Velkhanos - The Wrath (CD Cover Artwork)
Fr, 26. Juni 2020

Velkhanos – The Wrath

Melodic Death Metal
28.06.2020
Velkhanos - The Wrath (CD Cover Artwork)

Marching on and on…!

Genau das tut der gnadenlose Melodeath der spanischen Band Velkhanos. ‘¡Qué discazo!’ wäre wohl das Urteil ihrer Metal-Landsleute zum am 26. Juni über Art Gates Records erscheinenden Debütalbum.

Auf «The Wrath» präsentiert die Gruppe erfrischenden und von zahlreichen weiteren Stilen beeinflussten Melodic Death Metal. Ich empfehle zum Lesen des Reviews, die bereits veröffentlichten Singles «The Last Day», «Vulcano» und «Black Omen» anzuschalten. Mit der Besprechung beginnen wir aber von vorne.

«In Absentia Dei», zu deutsch ‘in Abwesenheit Gottes’, ist ein knapp eineinhalbminütiges Intro, welches sich der Aufgabe des Spannungsaufbaus annimmt. Mit Keys und Streichern und den später einsetzenden Trommeln gelingt dies sehr gut. Daran knüpft «Bring Me The Fire» an. Der erste Song beginnt mit einem beachtlichen Tempo und gibt sowohl instrumental als auch gesangstechnisch die Stossrichtung vor. Rhythmuswechsel ist kein Fremdwort für die junge Truppe und Sängerin Miriam singt sowohl clean als auch guttural und rundet das Instrumentale passend ab. Etwa so würde wohl Arch Enemy tönen, wenn Alissa sich vermehrt auf Klargesang einlassen würde…

«Black Omen» heisst der dritte Track und scheint vorerst die eingeschlagene Richtung fortzusetzen. Doch oha, was ist das? Neben klassisch angehauchtem, hohem Klargesang setzt plötzlich auch ein männlicher Chor ein. Das Stück erinnert passagenweise an Epica und und nordische Sprechchöre. Die Triolen in den ruhigen Zwischenteilen entfalten ihre volle Wirkung und funktionieren als Kontrast zu den harten Sechzehntel-Passagen.

Weiter geht es mit «Dagon». Wie auch schon zuvor durchdringt ein Hauch Symphonic Metal die Komposition. Wenn diese Band etwas richtig macht, ist es die Einbindung verschiedener Einflüsse, ohne zu stark vom eigenen Stil abzuweichen.

«The Wrath» beginnt ruhig und zeigt sich vor allem beim Klargesang und im Refrain sehr eingängig. Überhaupt frisst sich die Scheibe unglaublich schnell in die Gehörgänge… Einigen Puristen dürfte der Titeltrack vielleicht eine Spur zu kommerziell rüberkommen, und die fast schon corigen Rufe im Refrain schwächen diesen Effekt bestimmt nicht ab. Meiner Meinung nach lehnt sich die Band hier allerdings nicht zu weit aus dem Fenster und schafft einen tollen Spagat. Doch dies muss wohl jeder für sich selbst entscheiden…

«Vulcano» benennt sich nach dem römischen Feuergott. Zumindest etymologisch gibt es übrigens eine Verbindung zum Bandnamen, denn eine mögliche Herkunft des Namens Vulcano hängt mit dem kretischen Gott der Natur und der Unterwelt zusammen. Und der nennt sich, genau, Velkhanos. Hier sind vor allem die Growls besonders eingängig (‘marching on and on, defying to the thunder god…’) und rhythmisch reisst der Track den Hörer ganz schön mit.

Die einzige Single, die bereits released war, als ich mich zum ersten Mal mit dem Album befasste, war «The Last Day». Von hymnischen, lateinischen Stimmen ausgehend gewinnt der Song schnell an Geschwindigkeit. Die Spanier zeigen hier ihre gesamte Aggressivität und kombinieren diese trotzdem mit melodischen Stellen. Diese jungen Musiker müssen sich vor bekannteren Melodeath-Truppen bestimmt nicht verstecken!

