Metalinside.ch - 70'000 Tons of Metal 2020 - Pre-Cruise - Warm-up Beach Party - Foto pam
Di–Sa, 7.–11. Januar 2020

70’000 Tons of Metal 2020 – Exodus, Epica, Haggard u.v.m.

Independence of the Seas (Fort Lauderdale, USA/Karibik)
/ / 07.02.2020

Und jährlich grüsst das Murmeltier

Kaufi: Und doch ist 2020 anders: So früh wie noch nie beginnt in diesem Jahr die grösste Metal Party auf hoher See – 70’000 Tons of Metal!

pam: Und so spät wie nie erfolgen die Bekanntgabe des Line-Ups und der Vorverkaufsstart.

Kaufi: Es ist etwas ungewohnt, keine Frage. Mehrere Jahre war der Termin mit dem ersten Weekend im Februar gesetzt für die geilste Kreuzfahrt der Welt. Für mich als grosser NFL-Fan hiess das auch immer: SuperBowl auf dem Schiff. Doch dieses Jahr ist einiges anders. Einerseits schiffen wir nun von Dienstag bis Samstag durch die Karibik, kein Wochenende mehr an Bord (pam: Wie zu guten Majesty-Zeiten … so kann man gemütlich am Wochenende an- und abreisen). Andererseits sticht die «Independence Of The Seas» mit uns so früh in See wie noch nie zuvor. Das neue Jahr beginnt heftig! Während diverse Kollegen den Jahreswechsel grad in Übersee verbringen (Bahamas, Panama…), düse ich mit meinem Zimmer-Kumpan Säm am 4. Januar nach Miami, auch unser Gastschreiberling Sandro kommt gleichentags an, während Ober-Metalinsider pam bereits seit Freitag, 3. Januar 2020 in den USA weilt.

pam: Wie vor zwei Jahren mache ich vor meiner siebten 70’000 Tons of Metal mit meinen Kumpels Shy-d und Hagi sowie mit meiner Rockerbraut Nicole eine Pre-Cruise-Cruise. In diesem Jahr jedoch nur ein verlängertes Wochenende. Nach einem sehr gesitteten Anflug mit der Triple-Seven der Swiss – es gibt trotz einiger Mit-Cruiser und Metal-Heads an Bord bis kurz vor der Landung Bier (das war auch schon anders …. da hat die Swiss vorgesorgt und unser persönlicher Konsum ging in erster Linie zu Lasten des fliegenden Weinkellers) – quartieren wir uns direkt am Ocean Drive auf South Beach für die erste Nacht ein. Nach ein paar Bierchen treffen wir auf dem Weg zum Futtertrog spontan Metalinside-Kollege Luke und seine Verlobte Yvonne und bleiben prompt hängen. Einstimmen tue ich mich dann noch mit einer Romeo y Julieta. Wenn schon Florida, dann gerne karibischer Lifestyle.

Am Samstagmorgen geht’s dann gleich los, Harleys übernehmen (auch wenn das Herz für Indian schlägt, meine Geronimo zu Hause soll mein Fremdreiten bitte nicht erfahren) und dann einfach mal ein paar Stunden geradeaus und die gefühlt zwei Kurven bis nach Key West auskosten. Ja, das Ganze ist eine Alibi-Geschichte, um den Aufenthalt in Florida zu verlängern. Bekanntlich bin ich ja nicht soooo angetan vom Altersheim der Amis. Aber mit Freunden und so als Gang macht das schon auch Spass. Ich hab wie immer beim Reiten von Stahlrössern ein Dauersmile. Pünktlich zur Beach-Sause am Montagnachmittag sind wir dann wieder zurück auf South Beach. Ein kleines Highlight auf Key West war die Grabinschrift eines wohl etwas frustrierten Gestorbenen: “I told you I was sick …” (siehe Bilder nachfolgend). Galgenhumor nach dem Tod … Respekt.

Kaufi: Wir sind wiederum in Hollywood, FL, einquartiert. Da wir es alle etwas gemächlich angehen lassen wollen (Sonne, Bier, Strand, Bier, Chicken Wings, Bier, Burger, Bier, NFL Playoffs… Bye Bye Patriots!), verzichten wir zudem für einmal auf den Besuch in South Beach und überlassen die an sich geniale Warm Up Party am Strand den anderen. Pam zum Beispiel. Der wird wohl einiges zu erzählen haben…? Oder natürlich Luke, der gibt ja schon im Vorfeld richtig Gas…?

Luke: Auch meine bessere Hälfte Yvonne und ich sind bereits in Florida. Aufgrund etwas günstigerer Flugpreise haben wir uns für eine Anreise am 1. Januar entschieden. Und während wir bei unserer ersten Cruise 2019 noch in Fort Lauderdale nächtigten, haben wir uns diesmal in South Beach direkt beim Party-Hotel Clevelander einquartiert. Die ersten Tage verbringen wir mit dem Erkunden der Gegend, dem Genuss von überteuertem Bier am Ocean Drive und diversen Football College Bowls in unserer temporären Stammkneipe Finnegan’s Way. Dort treffen wir am Freitagabend auch zufällig auf pam und seine Truppe, welche froh ist um ein Gepäckdepot bei uns im Hotel während ihrer Töff-Tour nach Key West (pam: Nochmals herzlichen Dank dafür!).

Fotos Pre-Cruise-Cruise – Miami – Key-West – Miami (pam)

Heavy Metal Beach Party – Samstag 4. Januar 2020

Luke: Ab Samstag gehen dann die inoffiziellen, jährlichen Beach Partys los. Der Start erfolgt durch eine Rooftop-Party im Clevelander. Als wir nach dem ersten NFL Playoff-Spiel auf der Dachterrasse eintreffen, ist diese schon ordentlich mit Metalheads aus aller Welt gefüllt und wir treffen auch erste Bekannte. Zudem erwerben wir bereits mexikanische Bootleg-Patches – da es leider keine offiziellen Aufnäher gibt, ist das der einzige Weg die Cruise auf der Kutte zu verewigen. Es ist aber etwas windig hier, die beiden Bars fallen durch ziemlich lange Wartezeiten negativ auf und zudem ist kein TV vorhanden. Also ziehen wir nach ungefähr einer Stunde mit einer Gruppe Gleichgesinnter weiter ins Lost Weekend. Auch dort hat es einige Cruiser, zudem kann man die Niederlage der Patriots auf Bildschirmen mitverfolgen. Und so steht eine erste lange und feuchtfröhliche Nacht an…

Heavy Metal Beach Party – Sonntag 5. Januar 2020

Luke: Sonntags findet dann eine Premiere statt: Zum ersten Mal gibt es im Rahmen der Heavy Metal Beach Party auch einen Event mit Live-Musik, diesen wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Trotz leichtem Kater vom Vorabend werden im Hotel noch die neu erworbenen Patches aufgenäht (pam: Luke macht das also wirklich von Hand !!!). Danach geht es mittels Shuttlebus auf die Insel Virginia Key. Hier wurde durch Doro und ihr Team ein wirklich schönes Gelände hergerichtet. Die Bühne steht ungefähr 40 Meter vom Meer entfernt, zudem gibt es Stände mit extra gebrautem Bier, Drinks und Essen. Und das alles zu fairen Preisen. Direkt am Ufer hat es ein grosses Lagerfeuer, welches im Verlaufe des Abends auch von vielen Personen zum Aufwärmen genutzt wird. Im Gegensatz zu den Tagen zuvor ist es heute nämlich nach Sonnenuntergang einiges kühler geworden. So hoffen wir, dass uns die Bands etwas erwärmen… Da der Headliner Goatwhore leider absagen musste, sind mir alle auftretenden Gruppen unbekannt. Ich lasse mich aber gerne überraschen.

Vitality

Luke: Da wir noch NFL geschaut haben verpassen wir die erste Band Maedusa aus Miami. Pünktlich zu Vitality aus Frederick, Maryland sind wir dann aber vor der Bühne. Die Jungs spielen melodischen Death Metal, der ziemlich abwechslungsreich daherkommt. Da ist zwischendurch auch etwas Thrash auszumachen, teilweise klingt das aber auch ein bisschen nach Viking-Death à la Amon Amarth. Und zwischen den eigentlichen Songs werden gerne mal bekannte Melodien wie «Eye Of The Tiger» oder die Titelmusik von «Hawaii 5-0» angespielt.

Die Band glänzt durch grosse Spielfreude und der Sänger Jeff Novosel wirkt sehr sympathisch. Durch Fragen nach dem Herkunfts-Kontinent der Anwesenden oder dem bisherigen Alkoholkonsum bezieht er auch das Publikum mit ein. Ein guter und sehr kurzweiliger Auftritt!

