Metalinside.ch - Battle Beast - Dynamo Zürich 2017 - Foto Kaufi
So, 19. November 2017

Battle Beast, Silver Dust

Dynamo (Zürich, CH)
/ 02.12.2017

Gut gelaunte Biester reissen das Dynamo ab 

Mit Battle Beast gastierte wohl einer der momentan stärksten finnischen Metal-Acts am Sonntagabend im Zürcher Dynamo. Mit im Gepäck hatten sie die Theatralik liebenden Steampunk-Jurassier von Silver Dust. Details zu diesem Event gibt’s wie gewohnt im nun folgenden Metalinside-Bericht nachzulesen. 

Heute steht der finale Akt eines intensiven Konzertwochenendes auf dem Programm. Zumindest bezüglich des Headliners darf erwartungsgemäss mit einer ordentlichen Dosis Frauen-Power gerechnet werden. Bereits im Frühjahr haben Battle Beast den helvetischen Landen einen Besuch abgestattet. Der damalige Auftritt im Wetziker Rock-Club Hall Of Fame war allerdings geprägt von krankheitsbedingt angeschlagenen Musikern. Insbesondere Frontröhre und Amazonenkriegerin Noora Louhimo musste sich teilweise etwas zurückhalten. Doch trotz dieser mühsamen Geschichte legte das Sextett eine einigermassen solide Geschichte aufs Parkett. Glücklicherweise erfreuen sich die Finnen am heutigen Abend allesamt bester Gesundheit und somit dürfte einer bombastischen Darbietung eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Dem Support-Act Silver Dust bin ich im Oktober des vergangenen Jahres im Z7 zum ersten Mal begegnet. Showtechnisch mögen sie zwar einiges zu bieten haben, aber musikalisch gibt’s eindeutig Luft nach oben. Vielleicht ist ja bereits dieses Mal eine Steigerung erkennbar.

Metalinside setzt heute auf ein eingespieltes Duo. Kollege Kaufi erobert den engen Fotograben und ich versuche möglichst viele schlaue Senftuben-Kommentare aus dem Ärmel zu schütteln. Diese Kombination hat schliesslich bereits im April in Wetzikon hervorragend funktioniert. Die Wartezeit auf die erste musikalische Darbietung überbrücken wir mittels Konsum von Gerstengebräu und Gesprächen zu diversen Themen der gigantischen Metal-Welt. Momentan wirkt der Dynamo-Saal leider noch eher mittelmässig gefüllt. Einmal mehr stellt sich die Frage, ob die Stadt Zürich ein Heavy/Power Metal-Problem hat. Truppen aus den Bereichen Todes- oder Schwarzmetall entpuppen sich jeweils als starke Publikumsmagneten. Aber allenfalls tauchen dann einige erst beim Headliner auf. Ich persönlich bin nach wie vor dankbar, dass Veranstalter Meh Suff! in diesem Jahr Gruppen wie Serious Black oder eben Battle Beast nach Zürich locken konnte.

Silver Dust

Gegen 20 Uhr ertönt ein episches Intro. Zwei kleine Videoleinwände auf beiden zeigen Aufnahmen eines alten, bedrohlich wirkenden Schlosses. Eine Kapuzentragende Gestalt schleicht mit einem Kerzenständer in der Hand langsam durch einen Gang. Dann wird die Fiktion urplötzlich zur Realität. Die eben noch erwähnte Person taucht in natura auf und platziert die tragbare Beleuchtung am vom Publikum aus gesehenen, rechten Bühnenrand. Danach verschwindet sie jedoch wieder in der Dunkelheit und überlässt die Spielfläche den vier Herren. Angeführt wird der Trupp durch Gitarrist und Sänger Lord Campbell, der auf seinem Haupt einen schicken Zylinder trägt und seine Augen hinter einer Ozzy Osbourne-Brille versteckt. Die zweite Saitenkönigin wird von Monsieur Tiny Pistol bedient. Am Bass sorgt Hüne Kurghan für die tiefen Töne. Jedoch wird ziemlich bald klar, dass der beste Mann des Quartetts am Schlagzeug sitzt. Mr. Killjoy ist schlichtweg ein atemberaubendes Energiebündel und flirtet wie ein Weltmeister mit den auf ihn gerichteten Kameras. Problemlos jongliert er regelmässig mit seinen Sticks und lässt diese auch gerne mal durch die Lüfte fliegen. Eigentlich könnte er dank dieses Engagements geradesogut in einer Death Metal-Band trommeln. (Anm. Kaufi: Definitiv DAS Highlight der Show! Was der Kerl an seiner Schiessbude abzieht, ist der Hammer. Und was das Grimassen schneiden betrifft, macht er schon fast Faxenkönig Oli Häller von Maxxwell Konkurrenz…)

