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Kataklysm – Unconquered (CD Cover Artwork)
Fr, 25. September 2020

Kataklysm – Unconquered

Melodic Death Metal
21.09.2020
Kataklysm – Unconquered (CD Cover Artwork)

Aggressive Abrissbirne mit hundertprozentiger Trefferquote

Die Katalysatoren-Maschinerie aus Kanada meldet sich mit ihrem inzwischen 14. (!) Studioalbum zurück! «Unconquered» heisst das Ding aus dem Hause Kataklysm, welches am 25. September 2020 über das Label eures Vertrauens (Nuclear Blast) auf die Menschheit losgelassen wird. Der Plattenname kann bereits als deutliches Statement verstanden werden. Übersetzt bedeutet er nämlich «unbezwungen».

Dass man Maurizio Iacono und seine Mannen nicht so rasch kleinkriegt, dürfte wahrscheinlich den meisten Metallschädeln bekannt sein. Trotzdem hatte der Vierer beim Vorgänger «Meditations» die Hand für meinen Geschmack etwas zu häufig an der Handbremse (siehe meinen Senf dazu). Aufgrund dessen bleibt zu hoffen, dass das neue Material bombastisch einschlägt – und zwar voll die Zwölf!

Das Album – «Unconquered»

Schau an, für einmal kein einleitendes Film-Zitat. Der epische Einstieg lässt den Vorfreude-Puls jedoch völlig in die Höhe schnellen. Und dann bricht das wilde Biest aus dem Käfig! Alter Verwalter, diesen «The Killshot» überleben wahrscheinlich die wenigsten. Oli Beaudoin imitiert mit seinem Drum-Set eine Gatling-Knarre und feuert unnachgiebig zerstörerische Salven ab. All das erinnert freilich an die Kataklysm-Scheiben der alten Tage. Das Fehlen dieser Klanggewalt haben viele Anhänger zuletzt bemängelt. Mit diesem Song lässt das Quartett allerdings sämtliche Kritiker radikal verstummen. Ein richtig fettes Ausrufezeichen!

Kann «Cut Me Down» direkt nachlegen? Absolut! Es geht temporeich weiter. JF Dagenais deckt unsere Ohrmuscheln fleissig mit Riffgewittern ein. Geschickt wird da stets eine Prise Melodie eingefädelt, so dass das Endprodukt nicht bloss als stumpfer Todes-Klumpen daherkommt. Die Soli sitzen ebenfalls. Hier wirkt sogar ein «Special Guest» mit – und das ist kein Geringerer als der finnische Tausendsassa Tuomas Saukkonen (Wolfheart, Before The Dawn). Spannende Kollaboration. Nuclear Blast schafft es irgendwie einfach immer wieder, interessante Persönlichkeiten zusammenzuführen.

Das schweisstreibende Nacken-Workout wird mit «Underneath The Scars» gnadenlos fortgesetzt. Gefangene oder Kompromisse? Nein, beides wird auf diesem Album eindeutig nicht gemacht. Bärenstark, wie die Herrschaften gewisse Rhythmuswechsel anwenden. Die melodiösen Parts, welche dank der Gitarrenarbeit eingebracht werden, sind dann sprichwörtlich die Kirsche auf der Torte. Das finale Trommel-Gemetzel macht der Zuhörerschaft endgültig den Gar aus.

Mit einer Spielzeit von 03:11 Minuten ist «Focused To Destroy You» das kürzeste Lied des Silberlings. Damit kann ich bestens leben, denn auf dem Vorgängerwerk waren die Stücke jeweils noch rascher und abrupter zu Ende. Diese abgehackten Angelegenheiten kamen gar nicht gut an. Schön zu sehen, dass Kataklysm davon weggekommen sind. Obendrein punktet diese Komposition mit einigen Groove-Dosen.

«The Way Back Home» scheint direkt aus dem Stampfer-Sektor zu stammen. Nichtsdestotrotz beweisen die Herrschaften mit diesem Song, dass sie nicht nur ausschliesslich komplett überhart und grob agieren können. Könnte man eventuell von Elementen aus der Djent-Schublade sprechen? Teilweise ja. Das ist exakt der kleine Hauch von Abwechslung, der eine ausgezeichnete Platte ausmacht.

