Metalinside.ch - Avatar - Dynamo Zürich 2019 - Foto Steve
Mi, 6. Februar 2019

Avatar, The Mahones, Dylan Walshe

Dynamo (Zürich, CH)
/ 20.02.2019

Der König besucht Zürich

Avatar Country erstreckt sich zurzeit über ganz Europa. Nachdem der ursprünglich angesagte Termin im Januar verschoben wurde, besuchten uns der Avatar-König und sein Gefolge am 6. Februar im Zürcher Dynamo. Zu den Aufwärm-Gauklern gehörten The Mahones und Dylan Walshe: eine Genre-Kombo, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnte.

Im Zürcher Dynamo scheint der Zirkus los zu sein! Hinter dem Merch-Stand stehen grosse Leuchtschriften, Helfer tragen Kostüme. Das riecht schon ganz schön heftig nach Freakshow…

Dylan Walshe

Doch erst einmal geht es los mit Dylan Walshe. Er ist ein Singer-Songwriter aus Irland, den es aber bald in die Staaten zog. Nachdem er schon oft mit Bands wie Flogging Molly unterwegs war, eröffnet er heute für eine Melodeath-Band. Nun denn… Ausgerüstet mit Gitarre, Mundharmonika, ein wenig Percussion und seiner Stimme setzt sich Dylan auf den Hocker auf der Bühne und legt los.

In seinem Programm stehen selber geschriebene Songs, Neuinterpretationen bekannter Tracks sowie traditionelle Nummern aus der Folk-Szene. Ich habe schon sehr viel schlechtere Singer-Songwriter erlebt, aber wirklich vom Hocker haut mich dieser Auftritt leider nicht. Zum Glück ist die Musik noch nicht so laut aufgedreht, da kann man sich noch sehr gut mit anderen Besuchern unterhalten.

Musikalisch ist Dylans Werk ganz schön solide und auch an Sympathie mangelt es nicht. Die Stimmung im Publikum zündet einfach relativ spät. Spätestens aber, als Katie Kaboom von The Mahones die Bühne betritt, um zusammen mit Dylan ein Stück zu bestreiten, geht es richtig los…

The Mahones

Nachdem Katie das Publikum nun also quasi selber aufgewärmt hat, ist ihre Band an der Reihe. The Mahones stammen zwar aus Kanada, haben sich aber völlig dem Irish Punk verschrieben – so wurde die Band auch an einem St. Patrick’s Day gegründet!

Ich bin von der ersten Sekunde an hin und weg von Guillaume Lazons Getrommle. Der Mann geht ab, als sässe er auf einem Wespennest. Was Lazon hier auf die Bühne bringt, ist in diesem Rahmen an Energie kaum zu überbieten. So habe ich dann auch meine Beschäftigung für die nächsten zehn Songs gefunden: Den Drummer und sein Spiel anzuhimmeln.

Lazon ist aber nicht alleine mit dieser ausstrahlenden Kraft. Auch die anderen Musiker überzeugen, allen voran Fronter Finny. Er weiss, wie er mit dem Publikum umzugehen hat, und macht sich diesen Vorteil zu Nutze. Kleiner Wehmutstropfen bei diesem Auftritt: Die Band als Ganzes kommt nicht wirklich zur Geltung. Viel mehr steht sie im Schatten ihrer eigenen Musiker…

Setliste The Mahones

  1. A Great Night On The Lash
  2. Paint The Town Red
  3. Shakespeare Road
  4. The Hunger & The Fight
  5. Give It All Ya Got (Or Forget About It)
  6. The Wild Rover
  7. Never Let You Down
  8. Is This Bar Open ‘Til Tomorrow
  9. Punk Rock Saved My Life
  10. Drunken Lazy Bastard

Avatar

Das erste und vorläufig letzte Mal sah ich die damalige Melodeath-Band aus Schweden 2013 in Madrid, damals als Vorband von Avenged Sevenfold und Five Finger Death Punch. Es folgte eine Zeit, in der ich ihre Musik weniger intensiv hörte und ich auch das eine oder andere Konzert aufgrund von Terminkonflikten verpasste, so zum Beispiel 2015 in Wacken oder letzten März in Zürich, als sie uns am gleichen Tag wie Heaven Shall Burn besuchten… Im Zuge der aktuellen «Avatar Country»-Tour wollte ich die Band aber wiedersehen, und so stehe ich heute im Publikum.