Setliste Vitality

  1. Miserlou
  2. S.T.F.D.
  3. Tears Of Sorrow
  4. Eye Of The Tiger
  5. Deathbanger
  6. Cry Of The Nord
  7. Hawaii 5-0
  8. Back To Blood
  9. Carnivorous
  10. The Arbiter

Cyber Strike

Luke: Auch die zweite Band kommt aus dem Staat Maryland, genauer gesagt aus Baltimore. (Anm. Kaufi: Eine Woche später ist auch da Trauerstimmung angesagt – bye bye Ravens…. ) Cyber Strike spielen eine ziemlich interessante Variante von (Thrash) Metal. Sänger Dave Diamond verfügt über eine wirklich aussergewöhnliche Stimme, klingt für mich ein bisschen wie eine Mischung aus Chuck Billy von Testament und Lemmy. Und auch die Songs lassen viele verschiedene Einflüsse erahnen. Am meisten erinnert mich das an melodischen Thrash wie ihn zum Beispiel auch Sacred Reich spielen, aber auch die Räudigkeit von Motörhead scheint teilweise etwas durch. Und die Gitarrenmelodien würden stellenweise zu einer Power Metal-Band gut passen.

Zudem klingt auch der Sound gut: Obwohl Open Air und teilweise sehr windig stimmt die Abmischung ausgezeichnet – wie schon bei der Gruppe zuvor. Die Lautstärke ist zwar eher hoch, aber das bin ich mir mittlerweile von Konzerten in den USA (oder auch auf dem Schiff) gewohnt. Nach ungefähr 40 Minuten ist dann auch dieser gelungene Auftritt vorbei, und wenn es so weitergeht, bin ich mehr als zufrieden.

Setliste Cyber Strike

  1. End Of Days
  2. Bite The Bullet
  3. Pharoah’s Tomb
  4. Smiling Through Sadness
  5. Shape Shifter
  6. No More Hiding
  7. Mirrored Lake

Cell

Luke: Leider geht es aber nicht ganz so weiter. Als die drei Mitglieder von Cell aus Winnipeg, Canada die Bühne betreten ahne ich schon was uns erwartet. Dank Corpsepaint rechne ich nicht mit Glam Rock, und tatsächlich spielen die Jungs richtig fiesen Black Metal. Es gibt wenige Bands in dem Genre, mit denen ich warm werde, und Cell gehören definitiv nicht zu diesen Ausnahmen. Musikalisch ist das alles andere als spannend, zudem übertreibt es der Frontmann auch mit dem Hall auf seiner Stimme. Sogar seine angepissten Ansagen zwischen den Songs erfolgen «verhallt», was irgendwo zwischen peinlich und unfreiwillig komisch rüberkommt. Ausserdem beschwert er sich mehrmals darüber, dass nun doch einige Leute das Feuer am Strand der Bühne vorziehen.  Es ist aber auch wirklich kalt geworden, wenn auch sicher nicht so kalt wie in seiner kanadischen Heimat, wie er richtig bemerkt. Aufgrund des Dargebotenen kann ich diese Entscheidung aber niemandem verübeln…

Solemn Vision

Luke: Schon die nächste Band kann aber zumindest mich wieder von Feuer weg und vor die Bühne ziehen. Solemn Vision stammen aus New York City und haben einen ziemlich abgefahrenen Sound mitgebracht. Grundsätzlich wäre die passendste Schublade dazu wohl Death Metal, die einzelnen Songs variieren aber ziemlich stark zwischen Melodic Death und etwas heftigerem Stoff. Dazu kommt teilweise ein leichter Black Metal-Einfluss, wenn auch viel besser gespielt als bei der vorherigen Band. Zudem wird auf vorhersehbare oder simple Songstrukturen praktisch komplett verzichtet, die Lieder weisen einige Wendungen und Tempowechsel auf und kommen öfters richtig progressiv daher. Die Band würde tiptop auf eine Tour mit Revocation passen, auch wenn musikalisch schon Unterschiede zwischen den Gruppen bestehen.

Sänger Aaron Harris hat ein unglaublich vielseitiges Organ. Von tiefen Growls über hohe Screams bis zu kurzen Cleangesang-Passagen scheint der Gute alles zu können. Die Stimmung ist auch im Publikum super, so sind nun die ersten Moshpits und die erste Wall Of Death des Abends zu bestaunen.

Gegen Ende des knapp 50-Minütigen Sets teilt uns der Frontmann noch mit, dass sämtliche Bandmitglieder auch auf der Cruise anzutreffen sein werden. Ist dann auch so, die Jungs verteilen auf dem Schiff fleissig bedruckte Flaschen-Kühler. Ziemlich clevere Marketing-Idee…. Zudem wird noch ein Kumpel der Gruppe auf die Bühne geholt, welcher bei der Gelegenheit seiner Freundin einen Antrag macht. Interessante Band und guter Auftritt, nächstes «Like» auf Facebook wird fällig.

Soulburner

Luke: Unterdessen ist es nicht nur meiner Freundin Yvonne ziemlich kalt, auch ich friere langsam aber sicher ein bisschen. Nach mehreren Tagen mit zwischen 25 und 30 Grad bin ich auch einfach auf wärmeres Wetter eingestellt momentan, auch wenn es in der Schweiz sicher noch kälter ist… Die Kolumbianer von Soulburner will ich mir aber noch kurz ansehen, schliesslich haben die Jungs den ganzen Abend fleissig Visitenkarten mit ihrer Auftrittszeit verteilt. Das soll doch belohnt werden.

Die Truppe aus Bogota ist unter diesem Namen bereits seit dem Jahr 2000 unterwegs, und das merkt man auch. Das Quartett wirkt sehr routiniert auf der Bühne. Musikalisch wird leicht angeschwärzter Old School Death Metal im Stile von Morbid Angel geboten. Beim leider bereits etwas ausgedünnten Publikum kommt das Ganze bestens an, ab Beginn gibt es einen ordentlichen Pit vor der Bühne. Allerdings könnte das auch dem stetig steigenden Alkoholpegel geschuldet sein und nicht nur der Band. Mich persönlich haut das jedenfalls nicht vom Hocker. Man merkt den Jungs zwar ihre Spielfreude an, wie so oft bei südamerikanischen Death Metal Acts ist aber keine riesige Abwechslung in den Songs vorhanden. Nach spätestens drei Liedern hat man eigentlich alles gehört.

Da auch grad ein Shuttlebus bereit steht entscheiden wir uns, nun wieder zurück nach South Beach zu fahren und auf die letzte Band zu verzichten. Wir lassen den Abend im einiges wärmeren Mac’s Club Deuce ausklingen, wo einige unserer Freunde schon etwas früher hin sind. Zwar ohne Live-Auftritte, dafür mit Jukebox…

Warm-up Beach Party – Montag 6. Januar 2020

Luke: Nach einer erneut ziemlich strengen Nacht haben wir es am Montag gar nicht übertrieben pressant an die traditionelle Beach Party am Strand zu kommen. Nachdem pam und Co. unter kritischen Blicken der Putzfrau ihre Sachen bei uns im Zimmer abgeholt haben, machen wir uns dann aber langsam bereit. Als wir am Strand auftauchen, ist schon eine ordentliche Menge schwarz gekleideter und gut gelaunter Leute versammelt. Hier ist nun friedliches Bier trinken, Bekannte begrüssen und neue Leute kennen lernen angesagt. Und natürlich das wichtigste: posieren für die Gruppenfotos der unzähligen Fotografen (inklusive pam) auf dem Lifeguard-Häuschen.

Das eigentlich geltende Alkoholverbot am Strand scheint heute keinen zu interessieren (pam: Was schon wunderbare Tradition ist … bei meiner ersten Beach Party 2012 hat man noch aus Pappbechern oder in Schuhen und Papiertüten verpackten Bierdosen getrunken). Auch die mit der Zeit doch ziemlich zahlreich anwesenden Polizisten schauen dem ganzen Treiben doch eher belustigt als wirklich kritisch zu. Erneut ein wirklich gelungener Anlass. Ein grosses Lob gebührt dem Team um Doro, welches diese ganzen Beach Party-Events jeweils in stundenlanger freiwilligen-Arbeit auf die Beine stellt! Gut möglich, dass wir uns auch nächstes Jahr wieder für einen Aufenthalt in South Beach entscheiden.

pam: Die Warm-up Beach Party am Tag vor dem Boarding der Independence hat schon ziemlich Tradition und ist eigentlich ein superfriedlicher Flash-Mob. Alle Nicht-Metaller staunen da immer wieder, was da so un-south-beachig abgeht. Und das ist auch immer der Moment, wo man bei den 70’000 Tons of Metal ankommt. Ab da ist man nur noch im Community-Feeling und im Flow der Cruise. Man trifft bekannte Gesichter … und diesem Jahr fehlt jedoch das eine oder andere wie erwartet aufgrund des früheren Datums. Ohne mich hier jedes Jahr Wort für Wort zu wiederholen, aber das ist auch der Moment, bei dem man einfach stolz ist, der weltweiten Metal-Community anzugehören. Die einzige Religion die global ist und keine Kriege anzettelt.

