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Fiddler's Green - Hall of Fame Wetzikon 2022
Fr, 22. April 2022

Fiddler’s Green, Saint City Orchestra

Hall of Fame (Wetzikon)
02.05.2022
Fiddler's Green - Hall of Fame Wetzikon 2022

Feierlichkeiten mit den grünen Geigern

Die aus dem bayerischen Bezirk Mittelfranken stammenden Fiddler’s Green haben freilich allen Grund für wilde Partyexzesse. Seit über drei Dekaden bringen sie uns nun schon das Irish Pub ins eigene Wohnzimmer (oder in die Konzertlocation um die Ecke). Aufgrund der letzten zwei Jahre und des damit verbundenen Zwangsunterbruchs konnte die ganze Angelegenheit jedoch nie würdevoll zelebriert werden. Das sollte nun im Rahmen einer kleinen Tour nachgeholt werden. Diese führte die Herrschaften am 22. April auch nach Wetzikon in die örtliche «Ruhmeshalle».

Eigentlich könnte ich an diesem Wochenende problemlos meinen Schlafsack im Hall Of Fame ausbreiten. Es steht nämlich unterhaltsames, musikalisches Programm in dieser Halle an. Heute wird’s eher folkloristisch und trinkfreudig, während morgen dann mit Dynazty und Co. Power und Symphonic Metal angeboten werden. Im Zürcher Oberland steppt somit effektiv der Bär – und dieser scheint keine Müdigkeit zu kennen. Gottlob ist das endlich wieder der Fall!

Trotz langer Existenz haben sich die Wege von Fiddler’s Green und mir erst einmal gekreuzt. Das war am Rock The Ring 2017. Ich musste zugegebenermassen kurz den virtuellen Spickzettel hervorkramen, denn irgendwie ist mir der damalige Gig nicht wirklich in Erinnerung geblieben… Offenbar hat sich der «Vergangenheits-Dutti» fürchterlich über die Soundqualität aufgeregt (siehe Review). Das dürfte am heutigen Abend im HoF sicherlich kaum ein Problem darstellen, denn der Laden glänzt grundsätzlich jedes Mal mit fähigem «Misch-Personal».

Für die Vorgruppe könnte an dieser Stelle nun beinahe ein «Copy-paste» Text eingesetzt werden. Das Saint City Orchestra ist mir nämlich ebenfalls zum ersten Mal auf dem Autobahnkreisel in Hinwil begegnet – und zwar bei der 2018er-Ausgabe des Festivals (siehe Review). Wollen wir einmal schauen, ob die Party-Mucke auch im Club-Ambiente bestehen kann.

Saint City Orchestra

50 Minuten stehen dem Ostschweizer Orchester zur Verfügung, um das Publikum auf Betriebstemperatur zu bringen. Die Stimmung ist jedenfalls rasch vorhanden, selbst wenn Fronter Sandro bei seinen Ansagen ab und an mit einem echten «Sprach-Chrüsimüsi» aus Hochdeutsch, Englisch, Französisch oder dem St. Galler-Dialekt zu kämpfen hat. Halb so schlimm, irgendwann kommt man immer auf einen grünen Zweig. Doppelgänger sind ebenfalls im Einsatz. Basser Rouven würde dank seiner üppigen Gesichtsmähne ohne Zweifel bestens zu ZZ Top passen und Klampfer Lorenzo gleicht – zumindest gemäss den Aussagen meines Kumpels Benji – unserem «Büetzerbueb» der Nation Trauffer (na bravo, dieses Bild kriege wohl so schnell nicht mehr aus dem Schädel).

Von der Leistung her ist insbesondere die zierliche Geigerin Mélodie kaum zu bremsen. Die gibt so was von Vollgas! Dafür ist das Akkordeon ihres Kollegen Gabriel eindeutig zu leise eingestellt. Da müsste jemand zwingend ein bisschen an den Reglern schrauben. Die Songs der Equipe sind stets ein gutes Gemisch aus gemächlichen und rasanten Parts. Ein Paradebeispiel in diesem Zusammenhang stellt definitiv der Track «Suicide Bobby» (armer Papagei!) dar, welcher mich speziell beeindruckt. Die Zuhörerschaft schwingt sowieso seit der ersten Minute fleissig das Tanzbein. Ein paar Herren tragen sogar Trikots der Schweizer Fussball-Nati. Wenn der werte Murat Yakin wüsste, was Embolo und Chapuisat hier gerade treiben. Wobei der Zweitgenannte strenggenommen ja eh schon länger zurückgetreten ist. Das dürfte Muri wohl weniger stören.

