Ankor - Hall of Fame Wetzikon 2019
Di, 7. Mai 2019

Null Positiv, Ankor, Wicked Asylum

Hall of Fame (Wetzikon)
17.05.2019
Ankor - Hall of Fame Wetzikon 2019

Female Fronted-Abend in Wetzikon 

Veranstalter Crown Metal lud am Dienstagabend abermals drei interessante Truppen ins Hall Of Fame ein. Am Mikrofon gaben ausschliesslich die Mädels den Ton an. Wicked Asylum mussten leider lange Zeit gegen technische Probleme ankämpfen. Dafür zeigten sowohl Ankor als auch Null Positiv im Anschluss überzeugende Darbietungen. Sämtliche Details könnt ihr im nun folgenden Bericht nachlesen. 

Am heutigen Event bin ich indirekt mitschuldig. Als die deutsche Truppe Null Positiv für eine Tour auf der Suche nach geeigneten Locations war, wurde ihnen durch meine Wenigkeit das Hall Of Fame intensiv empfohlen. Und siehe da, ein paar Monate später folgt die Verkündung der frohen Botschaft: Die Alternative Metaller unternehmen gemeinsam mit Ankor und Wicked Asylum eine kleine Europa-Rundreise – inklusive Zwischenhalt auf helvetischem Grund. Das darf ich mir selbstverständlich keinesfalls entgehen lassen.

Vor Ort angekommen wird rasch klar, dass die kleine Club Stage zum Handkuss kommen wird. Halb so wild, denn bei einem gut gefüllten Fumoir kann sich die Stimmung allemal sehen lassen. Wobei «Fumoir» heute strenggenommen dieses Mal nicht die korrekte Bezeichnung ist. Wie ein Schild an der Bar verrät, herrscht heute nämlich Rauchverbot. Damit kann ich bestens leben. Zudem kann die «Glimmstängeli»-Fraktion aufgrund des angenehmen Wetters ja problemlos vor der Lokalität qualmen. Mit Hopfentrunk ausgestattet warten meine Kollegen und ich gespannt auf die erste Performance des Abends.

Wicked Asylum

Wicked Asylum – das bedeutet eine ordentliche Dosis Frauen-Power. Die Mädels aus Como haben sich einem Mix aus Hard Rock und Heavy Metal verschrieben. Normalerweise sind sie zu fünft unterwegs, aber Rhythmus-Gitarristin Luna musste offenbar aus familiären Gründen für diese Tour passen. Hoher Druck somit bei der anderen Klampferin Fade. Sie darf ihre Saiten gleich mit doppelt so viel Elan kreischen lassen. Gemeinsam mit Trommlerin Cioppa zählt sie für mich zu den wichtigsten Aktivposten der Truppe. Basserin Chiara wirkt dagegen äussert gelangweilt und desinteressiert. Könnte unter anderem daran liegen, dass sie mit ihrem Spielgerät massive Schwierigkeiten hat. Der Soundcheck hat nämlich ebenfalls schon verdächtig lange gedauert. Fronterin Banshee versucht die Unterbruchphase mit jeder Menge Gequassel zu überbrücken – was ehrlich gesagt bloss mässig gelingt. Irgendwann kann die Show trotzdem fortgeführt werden. Jetzt hört man auch die Bass-Töne sauber. Insgesamt können die Italienerinnen das Publikum während der ihnen zur Verfügung gestellten 40 Minuten nicht mitreissen.

Ankor

Beim nächsten Akteur ist der weibliche Anteil nicht mehr ganz so dominant. Der Bass und die beiden Gitarren befinden sich vollends in den Händen der Testosteron-Abteilung. Die Herrschaften bilden den spanischen – oder noch korrekter gesagt, den katalanischen – Anteil der Band. Sängerin Jessie Williams (England) und Schlagzeugerin Ra Tache (Brasilien) verleihen dem Ganzen noch ein bisschen internationale Würze.