Nach der Beach-Party gehts mit uns traditionellerweise ins Irish Pub zu den besten Chicken Rolls der Welt. Leute, probiert die aus, das ist was vom besten was ihr je gegessen habt !!! (Luke: So gut, dass man glatt mit einem Smile auf den kauenden Lippen einschlafen könnte, gell pam 😉 Generell aber ein sehr gutes Pub! Auch wenn ich mit schwarzen Fingernägeln rausgekommen bin – ein lohnenswerter Besuch!). Hey, Luke, der kommt zurück! Ich hab ja noch ein paar Tage zu schreiben … 😉

Fotos Warm-up Beach Party 2020 (pam)

 

Dienstag, 7. Januar 2020 – Tag 1

Kaufi: Irgendwie schon komisch. Während alle Leute in den sozialen Medien rumjammern über das besch… eidene Billing, habe ich selbst so viele Bands auf meiner Liste, die ich sicher sehen oder bei denen ich zumindest reinschauen will, wie noch nie zuvor. Zugegeben: Insgesamt fehlen die GANZ grossen Namen dieses Jahr, die richtigen Headliner der Marke Sabaton, Accept, Blind Guardian, Amon Amarth oder Kreator. Doch das Programm ist ausgewogen, hier gibt’s wahrlich für jeden Musikgeschmack etwas – zumindest wenn dieser Geschmack irgendwie mit Heavy Metal zu tun hat…!

Nun gut – ohne Jammern geht’s natürlich trotzdem nicht. Die Running Order sorgt alljährlich für Diskussionen und teilweise Fragezeichen. Man erinnere sich daran, dass beispielsweise Gloryhammer im Vorjahr in die Lounge verbannt wurden – und man da danach einen Live-Test hatte, wie viele Leute drin Platz haben… Ich für meinen Teil sehe jedenfalls mit Schrecken, dass ich vor allem am ersten Tag kaum aus dieser doofen Star Lounge rauskommen werde. Drei der fünf «Must See»-Bands spielen heute genau da…

Doch was soll’s! Als wir nach dem Mittag auf das Schiff kommen, sind solche «Sorgen» weit weg! Es ist einfach, wie wenn man nach Hause kommt! Man trifft viele bekannte Leute, die ersten Biere werden vernichtet (über die Preise hüllen wir den Mantel des Schweigens…), Steffen von Kissin’ Dynamite läuft einem bereits über den Weg, ebenso Jack Frost von den Seven Witches. Noch vor der obligaten Rettungsübung plaudert man oberhalb dem Pooldeck mit Kissin’ Dynamite und Axxis. Und dazwischen wird man auch von den CMM Leuten herzlich begrüsst, als wir unsere Fotobändeli abholen. Hach, es ist einfach schön hier!

pam: Ja, es ist schon wie ein Nachhausekommen. Die Routine nimmt mit jedem Jahr zu und damit wohl auch etwas die Aufgeregtheit. Man checkt sich ein, läuft die Rampe hoch aufs Schiff und wird von den kreischenden Pool Girls empfangen. Stopp! Rewind. Mann und Frau läuft die Rampe hoch und wird von kreischenden Pool Girls und johlenden Pool Boys empfangen. Shit? Echt jetzt? Pool Boys? Wird jetzt sogar der Metal vom Sexismus gesäubert? #Me Too lässt grüssen. Nun, natürlich gönne ich Frau und allen anderen weiblichen und flexiblen Wesen auf dem Schiff auch was für deren Augen. Leider hat aber dafür etwas die Attraktivität der Pool Girls gelitten. Die sahen auch schon besser aus. Oops, jetzt sind wir wieder mitten in den Clichés drin. Lassen wir es sein. Jedem das seine und damit hat Andy & Co. mit den Pool Girls und Boys genüge getan. Und ich hab das Essen ja eh von zu Hause mitgebracht ;-).

Line-up: Nun, man kann es drehen und wenden wie man will. Es ist in diesem Jahr sicher das bisher schwächste Aufgebot an internationalen Szene-Grössen. Auch wenn man bei der Cruise offiziell nie von Headlinern spricht – dazu mehr später von der Pressekonferenz – wie Kaufi schon geschrieben hat, es fehlen die Namen, die in der Schweiz eine Samsung Hall oder gar das Hallenstadion füllen. Ist auch weniger erstaunlich, da man ja so spät wie noch nie dran war mit dem Line-up. Und DAS ist das Unschöne bei der ganzen Geschichte. Jedes Jahr verspricht uns Andy, dass es im nächsten Jahr besser wird und bisher passierte eigentlich immer das Gegenteil und das frustriert dann halt doch auch die loyalen 70K-Cruiser. Wir wissen ja, am Ende klappt es, wir steigen auf den Kutter und es funktioniert. Wir ziehen auch jedes Jahr wieder den Hut vor Andy, was er auf die Beine gestellt hat und beschwichtigen die Freunde, die zum ersten Mal dabei sind x-Mal, dass sie keine Angst haben müssen und die Cruise wie gewohnt stattfindet. Eines Tages wird es jedoch den Hut verblasen, wenn der Wind in der Kommunikation nicht endlich dreht.

Aber, was cool ist, abgesehen von den ersten zwei Jahren, hatte ich noch nie so viele neue Bands zu entdecken wie in diesem Jahr. Die Wiederholungen aus den Vorjahren sind relativ tief (Achtung: Man betone “relativ”). So freue ich mich zwar nur auf ganz wenige grosse persönliche mir bekannte Highlights wie Haggard, dafür umso mehr bin ich gespannt auf die mir noch unbekannten Namen. Und grad in meiner Lieblingsdisziplin – dem Thrash Metal alter Schule – gibt es doch drei, vier die sich auf dem Papier doch schon mal sehr spannend lesen.

Vio-Lence – Ice Rink

Kaufi: Eine der Bands, die auf meiner «mal reinhören» Liste steht, eröffnet den Konzertreigen im Ice Rink. Vio-Lence, eine Thrash Metal Band aus San Francisco. Ich sehe einige ältere Herren, die so irgendwie überhaupt nicht nach Thrash aussehen, auch wenn Sänger Sean Killian das Publikum gleich richtig anstachelt. Dies lässt sich nicht lange bitten bis zum ersten Circle Pit der Ausgabe 2020 und auch Crowdsurfer #1 wird schon bald von der extrem entspannten Security aufgefangen.

Musikalisch ist es hingegen die Art von Thrash, die mir nicht wirklich gefällt. Somit muss ich mich a) nicht darum kümmern, wann die zweite Show ist und b) kann ich das Feld pam überlassen, der diese Truppe offenbar deutlich besser findet als ich. Chef, übernehmen Sie…

Luke: Ich bin zwar nicht pam, aber erlaube mir trotzdem zu übernehmen 😉 Denn das ist im Gegensatz zu dir Kaufi für mich ganz genau die Art von Thrash, die mir sehr gut gefällt! Auch wenn ich vor der Cruise nicht ein Die Hard- Fan oder krasser Kenner der Band war, ist Vio-Lence doch ein Name, den Freunde von 80er-Jahre Thrash zumindest schon gehört haben sollten. Die beiden Alben „Eternal Nightmare“ von 1988 und „Oppressing The Masses“ von 1990 sind beide Kult. Und Lead-Gitarrist Phil Demmel war nicht nur während vieler Jahre Mitglied von Machine Head, sondern hat live auch schon Slayer unterstützt.

Stilistisch klingt die Band nach richtigem Old School Crossover-Thrash. Besonders die Vocals von Sean Killian würden auch zu einer Punk-Band bestens passen, aber auch musikalisch ist hier definitiv eine gewisse Nähe zum Hardcore der 80er Jahre vorhanden. Und zudem ist der Mann auch optisch Crossover, Shorts zu massiven Kampfstiefeln habe ich doch schon länger auf keiner Bühne mehr gesehen… Das Publikum wird mit „Hello World“ begrüsst – und die Freude, dass man diese Cruise eröffnen darf, scheint gross zu sein. Auch wenn der Frontmann während der Songs sehr gerne grimmig ins Publikum schaut, wirken die Ansagen dazwischen alles andere als unsympathisch. Und auch nach der Show erweist sich der Gute als sehr entspannter und gut gelaunter Zeitgenosse.

