Metalinside.ch - 70'000 Tons of Metal 2020 - Pre-Cruise - Warm-up Beach Party - Foto pam
Di–Sa, 7.–11. Januar 2020

70’000 Tons of Metal 2020 – Exodus, Epica, Haggard u.v.m.

Independence of the Seas (Fort Lauderdale, USA/Karibik)
/ / 07.02.2020

Und jährlich grüsst das Murmeltier

Fotos Tag 2 werden in den nächsten Tagen laufend ergänzt. Die Berichte zu Tag 3 und 4 der 70’000 Tons of Metal 2020 folgen in den nächsten Wochen.

Kaufi: Und doch ist 2020 anders: So früh wie noch nie beginnt in diesem Jahr die grösste Metal Party auf hoher See – 70’000 Tons of Metal!

pam: Und so spät wie nie erfolgen die Bekanntgabe des Line-Ups und der Vorverkaufsstart.

Kaufi: Es ist etwas ungewohnt, keine Frage. Mehrere Jahre war der Termin mit dem ersten Weekend im Februar gesetzt für die geilste Kreuzfahrt der Welt. Für mich als grosser NFL-Fan hiess das auch immer: SuperBowl auf dem Schiff. Doch dieses Jahr ist einiges anders. Einerseits schiffen wir nun von Dienstag bis Samstag durch die Karibik, kein Wochenende mehr an Bord (pam: Wie zu guten Majesty-Zeiten … so kann man gemütlich am Wochenende an- und abreisen). Andererseits sticht die «Independence Of The Seas» mit uns so früh in See wie noch nie zuvor. Das neue Jahr beginnt heftig! Während diverse Kollegen den Jahreswechsel grad in Übersee verbringen (Bahamas, Panama…), düse ich mit meinem Zimmer-Kumpan Säm am 4. Januar nach Miami, auch unser Gastschreiberling Sandro kommt gleichentags an, während Ober-Metalinsider pam bereits seit Freitag, 3. Januar 2020 in den USA weilt.

pam: Wie vor zwei Jahren mache ich vor meiner siebten 70’000 Tons of Metal mit meinen Kumpels Shy-d und Hagi sowie mit meiner Rockerbraut Nicole eine Pre-Cruise-Cruise. In diesem Jahr jedoch nur ein verlängertes Wochenende. Nach einem sehr gesitteten Anflug mit der Triple-Seven der Swiss – es gibt trotz einiger Mit-Cruiser und Metal-Heads an Bord bis kurz vor der Landung Bier (das war auch schon anders …. da hat die Swiss vorgesorgt und unser persönlicher Konsum ging in erster Linie zu Lasten des fliegenden Weinkellers) – quartieren wir uns direkt am Ocean Drive auf South Beach für die erste Nacht ein. Nach ein paar Bierchen treffen wir auf dem Weg zum Futtertrog spontan Metalinside-Kollege Luke und seine Verlobte Yvonne und bleiben prompt hängen. Einstimmen tue ich mich dann noch mit einer Romeo y Julieta. Wenn schon Florida, dann gerne karibischer Lifestyle.

Am Samstagmorgen geht’s dann gleich los, Harleys übernehmen (auch wenn das Herz für Indian schlägt, meine Geronimo zu Hause soll mein Fremdreiten bitte nicht erfahren) und dann einfach mal ein paar Stunden geradeaus und die gefühlt zwei Kurven bis nach Key West auskosten. Ja, das Ganze ist eine Alibi-Geschichte, um den Aufenthalt in Florida zu verlängern. Bekanntlich bin ich ja nicht soooo angetan vom Altersheim der Amis. Aber mit Freunden und so als Gang macht das schon auch Spass. Ich hab wie immer beim Reiten von Stahlrössern ein Dauersmile. Pünktlich zur Beach-Sause am Montagnachmittag sind wir dann wieder zurück auf South Beach. Ein kleines Highlight auf Key West war die Grabinschrift eines wohl etwas frustrierten Gestorbenen: “I told you I was sick …” (siehe Bilder nachfolgend). Galgenhumor nach dem Tod … Respekt.

Kaufi: Wir sind wiederum in Hollywood, FL, einquartiert. Da wir es alle etwas gemächlich angehen lassen wollen (Sonne, Bier, Strand, Bier, Chicken Wings, Bier, Burger, Bier, NFL Playoffs… Bye Bye Patriots!), verzichten wir zudem für einmal auf den Besuch in South Beach und überlassen die an sich geniale Warm Up Party am Strand den anderen. Pam zum Beispiel. Der wird wohl einiges zu erzählen haben…? Oder natürlich Luke, der gibt ja schon im Vorfeld richtig Gas…?

