Metalinside.ch - Alter Bridge - Halle 622 Zürich 2019 - Foto Steve
So, 1. Dezember 2019

Alter Bridge, The Raven Age, Shinedown

Halle 622 (Zürich-Oerlikon, CH)
/ 19.02.2020

Pilgerwanderung nach Zürich

Für mich immer wieder erstaunlich, was für Massen eine Show von Alter Bridge in der Schweiz mobilisiert. Auch an diesem ersten Dezemberabend pilgern die Fans wieder in Schaaren nach Zürich, genauer in die Halle 622 in Oerlikon.

Trotz Ansturm auf den Eingang, verläuft der Einlass problemlos und zügig (ist ja auch nicht immer der Fall, je nach Ort und Location). Ich bin relativ früh vor Ort und stelle fest, dass die Halle bereits zur Supportband “The Raven Age” enorm gut gefüllt ist. Noch schnell beim Merchandise-Stand vorbeigeflitzt und dann stürz ich mich auch bereits schon mal in die die Meute.

The Raven Age

Den Beginn macht wie schon in der Einleitung zum Bericht erwähnt die Band «The Raven Age». Kein Begriff? Ich würde die Band zugegeben auch nicht kennen, wenn ich nicht wüsste das der Sohn von Iron Maidens Steve Harris Teil dieses Syndikats ist. Nachdem die Band bereits im Vorjahr mit Mark Tremontis Soloprojekt «Tremonti» unterwegs war, ist es nachvollziehbar, dass Alter Bridge die Combo gleich nochmal auf Tour mitnimmt. Dieses Mal einfach mit einem viel grösseren Multiplikator.

Die englische Band wird dem Melodic Metalcore zugeordnet und hat bereits zwei Alben veröffentlicht. Auf dieser Tour wird das aktuelle Album «Conspiracy» promoted und die Jungs spielen frei von der Leber weg auf der riesigen Bühne auf. Melodic Metalcore als Support für Alter Bridge, welche sich eher im Rocksegment bewegen? Geht das? Ja und ob das geht…die Zuschauer scheinen offen für die etwas Härtere aber doch sehr melodiöse Spielweise der Briten zu sein. Dies ist am ordentlichen Applaus nach den Songs und am allgemeinen Bewegungs- und Lautstärkepegel während des Gigs zu entnehmen.

Matt James (Sänger und Shouter der Band) wirkt sympathisch und weiss wie er mit dem Publikum umzugehen hat. Dies erzeugt eine grossartige Atmosphäre, welche sich sowohl auf die Musiker als auch auf die Zuhörer positiv auswirkt. Obwohl die Band noch einen sehr jungen Eindruck macht, spielt sie routiniert und bodenständig. Für mich sind die Songs jedoch zu vergleichbar und zu wenig markant, um bei mir einen nachhaltigen und bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Auch die Live-Perfomance erscheint auf mich eher statisch und zu gleichmässig. Trotzdem; Als Anheizer erfüllen die Herren ihren Job perfekt und erzeugen schon mal ordentlich Stimmung in der Halle.

Shinedown

Schande über mich…Die nächste Band auf dem Menüplan des heutigen Abends war mir ganz ehrlich gesagt bis ein paar Tage vor dem Event nicht wirklich ein Begriff. Zum Glück gibt’s Wikipedia, wo mir offenbart wurde das die Band weltweit schon über 30 Mio. Tonträger verkauft hat. Gespannt habe ich mich auf den Auftritt am heutigen Abend gefreut. Nachdem die Lichter erlöschen und die Band in den ersten Song einsteigt, scheint es mir, als wäre ich wohl der einzige hier im Publikum, welcher die Band im Vorfeld nicht kannte. Ein grosser Teil des Publikums geht von Anfang an Steil. Die Texte sind bekannt und es wird kräftig mitgesungen.

Musikalisch sind die Amis für mich schwierig einzuordnen. Es sind doch einige Einflüsse auszumachen, die zusammengesetzt einen interessanten und hörenswerten Mix erzeugen. Mich persönlich zieht die Perfomance jedoch nicht ganz so mit. Mir scheinen die Songs auch hier zu einfach gestrickt. Aber viele andere in der Halle würden hier wohl das Gegenteil behaupten. Die Band wird regelrecht abgefeiert und die Stimmung (wohlverstanden immer noch vor dem eigentlichen Hauptact) erreicht ein erstes Mal einen Siedepunkt.

Positiv festzuhalten bleibt, dass die Band einen ureigenen Sound besitzt, der den Ruhm wohl ausmacht. Selbstbewusst wird Song um Song zum Erfolg und auch musikalisch scheint die Band auf einem sehr hohen Niveau zu interagieren. Dazu kommen auch bewegende Momente, wie vor dem Song «Get up», vor welchem die Band die Halle aufforderte die Handylichter zu starten. Ein visuell ergreifender und imposanter Moment.