Die heute gespielten Lieder stammen allesamt von den beiden eingangs erwähnten Kult-Alben und sind einem grossen Teil des leider nicht übermässig zahlreich anwesenden Publikum bekannt. Allgemein herrscht sehr gute Stimmung im Ice Rink, mit viel Bewegung vor der Bühne. Und auch der Sound ist überraschend gut. Waren letztes Jahr die ersten Konzerte in dieser Location noch fürchterlich abgemischt, klingt das heute ganz ordentlich. Etwas laut zwar, aber daran werden wir uns gewöhnen müssen…

Die 45 Minuten vergehen wie im Flug, ein wirklich guter und kurzweiliger Auftritt. Während der ganzen Show hatte ich den Vergleich zu einer Schweizer Band im Kopf und mir überlegt, ob ich den im Bericht bringen kann. Als dann pam auf dem Weg vom Fotograben nach hinten bei mir vorbei kommt und findet, dass sei ja „wie Hellvetica, einfach in alt“ bin ich froh, dass nicht nur mir eine gewisse Ähnlichkeit auffällt… Ich hoffe sehr, Vio-Lence bald in der Schweiz live erleben zu dürfen! Pam und ich wüssten da einen guten Support-Act (pam: So true!).

pam: Danke Kaufi fürs Intro und Luke fürs Vorwegnehmen. Nun, ich bin zwar pam, aber will jetzt nicht alles wiederholen, was da oben schon geschrieben wurde. Aber Vio-Lence ist definitiv eine der Bands auf dich ich mich freute, mal live zu erleben und ja, definitiv zu entdecken. Und ich werde nicht enttäuscht. Genau meine Überholspur. Dass mit den älteren Hellvetica hab ich mir ins Mini-Mini-Notizenbüchli – danke Kaufi dafür (fürs Notizbüechli, da ich doch glatt meinen Schreibblock vergessen habe) – reingekritzelt. Und aber auch, dass es Anthrax meets D.R.I. ist und die Band im Jahre 1985 in der Bay Area, in der Blütezeit und im Mekka des Thrash Metals, gegründet wurde. Solch gemixtes löscht meinen Durst nach der täglich empfohlenen Thrash-Dosis wunderbar. Da bleibt nichts mehr übrig, da lechze ich richtig danach. Und so richtig geil ist Sänger Sean Kilian. Der Typ sieht in seiner Diktatorkluft wie der Mini-Me in gross aus. Er zuckt so richtig rum, dass ihm fast die Adern platzen (siehe Fotos …).

Sein Rumgezucke und das Gezocke seiner Kollegen animieren die Meute schon zu einem grosse Mosh-Pit. Im Gegensatz zu Luke hab ich mir notiert, dass der Rink schon sehr gut besucht ist; vor allem wenn man bedenkt, dass jetzt grad auch der Dampfer aus dem Hafen fährt, was für die meisten Cruiser der Moment an Deck ist. 

Das Schlusswort übergebe ich gerne Sean, der es nicht treffender ausdrücken konnte: “The party has started!”. Wie wahr (entschuldige, jetzt hatte ich doch wieder das letzte Wort … aber es geht ja noch weiter 😉 ). 

Setliste Vio-Lence – Ice Rink

  1. I Profit
  2. Calling In The Coroner
  3. Kill On Command
  4. Phobophobia
  5. Officer Nice
  6. Eternal Nightmare
  7. Serial Killer
  8.  World In A World

Fotos Vio-Lence – Ice Rink (pam)

Archon Angel – Royal Theater

Kaufi: Die Thrash-Dosis zu Beginn hat mich wie erwähnt eher kalt gelassen. Das dürfte mit der folgenden Band kaum der Fall sein – ab ins Theater! Archon Angel spielen da ihre erste Show… Wie bitte? Wer ist Archon Angel? Das hat sich wohl im Vorfeld manch einer gefragt – ich inklusive. Nun, alleine die Tatsache, dass da ein gewisser Zak Stevens am Mikrofon stehen wird, war für mich Grund genug, diese Band sofort als «Muss» zu markieren! Für Unwissende und andere Banausen sei erwähnt, dass Zak seines Zeichens mehrere Jahre als Sänger und Sidekick von Jon Oliva bei den grossartigen Savatage unterwegs war…

Relativ früh bin ich am Bühnenrand und schwatze mit meinem australischen Buddy Dallas, als wir die Bekanntschaft von Mrs. Stevens machen! Kate stellt sich vor, erzählt Geschichten über Archon Angel (für die sie selber die Texte geschrieben hat) und schwärmt von Zaks Mit-Musikern. Speziell den Keyboarder, den sie nicht gekannt hat, lobt sie über den grünen Klee. Als die Band bald darauf die Bühne betritt, trifft mich beinahe der Schlag – denn der besagte Keyboarder ist niemand Geringeres als Alessandro Del Vecchio von Hardline! Mich wundert nun gar nichts mehr… Wobei es irgendwie nun trotzdem logisch scheint, denn hinter der ganzen Geschichte steht das italienische Plattenlabel Frontiers Records.

Zak und seine neue Mannschaft lassen denn auch grad mal gar nichts anbrennen und starten mit «Taunting Cobras» in ihren Set – ein Track aus seligen Savatage Zeiten. Allerdings einer, den ich persönlich immer mau gefunden habe. Aber hey – wieder mal was von Savatage live hören, da darf man nicht zu wählerisch sein!

Danach folgt ein grosser Block mit Songs vom kommenden Debüt-Album der Band. Allesamt werden (natürlich) das erste Mal live gespielt. Hier überzeugt mich vor allem «The Serpentine» am Meisten. Ansonsten ist es recht schwer, ein vernünftiges Urteil zu bilden. Schlecht ist es allerdings zu keiner Sekunde – doch es ist klar, dass hier einmal Hören niemals reicht, um sich ein Bild zu machen.

Gegen Ende des kurzen Auftritts wird es nochmals nostalgisch. Zak packt nochmals ein Triple aus den 90ern aus: «Hall Of The Mountain King» (ok, das ist sogar aus den 80ern…), «Damien» und das viel umjubelte «Edge Of Thorns» (Hühnerhaut pur!) setzen dem Spektakel den Deckel auf. Es mag zwar im Moment etwas unfair erscheinen – aber den alten Savatage Klassikern kann man halt kaum das Wasser reichen. So gesehen müssen sich Archon Angel sicher noch anstrengen. Dennoch ein grossartiger Auftritt, der Lust auf mehr macht. Und da gibt es mit «Chance» (pam: Ui ja, DER Savatage-Übersong!) und «Handful Of Rain» durchaus auch noch nette Dinge, die der gute Zak den Fans servieren kann… So, und jetzt mal das kulinarische Angebot austesten. Erst zum zweiten Mal überhaupt schaffe ich es heute ins grosse, edle Restaurant… Denn da ich noch genügend Zeit in der Lounge verbringen werde, verzichte ich vorerst auf Edenbridge.

pam: Ich will jetzt nicht unnötig in die Verlängerung. Das Spiel ist ja mit den Worten von Kaufi schon entschieden und ich werde mit ihm von unseren Freunden im à la Carte-Restaurant erwartet. Aber ich muss sagen, Archon Angel unterhalten mich auch wunderprächtig. Ich bleib das ganze Set im Theater. Ich hab zwar die komplette Savatage Sammlung – ich wurde durch “Chance” angefixt – aber so richtig bis auf diesen einen Song hat es mich nie wirklich gepackt. Doch heute kommt das mit den Savatage-Songs ganz gut rüber im Live-Gewand und auch der Rest will mich unterhalten. So, jetzt aber ab in die Futterhalle.

Setliste Archon Angel – Royal Theater

  1. Taunting Cobras
  2. Rise
  3. Faces Of Innocence
  4. Fallen
  5. Twilight
  6. The Serpent
  7. Hall Of The Mountain King
  8. Damien
  9. Edge Of Thorns

Fotos Archon Angel – Royal Theater (Kaufi/pam)

pam: Sodeli Essenspause. Die ist wichtig in einer Erzählung, damit die Protagonisten auch  menschliche Züge haben. Also auch Essen und andere abführende Geschäfte machen. Aber zuerst mal essen. So ein, zwei Mal pro Cruise sollte man sich das à la Carte-Resti schon gönnen. Wobei im Schnitt über all meine 7 Cruises war es wohl unter 1. Rein foodmässig ist das nicht wirklich zwingend, da hält das Buffet im Windjammer gut mit, aber mit Freunden ist das schon eine gemütliche Geschichte in dem imposanten Essenssaal und anstelle Bier auch mal ein, zwei Glas Wein. Gemütlicher heisst aber nicht unbedingt ruhiger.  Denn auch hier hämmert es aus dem Boxen mehr Death als Rock und immer wieder Gejohle von unserem lieben Mitcruisern. Also, Luke, du darfst wieder, das Essen wird sonst kalt.

