Metal Storm Over Luzern - Chapter III - Südpol Kriens 2025
Sa, 12. April 2025

Metal Storm Over Luzern – Chapter III – Grave u. a.

Südpol (Kriens, CH)
29.11.2025
Metal Storm Over Luzern - Chapter III - Südpol Kriens 2025

Death-Gewitter über Luzern

Nach den beiden Ausgaben im Jahr 2024 stand im April das dritte Chapter des eher jungen Events Metal Storm over Luzern an. Dieses wurde von Death Metal-Bands dominiert. Aushängeschild war dabei das Dreigespann Grave, Vader und Asphyx.

Bei der Erstausgabe im Frühling 2024 schaffte ich es leider nicht auf die ersten beiden Bands (bei Chapter II musste ich ganz aussetzen). Dafür stehe ich jetzt schon vor Türöffnung hier, habe gerade meinen sagenhaften, am Bahnhof Luzern gekauften Döner verdrückt und warte darauf, dass leicht verspätet die Tore zum Südpol geöffnet werden. Gemeint ist damit natürlich nicht der magnetische Pol der Erde, sondern das in Kriens gelegene Kulturzentrum. Der Südpol ist nicht zwingend bekannt für viele Metalkonzerte, doch eignet sich die Location gut für einen Samstagsanlass mit mehr als nur zwei, drei Bands. Im oberen der zwei Stockwerke finden sich ein Balkon, ein grosses Foyer mit viel Platz für Bar und Merch sowie natürlich der Konzertsaal.

The Awakening

Dort steuern die paar wenigen Besucher, die sich schon am Nachmittag eingefunden haben, teilweise mit Bier ausgestattet auch hin. Erweckt wird die heutige Death Metal-Bestie durch die Bündner Band The Awakening, welche uns einen melodiösen Zugang zum Genre mit vielen thrashigen Facetten präsentiert. Das von ihren Seitenbannern umgarnte Quintett sorgt für eine kurzweilige erste halbe Stunde und erreicht das Ziel einer jeden Band, die einen Death-Abend eröffnet: Wer will, hat jetzt definitiv eingewärmte Nackenmuskeln.

Scalpture

Etwas düsterer wird es bei Scalpture. Ebenfalls in der typischen Fünferbesetzung auftretend baut auch die Bielefelder Band melodiöse Parts ein, doch dominieren schwere Riffs und ein insgesamt langsameres Tempo ihre Musik. Das Gezeigte ist nichts für Besucher, die einfach bierverschüttend moshen und headbangen wollen, sondern eher etwas für Death Metal-Liebhaber mit dem Ohr fürs Detail. Trotz allem wird der Auftritt meiner Meinung nach dem Level der Studioaufnahmen nicht ganz gerecht. Wahnsinnig viel Spass macht er trotzdem!

Nihilo

Platz Nummer drei in der Running Order nehmen Nihilo ein. Neben dem Headliner-Trio ist es die einzige Band, mit der ich bereits in der Vergangenheit das Vergnügen hatte. Damals eröffnete die Berner Truppe für Deserted Fear das Foyer des Aarauer KiFFs (siehe Review von Larry), heute stehen sie im Südpol auf einer ungleich grösseren Bühne. Auch hier kommt der wieder deutlich rasantere, etwas modernere Death Metal jedoch saugut an. Zwar könnte man die schnellen Riffs und Beats wohl durchaus als stumpfes Gedresche abtun und der geneigte Nicht-Metaller dürftean Shouter Ragulans vokalen Ergüssen gar keine Freude haben. Wer aber ein bisschen offen ist oder diese Art Musik sowieso mag (und sowieso, wer sich von Ragulans Gesichtsentgleisungen unterhalten lässt), wird mit vierzig Minuten Spass belohnt.

Asphyx

Zu meiner Schande verpasse ich den ersten Drittel einer Band, auf die ich mich eigentlich stark gefreut hatte. Zu spannend ist das Gespräch vor dem Südpol, zu gut die Schallisolierung des Gebäudeblocks und wohl auch zu abwesend mein Zeitgefühl, als dass es für das rechtzeitige Erscheinen vor der Bühne gereicht hätte.

Als ich dann endlich oben im Saal stehe und mich vom einzigen niederländischen Vertreter im Line-up wegmähen lasse, merke ich aber: So richtig viel verpasst habe ich (leider) nicht. Fand die Metalinside-Delegation inklusive meiner Wenigkeit am Meh Suff! Winter-Festival 2024 noch hauptsächlich lobende Worte für Sänger Martin van Drunen und seine Mannen, sackt die ganze von der Band ausgestrahlte Energie im Abmischungssumpf ab. Es hat ja bei den drei kleineren Bands auch grösstenteils gepasst, nicht?

Zum Glück lässt sich die Band davon nicht viel anmerken (oder bemerkt es viel eher selber gar nicht) und zelebriert ihr Werk vor der zahlenmässig inzwischen starken Menschentraube. Egal ob neuere Tracks wie «The Nameless Elite» oder Klassiker wie «The Rack»: Die sich zwischen langsamen, schweren («The Last One On Earth»!) und schnellen, Windmill-antreibenden Tempi bewegenden Songs hauen einfach rein, Abmischung hin oder her!