In Sachen Klang und Melodie könnte man das Quartett am ehesten noch dem Gothic Rock zuordnen. Lord Campbell variiert zwischen klarem Gesang und Growls, wobei ihm Letzteres deutlich besser gelingt. Leider schaffen es die Jurassier viel zu selten, die Handbremse zu lösen. So will kaum Stimmung aufkommen. Brauchbare Ansätze wären zwar vorhanden, doch die Steampunker scheinen den Fokus hauptsächlich auf Show-Elemente und Theatralik zu legen. Bei einem Song kreuzt beispielsweise eine schneeweisse Braut auf, die nach einem Tanz mit dem Sänger in Ohnmacht fällt und von der Bühne gezerrt wird. Dazu flimmern immer wieder düstere Szenen über die Videoleinwände. Versuchen die Herrschaften mit solchen Einlagen etwa musikalische Defizite zu verschleiern? Ich habe zumindest stellenweise diesen Eindruck. Nein, auch dieses Mal werde ich mit dem welschen Silberstaub nicht warm. Weshalb die Veranstalter den Herren eine ganze Stunde Spielzeit gewähren, ist mir übrigens ein echtes Rätsel. Die üblichen 40 Minuten hätten vollends genügt.

Battle Beast

Gegen 21.30 Uhr sind dann endlich die Biester los – und wie! So viel sei jedoch vorweg bereits verraten, die heutige (Anm. Kaufi: von Hand gekritzelte!)  Setliste ist so ziemlich dieselbe wie damals Anfang April in Wetzikon. Überraschungen müssten somit eigentlich ausbleiben. Doch es gibt trotzdem einen Unterschied. Battle Beast präsentieren sich heute Abend in Bestform. Der aktuelle Silberling «Bringer Of Pain» wird von Anfang an gleich einmal mit einem Song-Trio ins Zentrum des Interesses gerückt. Dabei stechen insbesondere das teilweise ein wenig Sabaton-angehauchte «Straight To The Heart» und der Platten-Titel-Track hervor. Der grossartige Trumpf in den Reihen von Battle Beast ist und bleibt zweifelsohne Frontfrau Noora. Immer wieder animiert sie die schwarzgekleidete Masse vor der Bühne mit ihrem wuchtigen Stimmorgan. Frisurentechnisch scheint sie sich für die heutige Show gegen irgendwelche waghalsigen oder wilden Experimente entschieden zu haben. (Anm. Kaufi: Da geht wenigstens nix grad nach zwei Minuten kaputt…). Lediglich die dickaufgetragene Schminke ist geblieben.

Der 2013er-Silberling wird erstmals mit der Nummer «Into The Heart Of Danger» berücksichtigt. Ich bin überrascht über die Textsicherheit des Publikums. Offenbar nisten sich die Hymnen der Finnen jeweils ziemlich einfach in den Gehörgängen ein. Ein besonderes Merkmal des Biester-Sounds sind sicherlich auch die Keyboard-Passagen von Janne Björkroth. Er trägt sein Instrument übrigens als sogenannte «Keytar» durch die Gegend. Die Gefahr des Verdurstens ist bei ihm kein Thema. Seine Bandkollegen versorgen ihn fleissig und regelmässig mit Bierdosen, deren Inhalt er sich jeweils auf ex in den Rachen schütten muss.

Basser Eero Sipilä scheint das Plappermaul der Truppe zu sein. Er übernimmt praktisch sämtliche Ansagen zwischen den Songs und sorgt dadurch dafür, dass sich seine Kollegin ausschliesslich auf den Gesang konzentrieren kann. Doch Noora erhält diesbezüglich nach wie vor beste Unterstützung aus den Publikumsreihen. Bei «We Will Fight» verschmilzt der ganze Dynamo-Saal zu einer Einheit. Im Gegensatz zu ihrem Support-Act kommen die Finnen beinahe komplett ohne Show-Elemente aus. Es werden lediglich ab und zu ein paar Raucheffekte eingesetzt. Einmal kriegt Janne (ob gewollt oder nicht) die volle Ladung ins Gesicht und sogt damit für Lacher bei den Fans.

