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Dreams In Fragments, Inishmore - Met-Bar Lenzburg 2020
Sa, 21. November 2020

Dreams In Fragments, Inishmore

Met-Bar (Lenzburg, CH)
01.12.2020
Dreams In Fragments, Inishmore - Met-Bar Lenzburg 2020

Der nächste Wiederbelebungsversuch 

Live-Musik? Ja, die gibt’s tatsächlich noch! Nach wie vor bleibt sie für viele von uns die beste (und einzige) Medizin. Am Samstagabend kamen ausgehungerte Konzert-Fanatiker in Lenzburg endlich wieder einmal auf ihre Kosten. Die Melodien von Inishmore und Dreams In Fragments waren Balsam für die gepeinigten Seelen. Aber hat das angepasste Schutzkonzept funktioniert? Oder war es viel eher ein Fall für die Tonne? 

Sodele, mal schauen, ob ich das Verfassen von Konzert-Reviews immer noch beherrsche. Seit dem letzten Event sind nämlich schon wieder ein paar Wochen ins Land gezogen. Trotz allen widrigen Umständen und verschärften Vorgaben seitens Politik lässt sich ein Lokal offenbar glücklicherweise nie vollends in die Knie zwingen: Die Met-Bar in Lenzburg! Dank kreativer Ideen und einem eisernen Willen setzt die dortige Crew unermüdlich sämtliche Hebel in Bewegung, um das Ganze irgendwie am Laufen zu halten. Diese ausserordentliche Einsatz verdient zurecht Sonderlob und massenhaft Unterstützung.

Doch wie sieht das neue Leben in der «Honigwein-Taverne» aus? Beim Herumlatschen sind die uns inzwischen bestens bekannten Schutzmasken die ständigen Begleiterinnen. Viele Metalheads setzen bei ihrer Gesichtszensur auf fantasievolle Motive und Designs. Normal kann ja sowieso jeder, oder? Neuerdings ist die Bar zudem in zwei Bereiche aufgeteilt: Die Bühnen-Zone und den Konsumations-Sektor. Getränke müssen sitzend zu sich genommen werden. Dafür darf die Maske logischerweise abgenommen werden. Pro Tisch sind maximal vier Personen zugelassen. Wir erwischen dankbarerweise einen im Innern und können dadurch dem frostigen Aussen-Fumoir ausweichen. Es macht sich beinahe schon eine Restaurant-Atmosphäre breit, denn man wird sogar bedient. Das polyvalente Bar-Personal kommt also auch mit der «Servierdüsen-Funktion» locker zurecht. Jetzt will lediglich noch das taktische Trinken gelernt sein, sprich – bei Show-Beginn müssen die Flaschen leer sein, da diese ja nicht zur Bühne mitgenommen werden dürfen. Wer den Spielplan kennt ist aufgrund dessen glasklar im Vorteil. Apropos Zeit: Wegen der Sperrstunde werden die Pforten bereits um 19 Uhr geöffnet und dann soll’s angeblich schon eine Stunde später erstmals laut werden (eine Anpassung, die man meinetwegen ruhig fix implementieren könnte). Ein weiteres Novum ist das «Spendenglas» auf dem Tresen. Denkt bitte daran und lasst gerne jeweils ein paar Groschen dort liegen. Feine Sache!

Kommen wir noch kurz auf die Bands zu sprechen. An Inishmore habe ich eine sehr spezielle Erinnerung. Vor vier Jahren traten sie als Support-Act von Mystic Prophecy im Hall Of Fame auf. Zu diesem Abend habe ich eine «Test-Review» verfasst, sozusagen mein Bewerbungsschreiben für metalinside.ch (pam: Hehe, genau, da schrub so ein Jungspund, der sich Metal-Dutti nannte, ein vorbildliches Bewerbungsschreiben an uns, dem wir natürlich nicht widerstehen konnten – siehe die Review von damals). Und der Rest ist bekanntlich Geschichte. Mit Dreams In Fragments hatte ich hingegen leider noch nie das Vergnügen. Intern liefen bei den Künstlern sicherlich schon Wetten, ob ich es überhaupt jemals an einen ihrer Gigs schaffen werde. Egal, sie dürften eh bestens gelaunt sein, denn vor ein paar Tagen wurde die Unterzeichnung eines Plattenvertrages mit Boersma Records ordentlich zelebriert. Der zweite Silberling – «When Echoes Fade» – soll dann über dieses Label vertrieben werden.

Inishmore

Ah, dieses unbeschreibliche Gefühl, kurz nachdem das Intro aus den Boxen ertönt. Endlich wieder Live-Musik! Den Göttern sei Dank! Moment aufsaugen und geniessen ist nun angesagt. Die in Baden angesiedelten Inishmore bringen mit ihrem erfrischenden Power Metal umgehend Leben in die Bude. Die Freude steht sämtlichen Akteuren in die Gesichter geschrieben. Dieses Bühnen-Comeback ist eine wahre Wohlfühloase. Da wird fleissig herumgealbert. Trommler Alex Ortega ist eine fleischgewordene Grinsekatze. Diese positive Energie ist unglaublich ansteckend.

