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Vicious Rumors - Celebration Decay (Cover Artwork)
Fr, 21. August 2020

Vicious Rumors – Celebration Decay

Power Metal
22.08.2020
Vicious Rumors - Celebration Decay (Cover Artwork)

Zurück zur alten Stärke?

Eigentlich hätte „Celebration Decay“, das nunmehr 13. Studiowerk der aus Kalifornien stammenden US-Power Metaller von Vicious Rumors, etwas früher erscheinen sollen – eigentlich. Und für einmal geht diese Verzögerung nicht auf das Konto von SARS CoV-2, sondern ist quasi hausgemacht – oder Konzert-geschuldet, wenn man so will. 

Denn ursprünglich waren für die Tournee zum 30-jährigen Jubiläum ihres 1988 erschienenen Klassikers „Digital Dictator“ lediglich 20 Shows vorgesehen gewesen, welche aber aufgrund der grossen Resonanz auf stattliche 108 Gigs ausgedehnt wurde. Zugegeben, es gibt ärgerlichere Ursachen für solch eine Verzögerung. Und da das Line-Up für das kommende Album zu dieser Zeit bereits komplett war, konnte sich die Band auch schon ordentlich eingrooven, bevor es dann ab ins Studio ging.

Apropos Line-Up: Wer sich in Wikipedia die Liste der ehemaligen Bandmitglieder anschaut, hat bei der Durchsicht ein ordentliches Stück Arbeit vor sich. Ich weiss nicht, ob es Combos gibt, bei denen sich das Personalkarussell in der Vergangenheit ähnlich schnell gedreht hat wie bei der in Santa Rosa, CA gegründeten Truppe, aber ob der hohen Rotationsgeschwindigkeit kann einem schon etwas schwindlig werden. Immerhin ist nebst Bandleader und Gründungsvater Geoff Thorpe noch Schlagzeuger Larry Howe (1986–1999, seit 2005) als Urgestein mit von der Partie. Leadsänger Nick Courtney und Gitarrist Gunnar Dügrey sind seit 2018 als Neuentdeckungen am Start, und haben somit ihre Feuertaufe auf der Digital Dictator-Tour bereits durchlebt. Komplettiert wird das Quintett durch Bassist Robin Utbult (Ex- Air Raid).

Pferdchen lauf Galopp

Sei es, wie es wolle, nun liegt also im 41. Jahr ihres Bandbestehens mit „Celebration Decay“ Studioalbum Nummer 13 vor, und dieses beginnt gleich in bester VR-Manier, nämlich hart und schnell. Der nach dem Albumtitel benannte Opener lässt uns zudem einen ersten Eindruck von Nick Courtneys gesanglichen Fähigkeiten erhaschen, welcher mit seiner kehligen, rauen und zuweilen auch etwas reibeisernen Art dem Song von Beginn an seinen Stempel aufdrückt.

„Pulse Of The Dead“ nimmt diesen Drive mit, und hat zudem – zumindest aus meiner Sicht – einen leichten Hang zu eher reinen metallenen Klängen. In der Folge galoppiert „Arrival Of Desolation“ in bester Powermetal-Manier aus den Boxen. Nicht zuletzt wegen des wunderbar melodiösen Mittelteils sowie der gefühlvollen Gitarrenarbeit von Goeff Thorpe zählt gerade dieser Track zu meinen absoluten Faves auf diesem Longplayer und wird auch trotz seiner knapp sechs Minuten Spielzeit nie langweilig!

