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Out Of This World - Out Of This World (Cover Artwork)
Fr, 14. Januar 2022

Out Of This World – Out Of This World

Hard Rock, Melodic Hard Rock, Melodic Rock
12.01.2022
Out Of This World - Out Of This World (Cover Artwork)

Funkenflug

Ursprünglich nur im japanischen Raum veröffentlicht (2.4.2021), startet die multinationale Hard Rock-Supergroup Out Of This World mit ihrem gleichnamigen Erstlingswerk nun auch weltweit durch. Können die nicht zu Unrecht hohen Erwartungen erfüllt werden? Und wie viel Europe steckt in dieser Scheibe?

Über dreissig Jahre ist es her, seit Gitarrist Kee Marcello und Produzent Ron Nevison das letzte Mal Seite an Seite an einem Album gefeilt haben – damals, anno 1988, als „Out Of This World“ von Europe sich anschickte, das Übererbe seines Vorgängers „The Final Countdown“ anzutreten – und wohl nicht zuletzt auch an der schier unmöglich zu erfüllenden Erwartungshaltung scheiterte, eine Neuauflage dieses weltweiten Megahits abzuliefern (dass die Bravo-Fraktion mit der musikalischen Weiterentwicklung nicht mitzuhalten vermochte, erledigte wohl den Rest). Eine lange Zeit, fürwahr, aber irgendwie vermag der vor vielen Lenzen erloschen geglaubte Funke noch immer überzuspringen – und ein Feuer zu entfachen.

The Real Deal

So ist es denn nicht weiter verwunderlich, dass der plakativ hervorstechende Bandname nicht zufällig gewählt wurde, sondern das Vermächtnis einer etwas in Vergessenheit geratenen Epoche antritt und über weite Strecken denn quasi auch Programm ist. Kee: „Als ich den Leuten von meinem neuen Projekt erzählte, schlug jemand vor, es „Kee Marcelo’s Europe“ zu nennen – es klang einfach nur furchtbar“. Nachvollziehbar, auch wenn der Sound der Scheibe in der Tat irgendwo zwischen Europe in ihrer „Prisoners In Paradise“ / „Out Of This World“-Phase sowie den eher frühen Werken von Fair Warning (nicht zuletzt halt auch wegen Tommy Hearts Gesangskünsten) anzusiedeln ist.

Unterstützt wird das rockende Duo, welches sich übrigens beim Projekt „Kee Of Hearts“ kennenlernte (und damals noch etwas ungeschliffener, rauer und rotziger daherkam), vom Bassisten Ken Sandin (Alien), Drummer Darby Todd (den man unter anderem bereits von Devin Townsend, Gary Moore oder The Darkness her kennen könnte) sowie Deep Purples Don Airey an den Keyboards. Ein Killer-Lineup, bei welchem man sich beinahe zwangsläufig die Frage stellt, ob es sich dabei lediglich um einen weiteren, in der epidemischen Konzertleere geschmiedeten Zeitvertreib handelt, oder allenfalls auch in Zukunft mit Out Of This World zu rechnen sein wird. Tommy hierzu: „Man trifft sich, man spielt, und der berühmte Funke springt über. Wir reden nicht viel, wir lassen die Musik sprechen. Wir berühren unsere Herzen mit unserer Musik, und das ist etwas, das unglaublich selten passiert.“ So sieht er dieses Vorhaben denn auch nicht als eine einmalige Sache unter gelangweilten Musikern. „Ich mag diese befristeten Projekte nicht – das hier ist das einzig Wahre.“

Europe 2.0 ?

Das Songmaterial ist unisono von guter („Twilight“) bis sehr guter („In A Million Years“) Qualität, auch wenn ich mir hie und da vielleicht etwas mehr Ecken und Kanten, den einen oder anderen Überraschungsmoment gewünscht hätte – oder „Meh Dräck“, wie ein prominenter Schweizer Musiker in „Music Star“ jeweils zu fordern beliebte. Der melodiegetriebene, mit viel Pathos und Synthieklängen angereicherte Hard Rock transportiert denn auch den Sound der späten 80er, frühen 90er Jahre gekonnt in die Gegenwart, was sich bereits bei der ersten, im rockigen Uptempo-Gewand daherkommenden Singleauskopplung „Hanging On“ offenbart.