Und soundtechnisch? Ja, der Sechser gibt diskussionslos Gas! Michela Parata und Klampfer Fabian Niggemeier teilen sich die Gesangsarbeit. Keyboarder Pascal Gysi hat ebenfalls ein Mikrofon zur Verfügung – obwohl er nicht genau weiss warum. Für eine Bandvorstellung reicht’s trotzdem. Erwähnenswerte Mutationen betreffen einerseits die Bass-Position und auf der anderen Seite den Job des zweiten Gitarristen. Der eigentliche Tieftöner-Mensch habe sich bedauerlicherweise an der Hand verletzt und wurde deshalb kurzfristig durch Joey Roxx (habe ich nicht zuvor über Mystic Prophecy gesprochen?) ersetzt. Sie habe das Set in Rekordzeit gelernt und entpuppt sich nun als wunderbare Verstärkung. Und nebenbei käme sie dadurch auch wieder einmal in den Genuss eines Auftritts. Jop, ich verstehe sie da voll und ganz. Des Weiteren ist – wie bereits erwähnt – die lange Suche nach einem zusätzlichen Saitenhexer endlich abgeschlossen. Blöderweise ist mir der Name des Herrn entfallen, aber aus optischer Sicht würde ich ihn als Gemisch von Mikael Åkerfeldt (Opeth) und Justin Hawkins (The Darkness) bezeichnen. Pornobalken lässt grüssen. Öhm… Dutti… Also entweder haben die Gerstensäfte deinen Verstand komplett benebelt oder es handelt sich hierbei wahrhaftig um den echten Justin. Ja mein lieber Scholli – not bad!

Inishmore zeigen eine überzeugende Darbietung und empfehlen sich dadurch freilich für weitere Gastspiele. Wir erhalten sogar ein Dankeschön dafür, dass wir heute Abend unser Leben riskiert haben und in die Met-Bar gekommen sind. Freunde, das ist Ehrensache und absolut gerne geschehen.

Dreams In Fragments

Der Headliner übernimmt um 21.20 Uhr das Zepter. Allerdings bin ich euch zuvor noch rasch eine weitere Neuerung mit Bezug auf die Location schuldig. Vor der Bühne befindet sich nämlich ein Absperrband. Das ermöglich das Distanzhalten zwischen Musikern und Fans. Da ich sowieso selten zur Garde der «Erste-Reihe-Groupies» gehöre, ist diese Änderung kein wirklicher Störfaktor für meine Wenigkeit.

Jetzt aber wieder retour zu den Klangwelten. Die Kompositionen von Dreams in Fragments sind exakt meine Baustelle. Der Kontrast zwischen dem opernhaftem Gesang von Seraina Schöpfer und den fiesen Growls aus Christian Geissmanns Kehle passt wie die Faust aufs Auge. Ausserdem erweckt der lange Mantel des Gitarristen bei mir direkt Erinnerungen an Moonspell. Auch auf musikalischer Ebene tauchen gelegentlich Parallelen zu den portugiesischen Gothic Metallern auf. Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgen die Leuchteffekte am Handschuh von Basser Jan Thomas. In diesem Mix aus Symphonic und Melodic Metal steckt fraglos jede Menge Potenzial. Ein Negativaspekt sind hingegen die zahlreichen Keyboard-Passagen, die lediglich aus der «Büchse» kommen. Möglicherweise sollte der Vierer bei Gelegenheit über die Verpflichtung eines echten Tastenmannes (oder einer echten Tastenfrau) nachdenken. Diese Mannschaftserweiterung würde das Gesamtbild garantiert hervorragend ergänzen.

In dieser rund 55 Minuten dauernden Performance finden auch zwei neue Stücke Platz. Da wächst die Vorfreude auf die demnächst erscheinende Scheibe «When Echoes Fade» effektiv. Nach erfolgreicher Beschallung bleibt dankbarerweise ein bisschen Zeit für einen «Absack-Hopfentrunk», Merch-Einkäufe und Gespräche mit den Protagonisten. Seraina ist bereits an der Aufarbeitung des Gezeigten und gibt sich selbstkritisch. Allerdings sind diese kleinen Details der Zuhörerschaft praktisch nicht aufgefallen. Um mich herum höre ich primär positive Stimmen. Ein Beitrag ans «Spendenkässeli» der Met-Bar liegt noch drin, ehe wir in die kalte Nacht hinausgeschickt werden. An der Sperrstunde gibt’s eben bekanntermassen nix zu rütteln. Aber dafür haben alle volles Verständnis.

Das Fanzit – Dreams In Fragments, Inishmore

Ein fettes Dankeschön in Richtung der «Honigwein-Crew»! Erneut seid ihr Teil der kleinen «Rebellen-Gruppe», die uns auch in diesen mühseligen Augenblicken mit Live-Musik (und den dazugehörigen Glücksgefühlen) versorgt. Reich wird man damit zwar nicht, aber jeder Versuch zählt. Die Mehrheit unserer Gemeinschaft schätzt solche Aktionen extrem. Das Konzept hat funktioniert und die Regeln wurden von den Besuchern vorbildlich eingehalten. Es dürfte ohnehin allen klar sein, was da auf dem Spiel steht. Mich konnten beide Bands überzeugen und ich freue mich schon jetzt auf die nächsten Begegnungen. Macht einfach so weiter!

Setlist – Inishmore

  1. Moonchildren
  2. Iron Eagle
  3. Eternal Wanderer
  4. Journey
  5. Cup Of Lies
  6. Three Colours Black
  7. Part Of The Game
  8. Memories

Setlist – Dreams In Fragments

  1. Intro – Prologue
  2. In Flames
  3. Falling With A Crown
  4. Nightchild
  5. Abyss Of Mind (bzw. neu «The Mind’s Abyss»)
  6. Defy Every Storm
  7. Incomplete
  8. Little Red
  9. The Maze
  10. By The Sea Forever
  11. Unireverse
  12. Everytime*

*Zugabe


Wie fandet ihr das Konzert?

01.12.2020
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