Beim Reinhören vor der Show war ich noch skeptisch, aber allfällige Zweifel werden vom Quintett ziemlich rasch zerschlagen. Mit ihrem Alternative Metal sorgen Ankor für ordentlich Furore und rufen schon bald die Headbanger auf den Plan. Jessie wechselt regelmässig zwischen zartem und grobem Gesang hin und her. Ihr mit Verband umwickelter Mittelfinger scheint sie kaum zu behindern. Offenbar ist es heute Nachmittag zu einem kleinen Unfall gekommen. Um so schöner zu sehen, dass der Auftritt trotzdem souverän durchgezogen wird. Der Fünfer reizt das Genre ziemlich aus und haut uns auch ein paar Songs mit Sprechgesang-Abschnitten um die Lauscher. Dies geschieht jedoch auf beeindruckende Art und Weise.

Kurz nach Ende der Show herrscht Hochbetrieb beim Merchandise-Stand der Spanier. Produkte wollen erstanden werden und natürlich werden ebenfalls Erinnerungsfotos zum Thema. Ankor haben definitiv überzeugt. Wiedersehen definitiv nicht ausgeschlossen.

Null Positiv

Die Publikumsreihen haben sich zwar ein bisschen gelichtet, aber nach Hause gehen sollte man jetzt eigentlich noch nicht. Schliesslich steht der Höhepunkt des Abends bereits in den Startlöchern: Null Positiv. Die Deutschen treiben erst seit vier Jahren ihr Unwesen in der Szene. Kennengelernt habe ich sie Anfang 2018 als einer der Support-Acts von Therion im Z7. Seit damals gehöre ich zu den Anhängern der Alternative Metaller. Leider musste der Vierer jäh auf die Euphoriebremse treten, als sich ihr Frontmädel eine schwere Rückenverletzung zuzog. Davon hat sich Elli Berlin glücklicherweise wieder erholt. Aufgrund dessen kann der heutige Auftritt sorgenfrei in Angriff genommen werden.

Die Setliste setzt sich aus Songs der beiden Alben «Koma» (2017) und «Amok» (2018) zusammen. Gesungen wird mit Ausnahme von «Scars» ausschliesslich in deutscher Sprache. Einflusstechnisch können sowohl Elemente von In This Moment als auch Rammstein herausgehört werden. Genau wie zuvor Jessie bei Ankor kann nun auch Elli mit facettenreichem Gesang punkten. Die Frontröhre ist sowieso eine imposante Erscheinung und zieht sämtliche Anwesenden mit ihren Blicken direkt in ihren Bann. Ihre männlichen Kollegen geben ebenfalls Gas. Bassist Tom ist ein Strahlemann und geniesst den Gig sichtlich.

Nach rund einer Stunde ist Schicht im Schacht. Elli richtet die obligaten Schlussworte an die Zuhörerschaft: «Wir sind Null Positiv!». Hoffentlich beehren sie uns demnächst wieder einmal.

Das Fanzit

Ein cooler Abend im Hall Of Fame. Ankor und Null Positiv haben abgeräumt. Der grosse Publikumsansturm hielt sich zwar wieder einmal in Grenzen, aber für die Club-Stage war das am Ende trotzdem ganz akzeptabel.

Setliste – Wicked Asylum

  1. Sold(ier)
  2. Choke And Die
  3. Silent Watchers
  4. In My Soul
  5. Threnody
  6. Out Of The Mist
  7. Sun Will Rise

Setliste – Null Positiv

  1. Als ob wir Götter wären
  2. Koma
  3. Labyrinth
  4. Amok
  5. Unschlagbar
  6. Friss dich auf
  7. Turm der Angst
  8. Neue Matrix
  9. Psychopath
  10. Das Virus in dir
  11. Kollaps
  12. Scars

Wie fandet ihr das Konzert?

17.05.2019
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