Diesem Eindruck tun denn auch weder das hymnenhafte „Lighting Up My Dark“ noch etwa das mit treibenden Beats untermauerte „The Warrior“ einen Abbruch, genau so wenig wie „Staring At The Sun“, in welchem die Combo leichten Prog-Rock-Ansätzen frönt. So richtig augenscheinlich wird der Berührungspunkt zur Schaffensphase früherer Jahre aber bei „In A Million Years“, bei welchem man in praktisch jeder Note diese Europeeske Genverbindung heraushören kann – kein Wunder, wurde dieser Track doch ursprünglich für das 1991er Album „Prisoners In Paradise“ geschrieben und nun von Tommy Heart mit einer sehr an Joey Tempest erinnernden Intonation eingesungen.

Dass die Protagonisten ihr Handwerk allesamt vortrefflich beherrschen, muss an dieser Stelle wohl kaum erwähnt werden. Das Klangbild der Platte – respektive die gesamte Produktion – verdient mit seinen fetten Drums und glasklaren Arrangements dabei das Prädikat herausragend – Ron Nevison (Kiss, Bad Company, Ozzy Osbourne, Meat Loaf, Heart, Chicago, Damn Yankees etc.) gelingt es, der Truppe einen Sound überzustülpen, welcher nicht nur ausgesprochen lebendig wirkt, sondern auch die Klangwelt jener vergangenen, glorreichen Dekaden einzufangen vermag.

Das Fanzit Out Of This World – Out Of This World

Out Of This World präsentieren sich auf ihrem gleichnamigen Erstling – auch wenn es der Name suggerieren mag – nicht einfach nur als müder Europe-Aufguss von in Corona-Zeiten gelangweilten Musikern, sondern fügt dem Sound einer schimmernden, aber vermeidlich überholten Epoche einige moderne Elemente hinzu, welche dieses spezielle Feeling längst vergangener Tage so angenehm in unsere Zeit zu portieren vermögen. Hier und da etwas weniger Politur, dafür ein Schuss mehr Schmackes, Ungehobeltheit, und es hätte dieser Scheibe zu noch höheren Weihen gereicht. Aber auch so gibt’s starke 8.5 Punkte.

„Out Of This World“ dürfte denn für Europe-Fans, speziell mit Bezug zum namensspendenden Ur-Werk, einen Pflichtkauf darstellen, genauso wie für Liebhaber gediegenen, eingängigen Melodic Hard Rocks des ausklingenden letzten Jahrtausends.

Anspieltipps: In A Million Years, Staring At The Sun, Up To You, Only You Can Teach Me How To Love Again

Ab Release reinhören und CD/Vinyl portofrei liefern lassen

Trackliste Out Of This World – Out Of This World

CD 1:

  1. Twilight
  2. Hanging On
  3. In A Million Years
  4. Lighting Up My Dark
  5. Staring At The Sun
  6. The Warrior
  7. Up To You
  8. Ain’t Gonna Let You Go
  9. Only You Can Teach Me How To Love Again
  10. Not Tonight
  11. Twilight (Demo; Bonus-Track)
  12. In A Million Years (Demo; Bonus-Track)
  13. Lighting Up My Dark (Demo; Bonus-Track)

Bonus Live-CD/-LP:

  1. Let The Good Times Rock
  2. Burning Heart
  3. Save Me
  4. Open Your Heart
  5. Momentum (instr.)
  6. Superstitious
  7. Ready Or Not

Line Up – Out Of This World

  • Tommy Heart – Vocals
  • Kee Marcello – Guitars, Keyboards
  • Ken Sandin – Bass
  • Darby Todd – Drums

 

Video Out Of This World – Hanging On


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 8.5/10



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12.01.2022