Gomorra - Met-Bar Lenzburg 2020
Fr, 19. Juni 2020

Gomorra (Plattentaufe)

Met-Bar (Lenzburg, CH)
25.06.2020
Gomorra - Met-Bar Lenzburg 2020

Schweizerische Schwermetall-Souveränität 

«Divine Judgement» ist die erste Scheibe der Gomorra Ära. Getauft wurde das Teil am Freitagabend in einer sehr gut besuchten Met-Bar. Die Protagonisten lieferten eine fabelhafte Performance ab und empfahlen sich dadurch definitiv für weitere Club-Gigs dieser Art. 

«Wichtig isch, dass Fritig isch». Für die meisten Bürger endet heute die Arbeitswoche und deshalb steht die Freude auf das bevorstehende Wochenende im Vordergrund. Zudem hat der Bundesrat in eine Pressekonferenz am Nachmittag weitere Lockerungen der verhängten Corona-Massnahmen angekündigt. Es geht somit schrittweise in die richtige Richtung. Bald schon darf man ansatzweise wieder von einem Hauch Normalität sprechen – auch wenn COVID-19 natürlich noch nicht besiegt ist…

Jetzt wollen wir uns allerdings primär dem musikalischen Aspekt dieses Berichts zuwenden. Aus der Asche von Gonoreas gingen im Februar des vergangenen Jahres Gomorra hervor. Personell gab’s ein paar Umstellungen, aber der Sound-Pfad blieb derselbe: Schwermetall mit gelegentlichen Power Metal-Einschüben. Ich ziehe diesbezüglich gerne oftmals den Vergleich mit Iced Earth heran. Mit den Amis teilten sich die Jungs übrigens Ende Juni 2018 im Winterthurer Gaswerk eine Bühne! Vor einigen Monaten hat der Fünfer einen Plattenvertrag mit dem Frischlings-Label Noble Demon (unter anderem gegründet von ehemaligen Nuclear Blast-Mitarbeitern) unterzeichnet. Aus den leider bestens bekannten Gründen konnte der Release des neuen Eisens «Divine Judgement» lediglich online zelebriert werden. Glücklicherweise kommt das Volk dank der Met-Bar-Crew nun in den Genuss einer «Nachhol-Sause».

Vor den Pforten der Lokalität hat sich bereits eine kleine Warteschlange gebildet. Einmal mehr hat es sich freilich bewährt, den Vorverkauf zu benützen. Gerüchten zufolge seien an der Abendkasse bloss noch fünf Tickets erhältlich. Damit dürften die Veranstalter wohl in den nächsten Minuten garantiert den ersten «After-Corona-Sold-Out»-Staus verkünden können. Zahlentechnisch würde dies offenbar rund 60 Besucher bedeuten. Ein Seitenhieb gegen alle Kritiker der Band. Publikumsmagneten scheinen die Herrschaften zweifelsohne zu sein. Tja, Neider wird’s immer geben. Und selbst wenn man allenfalls das Heu mit gewissen Mitgliedern nicht durchgehend auf der gleichen Ebene hat, kann man ruhig einmal über seinen Schatten springen, oder?

Logischerweise hat das Schutzkonzept in der Schenke nach wie vor Gültigkeit. Das Personal düst beispielsweise stets mit den Zensurbalken der unteren Gesichtshälfte durch die Gegend. Abstand halten dürfte aufgrund des heutigen Aufmarsches eh ein Ding der Unmöglichkeit werden. Wie dem auch sei, die Leute sind allesamt hervorragend gelaunt und fiebern der Beschallung der eigenen Gehörgänge entgegen.

