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Metalinside.ch - Slipknot - Hallenstadion Zürich 2020 - Foto Vedi
Mi, 12. Februar 2020

Slipknot, Behemoth

Hallenstadion (Zürich, CH)
/ 27.02.2020

Insert Title

Nein nein, das ist bestimmt keine Anspielung auf den Track von Slipknot «Insert Coin», mit welchem sie ihren Auftritt eröffnet haben. Okay, vielleicht doch… Zusammen mit Behemoth machte die Nu Metal-Band am 12. Februar das Hallenstadion unsicher und sorgte zumindest bei mir nur für gemischte Gefühle.

Schon letztes Jahr haben Slipknot die Schweiz beehrt, damals mit einem Headliner-Gig am Greenfield im Rahmen ihrer Festival-Tour. Die Menge war begeistert. Anfangs 2020 machten sich die Nu Metaller dann auf den Weg durch die europäischen Hallen, welcher sie unter anderem nach Zürich führte. Nach der grandiosen Darbietung in Interlaken waren die Erwartungen eher hoch. Vielleicht zu hoch?

Einlass und Catering

Doch zuerst kurz zum Organisatorischen… Ich bin wahrlich kein Fan des Hallenstadions. Nur schon die Tatsache, dass man sein Ticket jedes Mal beim Vertreten UND Verlassen des Stehplatz-Bereiches scannen lassen muss, sorgt für unnötige Wartezeiten und folglich für Unmut. Nichtsdestotrotz bin ich der Bands wegen zwischen November und Februar einige Male hier. Ich hoffe auf keine grösseren Komplikationen.

Diese gibt es, zum Glück mich nicht betreffend, aber schon am Eingang. Die heutigen Sicherheitsbestimmungen scheinen über das Übliche hinauszugehen: Da wird einem Besucher zum Beispiel eine vielleicht 15-20 Zentimeter lange und wirklich dünne Portemonnaie-Kette abgeknöpft. In Anbetracht der Diebstähle, welche in Zürichs grösster Eventhalle leider immer wieder stattfinden, finde ich solche Massnahmen mehr als fraglich. Dass das Verbot solcher Portemonnaie-Ketten in der Durchsage vor dem Stadion erwähnt wird, nützt leider herzlich wenig, wenn man im Vorfeld nur von wirklich gefährlichen Gegenständen und grossen Taschen berichtet. Was soll man denn jetzt? Die Kette nach Hause bringen? Bei den gefährlichen Gegenständen abgeben?

Auch zum Catering muss ich kurz meckern: Zwei meiner drei Biere sind schal, auch wenn eines davon ganz sicher frisch gezapft wurde. In Sachen Essen höre ich ebenfalls Schlechtes. All dies erstaunt mich, habe ich doch zuletzt bei Krokus und Sabaton eher gute Erfahrungen mit F&B des Hallenstadions gemacht. An dieser Stelle trotzdem noch ein Lob: Anstehen ist heute nicht. Trotz ausverkauftem Stehplatz-Bereich kommt es gerade bei den Bierständen zu keinen grossen Wartezeiten.

Behemoth

Doch genug zu äusseren Umständen; kommen wir zu den musikalischen Darbietungen. Weil die Medientickets für einen Sitzplatz gelten, ziehe ich mir den Opener eben oben sitzend rein. Von hier aus habe ich – wenn auch nicht über Bühne – eine perfekte Übersicht übers Publikum. So bekomme ich eindrücklich mit, wie Behemoth leider überhaupt nicht ankommen. Keine Effekte wie Feuer, Nebel, Licht und Explosionen, aber auch keine Gesten der Musiker oder das angenehm dunkle Schwarzmetall bringen die Zuschauer in Fahrt. Ich spreche nicht von den hundert, vielleicht hundertfünfzig Menschen, die sich für einen kleinen Pit begeistern lassen oder begeistert die Hände in die Luft reissen. Ich spreche von der ganz grossen Menge, welche höchstens zwischen einigen Songs für Applaus sorgt. Ach ja, hier oben sieht das Ganze noch schlimmer aus: Nicht wenige schlafen oder sind schlicht noch gar nicht anwesend.

Nun, an der Performance der Polen liegt keineswegs! Black Metal vor Nu Metal scheint wohl einfach nicht zu funktionieren. Bandkopf Nergal und seine Mannen legen sich ins Zeug und lassen sich vom mässigen Erfolg kaum beirren. Wenn die Situation in anderen Städten ähnlich war, sind sie sich den Anblick eines gähnenden Publikums vielleicht auch einfach schon gewöhnt.

Abgesehen vom Abschluss «Chant For Eschaton 2000» beschränken die Polen sich heute auf Songs der neuesten drei Alben. Dass ältere Songs für eine bessere Stimmung gesorgt hätten, bezweifle ich, zumal das Problem wirklich bei den grossen Unterschieden zwischen den beiden Genres liegen muss. Blackened Death Metal gehört heute halt nicht hier hin. Nun ja, auch wenn ich weniger der Black Metaller bin, kann ich dem Auftritt fast nur Positives abgewinnen und auch ein kurzes Gespräch unter anderem mit Schreiberkollege Dutti führt zu keinen anderen Erkenntnissen. Ein anderes Mal wirds bestimmt auch stimmungsmässig wieder besser!

