Metalinside.ch - The New Roses - Z7 Pratteln 2019 - Foto Nicky
Fr, 25. Oktober 2019

The New Roses, Fighter V

Z7 (Pratteln, CH)
/ 14.12.2019

Von Rosen und Kämpfern 

Das Z7-Publikum kam am Freitagabend in den Genuss der doppelten Rock-Dosis mit The New Roses und Fighter V. Während die eine Truppe auf melodiöse Abschnitte und Grüsse zurück in die 80er-Jahre setzte, bevorzugten die anderen Saitenvirtuosen eher die härtere Variante. Leider war der einzig wahre Schweizer Metal-Tempel bei beiden Darbietungen bloss mittelmässig besucht. 

Ein Ausklang der Arbeitswoche in der Konzertfabrik? Dafür bin ich immer zu haben. Mein letztes Gastspiel im Kanton Baselland ist schliesslich doch schon wieder ein paar Wochen her. Was meint die Buchhaltung? Ah genau, das war Mitte September bei Axxis. Heute steht ebenfalls primär wieder eine deutsche Band im Fokus. Brandneu sind The New Roses zwar nicht mehr, aber sie zählen auch nach 12-jähriger Existenz unverändert zu einem unglaublich fähigen Klampfen-Exportschlager aus Deutschland. Den Rosen scheint’s aktuell wirklich zu laufen: Am legendären Wacken Open Air konnte die Veröffentlichung des vierten Silberlings «Nothing But Wild» gefeiert werden, man geht zudem regelmässig mit Grössen des Genres auf Tour und eine Einladung auf die «KISS Kruise» ist de facto alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Des Weiteren sind wir sowieso allesamt froh, dass der heutige Gig überhaupt realisiert werden kann, denn schliesslich lag Frontmann Timmy Rough am vergangenen Wochenende krankheitsbedingt flach. Glücklicherweise scheint der gute Mann aber wieder auf dem Damm zu sein.

Support erhalten die Zierpflanzen von den DeLorean-Rockern Fighter V aus Hergiswil. Vor knapp zwei Wochen taufte das Quintett sein Debütwerk in der Luzerner Schüür und konnte damit so manches Ausrufezeichen setzen (siehe Review und Fotos). Ich kann mich mit den Lorbeeren kaum zurückhalten: Aus der Asche von Haïrdrÿer ist etwas Grandioses hervorgegangen. Dass sie heute Abend auf der geschichtsträchtigen Z7-Bühne spielen dürfen, sei den Jungs absolut gegönnt. Ich bin sicher, dass sie hier schon einigen ihrer Idole als Fans zugeschaut haben. Die Reviews der deutschen Kollegen zu dieser Tournee fielen bisher äussert positiv aus. Mal schauen, ob die beiden Kapellen auf helvetischem Grund ebenfalls überzeugen können. Knipserin Nicky wird im Graben übrigens auf Schnappschuss-Jagd gehen.

Fighter V

Der Event findet im «3/4»-Z7 statt – somit wird’s mit grösster Wahrscheinlich keine ausverkaufte Hütte geben. «Unsere» neuen Shooting-Stars aus Nidwalden hält dies natürlich keinesfalls auf. Sie starten um 20.00 Uhr mit «Heat Of The City» in ihr Set. Dieses Mal lassen die Herrschaften ihre Vergangenheit komplett in der Mottenkiste. Mit Ausnahme des standardmässigen Bon Jovi-Covers «Runaway» (welches die Zuhörer eh jedes Mal zum Durchdrehen bringt) stammen sämtliche Stücke von der kürzlich getauften Platte «Fighter». Man möchte verständlicherweise viel Werbung in eigener Sache betreiben.

Sänger Dave punktet mit seinem fantastischem Stimmorgan und einem lupenreinen Hochdeutsch. Chapeau, Kollege. Das haben nur wenige Eidgenossen in diesem Ausmass auf dem Kasten. Ich werde von den Leuten aus dem grossen Kanton oftmals verdammt rasch enttarnt bei meinen sprachlichen Gehversuchen – sogar wenn ich mich wirklich anstrenge. Frustrierende Sache! Verflucht sei das kratzige «ch»! Aufgrund der Schweizer Mehrheit in den Publikumsreihen wechselt Dave jedoch bald in den Dialekt zurück. Wie er trotz Lederjacke bei den jeweiligen Shows ein schweissloses Dasein fristen kann, wird mir wohl noch längere Zeit ein Rätsel bleiben.

