Chelsea Grin - Dynamo Zürich 2018
Mo, 1. Oktober 2018

Chelsea Grin, Oceano, Kublai Khan, Enterprise Earth

Dynamo (Zürich, CH)
28.10.2018
Chelsea Grin - Dynamo Zürich 2018

Wild im Dynamo

Nein, gemeint sind keine Wildtiere. Am 1. Oktober schlugen gleich vier US-amerikanische Core-Bands, darunter Chelsea Grin, zu und enterten das Dynamo in Zürich. Dass die Core-Fans dabei nicht ruhig bleiben konnten, das wusste ich schon im Vorherein. So wild habe ich mir den Abend aber wirklich nicht vorgestellt.

Mit Chelsea Grin habe ich bis jetzt sehr gute Erfahrungen gemacht. Nachdem ich sie vor einigen Jahren am Greenfield kennenlernte, besuchte ich sie letztes Jahr im KIFF in Aarau, und habe erneut einen coolen Abend erlebt. Die drei anderen Bands, welche am 1. Oktober für Chelsea Grin eröffneten, kannte ich nicht. Ich ging also frohen Mutes nach Zürich, um mich auf dieses Core-Spektakel einzulassen.

Enterprise Earth

Gleich vorneweg: Rein technisch hat mich der heutige Opener am meisten beeindruckt. Ich bin zwar absolut kein Experte, was Saiteninstrumente und Singen (und andere mundbasierte Töne) angeht. Rhythmisch haben die Deathcorer aus Washington aber ganz schön was abgeliefert. Regelmässig sind rhythmische Verschiebungen zwischen dem Trommler Aaron und den Saitenhelden auszumachen. In dieser Hinsicht erreichen sie den Höhepunkt, als sie mitten im Song eine 3-über-4-über-5-Verschiebung zwischen Drums, Gitarren/Bass und Vocals hervorzaubern. Das Herz des Drummers in mir ist jetzt bereits weggeschmolzen – und dies nicht wegen der Hitze im Dynamo!

Im Publikum öffnen sich schon zu Beginn Pits, welche von einigen wenigen Tanzwütigen betreten werden. Gegen Mitte des Sets füllt sich dieser dann langsam und so mancher Violent Dancer möchte zeigen, was er draufhat. Nach respektive vor den letzten Songs verlangt Sänger Dan nach mehr Aktivität im Pit. Diese bekommt er heute Abend aber nicht, denn immer dann, wenn er genau darum bittet, passiert im Pit nichts. Die Zeit macht ihm dann auch noch einen Strich durch die Rechnung, denn ihr Slot ist nur 30 Minuten lang, und so geht nach dieser sehr kurzen Zeit bereits das Licht wieder an. In Erinnerung bleibt die rhythmische Komplexität und die witzigen, an trainierende Affen erinnernden Bewegungen von Bassist Rob. 

Kublai Khan

Der zweite Act ist Kublai Khan aus Texas, welche sich nach einem Enkel von Dschingis Khan benannten. Schon vor dem ersten Song – ich selber bin mental noch beim eben stattgefundenen Soundcheck – gibt es erst einmal eine Ansprache. Dieser Auftritt sei nur für uns, bla bla… Das kommt mir jetzt eher heuchlerisch rüber, aber bald schon legt die Band dann auch mit dem ersten Song los. Herausstechend ist hier das Outfit des Fronters Matt: Weisse Socken bis zum Knie, weisses Tanktop, Cap und zwei schwarze Zöpfe, die vor der Schulter hängen. Irgendwie würde der Typ wohl eher zu Hip Hop-Musik passen, und tatsächlich weist dann auch der Metalcore, der aus den Boxen dröhnt, leichte Hip Hop-Einflüsse auf. Der Sound macht Spass, jedoch sind die Vocals eher eintönig. Schade! Auch dieser Auftritt dauert nicht allzu lange, nach nur 26 Minuten ist bereits wieder Schluss. Zeit für die nächste Band…

Oceano

Es geht weiter im heutigen Core-Marathon, als nächstes sind Oceano aus Illinois an der Reihe. Adam Warren, der Fronter des Deathcore-Vierers bewegt sich zwar aktiv hin und her, legt aber in Sachen Eintönigkeit fast noch einen obendrauf. Auch die Musik selber haut mich absolut nicht vom Hocker.

