Vindland - Hanter Savet (CD Cover Artwork)
So, 20. März 2016

Vindland – Hanter Savet

Melodic Black Metal
06.10.2020
Vindland - Hanter Savet (CD Cover Artwork)

Vive la France: Eine dunkle Perle aus der Versenkung

Ihr erinnert euch vielleicht, dass Ober-Metalinsider pam anfangs Jahr anmerkte, dass unser westliches Nachbarland Frankreich nicht viele bekannte (Metal-)Bands liefern kann (falls ihr euch nicht erinnert, könnt ihr es hier nachlesen). Um Abhilfe zu schaffen habe ich meine CD-Sammlung nach französischen Alben durchwühlt und empfehle euch heute das im März 2016 erschienene Hanter Savet von Vindland.

Wieso schreibe ich einen Bericht zu einem über vierjährigen Album, fragt ihr euch vielleicht. Weil es dieses Album schlicht und einfach verdient hat! Hanter Savet ist das Debutalbum von Vindland, einer Band die ihren Ursprung an der bretonischen Atlantikküste hat. Der atlantische Ozean trifft dort mit voller Wucht auf das französische Festland und es ist dieses Zusammenspiel zwischen Meer und Land in dessen Schnittmenge sich die Menschen in der Vergangenheit zurechtfinden mussten, das Vindland zu ihren Texten inspiriert. Diese sind tatsächlich komplett in bretonisch gehalten, so dass einzig Interviewauskünfte von Komponist Camille Lepallec sowie dürftige Internetübersetzungen der Songtitel nähere Auskunft über das lyrische Konzept hinter dem Album geben können. Das Sprachverständnis ist allerdings beileibe keine Voraussetzung um Hanter Savet geniessen zu können spricht doch die Musik für sich.

Vindland spielen Black Metal in einer sehr melodischen Ausprägung und genau diese Melodien sind die grosse Stärke der Band. Das wird bereits innerhalb der ersten Sekunden des ersten Tracks, „Orin Kozh“ mehr als deutlich und Stücke wie „Morlusenn“ oder insbesondere „Treuzwelus“ legen da noch eine Schippe drauf. Immer ist die Gitarre zur Stelle, mal als flirrender Klangteppich mit eingewobenen Melodiemustern, mal als kristallklares Führungsinstrument, dessen Tonabfolgen die Songs teilweise ganz alleine tragen.

Hinzu kommen die berührenden Harmoniefolgen, welche eine Atmosphäre der Geborgenheit erzeugen, die den Hörer einspinnt und ihn sanft mitgleiten lässt. In „Skleur Dallus“ beispielsweise fliesst einfach alles so organisch ineinander, dass es eine wahre Freude ist. Dabei hat jeder Song seinen ganz eigenen Charakter und ein klar wiedererkennbares musikalisches Motiv. Der Gesang von Sänger Romuald bietet als Kontrast eine schlichte Wildheit. Seine Stimme ist im Mix eher im Hintergrund platziert. Dadurch entsteht aber vielmehr ein runder Gesamtklang, als dass sich dies negativ auswirken würde. Überhaupt gibt es an der Abmischung rein gar nichts auszusetzen, sie ist im Gegenteil hervorragend gelungen.

Für viel Abwechslung sorgt zudem das Schlagzeug, das von Schlagzeuger Marc Le Gall mit viel Druck gespielt wird und interessante Fills am Laufband bereithält. In Kombination mit der unglaublich warmen Produktion treffen Vindlands Songs auf diese Weise direkt ins Herz und lassen einen gleichzeitig ebenso tiefe melancholische Trauer wie triumphale Erhabenheit fühlen. Die Kompositionen auf Hanter Savet sind dabei von so schroffer Schönheit wie die eingangs erwähnte Atlantikküste. Einzig das Intro des abschliessenden „Skeud Ar Gwez“ ist ein Ticken zu lang geraten, aber das trübt das Hörvergnügen nicht nachhaltig.

Das Fanzit zu Vindland – Hanter Savet

Das Debutalbum von Vindland hätte auch zehn Jahre nach seinem Erscheinen noch einen Bericht gerechtfertigt. Die Qualität auf Hanter Savet bewegt sich konstant auf Spitzenniveau und die Band schafft es, eine grosse Bandbreite an Stimmungen zu verweben. 9.5 Punkte gibt’s dafür – was denn sonst?

Reinhören und portofrei bestellen

 

Promovideo Vindland – Treuzwelus


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 9.5/10



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06.10.2020