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Corpus Delicti - Mabon - Treppenhaus Rorschach 2020
Fr, 9. Oktober 2020

Corpus Delicti, Mabon, Honor

Treppenhaus (Rorschach, CH)
25.10.2020
Corpus Delicti - Mabon - Treppenhaus Rorschach 2020

Treppenhaus-Thrash 

Für eine gehörige Dosis Dresche und Prügel musste man am Freitagabend in die Ostschweiz pilgern. Corpus Delicti, Mabon und Honor gaben sich im Rorschacher Treppenhaus die Ehre und liessen es dort kräftig scheppern. Meinen Erlebnisbericht zu dieser für mich neuen Location entnehmt ihr den nachfolgenden Zeilen. 

Zeit fürs Wochenende! Gemeinsam mit einer Kollegin und ihrem fahrbaren Untersatz wage ich mich in die östlichen Zonen unseres Landes. Ziel ist die am Bodensee gelegene Gemeinde Rorschach. Scheinbar herrscht vor Ort des Öfteren «tote Hose». Einzige Ausnahme bildet das Treppenhaus. Namensgebend dürfte wahrscheinlich das stufenförmige Dach des Gebäudes sein. Der in diesem Gemäuer ansässige Verein möchte mit diversen Events frischen Wind in die Bude bringen. Café, Bar, Jass-Turniere, Public Viewing-Geschichten… – Vielseitigkeit scheint Trumpf zu sein. Unser Hauptaugenmerk gilt allerdings der bevorstehenden Lärm-Beschallung. Diese wird heute in Form einer dreifachen Thrash-Ladung angeboten. Kurz an der Bar den Flüssigkeitshaushalt wieder sauber regeln und anschliessend geht’s direkt hinüber in den Konzertraum. «Klein, aber fein» soll das Motto mit grosser Wahrscheinlichkeit lauten. Ich fühle mich jedenfalls pudelwohl. Das Vorherrschen einer angenehmen Atmosphäre kann freilich nicht geleugnet werden. Doch aufgepasst! Demnächst wird es ziemlich laut!

Honor

Da Angry Again leider kurzfristig aufgrund von gesundheitlichen Gründen ausgefallen sind, wurde den ganzen Tag lang fieberhaft nach einem Ersatz gesucht. Fündig wurden die Organisatoren schliesslich in Honor – einer Kapelle aus St. Gallen. Beim Logo wirkt der erste Buchstabe zwar eher wie ein «X», aber vielleicht bin ich einfach zu einfallslos. Mancher Anwesende bezeichnet die jungen Burschen sogar als «Schüler-Band». Gemessen an den Shirts des Trios (Destruction, Megadeth und Machine Head) dürfte jedoch jedem klar sein, dass keinesfalls mit sanften Tönen gerechnet werden kann.

Trotz fehlendem Lead-Gitarristen (der sei leider verhindert) gelingt es dem Dreigestirn, einen ansprechenden Gig abzuliefern. Dieser Leistung gebührt viel Respekt, denn es handelt sich offenbar erst um den dritten Auftritt der taufrischen Thrasher. Immerhin hilft mein Kumpel Steven bei einer Nummer als Klampfer aus. Drummer Tobias ist eine kleine Eskalationsmaschine. Seine Brille unternimmt wegen der engagierten Getrommle sogar ein paar Mal Flugstunden. Zum Glück geht sie aber nie zu Bruch. Fronter Donagh setzt auf ein gehässiges, aggressives Stimmorgan. Während den Ansagen stösst man des Weiteren rasch auf seinen Lieblingsausdruck. Das nächste Mal werde ich vielleicht eine «Ja, Mann!»-Strich-Liste führen.

Neben ihrem eigenen Material (der «Zigi-Pause» Song hat fraglos Kultpotenzial) setzen die Jungs auch auf zwei Cover-Versionen. Das wären auf der einen Seite Sodom und andererseits die legendären Metallica. «For Whom The Bell Tolls» ohne fetzige Soli wirkt allerdings ein bisschen seicht. Zum Schluss folgt noch ein Track mit einem Gast-Drummer. Honor stehen zwar erst am Anfang ihres Weges, aber es ist schön zu sehen, dass immer wieder junge und hungrige Gruppen nachrücken. Dadurch bleibt die Gefahr eines Engpasses gering.

