The Night Flight Orchestra - Aeromantic (CD Cover Artwork)
Fr, 28. Februar 2020

The Night Flight Orchestra – Aeromantic

AOR, Classic Rock
16.02.2020
The Night Flight Orchestra - Aeromantic (CD Cover Artwork)

Mehr als nur ein romantischer Nachtflug!

Es geschieht nicht alle Tage (genauer gesagt eher sehr selten), dass sich nach nur zweimaligem Hören eines Albums die Refrains der meisten Tracks in meinen Hörgängen festkrallen. Das mittlerweile fünfte Studiowerk „Aeromantic“ der schwedischen „The Night Flight Orchestra“ war so ein Sonderfall. Brillantes Songwriting oder kalkulierter Kommerz? Schauen wir etwas genauer hin…

Eigentlich scheint es höchst verwunderlich, dass sich jemand wie Björn Strid – seines Zeichens Sänger bei Soilwork,  welche mit ihrem Melodic-Death-Metal nebst In Flames oder Dark Tranquillity zu den stilprägenden Bands dieses Genres gezählt werden dürfen – dem typisch pompösen Haarspray-Rock der 80er Jahre verschrieben hat. Der Erzählung zufolge befand sich Soilwork auf Tournee durch Nordamerika. Während einer Fahrt zum nächsten Auftrittsort unterhielten sich Björn und der als Livegitarrist mitfahrende David Andersson über Classic Rock resp. AOR (für die Jüngeren unter uns: Adult Oriented Rock). Zack, TNFO war geboren. Komplettiert wurde die Combo durch Sebastian Forslund (Gitarre), Sharlee D’Angelo (Bass, u. a. Arch Enemy, Spiritual Beggars), Richard Larsson am Keyboard sowie Jonas Källsbäck (Drums, von Mean Streak).

Nach zwei Veröffentlichungen beim eher kleinen Label Coroner Records sowie den beiden bei Nuclear Blast erschienenen Alben „Amber Galactic“ (2017) und „Sometimes The World Ain’t Enough“ (2018) folgt nun also Opus Nummer fünf – „Aeromantic“ – eine Hommage an so ziemlich alles, für was der Sound der goldenen Achtziger steht. Bereits die erste Singleauskopplung „Divinyls“ (welches eine gewisse Ähnlichkeit zu „Good Karma“ von Roxette nicht leugnen kann) zeigt, wohin der Nachtflug gehen wird: Unterhaltsamer, auf den Punkt produzierter US-Rock mit edlen Harmonien,  „catchy“ Refrains sowie jeder Menge Glam und Glitzer – TNFO lassen die guten alten Tage mit ihrem Werk wieder auferstehen und beweisen, dass sie den klassischen AOR der 80er in der Tat verinnerlicht haben.

Was genau hat The Night Flight Orchestra – Aeromantic nun zu bieten?

Bereits beim rockigen Opener „Servants Of The Air“ wird deutlich, dass die Schweden nicht nur hymnenhafte Midtemposongs im (Hand-) Gepäck haben, sondern sehr schnell auf die gewünschte Flughöhe steigen. Das unruhige, rhythmusstarke Intro baut dabei einen mächtigen Spannungsbogen auf und entlädt sich in einem fulminanten Gitarrengewitter, und über allem thront die druckvolle Stimme von Flugkapitän Björn Strid – ein mehr als gelungener Start. „This Boys Last Summer“ beginnt abbaesk, weicht jedoch schon bald eher rotzigen Klängen, derweil „Curves“ mich irgendwie an Toto erinnert. „Divinyls“ nistet sich ebenso in den Gehörgängen ein wie der aus meiner Sicht überragende Titeltrack „Aeromantic“. Und die zweite Single „Transmissions“ verfällt zunächst in einen nervösen, groovigen Drive, um sich in der Folge zu sphärischen Streicherpassagen empor zu schwingen.

Einzig mit „Taurus“ geraten TNFO kurzfristig in leichte Turbulenzen – kein wirklicher Druckabfall in der Kabine, aber gemessen an den restlichen Songs nicht ganz so prickelnd. Mit „Golden Swansdown“ serviert die Cabin Crew die einzige Ballade des Longplayers, und auch die Landung gelingt mit den druckvollen „Dead Of Winter“ sowie „City Lights And Moonbeams“ mehr als passabel. Die Zeit vergeht beim Hören dieses Silberlings wahrlich wie im Fluge!

The Night Flight Orchestra lassen mit „Aeromantic“ einmal mehr eine der schillerndsten Epochen der Musikgeschichte wieder auferstehen. Und wenn die Titel auch noch so eingängig daherkommen, so wissen sie auch nach mehrmaligem Hören noch immer zu gefallen.

Nettes Detail am Rande: Das Album wurde im Nordic Sound Lab Tonstudio aufgenommen. Drummer Jonas Källsbäck verwendet dabei das Schlagzeug, welches auch bereits bei den Aufnahmen zum ABBA-Album „Super Trouper“ verwendet wurde. Authentizität pur!

Das Fanzit The Night Flight Orchestra – Aeromantic

The Night Flight Orchestra – Aeromantic hätte genauso gut vor 35 Jahren veröffentlicht werden können – und lange nicht alle Bands klangen damals so „80s“ wie es das Fliegende Nachtorchester heute tut! Die meisten Song sind sehr einprägsam, ohne dabei beliebig austauschbar zu wirken. Bemängeln kann man allenfalls, dass die Produktion etwas gar geglättet wirkt, ein paar Ecken und Kanten hier und da hätten vielleicht nicht geschadet – wobei wir hier auf sehr hohem Niveau mäkeln.

Für Liebhaber des guten alten Classic Rock/AOR à la REO Speedwagon, Yes oder Toto ist dieses Album ein wahres Geschenk. Und wer der etwas sanfteren Gangart unserer Musik nicht vollends abgeneigt ist, sollte unbedingt mal rein hören!

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Trackliste The Night Flight Orchestra – Aeromantic

  1. Servants Of The Air
  2. Divinyls
  3. If Tonight Is Our Only Chance
  4. This Boy’s Last Summer
  5. Curves
  6. Transmissions
  7. Aeromantic
  8. Golden Swansdown
  9. Taurus
  10. Carmencita Seven
  11. Sister Mercurial
  12. Dead Of Winter
  13. City Lights And Moonbeams

Line Up – The Night Flight Orchestra

  • Björn Strid (Gesang)
  • David Andersson (Gitarre)
  • Sharlee D’Angelo (Bass)
  • Sebastian Forslund (Gitarre, Perkussion)
  • Jonas Källsbäck (Schlagzeug)
  • Anna-Mia Bonde (Backing Vocals)
  • Anna Brygård (Backing Vocals)

Video The Night Flight Orchestra – Divinyls 


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 9/10



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16.02.2020
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