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Leaves' Eyes - The Last Viking (Cover Artwork)
Fr, 23. Oktober 2020

Leaves‘ Eyes – The Last Viking

Symphonic Metal
20.10.2020
Leaves' Eyes - The Last Viking (Cover Artwork)

Der letzte Wikinger

Zwei Jahre nach „Sign Of The Dragonhead“ melden sich die Symphonic Metaller Leaves‘ Eyes zurück – mit einer Geschichte über den letzten König der Wikinger.

Ich zitiere aus dem Beiblatt der Plattenfirma: England im Jahr 1066. Die entscheidende Schlacht bei Stamford Bridge. Krieger im Todeskampf, blutgetränkte Felder. Norwegens König Harald III, genannt Hardråde („Der Harte“), liegt sterbend am Boden. Vor seinen Augen zieht sein Leben vorbei: Kriege, Machtkämpfe, Reisen in exotische Welten, mächtige Frauen; Kaiser und Könige, die ins Verderben stürzen. Der letzte Wikingerkönig ist tot – die Ära der Wikinger ist beendet. Lang leben die Wikinger!

Es ist nach „Vinland Saga“ (2005) und „King Of Kings“ (2015) das dritte Album von Leaves‘ Eyes, welches von den Geschichten der Wikingerkönige handelt. Das tönt schon mal interessant – hören wir also mal rein, was „The Last Viking“ vor allem auch musikalisch so zu bieten hat!

Das Album Leaves‘ Eyes – The Last Viking

Ein Intro wie aus „Pirates Of The Carribean“ – bei den ersten zweieinhalb Minuten („Death Of A King“) sieht man vor seinem inneren Auge ein (Wikinger-)Schiff durch den Nebel ziehen. Düster, beklemmend, geheimnisvoll – und dann geht’s mit „Chain Of The Golden Horn“ richtig los! Ein Einstieg nach Mass, der musikalisch dort anknüpft, wo die Truppe vor zwei Jahren aufgehört hat. Symphonic Metal at its best, getragen von der fantastischen Stimme Elina Siirala’s. Aufgelockert wird das von gelegentlichen Growl-Einschüben von Meister Alex Krull.

Mit „War Of Kings“ folgt im Anschluss gleich eines der ganz grossen Highlights. Tempomässig etwas gemächlicher als der Opener, dafür stampfend mit teils recht fiesen Gitarren. Der Refrain ist ein Wechselspiel von Elina und Alex, der nach ihren Passagen immer wieder böse den Krieg der Könige beschwört. Sehr stark!

„Black Butterfly“ – da klingelt was bei mir. Richtig: Den Track haben Leaves‘ Eyes auf der 70‘000 Tons Of Metal im Januar live vorgestellt (siehe Review). Kurz vorher wurde er zudem als (mittlerweile längst vergriffene) EP veröffentlicht. Allerdings vermochten mich die Schmetterlinge damals nicht wirklich umzuhauen. Doch nun, nach mehreren Durchläufen der Albums, muss ich sagen: Gefällt! Elina (die hier übrigens Unterstützung von Clémentine Delauney von Visions Of Atlantis erhält) und Alex mit seinen punktuellen Growls als Kontrast funktionieren auch hier grossartig.

Spätestens bei „Serpents And Dragons“ wird es augenfällig: Leaves‘ Eyes setzen insgesamt deutlich mehr auf den gutturalen Gesang als noch beim letzten Album. Auch wenn die Melodien und die cleanen Vocals schon noch überwiegen, so wird es mir langsam beinahe fast etwas zu viel des Guten. Aber das ist natürlich meinem persönlichen Geschmack geschuldet – wem die böse Stimme nichts ausmacht, wird auch hier mit bestem Symphonic-Futter verwöhnt. Musikalisch könnte der Track übrigens problemlos auch auf „Sign Of The Dragonhead“ zu finden sein.

Pianoklänge leiten „Dark Love Empress“ ein. Eine insgesamt eher ruhige, tragende Nummer, die allerdings mehrheitlich etwas dahinplätschert, während im Anschluss „Two Kings, One Realm“ ein zweieinhalbminütiges Zwischenspiel darstellt. „For Victory“ – hier geht’s nun wieder richtig ab. Ein Mix zwischen Symphonic und Folk Metal, einmal mehr mit überragendem Gesang und ohrwurmmässigem Refrain. Im zweiten Teil darf dann auch die Gitarrenfraktion mal wieder richtig die Saiten heulen lassen, bevor Alex kurzzeitig das gesangliche Zepter übernimmt.