Fiddler’s Green

Heute ist der erste von drei Gigs, welche die deutschen Speedfolk-Jünger in unserem Land zum Besten geben werden. Morgen geht’s in das legendäre Z7 und am Sonntag kommt die Mühle Hunziken zum Handkuss. Doch für die nächsten 75 Minuten steht die Wetziker Ruhmeshalle im Zentrum des Geschehens. Und man muss zweifelsohne zugeben, dass Fiddler’s Green im Vergleich mit dem Saint City Orchestra schon nochmals ein völlig anderes Kaliber darstellen. Enorme Bühnenerfahrung und langjährige Routine machen die Show zum Selbstläufer. Das ohnehin bereits aufgeheizte Publikum eskaliert konstant weiter. In der Raummitte gehen wilde Ringeltänze vonstatten und auf dem Boden bildet sich immer grössere Pfützen aus Schweiss und Bier (mein Beileid an die Reinigungsfachkräfte, welche die Bude später wieder auf Vordermann bringen dürfen…). Metalinside-Mitstreiter Friedemann tummelt sich übrigens auch unter den Zuschauern. Allerdings in «zivil» – somit wird’s keine Aufnahmen der heutigen Darbietungen geben (obschon ich natürlich hoffe, dass mein Text eure Kopfkinos trotzdem intensiv anregt).

Ähnlich wie beim Support-Act trumpft beim Headliner ebenfalls der Geiger gross auf. Bockstark, was Tobi Heindl da abliefert. Seine Kollegen brauchen sich jedoch auf gar keinen Fall zu verstecken. Gerade bei der Nummer «John Kanaka» folgt grosses Spektakel: Die Akteure nehmen hinter einem «Kulissen-Bartresen» Platz und klopfen auf Plastikbechern den Rhythmus des Songs nach. Farbenfrohe Sonnenbrillen sorgen für die entscheidende Stilnote. Bei mir werden vermehrt Erinnerungen an die Performance der The O’Reillys And The Paddyhats wach, welche diesen Club am 12. September 2020 richtig zum Kochen brachten. Auch am Gezeigten der Fiddler’s gibt’s grundsätzlich nix auszusetzen. Einzig die Spielzeit hätte für meinen Geschmack ruhig etwas länger ausfallen dürfen.

Das Fanzit – Fiddler’s Green, Saint City Orchestra

Am Ende wurde es der erwartete, feuchtfröhliche «Gute-Laune-Abend» im Hall Of Fame. Als hätte man sich für ein paar Stunden in ein waschechtes Irish Pub verirrt. Ein grosses Kompliment geht glasklar an die Adresse der Besucherschar, welche die Musiker mit vollem Einsatz unterstützt und munter bejubelt haben. Irische Klänge und Wetzikon? Ja das harmoniert einfach. Man darf zurecht gespannt sein, wer sich nach The Rumjacks, The O’Reillys And The Paddyhats oder eben Fiddler’s Green auf der Bühne von Pasquale und Co. beweisen möchte.

Setliste – Saint City Orchestra

  1. Master And The Fool
  2. I‘m Alright
  3. To Your Honour
  4. Tamlin Jig
  5. Knights & Thieves
  6. Set Sail
  7. Suicide Bobby
  8. Burn
  9. Saint City My Pride
  10. Unified
  11. A Toast

Setliste – Fiddler’s Green

  1. Whiskey In The Jar
  2. The More The Merrier
  3. Irish Air
  4. Bottoms Up
  5. Irish Washerwoman
  6. Haul Away, Joe
  7. All For Me Grog
  8. Galway Girl
  9. Tobi Solo (Shamrock Tunes)
  10. Another Spring Song
  11. One Fine Day
  12. Down
  13. John Kanaka
  14. Rocky Road To Dublin
  15. Yindy
  16. Star Of The County Down
  17. Old Dun Cow
  18. Pat Murphy*
  19. Wild Rover — Blarney Roses*

*Zugabe


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02.05.2022
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