Alestorm – Curse Of The Crystal Coconut (CD Cover Artwork)
Fr, 29. Mai 2020

Alestorm – Curse Of The Crystal Coconut

Folk Metal, Piraten Metal, Power Metal
Gastbeitrag 11.09.2020
Alestorm – Curse Of The Crystal Coconut (CD Cover Artwork)

Coco Crazy

Ein neues Album aus dem Hause Alestorm! «Curse Of The Crystal Coconut» vereint gekonnt alle «Tugenden» der Band und dürfte somit einmal mehr die Fans glücklich und die Neider wütend machen.

Alestorm, so nennt sich die schottische Pirate Metal Band rund um Sänger und Teilzeitkeytarrist Christopher Bowes. Bekannt wurden sie mit gefälligem Power Metal im Piratengenre, welches dank der Disney-Blockbusterreihe «Pirates of the Carribbean» in den 2000ern ein neues Hoch genoss. Die Band ritt auf der Welle ihrer ersten Schunkel-Erfolge und entwickelte sich hin zur ausgereiften Partyband. Dabei liess sie das musikalische Niveau mit jeder Veröffentlichung unbekümmert in neue Untiefen sinken. «Curse Of The Crystal Coconut» ist das nunmehr sechste Studioalbum. Wo auf dem Spektrum wird es wohl landen? Hören wir doch einfach rein!

Der Opener kommt direkt zur Sache: «Treasure Chest Party Quest» rock, groovt, und macht richtig Laune. Alestorm klingen hier frisch und voller Energie. «Fannybaws» kann direkt anknüpfen und ist lüpfig, anstössig und piratig: typisch Alestorm eben. Eine kurze Suche im Urban Dictionary verrät übrigens, dass es sich beim Titel keineswegs um einen alten schottischen Namen handelt, wie uns die Beschreibung des YouTube-Videos glauben machen will.

Etwas rauer und schneller präsentiert sich «Chomp Chomp». Trotz der härteren Riffs handelt es sich hier aber nicht um einen Füller à la «Wooden Leg». Das Lied ist sehr eingängig und bietet die besten Reime auf der Scheibe. Wo anderen Bands neben Fire – Desire kaum etwas einfällt, darf man sich hier über Alligator – Refrigerator freuen. Aufmerksame Zuhörer können beim Gutturalgesang ausserdem die Stimme von Mathias Lillmåns von Finntroll erkennen.

Bei Song Nummer vier wird sich die Hörerschaft spalten. «Tortuga» bietet nicht mehr viel Metal, dafür aber Club-Atmosphäre und einen Gastauftritt von Captain Yarrface von Rumahoy, der sich erstaunlich passend (das Wort harmonisch möchte ich hier nicht verwenden) durch die Strophen rappt. Viele werden dieses Lied aus Prinzip hassen, aber was es macht, macht es richtig gut. Ich würde es schon allein wegen seiner Einzigartigkeit nicht auf dem Album missen wollen.

«Zombies Ate My Pirate Ship» kommt eher gemächlich und inhaltlich sehr absurd daher, zeigt aber erneut, wie abwechslungsreich Alestorm tatsächlich sein können. Die Melodie klingt nach einer epischeren Variante von «Safe And Sound» von Capital City und mit Patty Gurdi ist beim nächsten Gastauftritt eine Frauenstimme am Start.

Mit «Call Of The Waves» folgt bereits die nächste Überraschung. Es handelt sich dabei um geradlinigen, geradezu klassischen Power Metal. Während die Komposition zu überzeugen weiss, schwächelt allerdings die Stimme von Chris. Diese ist weniger rau als gewohnt, erreicht aber auch nicht die eleganten Höhen regulärer Power Metal-Vokalisten. Mit dem sechsten Lied hat das Album bereits die Halbzeitmarke überschritten und es war noch keine Enttäuschung dabei. Haben wir hier das beste Alestorm-Album seit Langem vor uns?

