Nargaroth, Chotzä - Meh Suff! - Hall of Fame Wetzikon 2019
So, 19. Mai 2019

Nargaroth, Chotzä

Hall of Fame (Wetzikon)
23.05.2019
Nargaroth, Chotzä - Meh Suff! - Hall of Fame Wetzikon 2019

Black Metal ist Krieg! 

Selbstverständlich fand der bekannteste Song von Nargaroth auch am Sonntagabend im Hall Of Fame den Weg in die Setliste. Die Deutschen räumten während ihres Auftritts souverän ab. Für einmal war die sonst so treue Schwarzmetall-Schar zahlenmässig nicht ganz so dominant vertreten. Die Anwesenden mussten im Vorprogramm eine meinungsspaltende Darbietung der «Bärner-Giele» von Chotzä über sich ergehen lassen. Ausführliche Erläuterungen sind in den nachfolgenden Zeilen vorzufinden. 

Veranstalter Meh Suff! hat sich heute Abend wieder einmal im Wetziker Rock-Club Hall Of Fame eingenistet. Diese Kollaboration trug bereits in der Vergangenheit schon Früchte. Man denke da beispielsweise an den gelungenen Taake-Event vom vergangenen Oktober. Nun steht also abermals eine ordentliche Dosis Black Metal auf der musikalischen Speisekarte. Gehört habe ich von beiden Truppen im Vorfeld schon einige Dinge – und die meisten waren zugegebenermassen nicht gerade positiver Natur. Unter anderem wurde davon gesprochen, dass die Jungs von Chotzä allesamt arrogante Säcke seien. Naja, Arroganz ist für Musiker des schwarzmetallischen Sektors ja eigentlich ein Standard-Charakterzug, oder? Ich mache mir da jeweils lieber selbst ein Bild zu der ganzen Sache. Der Headliner Nargaroth stand ebenfalls heftig unter Beschuss. Von der Kritikerseite hagelte es regelmässig Vorwürfe bezüglich Verbindungen zur rechtsextremen Szene. Mastermind René Wagner (auch bekannt unter seinen Pseudonymen «Ash» und «Kanwulf») – das einzige fixe Mitglied der Truppe – heizte Diskussionen dieser Art speziell gegen Ende der 90er-Jahre mit gewissen Aktion an. Auf ihrer Homepage distanziert sich die Kapelle jedoch klar von irgendwelchen politischen Orientierungen und nimmt Abstand von den Schwierigkeiten des Projekts zu Karrierebeginn.

Über dieses Thema wurde übrigens auch am Metal Storm Talk vom vergangenen Dienstag in der Luzerner Schüür ausgiebig diskutiert. Die Zuhörer erhielten dort auch Einblicke in das Booking-Wesen und die Herausforderungen, mit welchen sich die Veranstalter tagtäglich auseinandersetzen müssen. Meh Suff!-Boss Füess war ebenfalls zu Gast und ich konnte mit ihm ein paar Worte über das anstehende Nargaroth-Konzert wechseln. Natürlich sind ihm die kritischen Stimmen ebenfalls zu Ohren gekommen. Allerdings sei auf seiner Seite mittlerweile genug Erfahrung vorhanden, um sehr  gut abschätzen zu können, ob eine Kapelle sich als Risiko erweist – oder eben nicht. Des Weiteren sei Meh Suff! eine Name, dem die Fans und Locations vertrauen. Reputationsschäden aufgrund von Fehlbuchungen sollen deshalb tunlichst vermieden werden.

So, jetzt haben wir aber genug über vergangene Geschichten geplaudert. Fokussieren wir uns wieder auf die Gegenwart. Die Warteschlange vor dem Hall Of Fame kurz vor Türöffnung macht schon einmal einen vielversprechenden Eindruck. Erneut muss ich den Black Metal-Anhängern ein Kompliment machen. Die würden wohl ohne zu zögern ins hinterletzte Kaff unseres Landes pilgern, um ihre Akteure bestaunen zu können. Der Einlass geht problemlos vonstatten. Im Innern kann man sich ziemlich frei durch die Gegend bewegen. Der «Sold Out»-Status wird heute Abend zwar wohl nicht erreicht werden, aber die Publikumsreihen können sich nichtsdestotrotz sehen lassen. Das Interesse an der Vorgruppe scheint doch überraschend gross zu sein. Mal schauen, was die Jungs zu bieten haben.

