minuten auf unglaublich beeindruckende Art und Weise bewiesen. Heute wirkt der Post-Black Metal der Ösis! Das Liedgut versetzt mich in einen solch tranceartigen Zustand, wie es sonst nur Hymnen von Alcest oder Anomalie hinbekommen. Macht jetzt bloss nicht den Alkohol dafür verantwortlich. Von diesen Melodien kann man sich auch ohne «gesunden» Promillepegel ausgezeichnet einlullen lassen. Der anschliessende Abstecher hinunter zum Merch-Stand ist unausweichlich gebucht. Dort sichere ich mir ein Exemplar des Albums mit dem wunderschönen Hirsch-Cover: «III: Trauma».

Setlist – Harakiri For The Sky

  1. Heroin Waltz
  2. Funeral Dreams
  3. You Are The Scars
  4. Fire Walk With Me
  5. Calling The Rain

Grave

Vor drei Jahren standen die Schweden von Grave schon einmal hier auf der Matte. Damals durften sie das Festival zu später Stunde abschliessen. 2020 hat’s nun für einen weitaus besseren und dankbareren Slot gereicht. Manch einer würde vielleicht sogar von der Primetime sprechen. Aufgrund dessen wird um 20.25 Uhr die Abrissbirne ausgepackt. Anschnallen, Kopf in den Nacken legen und «los-bangen»! Mit ihrem Oldschool Death Metal machen die vier Herrschaften keine Gefangenen. Der rappelvolle Saal mutiert zum Tollhaus! Tja, was soll man noch grossartig dazu sagen? Schwedischer Todesmetall ist und bleibt eine Qualitätsmarke, die höchstens in sehr seltenen Fällen enttäuscht. Für mich geht gerade der bisher stärkste Auftritt des heutigen Samstags über die Bühne. Schade, dass die mitgebrachten Grab-Textilien nicht ganz meinem Gusto entsprechen. Ich hätte nämlich überaus gerne ein paar Franken in ihre Artikel investiert. Vielleicht klappt’s dann beim nächsten Mal.

Setlist – Grave

  1. Venial Sin
  2. Rise
  3. Deformed
  4. Christi(ns)anity
  5. You’ll Never See
  6. Winds Of Chains
  7. Eroded
  8. Soulless
  9. Into The Grave

Paradise Lost

Ort: Rockharz Festival. Datum: 07. Juli 2018. Das war für mich die bis dato beste Performance, die ich je vom verlorenen Paradies gesehen habe. Im Licht des Sonnenuntergangs habe ihre Stücke eine ganz besondere Wirkung entfaltet. Das werden die Engländer im Dynamo schwerlich wiederholen können. Trotzdem wird ziemlich rasch klar, für wen die Mehrheit der Metalheads am heutigen Tag ans Meh Suff! Winter-Festival gepilgert ist. Sänger Nick Holmes (der ja ebenfalls bei Bloodbath im Einsatz ist) und seine Mitstreiter werden frenetisch abgefeiert. Sie verwöhnen ihre Jünger mit einer ausgewogenen Setlist. Aus diesem Grund gib’s sowohl neuere Geschichten à la «Blood And Chaos» als auch altgediente Tracks wie «Erased» zu hören. Letztgenannter Song ist ein ausserordentlicher Über-Hit, der mich effektiv jedes Mal aus den Latschen kippen lässt.

Setlist – Paradise Lost

  1. Enchantment
  2. From The Gallows
  3. Hallowed Land
  4. As I Die
  5. Blood And Chaos
  6. The Enemy
  7. Faith Divides Us – Death Unites Us
  8. Embers Fire
  9. Beneath Broken Earth
  10. Erased
  11. No Hope In Sight
  12. Say Just Words

Benighted

Da bereits Paradise Lost Verspätung hatten, müssen gezwungenermassen ebenfalls die nach ihnen aufspielenden Benighted etwas ausharren. Um 23:35 Uhr dürfen die Franzosen schliesslich ran an den Speck – und wie sie das tun! Holla die Waldfee, das ist die pure Zerstörung! Aber von einer Gruppe, die Brutal Death Metal mit Grindcore vermischt, darf eigentlich überhaupt nix anderes erwartet werden. In souveräner Aborted-Manier lässt der Fünfer keinen Stein auf dem anderen. Vom Grunzen bis hin zum Gequieke – Frontmann Julien Truchan beherrscht die ganze Palette. Es hat sich abermals gelohnt bis zum Ende vom Meh Suff! Winter-Festival durchzuhalten. Das war beispielsweise schon im vergangenen Jahr mit Bömbers der Fall. Gerüchten zufolge habe ich die Jungs bereits 2017 live erlebt – und zwar am Summer Breeze. Daran kann ich mich bedauerlicherweise beim besten Willen nicht entsinnen. Wie konnte ich diese bockstarke Truppe bloss vergessen?

Setlist – Benighted

  1. Collection Of Dead Portraits
  2. Reeks Of Darkened Zoopsia
  3. Let The Blood Spill Between My Broken Teeth
  4. Necrobreed
  5. Martyr
  6. Cum With Disgust
  7. Teeth And Hatred
  8. Collapse
  9. Slut
  10. Versipellis
  11. Reptilian
  12. Experience Your Flesh

Das Fanzit – Meh Suff! Winter-Festival

Ich war leider lediglich einen Tag am Meh Suff! Winter-Festival 2020 anwesend, aber dieser hat sich trotzdem absolut gelohnt. Als Highlights entpuppten sich die Shows von Mnemocide, Grave und Benighted. Wie man es von der Meh Suff!-Crew kennt, war alles bestens organisiert. Einzig der ominösen «90s Aftershow-Party» im Werk 21 bin ich erneut ferngeblieben – aber das gilt nicht wirklich als Verlust. Das Datum für die nächstjährige Ausgabe steht übrigens bereits fest: Haltet euch den 08. und 09. Januar 2021 brav frei.


Wie fandet ihr das Festival?

13.02.2020
Weitere Einträge von

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Autor Bewertung: 8/10