Ghost Tour 2017 Europe
Di, 18. April 2017

GHOST, ZOMBI

Volkshaus (Zürich, CH)
25.04.2017
Ghost Tour 2017 Europe

Mitteilung des Klerus:

Papa Emeritus III und seine «Nameless Ghouls» servierten dem Publikum im Zürcher Volkshaus eine fulminante Show. Der spezielle Sound der Vorgruppe Zombi vermochte dagegen nicht wirklich zu überzeugen. Alle weiteren Einzelheiten entnehmt ihr wie gewohnt den nachfolgenden Zeilen.

Nach den Osterfeiertagen kommen Geister und Zombies. Um mir dieses Spektakel nicht entgehen zu lassen, schleppe ich mein vollgefressenes Bäuchlein heute Abend ins Volkshaus nach Zürich. Beim Anstehen wird die schwarze Masse Opfer des unberechenbaren Aprilwetters. Ein Mix aus Regen und Schnee prasselt auf die zahlreichen Köpfe herunter. Glücklicherweise geht der Einlass relativ zackig voran.

Zu Gast sind am heutigen Abend die Bands Ghost und Zombi. Erstgenannte sind ja inzwischen eine echte Nummer geworden. Als Belohnung konnten der Metal-Papst und seine Diener im Februar des vergangenen Jahres den Grammy in der Kategorie «Best Metal Performance» für den Song «Cirice» einsacken. Damit sind Ghost die allererste schwedische Band, die einen solchen Award gewinnen konnte – not bad. Mit zunehmender Berühmtheit kommen selbstverständlich auch lukrative Angebote. So gehen die Schweden im Juni/Juli dieses Jahres beispielsweise zusammen mit Iron Maiden auf Tour.

Allerdings herrscht leider nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen. Die Band war kürzlich aufgrund eines Rechtstreits zwischen Ex-Mitgliedern von Ghost und dem aktuellen Frontmann (Papa Emeritus III) Thema in den metallischen Medien. Es geht – wie so oft – um die Kohle. Im Zuge dieser Streiterei sollen offenbar auch einige Identitäten der maskierten Musiker verraten worden sein. Solange allerdings keine konkreten und von offizieller Stelle abgesegneten Statements vorliegen, distanziere ich mich von allfälligen Spekulationen. Vorerst sind wir alle froh, dass die Band heute Abend auftreten wird. Zum Support-Act Zombi kann ich hingegen (noch) gar nichts berichten.

An der Bar gibt’s ein blondiertes Frischgetränk und danach betrete ich den Saal. Noch tummeln sich hier nicht allzu viele Menschen. Scheinen wohl noch am Rauchen zu sein. Veranstalter Good News rechnet aber trotzdem mit einem grossen Andrang. Einige meiner Kollegen/Innen haben sich heute Abend allerdings für einen Aufenthalt im Hallenstadion entschieden. Dort findet das «Rock Meets Classic»-Event statt. Wäre sicherlich ebenfalls eine empfehlenswerte Option gewesen. Ich habe mich jedoch für das Volkshaus entschieden und freue mich nun auf die beiden folgenden Darbietungen.

ZOMBI

Punkt 20 Uhr gehen ein erstes Mal die Lichter aus. Das Musiker-Duo Zombi aus Pittsburgh, Pennsylvania erscheinen auf der Bühne. Anthony Paterra pflanzt sich hinter die Drums und Kollege Steve Moore kümmert sich um den Synthesizer. Die beiden Herrschaften bezeichnen ihre Musik als Space oder Electronic Rock. Ich finde die ganze Geschichte leider ziemlich gewöhnungsbedürftig. Der Sound erinnert mich an die Klänge meines alten Gameboys oder meiner Retro-Spielekonsolen. Es wirkt so, als träfe der Soundtrack der 80er-TV-Show «Miami Vice» auf denjenigen des Arcade-Automaten-Spiels «Space Invaders».

Steve greift gelegentlich zum Bass – aber auch das macht die Sache nicht wirklich besser. Da fehlen schlichtweg Gesang, Gitarren, Energie und andere Elemente, die eine gute Band auszeichnen. Allerdings möchte ich mit Zombi nicht zu hart ins Gericht gehen. Ihre Musik ist allenfalls einfach nicht für die Bühne respektive einen Live-Auftritt geeignet. Das Publikum scheint ebenfalls etwas irritiert zu sein. Typisch Ghost – war ja irgendwie klar, dass die Schweden keine normale Vorgruppe mitbringen werden. Rob Zombie wäre mir da beispielsweise schon lieber gewesen. So widme ich mich lieber dem Hopfentee und lausche beiläufig dem Gedudel von Zombi.

GHOST

Um viertel nach neun wird es dann so langsam Zeit für den Headliner des Abends. Allerdings lassen sich weder Papa Emeritus III noch seine Ghouls blicken. Zu den Klängen der Intro-Tracks «Misere Mei, Deus» und «Masked Ball» taucht das Publikum ein in eine waschechte Kirchenmesse-Atmosphäre. Passend dazu macht sein altbekannter Geruch in meiner Nase breit. Weihrauch – und das nicht zu wenig! Das kennen wir ja bereits von Truppen wie Batushka oder Behemoth. Ein Crew-Mitglied kommt auf die Bühne, verbeugt sich und testet dann ganz gelassen das Schlagzeug und danach auch das Keyboard. Das Publikum schein bereits richtig heiss zu sein. Ich habe noch selten erlebt, dass bereits der Soundcheck derart bejubelt wird. Aber so langsam dürfte dann wirklich mal die Band antanzen.