Luke: Auch meine bessere Hälfte Yvonne und ich sind bereits in Florida. Aufgrund etwas günstigerer Flugpreise haben wir uns für eine Anreise am 1. Januar entschieden. Und während wir bei unserer ersten Cruise 2019 noch in Fort Lauderdale nächtigten, haben wir uns diesmal in South Beach direkt beim Party-Hotel Clevelander einquartiert. Die ersten Tage verbringen wir mit dem Erkunden der Gegend, dem Genuss von überteuertem Bier am Ocean Drive und diversen Football College Bowls in unserer temporären Stammkneipe Finnegan’s Way. Dort treffen wir am Freitagabend auch zufällig auf pam und seine Truppe, welche froh ist um ein Gepäckdepot bei uns im Hotel während ihrer Töff-Tour nach Key West (pam: Nochmals herzlichen Dank dafür!).

Fotos Pre-Cruise-Cruise – Miami – Key-West – Miami (pam)

Heavy Metal Beach Party – Samstag 4. Januar 2020

Luke: Ab Samstag gehen dann die inoffiziellen, jährlichen Beach Partys los. Der Start erfolgt durch eine Rooftop-Party im Clevelander. Als wir nach dem ersten NFL Playoff-Spiel auf der Dachterrasse eintreffen, ist diese schon ordentlich mit Metalheads aus aller Welt gefüllt und wir treffen auch erste Bekannte. Zudem erwerben wir bereits mexikanische Bootleg-Patches – da es leider keine offiziellen Aufnäher gibt, ist das der einzige Weg die Cruise auf der Kutte zu verewigen. Es ist aber etwas windig hier, die beiden Bars fallen durch ziemlich lange Wartezeiten negativ auf und zudem ist kein TV vorhanden. Also ziehen wir nach ungefähr einer Stunde mit einer Gruppe Gleichgesinnter weiter ins Lost Weekend. Auch dort hat es einige Cruiser, zudem kann man die Niederlage der Patriots auf Bildschirmen mitverfolgen. Und so steht eine erste lange und feuchtfröhliche Nacht an…

Heavy Metal Beach Party – Sonntag 5. Januar 2020

Luke: Sonntags findet dann eine Premiere statt: Zum ersten Mal gibt es im Rahmen der Heavy Metal Beach Party auch einen Event mit Live-Musik, diesen wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Trotz leichtem Kater vom Vorabend werden im Hotel noch die neu erworbenen Patches aufgenäht (pam: Luke macht das also wirklich von Hand !!!). Danach geht es mittels Shuttlebus auf die Insel Virginia Key. Hier wurde durch Doro und ihr Team ein wirklich schönes Gelände hergerichtet. Die Bühne steht ungefähr 40 Meter vom Meer entfernt, zudem gibt es Stände mit extra gebrautem Bier, Drinks und Essen. Und das alles zu fairen Preisen. Direkt am Ufer hat es ein grosses Lagerfeuer, welches im Verlaufe des Abends auch von vielen Personen zum Aufwärmen genutzt wird. Im Gegensatz zu den Tagen zuvor ist es heute nämlich nach Sonnenuntergang einiges kühler geworden. So hoffen wir, dass uns die Bands etwas erwärmen… Da der Headliner Goatwhore leider absagen musste, sind mir alle auftretenden Gruppen unbekannt. Ich lasse mich aber gerne überraschen.

Vitality

Luke: Da wir noch NFL geschaut haben verpassen wir die erste Band Maedusa aus Miami. Pünktlich zu Vitality aus Frederick, Maryland sind wir dann aber vor der Bühne. Die Jungs spielen melodischen Death Metal, der ziemlich abwechslungsreich daherkommt. Da ist zwischendurch auch etwas Thrash auszumachen, teilweise klingt das aber auch ein bisschen nach Viking-Death à la Amon Amarth. Und zwischen den eigentlichen Songs werden gerne mal bekannte Melodien wie «Eye Of The Tiger» oder die Titelmusik von «Hawaii 5-0» angespielt.