Die Show wird von Anfang an gnadenlos durchgezogen. Am Rednerpult steht Vokalist Johannes Eckerström, daneben Gitarrist und König Jonas Jarlsby, welcher sich schon bald auf einen Thron setzen darf. Das Intro und die ersten beiden Songs stammen vom aktuellen Album, auf welchem sich alles um den König und sein Reich dreht. Danach nehmen die Schweden uns mit auf eine kurze Zeitreise zum 2012er-Album «Black Waltz», dessen Titeltrack uns aber leider verwehrt bleibt. «Paint Me Red» brilliert dafür mindestens genauso gut, und mir wird bewusst, wie krass die Leute um mich herum am ausrasten sind. Avatar sorgen für mächtig Stimmung und legen mit «King’s Harvest» gleich noch einen der neuen Songs nach.

Die Setliste führt uns weiter durch Avatars Geschichte. Johannes Eckerström spielt seine Rolle als verrückter Frontmann sehr gut und führt das Publikum mit seinen auf Deutsch gehaltenen Ansagen (Deutsch lernte Johannes wegen seiner Mutter) durch das Set. Auch mit seiner Stimme vermag er das Publikum zu packen. Noch viel mehr fesselt mich aber der Groove, den die Band wieder und wieder aufbaut. Klar, in Sachen Groove Metal kommen nur sehr wenige Bands an Grössen wie Pantera ran, aber was heute gezeigt wird, ist schon ziemlich stark. Das Zusammenspiel der Saitenschwinger und Drummer John Alfredsson, der erhöht hinter seinen Kesseln sitzt, ist bewundernswert.

Nach der Party, welche uns mit Songs wie «Get In Line», «Let It Burn» und «Smells Like A Freakshow» beschert wird, ist vorübergehend Schluss. Natürlich kommt die Band aber noch einmal zurück, und neben der Single «The King Welcomes You To Avatar Country» wird zu «Hail The Apocalypse» noch einmal bös abgegangen. Die Ansage dazu war übrigens schon eine kleine Hühnerhaut wert…

Nach dem Gig reflektiere ich für mich selber, wann mir Avatar denn besser gefallen haben. Damals oder heute? Eine Antwort auf diese Frage finde ich nicht wirklich. Die Band hat einen extremen Wandel hinter sich. Von der harten Melodeath-Band, welche den Fokus stark auf ihre Musik legte, fanden sie zu einer Show-Band, welche musikalisch trotzdem noch immer sehr stark unterwegs ist. Auf jeden Fall bin ich mit dem Auftritt absolut zufrieden und hoffe innerlich, dass die Wacken-Planer doch bitte keine bösen Überschneidungen hervorrufen und mich nicht erneut vor die Wahl zwischen Avatar und anderer meiner Bands stellen… 

Setliste Avatar

  1. (Glory To Our King)
  2. A Statue Of The King
  3. Legend Of The King
  4. Paint Me Red
  5. King’s Harvest
  6. Bloody Angel
  7. For The Swarm
  8. Get In Line
  9. Tsar Bomba
  10. Tower
  11. The Eagle Has Landed
  12. Let It Burn
  13. King After King
  14. Reload
  15. Smells Like A Freakshow
  16. Torn Apart
  17. The King Welcomes You To Avatar Country*
  18. Hail The Apocalypse*

*Zugaben

Das Fanzit

Die Gesichter der Leute, welche das Dynamo nun langsam verlassen, sprechen Bände. Nachdem Dylan Walshe und The Mahones aufgewärmt haben und vielleicht nicht ganz jeden Besucher so erreicht haben, wie sie wollten, betraten Avatar die Bühne und flashten alles weg. Auf ein Nächstes!

Fotos Avatar, The Mahones – Dynamo Zürich 2019 (Steve)


Wie fandet ihr das Konzert?

/ 20.02.2019
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