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Asphyx - Necroceros (Cover Artwork)
Fr, 22. Januar 2021

Asphyx – Necroceros

Death Metal
15.01.2021
Asphyx - Necroceros (Cover Artwork)

Asphyx’ zehnter Streich

Die niederländischen Todesblei-Veteranen Asphyx eröffnen das neue Jahr mit ihrem Jubiläums-Silberling «Necroceros». Das zehnte Studioalbum der Truppe ist während den Lockdown-Phasen entstanden und man habe zum Teil die ganzen negativen Energien, welche die Pandemie ans Tageslicht befördert hat, in die neuen Songstrukturen einfliessen lassen.

Der Titel sei ein Hirngespinst von Sänger Martin van Drunen. Seine fantasievolle, durch Science-Fiction geprägte Denkzentrale habe ein kolossales Wesen erschaffen, welches aus einem anderen Universum stammt und nun die gesamte Erde zu verschlingen droht. Gemäss eigenen Aussagen war der Frontmann während dieser Ideensuche nüchtern. Na, das lassen wir dann wohl einmal einfach so an dieser Stelle stehen. Klampfer und Haupt-Texter Paul Baayens konnte – trotz diverser anderer Engagements – äusserst viel Herzblut in die neue Platte stecken. Es darf zurecht mit einigen Riff-Gewittern gerechnet werden. Das werde ich selbstverständlich in der nachfolgenden Analyse genaustens überprüfen. Doch davor noch der obligate Werbeblock: «Necroceros» wird ab dem 22. Januar 2021 über Century Media Records erhältlich sein.

Das Album – «Necroceros»

«The Sole Cure Is Death» – eine unmissverständliche Ansage zum Einstieg in das Werk. Ohne irgendwelches Vorgeplänkel donnert das Todesschwadron in rasantem Tempo an einem vorbei. Die messerscharfen Riffs von Paul machen wahrlich keine Gefangenen. Herumfliegende Haare und schwer arbeitende Nackenmuckis sind sofort gefragt! Die aus Deutschland importierte Trommel-Bestie Stefan «Husky» Hüskens gibt mit vollem Elan den Takt an. Derweil keift Fronter Martin munter in sein Mikro. Das heisere Geröchel erinnert fraglos an die Oldschool-Death Metal-Schiene und Konsorten wie Obituary oder Dismember. Zu Beginn des zweiten Abschnitts beweisen die Herrschaften allerdings für ein paar Augenblicke, dass sie auch mit Elementen aus dem Doom-Sektor dienen können. Nichtsdestotrotz fällt man bald zurück ins alte Fahrwasser.

Während «Molten Black Earth» wird der Zuhörer die meiste Zeit gemächlich durch den Fleischwolf gedreht. Eine zähflüssige Masse. Temposchübe tauchen bloss gelegentlich auf. Diese sind dann aber verdammt clever platziert und rufen abermals die Headbanger auf den Plan. Die Arbeit an der Saitenkönigin lässt zweifelsohne Vergleiche mit den legendären Bolt Thrower oder deren «Nachkommen» Memoriam zu. Es muss ja freilich nicht andauernd nur ultraschnelles, brutales «in-die-Kauleiste-prügeln» sein.

Im Anschluss wird der Schädelberg («Mount Skull») erklommen. Die Harmonie zwischen Gitarre und Schlagzeug ist bemerkenswert. Daraus resultieren Rhythmen, die wirklich jeden Kopf umgehend zu Nick-Bewegungen zwingen. Ziemlich genau in der Hälfte des Stücks entlädt sich der aufgestaute Hass in einer wilden Eskalation! Exakt diese Stelle dürfte während Live-Shows für so manch gnadenlose Moshpits verantwortlich sein. Das astreine Mixing der Scheibe ist übrigens Sebastian «Seeb» Levermann (unter anderem auch bekannt als Sänger von Orden Ogan) geschuldet. Diese Zusammenarbeit hat sich definitiv gelohnt.

Im flotten Galopp kommt «Knights Templar Stand» ums Eck geritten. Die Tempelritter machen wahrlich Laune. Auf in die Schlacht! Das abgewürgte Ende stört zwar ein bisschen, aber ansonsten zählt diese Nummer sicherlich zu den Hörempfehlungen. Da schimmern sogar beinahe leichte Schwermetall-Allüren durch. Asphyx können also nicht nur irgendwelche furchterregenden Monstrositäten lobpreisen, sondern berücksichtigen ebenfalls die historische Abteilung.