Fotos à la Carte Restaurant mit Kaufi und Freunden (Thomy & Vera – Fotos pam)

Exodus – Royal Theater

Luke: Das mit dem Essen haben wir schon erledigt. Die paar Töne die wir von Archon Angel gehört haben waren für uns nicht Grund genug zu bleiben. Und schliesslich wollen wir bereit sein für das erste Set von Exodus. Für mich sind die Bay Area-Thrasher sowas wie der Headliner der Cruise. Und scheinbar geht das nicht nur mir so, das Royal Theater ist bereits 10 Minuten vor Beginn gerappelt voll.

Als Intro ertönt „Come Sail Away With Me“ von Styx. Wenn auch musikalisch eine eher unerwartete Wahl, textlich doch sehr passend für die ersten Stunden einer Kreuzfahrt! Los geht es mit „Body Harvest“ vom immer noch aktuellen Album „Blood In Blood Out“ und zwei Erkenntnissen, einmal negativ und einmal positiv. Schlecht ist der Klang, irgendwie tönt das mehr nach Soundcheck. Die verschiedenen Instrumente klingen mal laut, dann wieder leise. Schön ist aber, das Gary Holt tatsächlich wieder mit Exodus auf der Bühne steht. Nachdem die Abschiedstournee von Slayer durch ist, kann sich der Gitarrist endlich wieder seiner eigentlichen Hauptband widmen. Wie Sänger Steve „Zetro“ Sousa später verrät, ist das hier sogar die Premiere nach der langen Pause. Welcome Back, Gary!

Zum Glück hat sich auch der Soundmann unterdessen mit der Anlage vertraut gemacht, bereits beim zweiten Track „Blood In Blood Out“ klingt das zum Glück einiges besser. Und das Publikum geht absolut steil, ab Beginn ist nicht nur ein riesiger Moshpit am Toben, sondern es sind auch unzählige Crowdsurfer unterwegs. Nicht ohne Grund hat die Security für diese Show wohl extra aufgestockt, selten war so viel Personal im Bühnengraben zu sehen. Nach „Blacklist“ folgt die erste Ansage durch Zetro. Der wie eigentlich immer ausgezeichnet gelaunte Frontmann freut sich auf „70‘000 Tons Of Party“ in den nächsten Tagen. Man merkt dem Mann an, das er sich wirklich als Teil der Metal-Familie sieht und nicht als Star auf der Bühne.

Während das zweite Set am letzten Tag im Zeichen des Debüt-Albums „Bonded By Blood“ stehen wird, ist für heute ein „normales“ Programm vorgesehen. Exodus verlassen sich dabei vor allem auf die stärksten Alben mit Sousa. So kommt „Tempo Of The Damned“ von 2004 gleich mit 3 Tracks zum Zug, und auch das erste Album mit dem (wieder) aktuellen Sänger „Fabulous Disaster“ ist mit zwei Songs vertreten. Alles in allem eine gute Auswahl, welche auch Fans von verschiedenen Phasen der Band-Historie glücklich macht. Das Debüt wird heute komplett ausgelassen, folgt ja dann am Freitag.

Bei „Toxic Waltz“ kommt es wie erwartet zu einem riesigen Circle Pit. Als der Sänger danach den letzten Song des Abends ankündigt und die Menge etwas enttäuscht reagiert, erklärt er grinsend, dass er halt auch möglichst schnell fertig werden möchte, damit er Party machen kann. Und man glaubt ihm das aufs Wort… Nachdem bei „Scar Spangled Banner“ noch eine gigantische Wall Of Death dargeboten wird, geht eine sehr energetische Show nach einer knappen Stunde viel zu schnell vorbei. Die Band hat mehr als nur abgeliefert und die Stimmung im Publikum war der Wahnsinn. Als nach Ende des Konzertes die Lichter im Theater angehen zeigt sich schnell, wie wild der Pit wirklich getobt hat: das im Theater verlegte Parkett weist bereits nach dem zweiten Konzert in dieser Location massive Löcher auf und muss anschliessend repariert werden. Exodus liefern somit einen echten Abriss, im wahrsten Sinne des Wortes…

pam: In der Presskonferenz in zwei Tagen erfahren wir, dass man in diesem Jahr im Theater eine Sitzreihe mehr entfernt hat, als in den Vorjahren – zugunsten eines grösseren Stehplatz- und somit Mosh-Bereichs. Der Teppichboden wird dann jeweils mit so puzzleartigen Elementen gedeckt. Dabei hat man die grössere Fläche nicht so ganz bedacht und hatte zu wenig oder falsche (?) von diesen Elementen eingepackt und die dann wohl auch nicht ganz richtig verlegt, so dass die dann auch gebrochen sind. Der Skipper lässt dabei durchblicken, dass wenn man nicht alles selber checkt, solches eben passiert. Das auch ein bisschen als Rechtfertigung, warum immer noch fast alles über den Skipper läuft – siehe Kommunikation … Er selbst legt dann im Theater Hand an und es wird mit Gaffer-Tape alles zugeklebt. Und wer weiss, was die Hauptrolle jedes Event-Mitarbeiters kostet, kann nachvollziehen, dass da grad ein kleines Vermögen vermoshed wurde.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich Exodus mit guten Freunden und wegen Ehepflichten versetzt habe. Nun, ich hatte ja bereits meine Daily-Thrash-Dose. Anhand des Berichts von Luke wird mir jedoch bewusst, dass ich da wohl schon was verpasst habe … aber das Gute an der 70’000 Tons of Metal: Es gibt ja eine zweite Show.

Setliste Exodus – Royal Theater

  1. Body Harvest
  2. Blood In, Blood Out
  3. Blacklist
  4. Iconoclasm
  5. Children Of A Worthless God
  6. Fabulous Disaster
  7. War Is My Sheppard
  8. Toxic Waltz
  9. Scar Spangled Banner

Sortilège – Ice Rink

Kaufi: Im Ice Rink geht mein Programm weiter. Da spielen Sortilège aus Paris. Auf der (in)offiziellen App heisst es: «Sounds like early Judas Priest with the swagger of Dokken, the continental dramatics of the Scorpions and a touch Black Sabbath Gloom». Was allerdings nirgends steht: Die Truppe hat französische Texte…

Eine Versammlung von älteren Herren auf der Bühne, denn hier feiern die Franzosen ihre Reunion. Nach dem Split Mitte der 80er Jahre, hat sich die Band erst im letzten Jahr wieder zusammengefunden. Sortilège lassen nun 45 Minuten genau diesen klassischen 80er Heavy Metal auf die Leute los, den man erwarten durfte. Bei einem Song (fragt mich jetzt aber bitte nicht, wie der heisst – ich bin mit dem Material wirklich nicht vertraut, sorry…) schimmert die Vorliebe für Judas Priest und speziell Motörhead recht stark durch. Schlecht ist das sicher nicht, aber mich schreckt ehrlich gesagt der französische Gesang etwas ab. Richtig packen will es mich nicht… Das wird sich mit den nächsten Bands ändern, das ist garantiert! Ab in die ungeliebte Lounge…

Luke: Da ich erst gerade einen grösseren Bericht über die Gruppe gelesen habe, bin ich gespannt auf die Franzosen. Nachdem ich mich bei einer kurzen Rauchpause von Exodus erholt habe, schaffe ich es auch noch auf etwas mehr als die letzte Viertelstunde in den Ice Rink. Dieser ist nicht übermässig gefüllt, somit kommt man auch easy bis fast ganz nach vorne. Und sieht, wie Kaufi richtig bemerkt, eine Versammlung von älteren Herren auf der Bühne. Aber diese „Opas“ scheinen richtig viel Spass zu haben. Das steckt mich irgendwie jeweils an… Und nicht nur mich, auch beim anwesenden Publikum ist die Stimmung ziemlich gut.