Erstaunlich experimentelle Klänge

Mit „Any Last Words“ schwenkt man wieder auf wohl bekannte Pfade ein – eine knackige Uptempo-Nummer, aber nicht unbedingt ein Song, der sich unwiderruflich in die Gehörgänge eingräbt. Das folgende „Asylum Of Blood“ schielt dann schon eher in Richtung Heavy Metal, die leicht orientalische Note verleiht dem Track dabei die nötige Würze. So richtig spannend wird es mit „Darkness Divine“, einem für VR-Verhältnisse doch recht experimentellen Titel, der sich von zu Beginn balladesken Klängen zu hymnischen Sphären aufschwingt. Keine leichte Kost, aber vielleicht eine Art Wegweiser, auf welchen musikalischen Pfaden Vicious Rumors in Zukunft wandeln könnten

Weiter geht’s im frohen Reigen mit „Long Way Home“, einer konventionell ausgerichteten Nummer, die mir persönlich jedoch ein klein wenig zu kaugummiesk daherkommt. „Cold Blooded“ und „Death Eternal“ bringen keine grossen Überraschungen mit sich, sind aber durchaus solide Metalsongs, bei denen sich der Reflex, zum nächsten Track vor zu skipen, in Grenzen hält. Bei „Collision Course Disaster“ wird’s dann insbesondere dank der mörderischen Gitarrenriffs nochmals so richtig schnell – ebenso wie beim finalen  „Masquerade Of Good Intentions“, welches durch diverse Tempiwechsel zu punkten weiss.

Das Fanzit Vicious Rumors – Celebration Decay

Mit Vicious Rumors (zu Deutsch: bösartige Gerüchte) kam ich bereits relativ früh in Berührung, genauer gesagt zu Zeiten von „Digital Dictator“ resp. dem selbstbenannten Drittlingswerk – und war zugegebenermassen beeindruckt ob der Energiedichte, welche von diesen Scheiben ausging. Umso gespannter blickte ich nun natürlich ihrem neusten Werk „Celebration Decay“ entgegen – wie sich die früher oft als Speerspitze des amerikanischen Powermetals bezeichnete Combo über die Jahre hinweg wohl entwickelt hatte (speziell auch nach dem tragischen Unfalltod des am 22. April 1995 leider viel zu früh verstorbenen Übersängers Carl Albert)?

Von ihrer Wucht haben VR meines Erachtens nichts eingebüsst, die Songs sind allesamt coole Kracher (vielleicht mit Ausnahme von „Long Way Home“, das einfach nicht so meinst ist). Urgestein Thorpe versteht sein Handwerk nach wie vor vorzüglich, und auch die gesangliche Performance von Nick Courtney weiss durch Variantenreichtum zu gefallen. Allerdings habe ich mich beim wiederholten Durchhören der Scheibe ab und zu gefragt, wie das Ganze wohl geklungen hätte, wäre Carl Albert hinter dem Mikrofon gestanden – nostalgische Träumereien, ich weiss.

Unterm Strich ist „Celebration Decay“ in meinen Augen (oder wohl besser: Ohren) ein sehr solider, mit diversen Highlights gespickter Longplayer, welcher sich wohl noch einen Tick euphorischer abfeiern liesse, läge die aus der Bandvergangenheit gelegte Messlatte nicht so verdammt hoch – aber das ist Mäkeln auf hohem Niveau. Wer auf satten, druckvollen Metal steht, sollte ein Ohr riskieren. Fans der Band können m. E. ohnehin blind zugreifen.

Meine Anspieltipps: Celebration Decay, Arrival Of Desolation, Darkness Divine

Ein ausführliches Interview mit Geoff Thorpe zu „Celebration Decay“, dem omnipräsenten Thema Corona – sowie den Höhen  und Tiefen seiner unglaublichen Karriere findet ihr hier.

Reinhörend und portofrei bestellen

Trackliste Vicious Rumors – Celebration Decay

  1. Celebration Decay
  2. Pulse Of The Dead
  3. Arrival Of Desolation
  4. Any Last Words
  5. Asylum Of Blood
  6. Darkness Divine
  7. Long Way Home
  8. Cold Blooded
  9. Death Eternal
  10. Collision Course Disaster
  11. Masquerade Of Good Intentions

Line Up – Vicious Rumors

  • Nick Courtney – vocals
  • Geoff Thorpe – guitars
  • Gunnar Dügrey – guitars
  • Robin Utbult – bass
  • Larry Howe – drums

 

Video Vicious Rumors – Pulse Of The Dead


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 8.5/10



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22.08.2020
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