In «Pirate’s Scorn» erfahren wir endlich, was es mit dem Albumtitel auf sich hat. Die Originalversion dieses Liedes stammt nämlich aus der animierten Serie «Donkey Kong Country», in welcher nach der namensgebenden kristallenen Kokosnuss gesucht wird. Kein Geniestreich, aber unterhaltsam (also das Lied, die Serie kenne ich nicht).

Nun sind wir doch noch am Boden des Rumfasses angekommen. «Shit Boat (No Fans)» ist simpel, bescheuert und vulgär. Immerhin ist das Lied kurz und vermag es so doch, mir ein Schmunzeln zu entlocken. Danach wird dem Hörer mit «Pirate Metal Drinking Crew» wieder gewohnte Alestorm-Kost vorgesetzt. Das ist nicht schlecht, bringt aber auch keine neuen Ideen auf den Tisch.

Ob das nächste Lied wohl besser wird? Ein Blick auf die Tracklist lässt alle Hoffnung schwinden: «Wooden Leg Part 2 (The Woodening)». Wieso einer der banalsten und musikalisch primitivsten Songs von Alestorm eine Fortsetzung verdient, ist mir wahrlich schleierhaft. Doch was ist das? Ein ausgedehntes, atmosphärisches Intro, ein majestätischer Beginn und dann… ein Schlagzeuggewitter! Da werden Erinnerungen an «Death Throes Of The Terrorsquid» wach, dem bisher besten Lied der Truppe. Kann es etwa sein, dass man hier an vergangene Glanztaten anknüpfen will? Die 8 Minuten Laufzeit scheinen den Verdacht zu bestätigen. Ich werde ganz aufgeregt und bin voller Vorfreude!

Die folgenden Minuten entschädigen für so einiges. «The Woodening» ist düster und episch, harte und ruhige Abschnitte wechseln sich ab. Die Musik schwillt zum Refrain hin an, welcher sich trotz minimalistisch bescheuertem Text als pompöse Mitsinghymne behauptet. Das kreative Pulver ist dabei noch lange nicht verschossen: nach einem 16-bit-Intermezzo beginnt die zweite Strophe, welche neben einem Stimmungswechsel auch mit japanischen Textpassagen aufwarten kann. Daraufhin kommt einem das Gesagte sogar spanisch vor. Das klingt seltsam, ist aber aufregend und beschert den Zuhörern weitere Gastvokalisten. Nach der Wiederholung des Refrains und einem Gitarrensolo gibt Chris mit einem gesprochenen Part den Auftakt zum grossen Finale … dem alten, stupiden Knüppelrefrain aus dem originalen «Wooden Leg», nur mit neuem Text.

Liebe Piraten von Alestorm: Da verteidige ich «Tortuga» für euch, ich toleriere euren infantilen Fäkalhumor und dann tut ihr mir das an. Ihr lasst mich glauben, dass es auch für die ernsthaften Alestorm-Fans noch Hoffnung gibt. Ihr macht euch die Mühe, einen wirklich aufwändigen und anspruchsvollen Song zu schreiben – einzig und allein, um am Ende eine beschissene «Wooden Head» Pointe machen zu können?!

Zum Abschluss gibt es mit «Henry Martin» eine nette Neuinterpretation eines traditionalen Liedes, welche mein Gemüt ein wenig besänftigt.

Das Fanzit Alestorm – Curse Of The Crystal Coconut

«Curse Of The Crystal Coconut» ist ein gutes Album, das mit neuen Ideen, viel Abwechslung und dem ein oder anderen Tupfer von musikalischem Anspruch trumpfen kann. Eine Auszeichnung werden Alestorm dafür nicht erhalten, aber für gute Unterhaltung ist allemal gesorgt.

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Gastbeitrag von Cedi

 

Video Alestorm – Drinking Crew


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 7.5/10



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Gastbeitrag 11.09.2020
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