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Fr, 22. Juni 2012

MINSK SECURITY

Rampe Club (Bubikon, CH)
23.06.2012

The Last Chapter (Abschiedskonzert)

Es gibt so Tage, da bereut man Entscheidungen. Als unser Zug nach Bubikon zuerst Verspätung hat und wir dann aufgrund eines medizinischen Notfalls umsteigen müssen, ist meine Laune ziemlich im Keller. Das sollte sich ziemlich schnell wieder ändern.

Kurz vor halb Neun betritt die erste Band die Bühne, und zwar die jungen Thrasher von Dolohruz, welche mit bodenständigem Sound verblüffen. Einzig die seichte Bühnenpräsenz der Jungs sowie die etwas unbeholfen wirkende Stimme (meh Dräck würde Chris von Rohr sagen) vermag dem guten Eindruck etwas entgegenzuwirken; Eigenschaften, von denen ich jedoch überzeugt bin, dass sie auf die fehlende Erfahrung zurückzuführen sind – und sich somit mit der Zeit verflüchtigen werden.

Mittlerweile sind knapp fünfzig Leute anwesend und warten mehr oder weniger gespannt auf den Auftritt der Zürcher Metalcore-Combo Port Of Call. Ich muss zugeben, ich bin nur beschränkt zu begeistern für Musikstile jedweder Art, die mit -core enden, und für die dazu gehörenden Hampelmann-Moves schon gar nicht. Und so war ich denn zu Beginn auch ziemlich skeptisch – wurde aber dann brachial eines Besseren belehrt. Diese Jungs haben musikalisch echt was auf dem Kasten und lassen sich weder von der krankheitsbedingten Abwesenheit ihres Bassisten einschüchtern noch von technischen Problemen mit dem Drumset. Chapeau!

Nun steht deutscher Death-Metal mit den Stuttgardern von Sacrificium auf dem Programm, welche bald ihr zwanzigjähriges Bestehen feiern. Dieser Band haftet einfach irgendwie eine gewisse Magie an, welche mich jedes Mal wieder abwechselnd aus den Latschen kippen lässt und zum zügellosen Headbangen veranlasst – so auch heute, auch wenn Frontsänger Claudio einmal zu viel erwähnt hat, dass Deutschland vier zu eins führt. Zur Strafe dafür trennt er sein Mikrofon vor lauter Körpereinsatz mal eben vom Kabel. Tja.

Dann ist es Zeit für den Headliner Minsk Security. Im Vorfeld war angekündigt worden, dass dies ihr letztes Konzert sein wird; Und die fünfköpfige Truppe kam, sah und siegte. Zu Beginn stehen des Frontmanns Mitmusiker zwar eher wie Schaufensterpuppen auf der Bühne und werden von ihrem charismatischen Leader wie von einem Taifun umwirbelt. Doch im Verlauf des Konzerts realisieren sie wohl, dass dies ihre letzte Chance war, dem mittlerweile etwas mehr als zur Hälfte gefüllten Rampe-Club ihre eigenwillige Mischung aus Death- und Thrash Metal um die Ohren zu hauen – von da an gab es kein Halten mehr.

Die Band zieht alle Register, wirft mit Cds, T-Shirts und brutalen Klängen um sich und als wäre dies nicht genug, verteilen die Herren noch kistenweise Shots. Der Aufruf zur Wall Of Death gelingt einigermassen gut, zum anschliessenden finalen Moshpit braucht das inzwischen aufgewärmte Publikum schon keineAufforderung mehr. Einzig die zwei Coversongs, So What von Metallica sowie Waidmanns Heil von Rammstein, sind meines Erachtens überflüssig, doch was solls, dem Publikum gefällts.

Alles in allem ein wirklich sehr gut gelungener, übrigens durchwegs hochkarätig abgemischter Konzertabend, und ganz bestimmt ein würdiger Abschied für Minsk Security! Ob wir diese Band wohl jemals wiedersehen? Es bleibt zumindest zu hoffen.


Wie fandet ihr das Konzert?

23.06.2012