Setliste Behemoth

  1. Solve (Intro)
  2. Wolves Ov Siberia
  3. Daimonos
  4. Ora Pro Nobis Lucifer
  5. Bartzabel
  6. Rom 5:8
  7. Blow Your Trumpets Gabriel
  8. Ov Fire And The Void
  9. Chant For Eschaton 2000
  10. Coagvla (Outro)

Slipknot

Durch einen glücklichen Zufall gelange ich in der Pause doch noch in den Stehplatz-Bereich und bahne mir nach dem eben erwähnten Gespräch mit Dutti meinen Weg in die Hallenmitte. Von mir aus kanns losgehen!

Nach einer Runde «For Those About To Rock» aus den Lautsprechern folgt «Insert Coin», der Intro-Track des letztjährigen Werkes, ebenfalls ab Konserve. Richtig los geht es mit dem auch auf dem Album folgenden Song «Unsainted» und – wow – jetzt ist sofort die Hölle los. Auch wenn die Abmischung anfangs noch sehr schlecht rüberkommt, gibt das Publikum von Anfang an Vollgas und lässt sämtliche zuvor bei Behemoth noch aufgesparte Energie raus. Für eine erneute Steigerung sorgen dann die beiden älteren Kracher «Disasterpiece» (einer meiner Über-Lieblinge) und «Eeyore». Wie geil ist das denn?!

Leider folgt jetzt eine einige Songs anhaltende Flaute. Noch immer ist viel los, aber die anfängliche Energie scheint bei Band und Publikum wie verpufft. Der Sound harzt noch immer und wird leider auch bis zum Ende des Abends nicht mehr spürbar besser. Dass solche Probleme bei Abmischung und Akustik jeweils auch das Konzerterlebnis massiv trüben können, ist schade, aber zu akzeptieren. Als Ton-Laie frage ich mich jedoch, ob es bei einem Event dieser Grösse in einer derart etablierten Location nicht möglich sein sollte, die richtigen Einstellungen innert weniger Minuten gefunden zu haben…

Neben dem weit bekannten «Psychosocial» sorgen dann vor allem die Songs ab «Wait And Bleed» für viel Aktivität im Publikum und – vielleicht täusche ich mich – auch die Performance auf der Bühne wird wieder besser. ‘Besser’ heisst allerdings noch lange nicht gut. Nachdem viel Ruhe auf der Bühne zum Beispiel im Dezember bei Jinjer im Dynamo etwas sehr Majestätisches durchscheinen liess, passt genau diese Ruhe keinesfalls zu Slipknot. Die Perkussionisten sorgen zwar für Bewegung auf der Bühne und Drummer Jay Weinberg gibt ebenfalls alles. Fronter Corey Taylor hingegen läuft mehr als etwas anderes, DJ Sid Wilson fährt zwischendurch auf einem Laufband vor seinem Pult durch und die Saitenfraktion scheint stellenweise fast schon zu schlafen. Nach den zwei umwerfenden Auftritten am Greenfield und am Graspop bin ich von der heutigen Leistung also doch ein wenig enttäuscht.

Nach einer kurzen Pause mit eingespieltem Zwischentrack – leider verschwinden die Musiker schon vorher einige Male einfach so für mehrere Minuten, was vielleicht auch ein wenig an der Energie des Auftritts kratzt – gibt es dann in der Zugabe noch einmal auf die Fresse. Alle drei gespielten Songs mögen gut zu überzeugen und das eingespielte und von vielen Zuschauern mitgegrölte «’Til We Die» sorgt doch noch für einen epischen Abschluss.

Setliste Slipknot

  1. Insert Coin (Intro)
  2. Unsainted
  3. Disasterpiece
  4. Eeyore
  5. Nero Forte
  6. Before I Forget
  7. New Abortion
  8. Psychosocial
  9. Solway Firth
  10. Vermillion
  11. Birth Of The Cruel
  12. Wait And Bleed
  13. Eyeless
  14. All Out Life
  15. Duality
  16. 742617000027 (ab Band)
  17. (sic)*
  18. People = Shit*
  19. Surfacing*
  20. ‘Til We Die (Outro)

*Zugaben

Das Fanzit

Den heutigen Abend muss man also sehr differenziert betrachten. Negativpunkte gibt es viele: Neben einigen fragwürdigen Umständen in Organisation, Catering und Abmischung sind dies unter anderem, dass bei Behemoth der Funke einfach nicht aufs Publikum überspringen will und dass Slipknot sich für ihre Verhältnisse doch eher ruhig und bewegungsscheu geben. Doch es gibt auch viel Positives: Einen starken Auftritt des Openers, vereinzelte Passagen beim Auftritt des Headliners und die Energie, welche sich während Slipknot aus dem Publikum wie aus einer schwarzen Gewitterwolke entlädt!

Fotos* Slipknot – Hallenstadion Zürich 2020 (Vedi)

*Veranstalter Live Nation liess leider keine Fotografen für Behemoth zu.


Wie fandet ihr das Konzert?

/ 27.02.2020
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