Chotzä

Falls der Bandname die Richtung schon nicht deutlich genug vorgibt, übernimmt dies spätestens der Kurzbeschrieb auf der Facebook-Seite der Berner: «Plump, primitiv u fadägrad id Frässä!» Jep, da wird definitiv so mancher Provokation gefrönt. Beispiel gefällig? Dazu muss man sich lediglich Fronter Szivilizs zu Gemüte führen, der mit nacktem Oberkörper auf der Bühne steht und uns seinen Bierranzen entgegenstreckt. Einen Schönheitswettbewerb wird er so ganz klar nie gewinnen. Allerdings darf ich hier nicht allzu intensiv mit fiesen Kommentaren um mich schiessen, denn mein Sixpack respektive «Beach-Body» versteckt sich ebenfalls noch hinter der einen oder anderen Fettschicht. Mein T-Shirt lasse ich dafür aber an.

Offenbar scheint Szivilizs sehr am Wachstum seiner Wampe interessiert zu sein, denn während des Auftritts vernichtet er munter eine Hopfentee-Dose nach der anderen. Härterer Alk-Stoff kommt ebenfalls zum Zug. Kein Wunder also, dass der feine Herr mit der Zeit etwas herumtorkelt. Ein normaler Mensch würde schon längst halbtot am Boden liegen. Mit der Zeit wird auch immer mehr Gerstensaft verschüttet. Das sieht Stagemaster Mac N’ Roll gar nicht gerne. Da dürfte nach dem Gig wahrscheinlich eine Standpauke fällig sein. Doch es kommt noch besser. Oder sollte ich eher schlimmer sagen? Aber dazu später mehr.

Soundtechnisch beginnen die Jungs zwar stark, aber danach flacht die Leistung leider konstant ab. Die Mischung von Black Metal und Black ‘N’ Roll lässt mich kaum aus den Latschen kippen. Als dann ausserdem noch mit Leopold (der übrigens – aus welchen Gründen auch immer – wie Drummer Cpt. Cunt eine Sonnenbrille trägt) ein Tastenklimperer zum Einsatz kommt, nimmt das Ganze beinahe schon komödiantische Züge an. Mehrwert? Fehlanzeige! Bei den Lyrics setzen Chotzä übrigens voll auf das Berndeutsch. Zweifelsohne innovativ, aber dieser allseits beliebte und sympathische Dialekt will irgendwie einfach nicht zum bösen Black Metal-Genre passen. Die Ernsthaftigkeit geht regelrecht flöten. Beim Track «D’Eva midem Chuchimässer» gibt’s sogar Gelächter im Publikum. Was kommt als nächstes? Eine Black Metal-Truppe mit Songs auf «Wallissertitsch»?

Die zweifelsohne dümmste Aktion leistet sich Fronter Szivilizs nach dem letzten Lied. Plötzlich kickt er nämlich eine Glasflasche in unsere Richtung. Glücklicherweise kann ich knapp mit meinem Schädel ausweichen. Mein Kollege wird ebenfalls «bloss» am Arm gestreift. Hinter uns steht allerdings bereits eine Wand. Gar nicht auszudenken wie es ausgesehen hätte, wenn die Flasche dort zersplittert wäre… Mein Kollege und ich hätten dann wohl ungewollt früh Feierabend gehabt. Hall Of Fame-Chef Pasquale und Stagemaster Mac reagieren umgehend und nehmen sich den Sänger zur Brust. Dieser entschuldigt sich dann anschliessend auch bei uns. Nichtsdestotrotz würde ich einmal behaupten, dass Chotzä heute Abend zum ersten und letzten Mal in diesen Gemäuern aufgetreten sind.