Gomorra

Um 21.15 Uhr schreitet das Quintett schliesslich zur Tat. Auf das Intro «Canaan» folgt direkt eine erste Duftmarke: «Gomorra». Im Live-Gewand ist dieser namensgebende Track eine verdammt mächtige Hymne. Der Refrain wird von der Zuhörerschaft lautstark mitgegrölt. Genau wie bei allen anderen «Post-Virus-Shows» sticht einem sofort die Spielfreude der Akteure ins Auge. Man hat die wilden Hunde aus ihrem Zwinger gelassen und jetzt dürfen sie sich endlich wieder austoben. «Guitar-Hero» Damir Eskic fingert abermals wie ein Weltmeister an seinen Saitenköniginnen herum. Fronter Jonas Ambühl brilliert stimmlich auf ganzer Ebene: Hohe Screams, Growls – dieses Mal passt wirklich alles (da habe ich ihn also auch schon schwächer erlebt). Die linke Bühnenseite (aus Zuschauerperspektive gesprochen) ist hauptsächlich Territorium vom zweiten Klampfer Dominic Blum und dem Tieftöner-Mann Nico Ardüser. Dank einiger Ventilatoren werden die langen Mähnen der Musiker brauchbar in Szene gesetzt. Sogar Trommler Stefan Hösli hat ein Lüftungsgerät neben sich stehen. Auf seinem Haupt gibt’s jedoch kaum etwas zu präsentieren, weswegen das Ding wahrscheinlich eher für das Abkühlen seiner hitzigen «Felle-Verdrescherei» zuständig ist.

Mit Ausnahme von «Children Of The Land» wird «Divine Judgement» in seiner ganzen Pracht präsentiert. Ich habe mir bereits präventiv vor dem Auftritt ein Exemplar an der Merch-Ecke gesichert, da nach der Darbietung erfahrungsgemäss sicherlich mit einem grossen Ansturm zu rechnen ist. Nichtsdestotrotz findet ebenfalls eine kleine Auswahl von Liedern aus der Gonoreas-Phase den Weg in die Setlist. Die Heavy Metaller haben wahrlich mächtiges Material zu bieten. Über zu wenig Kopfschüttler in den Publikumsreihen kann sich heute Abend bestimmt niemand beklagen. Es herrscht eine bombastische Stimmung in der Hütte! Selbstverständlich möchte ich keiner Kapelle die grossen Hallen dieser Welt ausreden, aber Gomorra entfalten ihre Wirkung meines Erachtens im Rahmen von kleineren Club-Shows (wie dieser hier) deutlich besser. Es kommt irgendwie einfach alles optimaler zur Geltung.

Nach circa 85 Minuten beenden die Herrschaften mit «Bang Your Head» als finale Zugabe ihre überzeugende Performance und hinterlassen eine rundum zufriedene Anhängerschaft. Während das Gros der Leute zwecks Autogramm-Jagd Richtung Merch-Stand pilgert, leere ich langsam meinen finnischen Hopfen-Smoothie und plaudere noch mit ein paar Bekannten. Da allerdings bald schon der letzte Zug in die Heimat ruft, muss ich mich gezwungenermassen auf die Socken machen. Doch das nächste Konzerterlebnis ist gewiss nicht fern.

Das Fanzit

Normalerweise wäre man in diesen Tagen und Wochen an den ersten Sommer-Festivals unterwegs und würde dort das Leben in vollen Zügen geniessen. Bei mir wäre dies beispielsweise am Rock The Ring in Hinwil der Fall. Leider läuft 2020 aber alles bekanntermassen ein bisschen anders ab. Deshalb verneige ich mich vor Läden wie der Met-Bar, denn wegen ihres Programms sind musikalische Entzugserscheinungen gottlob wieder Mangelware.

Gomorra konnten mich heute Abend gleichermassen begeistern und beeindrucken. In dieser Form kann ich die Gruppe sorglos weiterempfehlen. Die Daheimgeblieben haben eindeutig etwas verpasst. Das war eine würdige Tauf-Fete!

Setlist – Gomorra

  1. Intro – Canaan
  2. Gomorra
  3. Flames Of Death
  4. The City Must Fall
  5. Out Of Control
  6. Brother We’re Damned
  7. Cleansing Fire
  8. When Nobody Asked
  9. Angels Amongst Us
  10. Never Look Back
  11. Kursk*
  12. Breaking The Chains*
  13. The Mask Of Shame*
  14. Core Of Love*
  15. Hope For The Righteous*
  16. Bang Your Head**

*Zugabe 1

**Zugabe 2


Wie fandet ihr das Konzert?

25.06.2020
Weitere Einträge von

Gomorra