Mit ein paar rhythmisch stark an Fear Factory erinnernden Takten beginnt «Moloch», bevor auch hier melodiöse Töne dazugeschaltet werden. Bei dieser Nummer verstehe ich, wieso Black Metal-Einflüsse genannt werden. Übrigens beherbergt sie auch einen der Höhepunkte der ganzen Scheibe: Die auf mehrere abwechslungsreiche Parts folgende (knappe) letzte Minute. Böse, böse, böse!

Glocken, düstere Klänge, kirchlicher Sprechgesang… Und dann auch in «The Eye Of God» wieder die gewohnte Gitarren/Schlagzeug/Bass-Klatsche! Die zahlreichen verschiedenen Intros sind vielleicht ein wenig zu viel des Guten, aber stören auch nicht. Fast noch stärker als bei «Black Omen» sind auch hier Epica-Parallelen auszumachen – jedoch wieder nur stellenweise.

Nun, das Album könnte hier fertig sein, stünde nicht noch ein capricho auf der Tracklist. Dieses Wort bezeichnet ein frei und fantasievoll geschriebenes Stück, in welchem auch mal Regeln gebrochen werden dürfen. «Capricho Árabe» wurde 1892 vom spanischen Gitarristen Francisco Tárrega geschrieben und wird nun, fast 130 Jahre später, von einer Melodeath-Band gecovert. Velkhanos verstehen es, aus dem uralten Stück etwas Eigenes zu machen, kombinieren akustische und elektrische Gitarren und machen auf dem letzten Track genau das, was ein capricho auszeichnet: Sie brechen die Regeln.

Und schon wieder habe ich mich dazu verleiten lassen, eine mehrseitige Albumreview zu schreiben. Da nützt es nichts, sich vorzunehmen, nur einige Worte pro Track zu verlieren. Dafür gibt es einfach zu viel zu erzählen. Doch schlussendlich ist das ja keineswegs schlecht, oder?

Das Fanzit

Auf «The Wrath» kombinieren Velkhanos unzählige Stile, allen voran Melodic Death Metal, Symphonic Metal, Black Metal und einen Touch spanischer Folk-Gitarre. Nichtsdestotrotz wirkt das ganze Album kohärent und ausgeschert wird höchstens auf dem letzten, wahrscheinlich als Bonus zu verstehenden Track.

Die genannte Vielfalt wird zweifelsohne nicht jeder mögen: Wenn jemand reinen Melodeath oder reinen Black Metal erwartet, ist er hier eindeutig an der falschen Adresse. Lässt man sich aber gerne auf eine fast schon provozierende Variabilität ein, wird man an «The Wrath» schnell Gefallen finden.

Anspieltipps? Selten ist mir diese Frage so schwer gefallen wie bei dieser Review. Müsste ich mich auf drei beschränken, würde ich «Black Omen», «Moloch» und «The Eye Of God» empfehlen. Oder einfach das gesamte Album. Tipp: Das Videomaterial ist bisher zwar knapp, aber zu «Black Omen» hat die vom spanischen Lockdown geplagte Band ein ‚Quarantäne-Video‘ veröffentlicht!

Offen bleiben schlussendlich zwei Fragen: Wie Velkhanos auf einem Nachfolgeralbum weiterfahren wollen und wie sie sich live präsentieren. Beides kann ich schon jetzt kaum erwarten!

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Tracklist Velkhanos – The Wrath

  1. In Absentia Dei
  2. Bring Me The Fire
  3. Black Omen
  4. Dagon
  5. The Wrath
  6. Vulcano
  7. The Last Day
  8. Moloch
  9. The Eye Of God
  10. Capricho Árabe

Line Up – Velkhanos

Miriam Ortiz – Vocals
Fernando Salmerón – Gitarre
Pablo Ato – Gitarre
Ángel Lucas – Bass
José Antonio Montiel – Drums

 

Video Velkhanos – Vulcano


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 8.5/10



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28.06.2020