Zum Schluss gibt’s dann mit der T-Shirt Kanone noch einige Goodies in die Halle geschossen.

Nach 60 Minuten Spielzeit ist die Meute in der Halle 622 nun ansprechend aufgeheizt für den Headliner. Nach meiner Wahrnehmung hätte man bereits bei Shinedown meinen können, es spiele der Headliner. Dies zeigt sich auch beim Abschiedsapplaus. Chapeau, gut gemacht, auch wenn es mich wohl am wenigsten mitgerissen hat.

Alter Bridge

Nach der Umbaupause geht’s mit einem sphärischen und typischen Intro ins Set der Hauptband. Gestartet wird mit einem der neuen Songs: «Wouldn`t You Rather» zündet ein furioses Feuerwerk an älteren und neuen Songs. Dem Publikum wird also die Vollbedienung serviert. Klassiker wie «Blackbird» oder «Isolation» werden ebenso zum Besten gegeben wie Songs vom aktuellen Album «Walk the Sky».

Was mir zum Start auffällt: Die Band hampelt nicht wie früher noch grossartig auf der Bühne herum. Die Herren machen auf mich einen gestandenen und sehr selbstbewussten Eindruck. Dies meine ich ganz ohne Wertung. Ich meine damit, dass man bemerkt, dass hier gestandene und entwickelte Musiker auf der Bühne stehen.  Den musikalisch wird hier erste Sahne geboten, und zwar von A-Z. Wenn Myles Kennedy und Mark Tremonti ihre Gitarren bearbeiten gibt’s was auf die Ohren. Auch gesanglich scheint Myles (eigentlich wie immer) auf der absoluten Höhe zu sein. Auch Mark Tremonti darf singen (Waters Rising). Tremontis Stimme scheint mir durch das Training mit seinem Einzelprojekt «Tremonti» gefestigter zu sein als noch vor ein paar Jahren. Ich bin gespannt ob dies vermehrt auch Einwirkung auf das musikalische Wirken der Band hat.

Das Publikum singt eigentlich vom ersten bis zum letzten Song mit. Somit ist die Halle die 3. Stimme im Bunde. Auch zwischen den Songs erlebt die Band, was es heisst so richtig abgefeiert zu werden. Die «Alter Bridge» – Rufe verleiten die Musiker sogar dazu, die Schwingungen aufzunehmen und Abseits des eigentlichen Sets mit dem Publikum in Symbiose zu treten.

So gibt es mehrere Situationen, bei welchen das Publikum – obwohl der Song schon zu Ende ist – einfach weitersingt und die Musiker auf der Bühne dann einfach auch wieder einstimmen. Grossartig! Ich glaube ich übertreibe nicht, wenn ich feststelle, dass Alter Bridge wirklich zur Speerspitze in ihrem musikalischen Umfeld gehören. Dies zeigen die volle Halle und das musikalische Niveau der Mannen.

Die Spielzeit läuft viel schneller als es einem lieb ist und so verbeugen sich die Musiker zum Schluss geschlossen Richtung Publikum. Nach obligatem Foto fürs Erinnerungsalbum werden noch die üblichen Utensilien in die ersten Reihen verteilt. Aus meiner Sicht ein weiterer denkwürdiger Auftritt, auf einem höheren und ruhigeren Niveau als sonst. Früher erlebte ich die Band noch viel unsteter.

Das Fanzit – Alter Bridge, The Raven Age, Shinedown

Dieser Abend war aus meiner Sicht sein Geld absolut wert. Bunte Mischung an Bands, Musik auf hohem und höchstem Niveau. Ein Publikum, dass aus sich herauskommt und die Stimmung hochhält (was aus meiner Sicht in der Schweiz nicht immer Fall ist). Alter Bridge, welche im Olymp der Musikgötter angekommen sind. Gesang und Musik, welche zu Begeistern weiss. Und last but not least: Eindrückliche Darbietung von sehr engagierten Bands. So muss es sein.

Setliste Shinedown

  1. Devil
  2. Diamond Eyes (Boom-Lay, Boom-Lay, Boom)
  3. Enemies
  4. Monsters
  5. Get-Up
  6. Cut The Cord
  7. Second Chance
  8. Simple Man (Lynyrd Skynyrd Cover)
  9. Sound Of Madness
  10. Brilliant

Setliste Alter Bridge

  1. Wouldn’t You Rather
  2. IsolationCome To Life
  3. Pay No Mind
  4. Ghost Of Days Gone By
  5. Forever Falling
  6. Native Son
  7. Rise Today
  8. Cry Of Achilles
  9. Waters Rising
  10. In Loving Memory
  11. Blackbird
  12. Open Your Eyes
  13. Metalingus
  14. Godspeed*
  15. Addicted To Pain*

Fotos Alter Bridge, Shinedown – Halle 622 Zürich 2019 (Steve)


Wie fandet ihr das Konzert?

/ 19.02.2020
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