Das hier ist zwar nicht zu 100% mein Sound, aber gerade der Gitarrist Didier „Dem“ Demajean spielt noch den einen oder anderen Jungspund an die Wand. Und auch Sänger Christian „Zouille“ Augustin macht einen äusserst vitalen Eindruck. Die Töne stimmen, und auch für den joggenden Marathon-Läufer beim Lied „Messager“ scheint die Puste noch zu reichen. Zudem machen die französischen Texte das Ganze für mich eher interessanter. Wenn ich auch in der Schule noch gar kein Fan dieser Sprache war, habe ich unterdessen meinen Frieden damit geschlossen. (Anm. Kaufi: Da bist du demfall weiter als ich…) Und gesungen klingt das irgendwie geil. Ich bin jedenfalls froh, habe ich den Schluss noch gehört. Falls es passt, werde ich die Herren auf der Pool Deck-Stage dann definitiv nochmals besuchen.

pam: Yep, ich bin auch da. Zumindest zeugen Fotos und eine sehr kurze Notiz davon im Kaufi-Büechli. Die ich leider nicht mehr lesen kann. Hm, es hat mich wohl nicht gepackt. Auf dem Papier las sich die mir unbekannte Band als “französische Judas Priest” im Vorfeld zumindest spannend(er) an. Aber den französischen Mitcruisern, die alle ganz vorne am Wellenbrecher stehen, gehen ab als wär es das grosse Highlight der diesjährigen 70’000 Tons of Metal Cruise. Nun, so viele bekannte Bands können unseren Nachbarn im Metal ja nicht liefern. Es ist da wohl auch kein Zufall, dass bis heute die Scorpions zu den erfolgreichsten Bands im Land des Pariserbrotes gehören … und der für mich persönliche bekannteste französische Song aus unseren bevorzugten Genres von Anthrax gecovert wurde und als deren grösser Live-Klassiker gilt: Antisocial im Original von Trust (hier reinhören – schon krass wie sich der Song anthraxig anhört).

Setliste Sortilège – Ice Rink

  1. Marchand D Hommes
  2. Progeniture Destruct
  3. Civilisations Perdues
  4. Majeste
  5. Amazone
  6. Mourir Pour Une Princesse
  7. D‘ Ailleurs
  8. Delire D‘ Un Fou
  9. Messager
  10. Sortilège

Fotos Sortilège – Ice Rink (pam)

Devin Townsend – Royal Theater

pam: Kaufi, ich lass dich noch ein bisschen zappeln, bis du küssend explodieren darfst. (Anm. Kaufi: Ich hibble schon!)  Denn zuerst geht es ins Theater zu einem gewissen Herrn Townsend. Nun, der Name ist mir geläufig, da ich auf Metalinside.ch alle Berichte lese, bevor ich sie freischalte. Da kommt der Kanadier doch schon ab und zu in die Kränze bei unserer Prog-Garde. Nun, jungfräulich geh ich jetzt mal zu diesem Tausendsassa und lass mich überraschen … Holy Shit! Was ist das denn für ein Psycho auf der Bühne? Der toppt ja die Killer-Grimassen von Jeff Waters! Sind alle Kanadier so durchgeknallt? Nun, beide gelten als musikalische Genies und sind ihren Mit-Musikern nicht so treu. Weil wohl keiner denen ihren Qualitäten gerecht wird. Eine weitere Gemeinsamkeit sind die markanten Riffs. Was Devin da auf der Bühne schreddert, ist zu fein für den Ring eines Schwingfestes oder für den Hamster. Da bleibt nur noch Staub übrig. Also hoppla Death-Metal-Schorsch, das was ist da zu hören kriege, ist härter als erwartet.

Passend zu Psycho-Dad ist dann auch der gewöhnungsbedürftige Gesang oder wohl eher das Gekreische und Gekeife. Instrumental ist es richtig geil, aber der Gesang lässt mich jetzt nicht Lobhudeln. Dennoch eine gute Erfahrung, dieses Grimassen-Genie (und natürlich auch auf die Musik bezogen) mal live zu erleben. So, jetzt wird Herr Kaufi zabbelig. Lassen wir ihn die Lunte endlich zünden …

Fotos Devin Townsend – Royal Theater (pam)

Kissin’ Dynamite – Star Lounge

Kaufi: Als Kissin’ Dynamite für diese Cruise bestätigt wurden, war ich gelinde gesagt «sehr zufrieden». Ok, ist leicht untertrieben… Meine Frau hingegen fand das nicht so toll, sie hat immer gehofft, dass die Schwaben auf der Monsters of Rock Cruise auftauchen werden – wo sie dabei ist…

Zugegeben: Die fünf «Stadium Rocker» gehören im Billing sicherlich zu den kleineren Namen, von daher ist es nicht so erstaunlich, dass eine Show in der blöden Star Lounge stattfindet. Doch wer Kissin’ Dynamite kennt, der weiss, dass die sich von solchen «Kleinigkeiten» nicht abschrecken lassen. Auch auf kleinster Bühne lassen Hannes & Co die berühmte Sau raus…

Es ist schon ein Weilchen her, seit ich die Truppe mit einem lediglich 45-minütigen Set erlebt habe. Die Spannung ist somit gross, welche Songs es ins Programm schaffen. Und so stehe ich erneut neben dem Australier und wir feiern zusammen den Opener «I’ve Got The Fire». Die Schwaben präsentieren sich genau so, wie man sich das vorstellt: Hochmotiviert, voller Spielfreude und trotz widrigen Bedingungen mit viel Spass. Die Internettrolls mögen im Vorfeld über die Band hergezogen haben – pah! Sollen sie trollen – hier feiert eine beachtliche Anzahl Fans den klassischen 80er Sound ab! «Somebody’s Gotta Do It», «Love Me, Hate Me», «Sex Is War » – und dann folgt mit «Waging War» ihre wohl härteste Nummer überhaupt. Perfekt gemacht – Balladen sind hier nämlich fehl am Platz! Don’t feed the Trolls….

Frontmann Hannes ist generell ja auch nicht einer, der nur faul rumsteht. Doch heute dreht der Blondschopf richtig auf. Bei diversen Songs springt er auf die Absperrung und lässt sich hautnah von den Fans feiern. Und «hautnah» darf man wirklich wörtlich nehmen… Für einen Thron ist die Bühne natürlich zu klein. Aber Robe und Zepter dürfen auch in der Karibik nicht fehlen, wenn es heisst «I Will Be King»! Mit der Hymne «You’re Not Alone» (SO geht Stadium Rock!) und dem immer wieder genialen «Flying Colours» endet der erste Auftritt der Schwaben in Übersee. Hannes springt nochmals auf die Absperrung, dieses Mal muss er sogar von der Security gehalten werden, damit er nicht runterfällt. Na gut – wenn das so ist, dann kann man ja gleich mal crowdsurfen…

Da ich ganz vorne bin, kann ich nicht abschätzen, wie voll die Lounge effektiv ist. Manche sagen «etwa zur Hälfte voll», andere meinen «voll bis hinten». Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen – und stimmungsmässig tönt’s vorne jedenfalls nach beachtlich vielen Fans. Das gönnt man den Jungs – und freut sich auf Show Nummer 2!

Setliste Kissin’ Dynamite – Star Lounge

  1. I’ve Got The Fire
  2. Somebody’s Gotta Do It
  3. Love Me, Hate Me
  4. Sex Is War
  5. Waging Wars
  6. I Will Be King
  7. You’re Not Alone
  8. Flying Colours

Fotos Kissin’ Dynamite – Star Lounge (Kaufi)

 At The Gates – Ice Rink

Luke: Während Kollege Kaufi sich in der Star Lounge von Kissin’ Dynamite begeistern lässt, verschlägt es uns wieder in den Ice Rink. Es ist noch keinen Monat her, das wir die Schweden im Kiff in Aarau gesehen haben. Damals war der Auftritt nicht schlecht, aber auch nicht überragend. So sind wir gespannt, was uns heute erwartet.

Als das Intro zum aktuellen Tonträger erklingt, ist der Ice Rink sehr gut gefüllt. Und beim Opener „To Drink From The Night Itself“ – dem Titeltrack eben jener LP – ist die Stimmung bereits am Kochen. Ab Beginn ist ein grösserer Pit in Bewegung und die Crowdsurfer halten die Security bei Laune. Mit „Slaughter Of The Soul“ folgt gleich im Anschluss ein Vorgeschmack darauf, was uns am Donnerstag erwartet. Da wird das gleichnamige Kult-Album aus dem Jahr 1995 in voller Länge gespielt. Im Gegensatz zu Exodus sparen sich die Göteborger aber die Lieder dieses Klassikers nicht fürs spezielle Set auf. So stehen 5 der Stücke schon heute auf der Liste. Die restlichen heute gehörten Titel stammen von den beiden letzten Releases. Etwas mehr Vielfalt wäre durchaus möglich bei einer Band mit 6 Studio-Alben. Da aber meine liebsten Sachen der Gruppe damit abgedeckt sind, will ich mich nicht beschweren.