Die Band glänzt durch grosse Spielfreude und der Sänger Jeff Novosel wirkt sehr sympathisch. Durch Fragen nach dem Herkunfts-Kontinent der Anwesenden oder dem bisherigen Alkoholkonsum bezieht er auch das Publikum mit ein. Ein guter und sehr kurzweiliger Auftritt!

Setliste Vitality

  1. Miserlou
  2. S.T.F.D.
  3. Tears Of Sorrow
  4. Eye Of The Tiger
  5. Deathbanger
  6. Cry Of The Nord
  7. Hawaii 5-0
  8. Back To Blood
  9. Carnivorous
  10. The Arbiter

Cyber Strike

Luke: Auch die zweite Band kommt aus dem Staat Maryland, genauer gesagt aus Baltimore. (Anm. Kaufi: Eine Woche später ist auch da Trauerstimmung angesagt – bye bye Ravens…. ) Cyber Strike spielen eine ziemlich interessante Variante von (Thrash) Metal. Sänger Dave Diamond verfügt über eine wirklich aussergewöhnliche Stimme, klingt für mich ein bisschen wie eine Mischung aus Chuck Billy von Testament und Lemmy. Und auch die Songs lassen viele verschiedene Einflüsse erahnen. Am meisten erinnert mich das an melodischen Thrash wie ihn zum Beispiel auch Sacred Reich spielen, aber auch die Räudigkeit von Motörhead scheint teilweise etwas durch. Und die Gitarrenmelodien würden stellenweise zu einer Power Metal-Band gut passen.

Zudem klingt auch der Sound gut: Obwohl Open Air und teilweise sehr windig stimmt die Abmischung ausgezeichnet – wie schon bei der Gruppe zuvor. Die Lautstärke ist zwar eher hoch, aber das bin ich mir mittlerweile von Konzerten in den USA (oder auch auf dem Schiff) gewohnt. Nach ungefähr 40 Minuten ist dann auch dieser gelungene Auftritt vorbei, und wenn es so weitergeht, bin ich mehr als zufrieden.

Setliste Cyber Strike

  1. End Of Days
  2. Bite The Bullet
  3. Pharoah’s Tomb
  4. Smiling Through Sadness
  5. Shape Shifter
  6. No More Hiding
  7. Mirrored Lake

Cell

Luke: Leider geht es aber nicht ganz so weiter. Als die drei Mitglieder von Cell aus Winnipeg, Canada die Bühne betreten ahne ich schon was uns erwartet. Dank Corpsepaint rechne ich nicht mit Glam Rock, und tatsächlich spielen die Jungs richtig fiesen Black Metal. Es gibt wenige Bands in dem Genre, mit denen ich warm werde, und Cell gehören definitiv nicht zu diesen Ausnahmen. Musikalisch ist das alles andere als spannend, zudem übertreibt es der Frontmann auch mit dem Hall auf seiner Stimme. Sogar seine angepissten Ansagen zwischen den Songs erfolgen «verhallt», was irgendwo zwischen peinlich und unfreiwillig komisch rüberkommt. Ausserdem beschwert er sich mehrmals darüber, dass nun doch einige Leute das Feuer am Strand der Bühne vorziehen.  Es ist aber auch wirklich kalt geworden, wenn auch sicher nicht so kalt wie in seiner kanadischen Heimat, wie er richtig bemerkt. Aufgrund des Dargebotenen kann ich diese Entscheidung aber niemandem verübeln…

Solemn Vision

Luke: Schon die nächste Band kann aber zumindest mich wieder von Feuer weg und vor die Bühne ziehen. Solemn Vision stammen aus New York City und haben einen ziemlich abgefahrenen Sound mitgebracht. Grundsätzlich wäre die passendste Schublade dazu wohl Death Metal, die einzelnen Songs variieren aber ziemlich stark zwischen Melodic Death und etwas heftigerem Stoff. Dazu kommt teilweise ein leichter Black Metal-Einfluss, wenn auch viel besser gespielt als bei der vorherigen Band. Zudem wird auf vorhersehbare oder simple Songstrukturen praktisch komplett verzichtet, die Lieder weisen einige Wendungen und Tempowechsel auf und kommen öfters richtig progressiv daher. Die Band würde tiptop auf eine Tour mit Revocation passen, auch wenn musikalisch schon Unterschiede zwischen den Gruppen bestehen.