Als nächstes folgt ein Stich-Massaker («Stitches»). Erneut ein packendes Wechselspiel zwischen groovigen und brutal aggressiven Abschnitten. In dieser bestechenden Form dürften die Katalysatoren kaum zu stoppen sein. Dieser Mähdrescher lässt einzig und allein blutgetränkte Felder zurück.

Vor dem Kameraden Oli kann man zurecht jedes Mal aufs Neue den Hut ziehen. Was dieses Biest hinter seiner Schiessbude leistet, ist schlichtweg überragend! Der muss nach Live-Gigs garantiert in ein Eisbad eintauchen oder gefühlte 100 Massagen in Anspruch nehmen, um seine Muckis wieder einigermassen brauchen zu können. Tracks der Marke «Defiant» rechtfertigen dieses Sonderlob absolut. Selbst wenn die höllische Felle-Vermöblungs-Königsdisziplin namens «Blood On The Swans» wohl trotzdem auf ewig unerreichbar bleiben wird.

Einleitende Piano-Klänge? Jetzt aber du! Werden die Jungs mit «Icarus Falling» plötzlich wieder handzahme Schosshündchen? Ne, nix da. Der Härtegrad nimmt subito zu. Gegen Ende wird allerdings nochmals herumgeklimpert. In Kontrast mit den peitschenden Drums führt das zu einem ansprechenden Gesamtbild. Geht ein bisschen in die Richtung von «Achilles Heel». Gelegentliche gefühlvolle Farbtupfer dieser Kategorie sind total legitim.

Passenderweise markiert «When It’s Over» den Schlusspunkt. Die dezente Tempodrosselung lässt schon fast einen Hauch Melancholie aufkommen. Groove-Einbussen entstehen dadurch jedoch keine. Insgesamt wirkt dieses Finale etwas schwerer und düsterer als der ganze Rest. Auf eine solche Art und Weise variabel sein zu können, darf der Band verdientermassen als Stärke attestiert werden.

Das Fanzit Kataklysm – Unconquered

Kataklysm sind zurück – und wie! Ihr wolltet diesem (man verzeihe mir die schmutzige Ausdrucksweise) beschissenen 2020 schon lange einmal ausgiebig die Meinung geigen? Dann steht euch mit «Unconquered» nun freilich der optimale Klangteppich für dieses Vorhaben zur Verfügung. Aggressiv, zornig und gnadenlos wüten sich die Kanadier von Nummer zu Nummer. Den Zahn der Zeit treffen sie damit punktgenau. Nacken-Rehabilitationszentren werden wohl demnächst komplett ausgebucht sein. Dank dieser Kracher-Scheibe dürfte das Quartett sicherlich eine ganze Weile als unbezwingbar gelten.

Die Herren hätten ja eigentlich am diesjährigen Meh Suff! Metal-Festival auf helvetischem Grund ein Gastspiel gegeben. Man wäre bereit gewesen, allfällige Quarantäne-Auflagen ohne Gemotze auf sich zu nehmen. Das rechne ich dieser Equipe verdammt hoch an. Ja, ich weiss… «hätte, hätte, Fahrradkette». Nichtsdestotrotz fiebere ich einer nächsten Darbietung in unseren Gefilden jetzt schon sehnlichst entgegen.

Empfehlenswerte Hörproben: «The Killshot», «Underneath The Scars», «The Way Back Home», «Defiant»

Ab Release reinhören und portofrei (vor-)bestellen

Tracklist Kataklysm – «Unconquered»

  1. The Killshot
  2. Cut Me Down
  3. Underneath The Scars
  4. Focused To Destroy You
  5. The Way Back Home
  6. Stitches
  7. Defiant
  8. Icarus Falling
  9. When It’s Over

Line Up – Kataklysm

  • Maurizio Iacono – Gesang
  • JF Dagenais – Gitarre
  • Stephane Barbe – Bass
  • Oli Beaudoin – Drums (bzw. neu seit 04.09.2020: James Payne)

 

Video Kataklysm – The Killshot


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 9/10



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