Frontmann Tomas „Tompa“ Lindberg hält sich heute im Gegensatz zum Auftritt im Kiff ziemlich zurück mit Ansagen. Und auch sonst passiert hier einfach nicht extrem viel. Klar, die Band ist gut, und die Songs stimmen eigentlich auch. Aber irgendwie scheint die Stimmung während des Auftritts immer etwas mehr abzunehmen, und auch das Publikum verkleinert sich besonders in der letzten Viertelstunde merklich. Keine Ahnung ob die alle rechtzeitig zu Axxis oder Emperor wechseln wollen, oder ob eine Stunde At The Gates einfach zu lange ist. Mir geht es ehrlich gesagt auch ein bisschen so, nach ungefähr 45 Minuten habe ich eigentlich genug gehört… Das liegt aber eventuell auch daran, dass wir die Band in letzter Zeit wirklich ziemlich oft gesehen haben.

So bleibt ein unter dem Strich zwar guter, aber nicht überragender Auftritt von Tompa und seinen Mitstreitern. Ich bin gespannt, ob die Schweden mich übermorgen auf der Pool Deck Stage mehr begeistern können.

Setliste At The Gates – Ice Rink

Intro – Der Widerstand

  1.  To Drink From The Night Itself
  2.  Slaughter Of The Soul
  3.  At War With Reality
  4.  A Stare Bound In Stone
  5.  Cold

Intro El Altar Del Dios Desconocido

  1.  Death And The Labyrinth
  2.  Daggers Of Black Haze
  3.  Under A Serpent Sun
  4.  The Colours Of The Beast
  5.  Heroes And Tombs
  6.  Suicide Nation
  7.  The Book Of Sand
  8.  Blinded By Fear
  9.  The Night Eternal

Fotos At The Gates – Ice Rink (pam)

Axxis – Star Lounge

Kaufi: Weiter geht’s mit deutschem Sound. Die Melodic Rocker Axxis feiern ihr 30-jähriges und sind heuer zum zweiten Mal Gast auf der 70K. Im Gegensatz zu 2017 müssen die Jungs aus dem Ruhrpott heuer einmal in der Star Lounge antreten. Wenn man bedenkt, welchen Platz vor allem Frontmann Bernie Weiss normalerweise braucht, könnte das heute spannend werden. Die Bewegungsfreiheit wird massiv eingeschränkt – zumal auf der Mini-Bühne auch noch Keyboarder Harry mit seinem Arbeitsgerät Platz haben sollte…

Pünktlich starten Bernie & Co mit «Heavy Metal Brother» in ihre Show, die vor allem von den lateinamerikanischen Fans von Beginn weg frenetisch gefeiert wird. Mit «Tales Of Glory Island» folgt auch gleich der nächste Hammer. Ich bleibe dabei: «Paradise in Flames» ist einfach DAS Axxis-Album überhaupt – schade, dass nicht mehr davon live gespielt wird.

Eines kann der Fronter auch auf Englisch: Quatsch labbern! Bernie ist ein Entertainer und es macht einfach Spass, wie er mit dem Publikum «spielt». In diesem Fall ist es allerdings etwas suboptimal, denn da die Schedule schon recht genau eingehalten werden muss (auf der Bühne steht immer ein grosser Countdown…), fliegt kurzfristig «Heavy Rain» aus dem Programm. Und anstelle von «Heaven In Black» gibt’s den Blutengel: «Blood Angel» ist zweifellos die bessere Wahl!

«Touch The Rainbow» wird wohl für immer und drei Tage einen Platz bei jeder Axxis-Show haben. Das ist heute nicht anders – und der Sänger holt sich wie üblich einen weiblichen Fan auf die Bühne. Heute ist eine Mexikanerin dran, die aber zwischenzeitlich etwas mit dem Rhythmus kämpfen muss. Macht nichts – Hauptsache Spass!

Dann gibt’s zum Abschluss ein Triple mit Klassikern: „Little Look Back“, „Living In A World“ und natürlich „Kingdom Of The Night“ beenden Auftritt Nummer 1. Fans zufrieden, Band zufrieden – alles richtig gemacht! Show Nummer 2 dann auf der Poolstage…

Setliste Axxis – Star Lounge

  1. Heavy Metal Brother
  2. Tales Of Glory Island
  3. Little War
  4. Blood Angel
  5. Touch The Rainbow
  6. Little Look Back
  7. Living In A World
  8. Kingdom Of The Night

Fotos Axxis – Star Lounge (Kaufi)

Brujeria – Ice Rink

Luke: Uns hat unterdessen die Müdigkeit etwas eingeholt. Der lange Tag mit Anreise aufs Schiff, Leute begrüssen und Konzerte schauen hat ein wenig Spuren hinterlassen. Zudem wurde doch auch schon die eine oder andere „Ravioli-Büchse“ – wie wir die grossen 0,75 Liter Fosters-Dosen liebevoll nennen – vernichtet. So verzieht sich Yvonne kurz nach At The Gates in die Kabine. Da ich Brujeria nicht verpassen will, bleibe ich aber noch etwas auf den Beinen. Zur Überbrückung höre ich mir ein paar Töne von Axxis in der vollen Lounge an und schaue für zweieinhalb Songs bei Emperor im ebenfalls sehr gut gefüllten Theater vorbei. Das kann mich zwar beides nicht so richtig überzeugen, aber immerhin bin ich noch wach für den Auftritt der „Mexikaner“ im Ice Rink.

Für Unwissende kurz zu Brujeria: Eigentlich ist die seit 1989 bestehende Combo ein Multi-Nationales Projekt mit dem „Image“ von mexikanischen Drogen-Baronen. Die Mitglieder treten maskiert und mit Pseudonymen auf. Im Laufe der Jahre waren schon einige bekannte Namen unter dem Brujeria-Banner auf der Bühne zu sehen. Als Fan weiss man aber nie genau, was für eine Besetzung einen gerade erwartet. Und so sind ich und ein ungefähr halbvoller Ice Rink gespannt, wer heute Auftritt.

Bei Showbeginn wird klar: bei meinem dritten Brujeria-Konzert sehe ich endlich einmal das langjährige Mitglied „Hongo“ – alias Shane Embury von Napalm Death – live auf der Bühne mit den Jungs. Am Schlagzeug sitzt „Hongo Jr.“, auch bekannt als Nicholas Barker, ehemals unter anderem bei Cradle Of Filth und Dimmu Borgir tätig. An der Gitarre zaubert „El Criminal“ Anton Reisenegger (u.a. Pentagramm Chile, Criminal). Dazu wie üblich die beiden Sänger „Juan Brujo“ und „El Sangron».

Obwohl das eine Mikrofon beim ersten Song ein paar Aussetzer hat, haben die Cabrones das Publikum ziemlich schnell im Sack. Musikalisch wird hier eine Mischung aus Grindcore und Death Metal geboten, die schnell zu den ersten Moshpits im Zuschauerbereich führt. Die kompletten Lyrics der Band sind in Spanisch, und da heute zumindest auf den Stehplätzen auch Grösstenteils Südamerikaner anwesend sind, erfolgen auch die meisten Ansagen zwischen den Songs Ausnahmsweise nicht wie gewohnt in Englisch mit Akzent. Und auch wenn ich nur ein paar Brocken Spanisch verstehe macht das durchaus Spass so.

Shane Embury besticht durch sein unverkennbares Bass-Spiel auf seinem leuchtenden Arbeitsgerät, und auch er scheint bei genauerem betrachten seiner Lippen die Texte zu kennen. Als Engländer, auf Spanisch… Die beiden Frontmänner bieten derweil immer wieder einiges an Entertainment fürs Auge, teilweise einstudierte Schritte und Bewegungen. Bei „Viva Presidente Trump“ kommt jemand mit Maske des Präsidenten auf die Bühne und wird von Juan Brujo standesgemäss mit dem Säbel vertrieben. Ich wundere mich ja immer, ob die Jungs mit Ihren grossen Macheten jeweils Problemlos durch den Zoll kommen… Bei „Consejos Narcos“ wird eine Frau auf die Bühne geholt, welche dem Publikum mittels drehbarem Schild immer anzeigt, ob jetzt „Si!„ (Marijuana?) oder „No!“ (El polvo?) skandiert werden soll.

Und so habe ich meine Müdigkeit für eine gute Stunde komplett vergessen. Da mir das ganze Musikalisch zusagt und auch auf der Bühne einiges an Unterhaltung geboten wird, merke ich gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht. Als das Konzert vorbei ist erklingt (wie eigentlich immer) „Marijuana“ ab Konserve – die „Macarena“-Version von Brujeria. Und nochmals zeigt sich die gute Stimmung, seit den 90ern habe ich nicht mehr eine so grosse Gruppe Leute den Macarena tanzen sehen… Das war der beste Brujeria-Auftritt den ich bisher erleben durfte, und meine Vorfreude auf die Pool-Deck Show am letzten Tag steigt. Würde mich nicht wundern, wenn die Band auf der ganz grossen Bühne nochmals einen drauflegt.