Das längste Lied des Albums knackt die siebeneinhalb Minuten-Marke und hört auf den Namen «Three Years Of Famine». Müsste man die Gefühle rund um eine Hungersnot vertonen, würde es sich wahrscheinlich exakt so anhören. Adjektive aus der Sparte schwerfällig, zermürbend, hoffnungslos und verzweifelt kommen einem da umgehend in den Sinn. Diese Darstellung ist dem Vierer hervorragend gelungen. Ein echtes Kunstwerk, das Parallelen zu Black Sabbath aufweist. Vor dem Mitteilteil wartet eine überraschende Akustik-Sequenz. Verdientermassen ein Kandidat für sämtliche Apokalypsen-Playlists.

«Botox Implosion» – die volle Breitseite gegen all die krankhaften Schönheitsideale in unserer Gesellschaft. Die Holländer spucken regelrecht auf diese fragwürdigen Vorstellungen und lassen dabei keinen Stein auf dem anderen. Der Fuss bleibt durchgehend auf dem Gaspedal, Paul zaubert ein irres Riff-Gewitter aus dem Ärmel und Martin macht um die Verachtung in seiner Stimme gar keinen Hehl. Frech, aber geil. Ein Mittelfinger im Todesblei-Gewand! Wer’s zusätzlich visuell mag, wird auf der Plattform YouTube fündig. Gönnt euch diesen Clip!

Unser Schiff schaukelt bei «In Blazing Oceans» durch einen unschönen Wellengang. Kein empfehlenswerter Trip für seekranke Menschen. Erneut grundsoldies Handwerk aller Beteiligten, aber irgendwie schlägt der Sprung zur Kategorie «Über-Hit» bedauerlicherweise fehl. Da existieren eindeutig stärkere Hymnen auf dieser Platte.

Als nächstes kriegt die namenlose Elite («The Nameless Elite») ihr Fett weg. Anklagender Gesang und etliche Nackenbrecher-Passagen prägen das Lied. Mit einer Spielzeit von nicht ganz vier Minuten gehört man auf diesem Werk zur Minderheit der kürzeren Kompositionen. Deshalb ist der ganze Spass verhältnismässig schnell wieder vorbei.

«Yield Or Die» zeigt keine Gnade. Man wird regelrecht von diesem Ding mitgerissen. Eine Flucht ist ausgeschlossen. Im Rahmen eines Gigs könnten hier hundertprozentig unzählige herumwirbelnde Haar-Propeller beobachtet werden. Ach, wie ich Anblicke dieser Art vermisse… Ich wünsche uns allen wirklich bessere Zeiten.

Für das grosse Finale ist dann schliesslich der Titel-Track höchstpersönlich zuständig. Das in der Einleitung erwähnte, kolossale Wesen aus dem All namens «Necroceros» verschlingt alles und jeden. Das Monstrum ist unaufhaltsam. Eine bedrückte Stimmung macht sich breit. Dieser Dunkelheit kann sich niemand entziehen. Abermals setzen Asphyx diese Situationen unnachahmlich in Szene. Es werden nochmals sämtliche Register gezogen. Dieser Schlusspunkt sitzt!

Das Fanzit Asphyx – Necroceros

Die Holländer Asphyx beweisen, dass bei ihnen auch nach über 30-jähriger Existenz nach wie vor viel Sprit im Tank ist. «Necroceros» punktet mit zahlreichem Material aus der alten Schule der Todesmetall-Sparte. Des Weiteren finden gelegentlich Doom-Elemente Platz in ihrem Liedgut. Das Jubiläumsalbum dürfte diskussionslos krachende und knackende Nackenwirbel zur Folge haben. Der optimale Start ins unsichere Abenteuer «2021».

Empfehlenswerte Hörproben: «Knights Templar Stand», «Three Years Of Famine», «Botox Implosion»

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Tracklist Asphyx – «Necroceros»

  1. The Sole Cure Is Death
  2. Molten Black Earth
  3. Mount Skull
  4. Knights Templar Stand
  5. Three Years Of Famine
  6. Botox Implosion
  7. In Blazing Oceans
  8. The Nameless Elite
  9. Yield Or Die
  10. Necroceros

Line Up – Asphyx

  • Martin van Drunen – Gesang
  • Paul Baayens – Gitarre
  • Alwin Zuur – Bass
  • Stefan «Husky» Hüskens – Drums

Video Asphyx – Knights Templar Stand


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 8/10



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