Sänger Aaron Harris hat ein unglaublich vielseitiges Organ. Von tiefen Growls über hohe Screams bis zu kurzen Cleangesang-Passagen scheint der Gute alles zu können. Die Stimmung ist auch im Publikum super, so sind nun die ersten Moshpits und die erste Wall Of Death des Abends zu bestaunen.

Gegen Ende des knapp 50-Minütigen Sets teilt uns der Frontmann noch mit, dass sämtliche Bandmitglieder auch auf der Cruise anzutreffen sein werden. Ist dann auch so, die Jungs verteilen auf dem Schiff fleissig bedruckte Flaschen-Kühler. Ziemlich clevere Marketing-Idee…. Zudem wird noch ein Kumpel der Gruppe auf die Bühne geholt, welcher bei der Gelegenheit seiner Freundin einen Antrag macht. Interessante Band und guter Auftritt, nächstes «Like» auf Facebook wird fällig.

Soulburner

Luke: Unterdessen ist es nicht nur meiner Freundin Yvonne ziemlich kalt, auch ich friere langsam aber sicher ein bisschen. Nach mehreren Tagen mit zwischen 25 und 30 Grad bin ich auch einfach auf wärmeres Wetter eingestellt momentan, auch wenn es in der Schweiz sicher noch kälter ist… Die Kolumbianer von Soulburner will ich mir aber noch kurz ansehen, schliesslich haben die Jungs den ganzen Abend fleissig Visitenkarten mit ihrer Auftrittszeit verteilt. Das soll doch belohnt werden.

Die Truppe aus Bogota ist unter diesem Namen bereits seit dem Jahr 2000 unterwegs, und das merkt man auch. Das Quartett wirkt sehr routiniert auf der Bühne. Musikalisch wird leicht angeschwärzter Old School Death Metal im Stile von Morbid Angel geboten. Beim leider bereits etwas ausgedünnten Publikum kommt das Ganze bestens an, ab Beginn gibt es einen ordentlichen Pit vor der Bühne. Allerdings könnte das auch dem stetig steigenden Alkoholpegel geschuldet sein und nicht nur der Band. Mich persönlich haut das jedenfalls nicht vom Hocker. Man merkt den Jungs zwar ihre Spielfreude an, wie so oft bei südamerikanischen Death Metal Acts ist aber keine riesige Abwechslung in den Songs vorhanden. Nach spätestens drei Liedern hat man eigentlich alles gehört.

Da auch grad ein Shuttlebus bereit steht entscheiden wir uns, nun wieder zurück nach South Beach zu fahren und auf die letzte Band zu verzichten. Wir lassen den Abend im einiges wärmeren Mac’s Club Deuce ausklingen, wo einige unserer Freunde schon etwas früher hin sind. Zwar ohne Live-Auftritte, dafür mit Jukebox…

Warm-up Beach Party – Montag 6. Januar 2020

Luke: Nach einer erneut ziemlich strengen Nacht haben wir es am Montag gar nicht übertrieben pressant an die traditionelle Beach Party am Strand zu kommen. Nachdem pam und Co. unter kritischen Blicken der Putzfrau ihre Sachen bei uns im Zimmer abgeholt haben, machen wir uns dann aber langsam bereit. Als wir am Strand auftauchen, ist schon eine ordentliche Menge schwarz gekleideter und gut gelaunter Leute versammelt. Hier ist nun friedliches Bier trinken, Bekannte begrüssen und neue Leute kennen lernen angesagt. Und natürlich das wichtigste: posieren für die Gruppenfotos der unzähligen Fotografen (inklusive pam) auf dem Lifeguard-Häuschen.

Das eigentlich geltende Alkoholverbot am Strand scheint heute keinen zu interessieren (pam: Was schon wunderbare Tradition ist … bei meiner ersten Beach Party 2012 hat man noch aus Pappbechern oder in Schuhen und Papiertüten verpackten Bierdosen getrunken). Auch die mit der Zeit doch ziemlich zahlreich anwesenden Polizisten schauen dem ganzen Treiben doch eher belustigt als wirklich kritisch zu. Erneut ein wirklich gelungener Anlass. Ein grosses Lob gebührt dem Team um Doro, welches diese ganzen Beach Party-Events jeweils in stundenlanger freiwilligen-Arbeit auf die Beine stellt! Gut möglich, dass wir uns auch nächstes Jahr wieder für einen Aufenthalt in South Beach entscheiden.