Nun heisst es aber auch für mich erst einmal Schlafen und Kräfte sammeln für Tag 2. Ich übergebe wieder an den scheinbar unermüdlichen Kaufi…

Setliste Brujeria – Ice Rink

  1. Cuiden A Los Ninos
  2. La Ley De Plomo
  3. Viva Presidente Trump
  4. Satongo
  5. Desperado
  6. La Migra (Cruz La Frontera II)
  7. Hechando Chingasos
  8. El Desmadre
  9. Anti Castro
  10. Marcha De Odio
  11. Revolucion
  12. Brujerizmo
  13. Angel De La Fronteira
  14. Consejos Narcos
  15. Colas De Rata
  16. Raza Odiada (Pito Wilson)
  17. No Aceptan Imitaciones
  18. Matando Gueros
  19. Marijuana

Ross The Boss – Star Lounge

Kaufi: Unermüdlich? Joa, kann man heute so sagen. Mitternacht ist längstens durch. Und immer noch hänge ich in der Lounge rum. Der ehemalige Manowar Gitarrist Ross Friedmann steht als nächster Programmpunkt an. Nun, ich war und bin bis heute nicht der grösste Fan von Joey DeMaio’s Truppe. Dennoch nenne ich wie wohl viele andere die beiden Alben „Fighting The World“ und „Kings Of Metal“ mein Eigen, und auch das eine oder andere ältere Stück kennt man natürlich.

Am Bang Your Head!!! Festival letzten Sommer machten Ross The Boss den Abschluss in der Halle. Aus diversen Gründen (böse Zungen behaupten, dass es mit Alkohol zu tun hatte… Frechheit, sowas!) hat’s mich allerdings nicht gepackt damals – aber heute will ich da dennoch unbedingt reinschauen. Die Location ist mehr als anständig gefüllt, da sind einige Fans hungrig auf eine gehörige Portion Trve Metal! Kein Wunder, dass die Stimmung bereits beim Opener „Blood Of The Kings“ richtig gut ist.

 Mit „The Oath“, „Sign Of The Hammer“ und „Kill With Power“ folgt ein Triple aus der Ära vor „meiner“ Zeit, dieses wird nur unterbrochen durch das schnelle „Wheels Of Fire“. Tönt aber alles gar nicht so übel. Doch danach folgt ein richtiges „Best Of“ für meine Ohren. Die restlichen vier Songs könnte ich (und wohl jeder andere der aufgeheizten Fans) problemlos im Schlaf mitsingen. Und natürlich sticht das geniale „Battle Hymn“ hier nochmals deutlich gegenüber dem Rest heraus.

Ja, Manowar haben wirklich geilen Stoff gemacht, vor langer Zeit. So gesehen finde ich das schon cool, dass man einiges davon in diesem kleinen Rahmen mal erleben darf – und das absolut ohne dass man irgendwelche pathetischen Phrasen von einem Selbstdarsteller anhören muss. Ein besonderes Augenmerk legt man natürlich bei diesen epischen Klassikern auf den Gesang. Hier gibt’s etwas Abstriche, denn Marc Lopes kommt schlussendlich nicht an das „Original“ Eric Adams heran. Dennoch macht er einen durchaus starken Job, an dem die Fans ihre wahre Freude haben. Insgesamt also ein ganz starker Auftritt, der a) den Eindruck beim BYH relativiert und b) Vorfreude auf Show Nummer 2 macht.

Setliste Ross The Boss – Star Lounge

  1. Blood Of The Kings
  2. The Oath
  3. Sign Of The Hammer
  4. Wheels Of Fire
  5. Kill With Power
  6. Violence And Bloodshed
  7. Fighting The World
  8. Battle Hymn
  9. Hail And Kill

Fotos Ross The Boss – Star Lounge (Kaufi)

Kaufi: Merchandise. Das alljährliche Thema. Es geht mittlerweile gegen 2 Uhr morgens zu – und vor dem Eingang zum Merch Store tummeln sich bereits wieder einige Leute. Teilweise in Bettdecken eingehüllt, verbringen sie die Nacht da, um möglichst als Erste an die begehrten Shirts zu kommen. Letztes Jahr habe ich mir das auch angetan… Doch da es dieses Mal wohl kaum wirklich etwas Rares für mich dabei hat (so was wie Gloryhammer oder Delain im Vorjahr), ist mir das nun egal. Ich geh mal auf Deck 11 (wie immer treppensteigend – man nimmt keinen Lift auf diesem Schiff! Danke pam…) und genehmige mir einen kleinen Imbiss. Denn mein Programm für die Nacht ist noch nicht zu Ende…

Seven Witches – Ice Rink

Kaufi: Morgens um Viertel vor Vier steht im Ice Rink eine gehörige Ladung US Power Metal auf dem Programm. Und zwar nicht irgendwelche 08/15 Stangenware – sondern 45 Minuten von einem restlos unterbewerteten Album: Seven Witches sind zurück und präsentieren ein „Passage To The Other Side“-Set! Als diese Ankündigung vor ein paar Wochen kam, musste ich dieses Werk wieder einmal ausgraben. Und oha – es war in der Tat viel zu lange, seit dem letzten Durchlauf! Etwas Auffrischung im Vorfeld schadet da nichts…

Die Reunion von Jack Frost und James Rivera ist zweifellos eine gelungene Sache. Der kleine Sänger mit seiner markanten Röhre und der mit Tattoos übersäte Blondschopf bilden optisch einen ziemlichen Kontrast. Musikalisch hingegen sorgt das fast für Pipi in den Augen. Zwar spielen die Hexen das Album nicht von A bis Z durch, „Fever In The City“ und „Betrayed“ fehlen zudem komplett. Dennoch ist es für die leider recht wenigen Fans fantastisch, Tracks wie den Opener „Dance With The Dead“ oder „The Last Horizon“ mal im Live-Gewand zu erleben.

Die komplette Band zeigt sich bei bester Laune: Rivera und Frost strahlen um die Wette, selbst wenn das beim blonden Saitenhexer optisch nicht immer danach aussieht. Der Kerl macht beim konzentrierten Spielen einen solchen Lätsch… Doch sobald er mal den Kopf hochhebt und zu den Fans schaut, zeigt auch seine Mimik den wahren Gemütszustand. Basser Dennis Hayes  geniesst den Auftritt ebenso wie Drummer Jeff Curenton, der die Band gnadenlos nach vorne peitscht. Das Publikum ist ebenfalls zufrieden – allerspätestens als die Übernummer „Passage To The Other Side“ an der Reihe ist. Genau da merkt man, dass einmal mehr ein grossartiges Album nie die Beachtung erhielt, die es verdienen würde! Mit „Mental Messiah“ und dem tiefgründigen „Nature & Wrath“ folgt danach der Abschluss der Show.

So endet nach 45 Minuten ein vielumjubeltes und absolut gelungenes Comeback, welches deutlich mehr Fans verdient gehabt hätte. Der einzige Wermutstropfen – die Frage sei erlaubt, warum Frost und Co. für diesen Set keinen besseren Slot erhielten. Aber egal, für die Standfesten hat sich das Aufbleiben zweifellos gelohnt! Und für mich sollte es am Tag 4 noch eine persönliche Begegnung mit dem Mastermind geben… (Anm. pam: Wo bleibt hier das “Danke pam”? Oder kommt das noch) ;-)).

Setliste Seven Witches – Ice Rink

  1. Dance With The Dead
  2. Johnny
  3. Apocalyptic Dreams
  4. The Last Horizon
  5. Wasted
  6. Passage To The Other Side
  7. Mental Messiah
  8. Nature & Wrath

Fotos Seven Witches – Ice Rink (Kaufi)

Kaufi: Es ist halb Fünf, die Schlange am Merch hat sich deutlich verlängert. Auch wenn sie heuer deutlich kürzer ist um diese Zeit als noch vor Jahresfrist… Für mich gibt’s nach wie vor keinen triftigen Grund, da anzustehen (Kissin‘ Dynamite haben kein Festival Shirt und Bloodbound wird hoffentlich nicht so gefragt sein, dass ich später keines mehr bekomme…) – somit mal ab ins Bett und sich ein paar Stunden Schlaf gönnen. Und weg…

Fortsetzung Tag 2 folgt in Kürze


Wie fandet ihr das Festival?

/ / 07.02.2020
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