Battle Beast verfügen über eine abwechslungsreiche Song-Palette. Ob Hochgeschwindigkeits-Nummern wie «Let It Roar» (Anm. Kaufi: Killer!) oder gefühlvolle Balladen der Marke «Far From Heaven» – da ist für jeden Geschmack etwas dabei. Die Truppe ist heute ausgezeichnet gelaunt. Die deutlich sichtbare Spielfreude färbt glücklicherweise auch auf das Publikum ab. Obwohl die Location eher mittelmässig besucht ist, sind die Leute mit vollem Einsatz dabei. Etwas später erkundigt sich Noora schliesslich, ob denn auch ein paar Wikinger anwesend seien. Das kann eigentlich nur einen Song zur Folge haben. Jep, da kommt er auch schon: «Bastard Son Of Odin». (Anm. Kaufi: Noch «Killerer»!) Hier könnte man ebenfalls wieder – zumindest an gewissen Stellen – vom sogenannten «Disco-Metal» sprechen. Nichtsdestotrotz ist die Hymne ein echter Stimmungsgarant. Passend zur Textpassage «Born To Kick Your Ass» führen Amazonenkriegerin Noora und ihre Kollegen einige Luftkicks aus.

Vor Ende des offiziellen Auftritt-Parts verlangt die Band dann nochmals die totale Publikumseskalation. Dies kann natürlich nur mit dem Lied «Out Of Control» in die Tat umgesetzt werden. Eine schweisstreibende Angelegenheit. Trotz der kurz darauf ertönenden Zugabe-Rufe spielen die Finnen das altbekannte «Wir verschwinden rasch hinter der Bühne und kommen – wenn ihr laut genug seid – gleich wieder zurück»-Spielchen (Anm. von pam: «Und wenn ihr nicht laut genug seid, kommen wir trotzdem.» Setliste inklusive Zugaben ist ja fix). Die Fans haben definitiv noch nicht genug. Die Ehrenrunde wird schliesslich mit dem überragenden «King For A Day» eröffnet. Ein Stück mit Ohrwurm-Charakter. Direkt im Anschluss folgt ein ausführlicher Dialog mit den Fans. Die Musiker erkundigen sich, wo man denn in Zürich eine gute Aftershow-Party zelebrieren könne. Nicht ganz unerwartet fällt einige Male der Name des Ebrietas’. Dann startet Noora plötzlich eine Art Bandmitglieds-Versteigerung. Jeder der Herren darf kurz sein grösstes Talent vorführen. Während Janne abermals seine Trinkkünste zum Besten gibt, punktet Gitarrist Juuso Soinio mit einer äusserst unterhaltsamen Tanzeinlage. Dem Kreischen im Saal nach zu urteilen würden aber insbesondere die weiblichen Biest-Anhängerinnen am liebsten Drummer Pyry Vikki zu sich nach Hause einladen. Mit dem Stück «Beyond The Burning Skies» und einem Konfettiregen beenden Battle Beast schliesslich ihren bärenstarken Auftritt.

Das Fanzit

Battle Beast untermauern mit dieser überragenden Darbietung einmal mehr, dass sie aktuell verdientermassen zu den besten finnischen Metal-Truppen gehören. Für mich war dies zweifelsohne der die stärkste Show von Noora und Co. Dagegen konnten mich Silver Dust leider ein weiteres Mal nicht vom Hocker hauen. Da hätte man doch sicherlich einen stärkeren und passenderen Support-Act auftreiben können, oder? Zu denken gab mir einmal mehr der etwas dürftige Publikumsaufmarsch. Im April war das Hall Of Fame rappelvoll. Selbiges konnte man heute Abend vom Dynamo nicht behaupten. Somit bleibt am Ende folgende Frage offen: Verfügt die Stadt Zürich effektiv über keine echte Heavy resp. Power Metal-Szene?

Cheers

Dutti \m/

Setliste – Silver Dust

  1. Welcome
  2. So Let Me Now
  3. Heaven Knows
  4. The Age Of Decadence
  5. My Heart Is My Savior
  6. Guitar Solo (Lord Campbell)
  7. Now We Request
  8. Morte D’Aimer
  9. Forgive Me
  10. Shame On You!
  11. Drum Solo (Mr. Killjoy)
  12. The Judgement Day

Setliste – Battle Beast

  1. Straight To The Heart
  2. Bringer Of Pain
  3. Familiar Hell
  4. Into The Heart Of Danger
  5. We Will Fight
  6. Let It Roar
  7. Black Ninja
  8. Far From Heaven
  9. Lost In Wars
  10. Iron Hand
  11. Bastard Son Of Odin
  12. Touch In The Night
  13. Out Of Control
  14. King For A Day*
  15. Beyond The Burning Skies*

*Zugabe

Fotos von Battle Beast, Silver Dust im Dynamo (Kaufi)


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Battle Beast, Silver Dust
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