pam: Die Warm-up Beach Party am Tag vor dem Boarding der Independence hat schon ziemlich Tradition und ist eigentlich ein superfriedlicher Flash-Mob. Alle Nicht-Metaller staunen da immer wieder, was da so un-south-beachig abgeht. Und das ist auch immer der Moment, wo man bei den 70’000 Tons of Metal ankommt. Ab da ist man nur noch im Community-Feeling und im Flow der Cruise. Man trifft bekannte Gesichter … und diesem Jahr fehlt jedoch das eine oder andere wie erwartet aufgrund des früheren Datums. Ohne mich hier jedes Jahr Wort für Wort zu wiederholen, aber das ist auch der Moment, bei dem man einfach stolz ist, der weltweiten Metal-Community anzugehören. Die einzige Religion die global ist und keine Kriege anzettelt.

Nach der Beach-Party gehts mit uns traditionellerweise ins Irish Pub zu den besten Chicken Rolls der Welt. Leute, probiert die aus, das ist was vom besten was ihr je gegessen habt !!! (Luke: So gut, dass man glatt mit einem Smile auf den kauenden Lippen einschlafen könnte, gell pam 😉 Generell aber ein sehr gutes Pub! Auch wenn ich mit schwarzen Fingernägeln rausgekommen bin – ein lohnenswerter Besuch!). Hey, Luke, der kommt zurück! Ich hab ja noch ein paar Tage zu schreiben … 😉

Fotos Warm-up Beach Party 2020 (pam)

 

Dienstag, 7. Januar 2020 – Tag 1

Kaufi: Irgendwie schon komisch. Während alle Leute in den sozialen Medien rumjammern über das besch… eidene Billing, habe ich selbst so viele Bands auf meiner Liste, die ich sicher sehen oder bei denen ich zumindest reinschauen will, wie noch nie zuvor. Zugegeben: Insgesamt fehlen die GANZ grossen Namen dieses Jahr, die richtigen Headliner der Marke Sabaton, Accept, Blind Guardian, Amon Amarth oder Kreator. Doch das Programm ist ausgewogen, hier gibt’s wahrlich für jeden Musikgeschmack etwas – zumindest wenn dieser Geschmack irgendwie mit Heavy Metal zu tun hat…!

Nun gut – ohne Jammern geht’s natürlich trotzdem nicht. Die Running Order sorgt alljährlich für Diskussionen und teilweise Fragezeichen. Man erinnere sich daran, dass beispielsweise Gloryhammer im Vorjahr in die Lounge verbannt wurden – und man da danach einen Live-Test hatte, wie viele Leute drin Platz haben… Ich für meinen Teil sehe jedenfalls mit Schrecken, dass ich vor allem am ersten Tag kaum aus dieser doofen Star Lounge rauskommen werde. Drei der fünf «Must See»-Bands spielen heute genau da…

Doch was soll’s! Als wir nach dem Mittag auf das Schiff kommen, sind solche «Sorgen» weit weg! Es ist einfach, wie wenn man nach Hause kommt! Man trifft viele bekannte Leute, die ersten Biere werden vernichtet (über die Preise hüllen wir den Mantel des Schweigens…), Steffen von Kissin’ Dynamite läuft einem bereits über den Weg, ebenso Jack Frost von den Seven Witches. Noch vor der obligaten Rettungsübung plaudert man oberhalb dem Pooldeck mit Kissin’ Dynamite und Axxis. Und dazwischen wird man auch von den CMM Leuten herzlich begrüsst, als wir unsere Fotobändeli abholen. Hach, es ist einfach schön hier!

pam: Ja, es ist schon wie ein Nachhausekommen. Die Routine nimmt mit jedem Jahr zu und damit wohl auch etwas die Aufgeregtheit. Man checkt sich ein, läuft die Rampe hoch aufs Schiff und wird von den kreischenden Pool Girls empfangen. Stopp! Rewind. Mann und Frau läuft die Rampe hoch und wird von kreischenden Pool Girls und johlenden Pool Boys empfangen. Shit? Echt jetzt? Pool Boys? Wird jetzt sogar der Metal vom Sexismus gesäubert? #Me Too lässt grüssen. Nun, natürlich gönne ich Frau und allen anderen weiblichen und flexiblen Wesen auf dem Schiff auch was für deren Augen. Leider hat aber dafür etwas die Attraktivität der Pool Girls gelitten. Die sahen auch schon besser aus. Oops, jetzt sind wir wieder mitten in den Clichés drin. Lassen wir es sein. Jedem das seine und damit hat Andy & Co. mit den Pool Girls und Boys genüge getan. Und ich hab das Essen ja eh von zu Hause mitgebracht ;-).

