Skelfir, Forge, Helgrindur - Met-Bar Lenzburg 2020
Sa, 5. September 2020

Skelfir, Forge, Helgrindur

Met-Bar (Lenzburg, CH)
14.09.2020
Skelfir, Forge, Helgrindur - Met-Bar Lenzburg 2020

Im Bann der Wikinger 

Die axtschwingenden Krieger von Helgrindur und Skelfir stachen nach langer Ruhezeit endlich wieder einmal mit ihren Langschiffen in See. Auf ihrem Eroberungsfeldzug gönnte sich der wilde Haufen einen Zwischenstopp auf helvetischem Grund. Das Plündern und Brandschatzen musste vorerst warten. Dafür wurde gemeinsam mit Forge in der Lenzburger Honigwein-Schenke ordentlich gebechert und musiziert. Die Freuden des Nordmann-Lebens. 

Normalerweise würden wohl die meisten von uns in diesen Tagen am Meh Suff!-Festival in Hüttikon durch die Gegend torkeln. Line-Up und Wetter wären fantastisch gewesen. Gewohnheiten und Festivitäten mit grossem Besucheraufmarsch sind im ominösen Jahr 2020 allerdings bedauerlicherweise kein Thema. Doch wie heisst es so schön? «Nicht verzagen, sondern die Met-Bar fragen!» Liebhaber von Live-Beschallungen und metallischen Melodien kommen hier auch in kritischen Zeiten stets auf ihre Kosten. Für den heutigen Event konnten die Organisatoren eine Horde Wikinger verpflichten.

Auf der einen Seite hätten wir die Vertreter aus Deutschland: Helgrindur und Skelfir. Beide sind schon seit über einer Dekade aktiv und haben je ein Studioalbum am Start. Gemessen an den Facebook-Likes mischen diese zwei Gruppen in Sachen Popularität nicht wirklich an vorderster Front mit. Aber wer weiss? Vielleicht verschafft man sich mit gelungenen Auftritten ja neue Anhänger aus der Schweiz. Ich persönlich bin musikalischen Horizonterweiterungen sowieso nie abgeneigt. Ergänzt wird das Package durch die Schmieden-Freunde aus Bern: Forge.

Bereits ein paar Tage vor der Veranstaltung konnte die Met-Bar den «Sold Out»-Status vermelden. Ein erster Achtungserfolg für dieses verhältnismässig unbekannte Band-Trio. Wahrscheinlich werden eh diverse «Meh Suff!-Asylanten» in Richtung des Kantons Aargau pilgern. Des Weiteren feiert einer meiner Kollegen heute seinen «Schlüpftag». Ein benebelter Abend dürfte aufgrund dessen eindeutig vorprogrammiert sein. Also los, befeuchtet eure Kehlen! Auf in die Schlacht!

Helgrindur

Pagan Metal bringt die ganze Angelegenheit um 20.45 Uhr ins Rollen. Vorgetragen wird dieser von Helgrindur aus Solingen (Nordrhein-Westfalen). Sänger Beast, der in Rüstung und mit Trinkhorn vor uns steht, führt das Quintett an. Hinzu kommt sein kräftiges Stimmorgan, welches einen umgehend mitreisst. Wenn die Zuhörerschaft schon beim zweiten Track («Aufbruch») brav am Boden sitzt und kräftig rudert, hat man als Künstler eigentlich alles richtig gemacht. Das normannische Workout wird von A bis Z durchgezogen. Respekt an alle Beteiligten! Von wegen passive Schweizer! Die ersten Schweissausbrüche sind effektiv sichtbar.

Die wackeren Recken kämpfen unermüdlich weiter. «Ein Sturm» ist ebenfalls ein waschechtes Kracher-Stück. «Hebt die Schilde, schwingt die Äxte!» – diese Worte brennen sich einem schonungslos in die Seele ein. Ich habe zuvor an der Merch-Ecke ein Shirt mit diesen Zeilen auf der Rückseite erspäht. Dieses Teil MUSS ich haben! Von zu wenigen Mitmach-Augenblicken kann während dieses Gigs definitiv keine Rede sein. Die Herrschaften sorgen für eine ausgezeichnete Stimmung.

Am Ende bleibt lediglich eine Frage übrig: Wann findet das nächste Gastspiel auf helvetischem Grund statt? Nach dieser bärenstarken Darbietung mag man es den Jungs sogar verzeihen, dass sie auf der Hinfahrt in ihrem Mini-Bus noch komische «Schlager-Entgleisungen» gehört haben (tja Freunde, Instagram weiss eben alles *hust*).