„Varangians“ ist erneut ein Track, der mit vielen Folk-Elementen durchsetzt ist, aber leider vermag es mich auch hier nicht so richtig zu packen. „Serkland“ findet der geneigte Fan ebenfalls auf der bereits erwähnten „Black Butterfly“ EP, auch diese Nummer wurde in der Karibik der versammelten Heavy Metal Welt um die Ohren gehauen. Im Gegensatz zu den Schwarzen Schmetterlingen bleibt „Serkland“ jedoch eher blass, irgendwie hat man das Gefühl, dass man das schon mal besser gehört hat. Geht der Truppe gegen Ende jetzt plötzlich die Luft aus?

Nein! Denn jetzt folgt die Nacht der Raben. Die Leserschaft weiss vielleicht, dass ich das aktuelle Nightwish-Album für deren Verhältnisse eher enttäuschend finde. Wer auch so denkt, dem empfehle ich hiermit „Night Of The Raven“! Dies ist genau das, was die Finnen nicht gemacht haben: Symphonic Metal der obersten Güteklasse. Hier stimmt einfach alles – die Melodien, der Gesang (für einmal gehört das Mikrofon nur der Frontfrau), die Power, die Instrumentierung mit klassischen Elementen. Zweifellos einer der besten Tracks des ganzen Albums, grosses Kino! Übrigens ist dies der dritte Titel der letztjährigen EP, vor einem Jahr bereits gab es dazu einen Clip auf Youtube und dürfte somit einigen Fans bereits bestens bekannt sein. Ich hingegen habe in diesem Punkt fraglos gepennt, denn das ist alles komplett an mir vorbeigerauscht – Schande über mich.

Es wird nochmals episch. Auch „Flames In The Sky“ hätte problemlos auf dem Vorgängeralbum perfekt Platz. Treibend, stampfend, Elina’s engelsgleicher Gesang, mittelalterlichen Elemente und böse Growls. Hier erhält man das Rundum-Wohlfühl-Paket. Auch wenn es mir gegen Ende wieder ein Mü zu viel „Gegrunze“ ist…

„Break Into The Sky Of Aeon“ ist der vorletzte Titel. Die Plattenfirma feiert diese Nummer ab mit den Worten, dass Leaves‘ Eyes hier „einen eigenen Best-Of-Track erschaffen, der alle Asse ausspielt, die den Bandsound seit jeher bestimmen“.  Mag ja sein, dass dies auch auf ältere Werke der Band bezogen ist. Mit denen bin ich alles andere als vertraut, das muss ich zugeben. Allerdings dominiert hier Alex‘ Gesang zu sehr, und abgesehen davon finde ich den ganzen Song nicht sehr prickelnd. Nein, nicht meins.

Den grossen Hammer holt der Fünfer aber nun zum Ende heraus. Der Titeltrack ist ein über 10-minütiges Epos, welches man zweifellos mehr als nur einmal anhören sollte! Tiefe Schiffshörner markieren den Beginn – düster, mystisch. Dann die Schiffstrommeln, bevor mit Gitarren und Schlagzeug die Geschichte langsam Fahrt aufnimmt. Elina und Alex wechseln sich gesanglich ab, Krull haut hier die wohl fiesesten Growls des gesamten Albums raus. Und plötzlich wieder die Nebelhörner, begleitet von den Trommeln. Man wähnt sich irgendwo im Nebel, verloren und verlassen…

Doch dann wird urplötzlich an der Temposchraube gedreht und die Saitenfraktion brilliert mit fantastischen Soli. Alex übernimmt anschliessend wieder das Zepter, Elina bleibt für einmal etwas im Schatten. Auch wenn ich das umgekehrt besser finden würde – der Dramatik, die mittlerweile aufgebaut wurde, tut das keinen Abbruch! Einzig das Finish ist irgendwie etwas gar kurz geraten, ein etwas längerer Ausklang hätte kaum geschadet. Doch das ist nun schon fast Haarspalterei…

Das Fanzit Leaves‘ Eyes – The Last Viking

In über einer Stunde Spielzeit liefern uns Leaves‘ Eyes hier 12 Songs und 2 instrumentale Tracks. Darunter mögen zwei, drei sogenannte Füller sein, die aber vom textlichen Konzept her sicher ihre Daseinsberechtigung haben. Mehrheitlich jedoch bieten die Deutschen mit ihrer finnischen Sängerin feinsten Symphonic Metal, bei dem durchaus immer wieder Einflüsse aus anderen Genres durchschimmern. Zwar dürften es für meinen Geschmack etwas weniger Growls sein. Dennoch kann man sicher sagen: Wem „Sign Of The Dragonhead“ gefallen hat, der darf hier ohne zu zögern zugreifen! Alleine mit „Night Of The Raven“ und „War Of Kings“ hat die Band zwei absolute Übernummern am Start, somit sind insgesamt 8.5 von zehn Punkten absolut gerechtfertigt.

Ab Release reinhören und limited Edition (2CD) portofrei (vor-)bestellen

 

Video Leaves‘ Eyes – Chain Of The Golden Horn


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 8.5/10



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20.10.2020
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