Und plötzlich stehen dann die «Nameless Ghouls» auf der Bühne und stimmen den Song «Square Hammer» von der aktuellen EP «Popestar» an. Allesamt tragen sie ihre dämonenartigen Masken. Welch furchteinflössende Fratzen! Wie gesagt, zu den Identitäten dieser Kreaturen kann ich nicht viel sagen. Der «Bassisten-Ghoul» könnte allerdings rein von der zierlichen Statur her dem weiblichen Geschlecht zugeordnet werden. Dann wird es abermals richtig laut im Saal. Papa Emeritus III taucht aus den Rauchschwaden auf und bannt sich seinen Weg zur Bühnenmitte. Habemus papam! Zu seinem Standard-Outfit zählen die Robe, die Totenkopfmaske und die Mitra (Bischof-Hut) auf dem Kopf. Sofort zieht er die gesamte Aufmerksamkeit auf sich. Papa Emeritus III ist ohne Zweifel der Mittelpunkt von Ghost. Der Sound der Truppe kann den Genres Heavy und Doom Metal zugeordnet. Der metallische Papst vom Dienst ist diesbezüglich mit einem überaus passenden Stimmorgan ausgestattet.

Showtechnisch wird dem Publikum einiges geboten. Regelmässig schiessen Rauchsäulen in die Höhe und im Hintergrund sind riesige Kirchenfenster zu sehen, die teilweise leicht satanische Szenen Illustrationen zeigen. Beim Song «Con Clavi Con Dio» schwingt Papa Emeritus III ein Weihrauchfass hin und her. Als hätten wir nicht schon mehr als genug von diesem markanten Duft in der Nase! Die Fans stört dies offenbar nicht sonderlich. Im Gegenteil – es herrscht schlichtweg eine überragende Stimmung im Saal. Der Metal-Papst erhält bei Songs wie «Secular Haze», «Per Aspera Ad Inferi» «He Is» oder «Absolution» immer wieder tatkräftige Gesangs-Unterstützung. Da scheinen sich zweifelsohne einige textsichere Ghost-Jünger im Saal des Volkshauses aufzuhalten. Papa Emeritus III wirkt – sofern dies unter der Maske zu erkennen ist – zufrieden. Einmal erhält er zudem Unterstützung von zwei attraktiven Nonnen, die den Fans in der ersten Reihe danach irgendeine Stärkung servieren dürfen. In der zweiten Show-Hälfte tauscht er sein Papst-Outfit dann gegen einen eleganten Frack und betört so vor allem die weiblichen Fans. Am Ende des Songs «Mummy Dust» regnet es dann urplötzlich silberne Papierfetzen von der Decke. Ein eindrückliches Bild. Für den «Jöö»-Effekt und Lacher sorgte zudem ein kleiner Junge auf den Sitzplätzen mit selbstgebasteltem Papst-Hut und Monster-Kopfhörern.

Mit «Ritual» sind wir schliesslich beim letzten Song des offiziellen Teils angelangt. Der Chef erlaubt jedem seiner «Ghouls» ein kurzes Solo im Rampenlicht. Das soll dann wohl als eine Art Vorstellungsrunde durchgehen – obwohl wir keine Namen zu hören kriegen. Danach verbeugt sich die Geister-Truppe und verschwindet von der Bühne. Ohne Zugabe lässt sie der Saal allerdings nicht davonkommen. Und so gibt’s als Zückerli die Hymne «Monstrance Clock» obendrauf. Papa Emeritus III möchte uns nämlich alle mit einem Orgasmus in den Abend entlassen. Der Song animiert das Publikum abermals zum energiegeladenen Mitgrölen. «Come together, together as a one. Come together, for Lucifer’s son» – diese Worte singt der ganze Saal mit vollem Elan mit. Auch nachdem Ghost längst die Bühne definitiv verlassen haben, hören die Leute nicht damit auf. Gänsehaut pur!

FAZIT

G. Ghost wissen definitiv zu begeistern. Ich kannte die Band bisher nur flüchtig und habe mich nicht sonderlich für ihre Musik interessiert. Dies hat sich nach dem heutigen Auftritt ganz klar geändert. Papa Emeritus III und seine «Nameless Ghouls» muss man auf dem Radar haben. Was könnten die Schweden beim nächsten Mal besser machen? Ich würde eine bessere Vorgruppe empfehlen und vielleicht schaffen es beim nächsten Konzert ja dann auch die Merchandise-Artikel durch den Schweizer Zoll. Und wer mit dem Sound von Ghost nichts anzufangen weiss, kann immer noch der «schwarzen Messe» von Powerwolf beiwohnen – auch wenn wir da natürlich von einem komplett anderen Metal-Genre sprechen.

Setliste – Ghost

  1. Miserere Mei, Deus (Gregorio Allegri-Song) (Intro 1)
  2. Masked Ball (Jocelyn Pook-Song) (Intro 2)
  3. Square Hammer
  4. From The Pinnacle To The Pit
  5. Secular Haze
  6. Con Clavi Con Dio
  7. Per Aspera Ad Inferi
  8. Body and Blood
  9. Devil Church
  10. Cirice
  11. Year Zero
  12. He Is
  13. Absolution
  14. Mummy Dust
  15. Ghuleh / Zombie Queen
  16. Ritual
  17. Monstrance Clock*
  18. The Host of Seraphim (Outro)*

*Zugabe


Wie fandet ihr das Konzert?

25.04.2017
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