Forge

Symphonic Dark / Folk / Viking Metal? Die «Giele» von Forge gehen in Tat und Wahrheit mit einem interessanten Klanggemisch an den Start. Rasch stellt sich heraus, dass nun alles eine Stufe düsterer wird. Dies liegt jedoch nicht nur an den mit Corpsepaint bemalten Gesichtern der Protagonisten. Ragnar entführt uns ohne zu zögern in die Untiefen seiner Kehle. Was für ein Grunzer! Das Violinen-Spiel von Skjöldur bringt die nötige Abwechslung in die Bude. Die Herren haben obendrein einen weiblichen Special Guest in ihren Reihen: Drehleier-Mädel Sarah Wauquiez (Ex-Eluveitie).

Es dauert zwar eine Weile, bis die Schmiede eine anständige Betriebstemperatur erreicht und das Publikum damit ansteckt, aber danach passt die Geschichte wunderbar. Trotz der etwas gröberen Gangart, kommt’s auch im Verlaufe dieser Show zu Feierlichkeiten. Trumpf ist diesbezüglich die Instrumental-Nummer «The Dance Of The Valkyries». Walküren sichte ich keine, aber einige Personen schwingen ungeachtet dessen gleichwohl das Tanzbein. Selbst Skjöldur schreitet von der Bühne hinunter und mischt mit. Dazwischen wird die Meute regelmässig mit dem legendären Kult-Spruch «21 10 – eyne näh!» zur konstanten Vernichtung alkoholischer Getränke animiert. Die Söhne Odins wären sicherlich verflucht stolz!

Skelfir

Der Abend schreitet ungebremst voran. Tatzeit: 23.10 Uhr. Jetzt übernimmt der Headliner. Da Kollege Beast auch bei dieser Equipe den Ton am Mikro angibt, kommt er zu seinem zweiten Einsatz am heutigen Abend. Mal schauen, ob Stimme und Energie die anstehenden Strapazen überstehen werden.

Skelfir haben den Westerwald verlassen, um die Gehörgänge der Honigwein-Tavernen-Besucher richtiggehend zu verwüsten. Mit ihrem tödlichen Viking Metal sollte das eigentlich ein leichtes Unterfangen sein. Jop, zu diesem Abriss kann man locker die eigene Mähne herumwirbeln. Insgesamt haben mich Helgrindur allerdings eine Spur mehr überzeugt. Oder trüben die späte Stunde und der fortgeschrittene Alkoholpegel etwa so langsam mein Urteilsvermögen? Passend dazu dröhnt übrigens just in diesem Moment die Hymne «Hoch den Humpen» aus den Boxen. Na, vielen Dank! Mit leeren Händen in der Gegend herumzustehen ist somit keine Option – also nix wie hin zu den fleissigen Tresen-Mädchen.

Nach rund 60 Minuten beendet der Fünfer mit «Allemol» sein Set und entlässt die Zuschauer in die Nacht. Über anschliessende Trinkgelage und weitere Geldbörsen-Erleichterungen wollen wir an dieser Stelle lieber einmal den Mantel des Schweigens hüllen.

Das Fanzit – Skelfir, Forge, Helgrindur

Der Eroberungsfeldzug der Wikinger war absolut erfolgreich und hat den Fans einen durchaus adäquaten Meh Suff!-Ersatz geliefert. Speziell Helgrindur und Forge würde ich mir sofort wieder reinziehen. Der Abend lebte von einer unglaublich genialen Stimmung, die zu keiner Sekunde Schwäche zeigte. So ausgelassen würde man doch jedes Mal gerne feiern, oder? Logischerweise müssen für dieses Vorhaben aber die richtigen Leute mit von der Partie sein. Den Gerüchten zufolge haben offenbar gewisse Exemplare den gesamten Lapin Kulta-Vorrat dem Erdboden gleichgemacht. Öhm ja… glaubt was ihr wollt. Dank Taxi-Service konnte ich die Headliner-Show in vollen Zügen geniessen und musste nicht frühzeitig verduften – fettes Dankeschön dafür!

Setlist – Helgrindur

  1. Lügenbold
  2. Aufbruch
  3. Trost
  4. Gotenzug
  5. Ein Sturm
  6. An der Mühle
  7. Seelenreise
  8. Von einst
  9. Im Dunkeln
  10. Grimurs Fluch

Setlist – Forge

  1. Intro
  2. Tyr The Wargod
  3. Sons Of Odin
  4. Heimdall
  5. The Dance Of The Valkyries
  6. Belial
  7. Death Of A Warrior
  8. A Dark Prophecy
  9. Destroyed And Damned

Setlist – Skelfir

  1. Intro
  2. Falsche Propheten
  3. Wächter des Wissens
  4. Wer weiss, wie bald die Glocke schallt
  5. Hoch den Humpen
  6. Schlachtruf
  7. Stein auf dem Bühl
  8. Das Murkelmännchen aus Eschelbach
  9. Muhkalb
  10. Skelfir
  11. Heidrun
  12. Die Schmiede
  13. Allemol

Wie fandet ihr das Konzert?

14.09.2020
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