Nordgeist – Frostwinter (Cover Artwork)
Fr, 23. April 2021

Nordgeist – Frostwinter

Atmospheric Black Metal, Black Metal
26.04.2021
Nordgeist – Frostwinter (Cover Artwork)

Verehrung der kalten Jahreszeit

Schwarzmetall aus Sibirien – da gefriert einem umgehend das Blut in den Adern. Im Fokus dieses Artikels steht das 2017 ins Leben gerufene Projekt Nordgeist. Dahinter verbirgt sich eine mysteriöse Dame mit dem Pseudonym «T». Sie hält die Fäden in der Hand und ist von A bis Z für alles verantwortlich. Nun soll am 23. April dieses Jahres die Debütschreibe «Frostwinter» auf die Menschheit losgelassen werden.

Versprochen wird der Zuhörerschaft durch den skandinavischen Sektor beeinflussten Black Metal mit ausreichend sphärischen Elementen. Das Faible für das frostige Schneetreiben dürfte dem Domizil von T geschuldet sein – der sibirischen Stadt Bratsk. Deren geografische Lage bringt jeweils eisige, lange und finstere Winter mit sich. Definitiv nix für Frohnaturen!

Zur Schweiz gibt’s übrigens ebenfalls eine Verbindung, denn die Platte wird über das in Burgdorf (BE) angesiedelte Label Kunsthall Produktionen vertrieben. Diese gehört einem gewissen «Wintherr» – dem Mastermind von Paysage D’Hiver.

Das Album – «Frostwinter»

Lediglich vier Nummern sind auf der Scheibe zu finden. Wirkt auf den ersten Blick zwar ein bisschen arg mager, aber man muss sich eben auf die einzelnen Episoden einlassen. Diese sind nämlich alles andere als kurz. Am Ende reicht’s sogar tatsächlich für eine Spielzeit von über 50 Minuten! Damit diese Brocken vollends ihre Wirkung entfalten, sollte man sich mit einem Glas Rotwein (die Flasche kann auch gleich mit) in ein dunkles Kämmerchen zurückziehen, seinen Allerwertesten auf dem bequemsten Sessel platzieren und die Musik komplett aufsagen. Sämtliche andere Störgeräusche sollten idealerweise ausgeblendet werden. Die Alternative wäre eine ausgiebige Wanderung im Schneetreiben, aber im April macht das Wetter ja bekanntermassen sowieso, was es will. Und dieses Klanggerüst passt wirklich auf gar keinen Fall zu strahlendem Sonnenschein und heissen Temperaturen.

Beim Auftaktstück «Winter» pfeift dem Zuhörer eine harsche Böe um die Lauscher. Danach setzen die Instrumente und das typische Gekrächze ein (wobei der zweitgenannte Aspekt ruhig eine Spur deutlicher abgemischt sein dürfte). Klingt so niedergeschrieben möglicherweise nicht allzu spektakulär, aber die melodiösen Film-Soundtrack Adern könnten euch durchaus positiv überraschen. Man spürt regelrecht, wie die Erde nach und nach mit dem weissen Tod überzogen wird und sich in eine karge Eiswüste verwandelt. Die Monotonie der Riffs und des Trommelns ist zweifelsohne vorhanden, aber sie entwickelt sich trotzdem nicht zu einem kritischen Faktor. Bei der Durchquerung des endlosen Schneesturms treffen wir unter anderem auch auf einen alten Wolf («The Old Wolf»). Erneut gelingt «T» eine hervorragende Zusammenführung zwischen Anmut und Wut. Mit geschlossenen Augen fällt das Eintauchen in ihre Welten immer leichter. Ihre Kunst vermag wahrlich Hühnerhaut auszulösen (und das liegt keinesfalls bloss an der winterlichen Thematik).

Der Fussmarsch durch das raue, von den Göttern verlassene Gebiet geht unermüdlich weiter. Die todbringenden Witterungen verwandeln den Körper langsam, aber sicher in einen einzigen Eisblock. Nichtsdestotrotz bleiben wir unbeugsam und sehnen uns inzwischen nach Rache («Revenge»). Das «Atmosphären-Kino» bleibt bestehen. Stilistisch wären wohl am Ehesten Vergleiche mit Burzum (insbesondere das Album «Filosofem»), Winterfylleth, SAOR oder Drudkh angebracht. Das sanfte, gefühlvolle Outro kommt hingegen unerwartet, verfehlt seine Wirkung jedoch keineswegs. Schliesslich neigt sich unsere Reise mit viel Kummer («Sorrow») ihrem Ende entgegen. «T»’s hasserfüllte Schreie zerreissen förmlich die Luft. Die Mähnen herumwirbelnde Zunft hat während dieser Hymne sicherlich genug zu tun. Zum Abschluss wird der Hörerschaft offenbar effektiv die abwechslungsreichste Komposition des Albums serviert. «Chapeau!»

Das Fanzit Nordgeist – Frostwinter

Schnell- oder Gelegenheitshörer sollten freilich die Finger von «Frostwinter» lassen. Diese vier Monster-Tracks verdienen absolute Aufmerksamkeit und verlangen ein hohes Mass an Konzentration. Als Freund des Sommers fehlt mir wahrscheinlich eine gewisse Affinität für winterliches Schneetreiben, aber ich konnte trotzdem problemlos in die eisigen Landschaften von «T» eintauchen. Die kreative Vorstellungskraft wird hier fraglos angeregt. Wer auf sphärische, schwarzmetallische Kunst steht, kann dieses Werk ohne zu zögern seiner Sammlung hinzufügen. Dieser düstere, sibirische Blizzard namens Nordgeist wird euch bestimmt verschlingen.

Empfehlenswerte Hörproben: «Winter», «Sorrow»

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Tracklist Nordgeist – «Frostwinter»

  1. Winter
  2. The Old Wolf
  3. Revenge
  4. Sorrow

Line Up – Nordgeist

«T» – Gesang, Instrumente, Musik, Texte

 

Audio Nordgeist – Тоска (Sorrow)


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 8/10



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26.04.2021