Vader

Das Mittelstück im Headliner-Block wurde Vader zugeteilt. Die Polen haben in der Vergangenheit mehrfach (wenn ich auf sie traf, ausnahmslos immer!) mit starken Auftritten überzeugt. Als Jüngling, wenn man mein Alter mit dem der Band in Relation setzt, hoffe ich jedes Mal auf eine starke Vertretung der Alben «Welcome To The Morbid Reich» und «Tibi Et Igni», mit welchen ich die Band damals kennenlernte. Insofern ist die Setlist, so stark sie oft auch ist, selten auf meine Extrawurscht-Wünsche abgestimmt. Und trotzdem denke ich jedes Mal: Wow, welch ein Brett!

Dasselbe trifft heute auf das Konzert der Urgesteine zu. Mit einer Ausnahme: Wie schon zuvor bei Asphyx ist der Sound anfangs über weite Strecken breiig. Leider reichen ein bis zwei Songs nicht, bis dies vollständig ausgeglichen ist und erst gegen Mitte des Sets hört man die einzelnen Stimmen etwas klarer. Dabei handelt es sich bei Vader (und ebenso bei Asphyx) eigentlich nicht um den mehrstimmigsten Folk Metal…

Nun, die Stimmung im Publikum ist nichtsdestotrotz hervorragend. Viele der anwesenden Metalheads haben sich an der Südpol-Bar und dem mobilen Bierstand in der Halle bereits mit reichlich Bier und Met versorgt, und wer noch nicht von Alkohol vollgesaugte und verdorbene Geschmacksknospen hat, wagt gelegentlich einen Abstecher zur Verkaufsstelle der Götterbrauerei. So werden auch sämtliche Publikumsaktivitäten – egal ob Pitten oder Headbangen – inzwischen vom Verschütten aus offenen Bechern begleitet. Das gibt der Atmosphäre in der Halle eine urchige, heimelige Note und zusammen mit dem nordpolnischen Riff-Gewitter sorgt dies im Publikum für zufriedene Gesichter.

Grave

Aller guten Dinge sind drei. Und zwar drei gute Death-Metal-Vertreter und nicht drei gute, innert nützlicher Frist zufriedenstellende Sounderlebnisse. Naja, ich lass das Genörgel beiseite und halte auch bei Grave fest: Die Herren wissen, wie Death Metal muss. Die ursprünglich aus dem gotländischen Hauptort Visby stammende und später in der Hauptstadt Stockholm ansässige Truppe um Ola Lindgren flog bei mir lange unter dem Radar, bis ich am Meh Suff 2023 erstmals auf sie traf. Damals bezeichneten Luke und Raphi den Auftritt zwar als nicht vom Hocker reissend und verhalten, ich habe jedoch positive Erinnerungen an jenen Gig.

Heute bestätigt sich aber das Urteil meiner Kollegen und ich muss attestieren: Irgendetwas fehlt. Nicht an den Songs, die machen nämlich richtig Laune und laden auch nach stundenlangem Headbangen zu noch mehr Haareschütteln ein. Doch irgendwie vermögen es Ola und seine Mannen nur so halb, das Publikum richtig zu packen. Der Auftritt darf als solide bezeichnet werden, hinkt aber jenen von Asphyx und Vader etwas nach.

Carnal Tomb

Als Letzte steigen Carnal Tomb aus Berlin in den Ring, äh, auf die Bühne. Schon beim ersten Metal Storm over Luzern war der letzte Slot etwas undankbar und – nicht zuletzt wegen der aufgestauten Verspätung – mussten Metsatöll vor einer unschön leeren Halle ans Werk. Doch genau wie damals die Esten spielen sich heute Carnal Tomb ganz weit nach oben im Tagesranking. Mir fallen speziell die coolen Ride-Figuren des Schlagzeugers und die sich schnell verschiebenden Griffe des Bassisten auf. Das Quartett legt somit einen beeindruckenden Auftritt aufs Parkett, an dem die trotz fortgeschrittener Stunde verbleibenden Besucher ihre wahre Freude haben.

Das Fanzit – Metal Storm over Luzern Chapter III

Auch die dritte Ausgabe des Metal Storm over Luzern bot ein unterhaltsames Programm. Zwar gab es genretechnisch wenig Abwechslung, doch für Anhänger des Death Metals war das Line-up eine kleine Goldgrube. Das Headliner-Trio überzeugte über weite Strecken (vor allem Asphyx und Vader), obschon deren Auftritte früheren Gigs nicht zuletzt wegen der breiigen Abmischung etwas nachhinkten. Doch auch die drei eröffnenden Acts und gerade die abschliessenden Carnal Tomb zeigten viel Können und somit erwies sich der sieben Bands starke Anlass als sehr besuchenswert.


Wie fandet ihr das Festival?

29.11.2025
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