Nargaroth

Um 21.05 Uhr ertönt das Intro des Headliners auf den Boxen. Da kommt tatsächlich eine gewisse Weltkriegsstimmung auf. Klingt wie marschierende Soldaten und herumfahrende Panzer. Nach und nach betreten die Musiker die Bühne. Ash hat sich heute Abend mit offenbar mit drei Live-Mitstreitern umgeben. Über deren Identitäten hat meine Recherche leider keine genaueren Angaben geliefert. Das komplette Quartett ist mit den Genre-typischen Outfits (Nieten en masse) und Corpsepaint bemalten Gesichtern am Start.

Überraschenderweise müssen Nargaroth mit weniger Publikum auskommen. Bei Chotzä war der Raum definitiv voller. Dafür erhalten die Berner jetzt direkt Anschauungsunterricht. Exakt so hat eine astreine, schwarzmetallische Performance auszusehen. Einzig die Soundqualität dürfte noch eine Spur besser sein. Nargaroth haben sich dem Black Metal der alten Schule verschrieben. Vergleiche mit Burzum und Co. sind nicht von der Hand zu weisen. Ashs keifender Gesang kommt äusserst aggressiv um die Ecke. Der Gehörnte wäre vom hier Gezeigten sicherlich angetan.

Die Deutschen nutzen die Ihnen zur Verfügung stehenden 70 Minuten für eine kleine Reise durch ihre Diskographie. Selbstverständlich wird uns die Hymne «Black Metal ist Krieg» ebenfalls nicht vorenthalten. Bei diesem Stück ist der Eskalationslevel bei der Zuhörerschaft besonders hoch. Mit «The Horny And The Horned» hat es zudem ein Cover von der finnischen Band Impaled Nazarene in die Setliste geschafft. Danach haben Ash und seine Mannen ihr Pulver offenbar komplett verschossen. Doch einer geht noch! Der Frontmann sei gemäss eigener Aussage zwar bereits auf dem Weg in die Dusche gewesen, aber er habe sich dann aufgrund der zahlreichen Jubelrufen trotzdem nochmals umstimmen lassen. Es folgt «Black Metal ist Krieg» zum Zweiten – gegen diesen Abschuss hat niemand etwas einzuwenden. Im Anschluss geht Ash sogar auf «Kuschelkurs» mit der ersten Reihe.

Das Fanzit

Chotzä mögen in diesem Bericht zwar aus gewissen Gründen mehr Zeilen in Anspruch genommen haben, aber die Gewinner waren am Ende eindeutig Nargaroth. Der Headliner hat eine bärenstarke Performance abgeliefert. Für Black Metal-Verhältnisse war die Veranstaltung eher mittelmässig besucht. Und die wichtigste Feststellung zum Schluss: An diesem Abend konnten überhaut keine Anzeichen von Rechtsextremismus beobachtet werden.

Ach Mist, jetzt ist mir doch nochmals etwas in den Sinn gekommen. Freunde der schwarzmetallischen Klänge sollten sich den 20. November schon einmal fett und rot in ihren Kalendern markieren. Dann werden nämlich die legendären Mayhem das Zürcher Oberland heimsuchen. Bei dieser Veranstaltung wird es sich erneut um ein Resultat der Zusammenarbeit zwischen Hall Of Fame und Meh Suff! handeln. HoF-Sympathisanten brauche sich allerdings nicht zu fürchten. Der Rock-Club mutiert deswegen nicht gleich zu einem reinen Black Metal-Schuppen. Chef Pasquale möchte nach wie vor auf ein abwechslungsreiches Musik-Programm setzen. Wir dürfen gespannt sein, mit welchen Events er uns in der zweiten Jahreshälfte sonst noch so überraschen wird.

Setliste – Nargaroth

  1. Intro
  2. The Agony Of A Dying Phoenix
  3. Whither Goest Thou
  4. Conjunction Underneath The Alpha Wheel
  5. Black Metal ist Krieg
  6. Hunting Season
  7. Possessed By Black Fucking Metal
  8. Seven Tears Are Flowing To The River
  9. Abschiedsbrief des Prometheus*
  10. The Horny And The Horned (Impaled Nazarene-Cover)*
  11. Black Metal ist Krieg*

*Zugabe


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