Dem Publikum scheint der Auftritt aber zu gefallen; zumindest sind die Bewegungen im gesamten vorderen Bereich viel aktiver. Für einen Dämpfer sorgen einzig einige Idioten, welche es als lustig empfinden, durch das (sich nicht im Pit befindende) Publikum zu rennen und rücksichtslos alles anzurempeln, was nicht eh schon auf dem Boden liegt. Mein Bier, welches sich eben noch in meiner Hand befand, hat sich jetzt auf den Kleidern von knapp 10 Personen und natürlich dem Boden verteilt, danke dafür! Zudem wird irgendwann noch ein verletzter Besucher stützend herausbegleitet… Unschön!

Verständlicherweise bin ich dann froh, als dieser Auftritt vorbei ist, und hoffe, dass sich die Lage bis zum Headliner wieder beruhigt.

Chelsea Grin

Zeit für das Deathcore-Geschütz aus Utah! Nach der intensiven Personal-Rochade in der ersten Hälfte dieses Jahres sind die einzigen verbleibenden Mitglieder Bassist David Flinn und Trommler Pablo Viveros, welcher sich zudem um die Background Vocals kümmert. Ich bin gespannt darauf, ob und wie sich der Sound der Band verändert hat und wie gut das neueste Album «Eternal Nightmare» beim Zürcher Publikum ankommt.

Die Band betritt die Bühne und tatsächlich hätte ich diese wohl nicht erkannt, hätte ich nicht gewusst, dass da einige neue Gesichter erscheinen würden. Pablo ist im Hintergrund natürlich eher unauffällig… Na dann, legt los! Gleich von Beginn an zeigt der Vierer, wieso sie die Headliner dieser Tour sind. Verglichen mit jeder der Vorbands können sich Chelsea Grin in irgendeiner Kategorie hervorheben. Die Songs werden sauber gespielt und die Action auf der Bühne überträgt sich aufs Publikum. Allerdings gibt es keine aggressiven Pits und auch die Rumrenn-Idioten von vorher haben sich beruhigt (oder wurden rausgeworfen, wer weiss…).

Chelsea Grin ziehen ein eher langes Set durch, wenn man bedenkt, dass sie bereits die vierte Band des Abends sind. Gespielt werden einige Songs von «Eternal Nightmare», aber auch viele ältere Songs. Sänger Tom Barber wechselt einige Male sein Outfit (insbesondere an seiner Frisur bastelt er mehrere Male rum) und lässt uns Alex Koehler (fast) nicht vermissen. Was für eine Power! Auch gegenüber seiner Stimme überzeugt mich aber die Gesangsleistung von Drummer Pablo viel mehr!

Alles in allem bleibt der Auftritt bis zum Ende auf konstant hohem Niveau, jedoch zögert sich das Ende beinahe ein bisschen zu lange hinaus. Dies sehen wohl viele der Besucher im Publikum so, welche sich an diesem Montagabend die vier Core-Acts zu Gemüte geführt haben…

Das Fanzit

Der Opener Enterprise Earth hat mich technisch absolut überzeugt und zieht mit der Qualität des Auftritts beinahe mit dem Headliner gleich. Kublai Khan waren witzig und brachten abwechslungsreiche Musik, jedoch kamen die Ansagen ziemlich geheuchelt rüber und der Auftritt dauerte keine dreissig Minuten. Oceano waren dann leider ein kurzer Tiefpunkt. Chelsea Grin haben danach trotz oder vielleicht gerade wegen einigen Wechseln im Line Up richtig gut abgeliefert. Wenn das zeitlich jeweils passt, werde ich mir diese Band wohl auch in Zukunft live reinziehen wollen!


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