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Anatomia – Corporeal Torment (Cover Artwork)
Do, 20. Mai 2021

Anatomia – Corporeal Torment

Death Metal, Doom Metal
17.05.2021
Anatomia – Corporeal Torment (Cover Artwork)

Körperliche Qualen made in Japan

Nein, bei Japan haben meine ersten Gedanken grundsätzlich nix mit Death oder Doom Metal zu tun, sondern eher mit einer Überdosis Kitsch, Heiterkeit und farbenfrohen, völlig überdrehten Anime- und Manga-Figuren. Allerdings muss man beim genaueren darüber Nachdenken schon zugeben, dass es auch dort blutige Geschichten und Szenen gibt. Zudem haben die Samurai-Krieger während ihrer Existenz ihre Katanas wohl kaum für irgendwelche harmlosen Gartenarbeiten verwendet. Dieses Sinnieren über irgendwelche herumspritzenden Blutstropfen führt mich schliesslich zu den Protagonisten der nachfolgenden Plattenkritik: Anatomia.

Seit bald zwei Dekaden treibt das Duo aus Tokyo in der metallischen Szene sein Unwesen. Zwischen ihren diversen Split-Veröffentlichungen findet sich trotzdem  ab und zu ebenfalls komplette Studioalben. Drei davon haben bereits den Weg von der Unterwelt zu uns hinaufgefunden. Nun folgt am 20. Mai 2021 der vierte Streich namens «Corporeal Torment». Der Vertrieb wird über die beiden Labels Me Saco Un Ojo Records und Dark Descent Records laufen.

Das Album – «Corporeal Torment»

Vier Tracks wirken auf den ersten Blick erschreckend mager, aber der Teufel steckt selbstverständlich wieder einmal im Detail, denn die Musiker setzen bevorzugt auf längere Kaliber. Ein energiegeladenes Drum-Feuerwerk eröffnet den Opener «Dismemberment». Weitaus beeindruckender ist jedoch zweifelsohne das röchelnde Stimmorgan, welches da aus den Boxen dröhnt. Um solch kehlige Geräusche erzeugen zu können, muss man garantiert seine Seele verkaufen, oder? Krass! Der Fuss bleibt bloss gelegentlich auf dem Gaspedal, denn die Japaner hantieren offenbar lieber mit einem gemächlichen, alles genüsslich zermürbenden Fleischwolf. Das weist teilweise schon fast Sludge-Allüren auf. Sympathisanten von Autopsy oder Asphyx könnten hier fraglos hellhörig werden.

Schleim der Verwesung («Slime Of Putrescense») – meine sehr verehrten Damen und Herren, exakt so funktioniert einwandfreie Poesie aus der Todesmetall-Ecke. Geschickt röcheln und rülpsen die Künstler ihre von Fäulnis befallen Phrasen in die Mikrofone. Tempomässig wird erneut zwischen Zeitlupe und Düsenjet herumvariiert. Man wird regelrecht in einen Sog der Hoffnungslosigkeit und der Verderbnis hineingezogen. Gewisse Parallelen zu Aposento aus Spanien sind ebenfalls erkennbar. Das darauffolgende «Despaired Void» macht seinem Namen alle Ehre. Leere und Verzweiflung sind definitiv deutlich spürbar. Gemessen an meinem persönlichen Gusto agiert das Duo dieses Mal aber zu schleppend und eintönig. Das schwächste Stück des Albums wäre somit enttarnt.

Wie kann dieser vorangegangene Hänger ausgemerzt werden? Ach, völlig simpel – schmeiss doch einfach ein über 20 Minuten dauerndes Ungetüm hinterher! Dieser Brocken, der nur so vor Horror-Elementen strotzt, schlägt diskussionslos hohe Wellen und zieht einen direkt in seinen Bann. Selbstverständlich verlangt das sorgfältige Studium dieses Liedguts ausreichend Zeit, Ausdauer und Ruhe. Wer wird sich auf dieses Experiment einlassen? Liebhabern des schwerfälligen, dickflüssigen Todesbreis kann ich dieses Unterfangen jedenfalls sorglos empfehlen.

Das Fanzit Anatomia – Corporeal Torment

Anatomia verfügen zweifelsohne über hervorragende Foltertechniken. Ihre Anhänger werden sich zu Klängen von «Corporeal Torment», welche dem Sensenmann schmeicheln, garantiert absolut freiwillig auf die Streckbank legen oder auf Kuschelkurs mit der Eisernen Jungfrau gehen. Alle anderen dürften dagegen panisch und mit Furcht erfüllt die Flucht ergreifen. Ehrlicherweise ist anzumerken, dass die Scheibe schon den einen oder anderen langweiligeren oder einschläfernden Abschnitt enthält. Trotzdem bringen die zwei Japaner die unheimlichen, einengenden, deprimierenden und verzweifelten Stimmungsfelder äusserst gelungen rüber. In der Death-Doom-Nische zählen sie aufgrund dessen keinesfalls unverdient zu den prägenden Akteuren.

Empfehlenswerte Hörproben: «Slime Of Putrescense», «Mortem»

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Tracklist Anatomia – «Corporeal Torment»

  1. Dismemberment
  2. Slime Of Putrescense
  3. Despaired Void
  4. Mortem

Line Up – Anatomia

  • Jun Tonosaki – Bass/Gesang
  • Takashi Tanaka – Drums/Gesang

Audio Anatomia – Corporeal Torment


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 7.5/10



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17.05.2021