Mabon

Der Grund, wieso ich überhaupt nach Rorschach gepilgert bin, geht Punkt 22 Uhr ins Rennen: Die Thurgauer Dreschflegel Mabon. Meines Erachtens leider nach wie vor extrem unterbewertet. Hoffentlich ändert sich das eines Tages… Dass die Herrschaften im Vergleich zu Honor ein paar Jahre länger im Geschäft sind, wird direkt mit dem Opening-Kracher «Stampede (Of The Damned)» klar. Das sind musikalische Schläge, die wuchtig in die Kauleisten der Besucher donnern. Die Headbanger haben jetzt Hochkonjunktur und kleinere Moshpits können ebenfalls bestaunt werden.

Fronter Badi agiert wie gewohnt mit einem unglaublich schelmischen Grinsen. Ein echter «Lausbub» eben. Selbst für Ausflüge durch die Publikumsreihen ist er sich keinesfalls zu schade. Pausenlos werden wir animiert und angestachelt. «This World Is Bleeding» – das würden momentan wohl viele so unterschreiben. Das Quintett unternimmt eine ausgewogene Wanderung durch seine Diskographie. Absolut richtig, denn ältere Hymnen à la «Chaos Of Life» oder «Are You Blind?» sind schliesslich auch Live-Feuerwerke!

Diese 45 Minuten sorgen erneut für hervorragende Laune. Die «Maboner» sind ein sicherer Wert. Ich kann euch deshalb nur wärmstens empfehlen, die Jungs zu buchen. Ihr werdet es nicht bereuen. Im November stehen folgende Shows der «thrashigen Äpfel-Könige» Aussicht: Samstag, 14.11.2020 – Sedel, Luzern und eine Woche später (21.11.2020) am Metal Festival in Schaffhausen. Speziell der zweitgenannte Event könnte eine verdammt lohnenswerte Angelegenheit werden.

Corpus Delicti

Befinden wir uns nun etwa vor Gericht? Oder weshalb wird «Corpus Delicti» plötzlich zum Thema? Nope, von Tatwaffen ist hier definitiv nicht die Rede. Dafür gilt unsere Aufmerksamkeit der vierköpfigen Kapelle aus Berg (TG), die sich hinter diesem Namen verbirgt. Die Zuschauermenge wirkt ein bisschen verkleinert, aber das hält die Akteure keinesfalls davon ab, ordentlich Gas zu geben. Aufgrund des bockstarken Mabon-Abrisses dauert es jedoch eine Weile, bis ich mit dieser letzten Darbietung des Abends warm werde.

Schnell und aggressiv knüppelt sich die Equipe durch ihr Set. Huch, haben da etwa gerade Frontmann Sileno Püntener und Drummer Simon Bommeli während eines Liedes mal eben frech die Positionen getauscht? Das kennt man sonst eher von Crisix. Die Spanier haben die metallische Version des Spiels «Reise nach Jerusalem» nämlich perfektioniert (Anm. von pam: Oder schon seit Jahrzehnten in Perfektion zelebriert von den legendären Abstürzende Brieftauben). Für das finale Stück kommt dann mein Kumpel Steven zu seinem zweiten Gitarren-Einsatz. Das Ganze kommt als emotionale Geschichte daher, denn es ist eine Hommage an die US-Amerikaner Power Trip und deren bedauerlicherweise kürzlich verstorbenen Sänger Riley Gale (R.I.P.).

Wer nach diesen 40 Minuten Lust auf mehr Corpus Delicti bekommen hat, sollte sich das bereits bei Mabon erwähnte Schaffhauser Metal Festival vormerken. Wiedersehen macht ja bekanntermassen Freude. Daumen drücken, dass die Veranstaltung dann auch wirklich stattfinden kann!

Das Fanzit – Corpus Delicti, Mabon, Honor

Mein Fazit? Viel Thrash und eine kleine, aber feine Location. Ich werde sicher wieder einmal einem Konzert im Treppenhaus beiwohnen. Mein Tagessieger waren eindeutig Mabon. An dieser Thurgauer Abriss-Garantie gibt’s schlichtweg nix zu rütteln.

Setlist – Mabon

  1. Stampede (Of The Damned)
  2. This World Is Bleeding
  3. In The Name Of God
  4. Death Kiss
  5. Chaos Of Life
  6. Desert War
  7. Enemy
  8. Are You Blind?
  9. Agro

Wie fandet ihr das Konzert?

25.10.2020
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Autor Bewertung: 8/10