Die Kämpfer bringen ihre 45 Minuten ohne Pannen über die Runden. Einzig die Mikrofone von Basser Luca und Gitarrist Marco sind zu leise. Ihre Background-Vocals sind aufgrund dessen kaum zu hören. Unglücklicherweise wirkt die Zuhörerschaft noch arg müde. Nichtsdestotrotz bleibt mein Résumé gegenüber demjenigen der Plattentaufe gleich: Fighter V werden gross – merkt euch meine Worte!

The New Roses

Die Wiesbadener Rocker gehen um 21.20 Uhr an den Start. Es dauert ein paar Zeigerumdrehungen, bis an der Gesangsfront alles sitzt. Oder stimmt etwas beim Mikro nicht? Klingt jedenfalls unsauber. Gottlob wird die Angelegenheit rasch korrigiert – und ab danach passt’s. Wäre ja extrem schade, wenn Timmys mitreissende Stimme nur in geringem Masse zur Geltung kommen würde. Unterstützung erhält er gelegentlich von seinem Kollegen hinter der Schiessbude: Urban Berz.

The New Roses zeigen sich facettenreich. Sie haben durchaus ihre Kuschelrock-Momente (die mir freilich phasenweise etwas zu lahm sind), können aber demgegenüber auch problemlos mit anderen Aspekten auffahren. «The Bullet» weist beispielshalber einige Country-Allüren auf. Coole Sache. Da sieht man sich vor seinem geistigen Auge direkt mit einem heissen Ofen über einen US-Highway brettern. Bei der Power-Ballade «What If It Was You» macht sich schliesslich überall auf meinem Körper Hühnerhaut breit – speziell bei der Mitmach-Passage «I Look Away» (Ja, ich besitze wahrhaftig irgendwo tief in meinem Innern eine weiche Seite, denn mit ausschliesslich grobem Geknüpple wäre das musikalische Leben unvollständig und eintönig). Die Hymne «Whiskey Nightmare» kommt ebenfalls stets gut an. Schliesslich sind viele Nasen dank diesem Song überhaupt erst auf die Rosen aufmerksam geworden.

Der Vierer macht insgesamt einen tollen Job. Logischerweise steht die Scheibe «Nothing But Wild» deutlich im Vordergrund, aber wie dem oberen Abschnitt zu entnehmen ist, finden ältere Tracks genauso den Weg in die Setliste. Beim Solo von Norman Bites werden dann sogar alle anwesenden Metalheads befriedigt. Alter Verwalter, dieser flinke Finger-Akrobat zeigt mit dieser Aktion eindrücklich, dass er auch locker in einer schwermetallischen Band bestehen könnte. Zu guter Letzt ist mit «Thirsty» nach 95 Minuten Schicht im Schacht. Und ja, meine Kehle könnte tatsächlich eine abschliessende Befeuchtung vertragen. Nix wie hin zum fähigen Bar-Personal!

Das Fanzit

Heute Abend dominierte bedauerlicherweise in den Publikumsreihen die formelle Zurückhaltung. Gelegentlich hätten die Zuhörer ungeniert intensiver aus sich herausgehen dürfen. Das «3/4»-Z7 war bloss mittelmässig besucht. In der Heimat füllen die Rosen die Hallen ganz gewiss besser. Ungeachtet dessen haben beide Truppen etwas geboten und so für ein solides Unterhaltungsprogramm gesorgt. So rasch werden sicherlich weder Fighter V noch The New Roses von der Bildfläche verschwinden.

Setliste – Fighter V

  1. Heat Of The City
  2. Frontline
  3. Fighter
  4. Can’t Stop The Rock
  5. Runaway (Bon Jovi-Cover)
  6. There She Goes
  7. Dangerous
  8. City Of Sinners
  9. Looking For Action
  10. Turn It Up Loud!

Setliste – The New Roses

  1. Nothing But Wild
  2. Unknown Territory
  3. Life Ain’t Easy (For A Boy With Long Hair)
  4. Dancing On A Razorblade
  5. The Bullet
  6. Whiskey Nightmare
  7. Glory Road
  8. Every Wildheart
  9. What If It Was You
  10. One More For The Road
  11. Down By The River
  12. Forever Never Comes*
  13. Ride With Me*
  14. Devil’s Toys*
  15. Thirsty*

*Zugabe

Fotos The New Roses, Fighter V – Z7 Pratteln 2019 (Nicky)


Wie fandet ihr das Konzert?

/ 14.12.2019
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