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Fr, 3. September 2021

Auri – II – Those We Don’t Speak Of

Alternative, Folk, Neofolk
03.09.2021
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In der Ruhe liegt die Kraft

Irgendwo zwischen dem bewussten Zustand, den wir als „Wachsein“ kennen, und dem Übergang zum Traum liegt ein Grenzland, das wundersame Weisen aus längst vergangenen Epochen bereithält – Auri, so scheint es, vermögen diesen Quell einer transzendentalen Zwischenwelt für sich zu erschliessen – „II – Those We Don’t Speak Of“ ist ihr persönlicher Reisebericht aus einem Gefüge zwischen Vorstellung und Wirklichkeit.

Schiebt beiseite, was ihr über Metal je zu wissen geglaubt habt…  streicht nun selbst noch das „Metal“ aus eurer Wahrnehmung – willkommen bei Auri. Ursprünglich im Jahr 2011 aus der besonderen Verbindung von Johanna Kurkela, Tuomas Holopainen und Troy Donockley geboren, wurde diese Formation erst 2018 mit dem selbst betitelten Erstling der Welt vorgestellt. Nun ergänzt durch die dynamischen perkussiven Talente von Kai Hahto, erschafft das Dreigestirn fantastische Klangerlebnisse, die ihnen ganz eigen sind.

Für die primär aus Nightwish-Gefilden stammenden Musiker ist diese Band denn wohl weit mehr als ein beliebiges Side Projekt – eher eine Art kreatives Ventil, das sich nicht durch vorgefertigte Erwartungen oder auferlegten Kommerz in ein Korsett zwängen lässt. So lehnt sich ihr Sound an keltischem Folk und cineastisch-populäre Melodiebögen an, ohne sich dabei jedoch in ein bestimmtes Genre zwängen zu lassen.

Faszinierend-ruhige Andersartigkeit

„II – Those We Don’t Speak Of“ ist denn auch kein Album, das mit überbordenden Gesangspassagen oder unglaublich beeindruckenden Instrumentaleinlagen die Zuhörerschaft zu bezaubern versucht – vielmehr zieht es seine wahre Stärke, seine ureigenste Kraft aus den detailverliebten, facettenreichen Abschnitten sorgsam arrangierter Kompositionen. Im Vergleich zum ersten Opus mag „II“ vielleicht etwas schwerer, düsterer wirken – wir erinnern uns dabei an die Worte von Olof Mörck betreffend der feinfühlig-schwingenden Wahrnehmung von Künstlern als zu Fleisch gewordenen Seismografen (hier geht’s zum Interview), und denken dabei insgeheim an Corona – verliert dadurch aber nichts an seiner faszinierend-ruhigen Andersartigkeit.

Hervorheben möchte ich an dieser Stelle „The Valley“ und „Pearl Diving“, welche dem Hörer eine gewisse Intensität auferlegen und dadurch bestimmt Hitpotential aufweisen, damit aber auch einen leichten Kontrast zu den restlichen, eher tragend-sphärisch klingenden Titeln bilden.

Unaufgeregt zurückhaltend

So fehlt Auri denn der vielerorts grassierende Bombast, dieses Mehr an allem – die finnische Combo steht wie kaum jemand sonst für die konsequente Reduktion aufs Wesentliche. Und wenn auch nicht gerade wenige Instrumente zum musischen Gesamtbild beitragen (siehe Line Up), so werden sie doch gezielt und zurückhaltend eingesetzt – lieber konstant zu leise als auch nur einmal zu schrill und laut.

Auri sind wahrlich harte Kost für wahre Metalheads – selbst, wenn sie bereits auf melodiös-verschnörkelte Arrangements à la Nightwish geeicht sind. Am besten lässt sich der Sound mit geschlossenen Augen einfangen, so dass sich die entspannende, meditative Wirkung vollends entfalten kann – die Nackenmuskeln bleiben für einmal ungewohnt geschmeidig und entspannt. „II – Those We Don’t Speak Of“ mag über die volle Distanz einen etwas repetitiven Charakter aufweisen, sorgt aber auch – so es einem denn gelingt, in dieser Musik aufzugehen – gerade durch diese offen zur Schau gestellte Unaufgeregtheit für ein Gefühl der Ruhe und Gelassenheit, das einen wohlig umfängt.

Das Fanzit Auri – II – Those We Don’t Speak Of

Wer den einzig wahren Metal sucht, wird mit Auri nicht glücklich werden. Wer sich hingegen unbefangen und frei von Vorurteilen auf diese schwerelosen, spirituell anmutenden Klänge einlässt, zudem vielleicht obendrauf ein gewisses Faible für Filmmusik mitbringt – oder einfach generell seinen musikalischen Horizont fernab schrubbender Gitarrensaiten oder wilden Growls erweitern möchte – für den mag dieses Album eine Bereicherung seiner Sinne werden.

Vielleicht ist Auri auch einfach nur Tuomas Vision einer Symbiose gleichgesinnter Seelen, die um ein Lagerfeuer herum auf akustischen Instrumenten gemeinsam musizieren. Wenn, dann dürfte dieser Traum mit „II – Those We Don’t Speak Of“ in Erfüllung gegangen sein.

Anspieltipps: The Valley, Pearl Diving, It Takes Me Places, Scattered to the Four Winds

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Trackliste Auri – II – Those We Don’t Speak Of

  1. Those We Don’t Speak Of
  2. The Valley
  3. The Duty of Dust
  4. Pearl Diving
  5. Kiss The Mountain
  6. Light and Flood
  7. It Takes Me Places
  8. The Long Walk
  9. Scattered To The Four Winds
  10. Fireside Bard

Line Up – Auri

  • Johanna Kurkela – voices, violin, viola, keys
  • Tuomas Holopainen – keys & backing voices
  • Troy Donockley – guitars, bouzouki, mandola, ulleann pipes, low whistles, aerophone, bodhran, keys, voices

 

Video Auri – The Valley


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 8.5/10



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Autor
Bands
Auri
03.09.2021