Line-up: Nun, man kann es drehen und wenden wie man will. Es ist in diesem Jahr sicher das bisher schwächste Aufgebot an internationalen Szene-Grössen. Auch wenn man bei der Cruise offiziell nie von Headlinern spricht – dazu mehr später von der Pressekonferenz – wie Kaufi schon geschrieben hat, es fehlen die Namen, die in der Schweiz eine Samsung Hall oder gar das Hallenstadion füllen. Ist auch weniger erstaunlich, da man ja so spät wie noch nie dran war mit dem Line-up. Und DAS ist das Unschöne bei der ganzen Geschichte. Jedes Jahr verspricht uns Andy, dass es im nächsten Jahr besser wird und bisher passierte eigentlich immer das Gegenteil und das frustriert dann halt doch auch die loyalen 70K-Cruiser. Wir wissen ja, am Ende klappt es, wir steigen auf den Kutter und es funktioniert. Wir ziehen auch jedes Jahr wieder den Hut vor Andy, was er auf die Beine gestellt hat und beschwichtigen die Freunde, die zum ersten Mal dabei sind x-Mal, dass sie keine Angst haben müssen und die Cruise wie gewohnt stattfindet. Eines Tages wird es jedoch den Hut verblasen, wenn der Wind in der Kommunikation nicht endlich dreht.

Aber, was cool ist, abgesehen von den ersten zwei Jahren, hatte ich noch nie so viele neue Bands zu entdecken wie in diesem Jahr. Die Wiederholungen aus den Vorjahren sind relativ tief (Achtung: Man betone “relativ”). So freue ich mich zwar nur auf ganz wenige grosse persönliche mir bekannte Highlights wie Haggard, dafür umso mehr bin ich gespannt auf die mir noch unbekannten Namen. Und grad in meiner Lieblingsdisziplin – dem Thrash Metal alter Schule – gibt es doch drei, vier die sich auf dem Papier doch schon mal sehr spannend lesen.

Vio-Lence – Ice Rink

Kaufi: Eine der Bands, die auf meiner «mal reinhören» Liste steht, eröffnet den Konzertreigen im Ice Rink. Vio-Lence, eine Thrash Metal Band aus San Francisco. Ich sehe einige ältere Herren, die so irgendwie überhaupt nicht nach Thrash aussehen, auch wenn Sänger Sean Killian das Publikum gleich richtig anstachelt. Dies lässt sich nicht lange bitten bis zum ersten Circle Pit der Ausgabe 2020 und auch Crowdsurfer #1 wird schon bald von der extrem entspannten Security aufgefangen.

Musikalisch ist es hingegen die Art von Thrash, die mir nicht wirklich gefällt. Somit muss ich mich a) nicht darum kümmern, wann die zweite Show ist und b) kann ich das Feld pam überlassen, der diese Truppe offenbar deutlich besser findet als ich. Chef, übernehmen Sie…

Luke: Ich bin zwar nicht pam, aber erlaube mir trotzdem zu übernehmen 😉 Denn das ist im Gegensatz zu dir Kaufi für mich ganz genau die Art von Thrash, die mir sehr gut gefällt! Auch wenn ich vor der Cruise nicht ein Die Hard- Fan oder krasser Kenner der Band war, ist Vio-Lence doch ein Name, den Freunde von 80er-Jahre Thrash zumindest schon gehört haben sollten. Die beiden Alben „Eternal Nightmare“ von 1988 und „Oppressing The Masses“ von 1990 sind beide Kult. Und Lead-Gitarrist Phil Demmel war nicht nur während vieler Jahre Mitglied von Machine Head, sondern hat live auch schon Slayer unterstützt.

Stilistisch klingt die Band nach richtigem Old School Crossover-Thrash. Besonders die Vocals von Sean Killian würden auch zu einer Punk-Band bestens passen, aber auch musikalisch ist hier definitiv eine gewisse Nähe zum Hardcore der 80er Jahre vorhanden. Und zudem ist der Mann auch optisch Crossover, Shorts zu massiven Kampfstiefeln habe ich doch schon länger auf keiner Bühne mehr gesehen… Das Publikum wird mit „Hello World“ begrüsst – und die Freude, dass man diese Cruise eröffnen darf, scheint gross zu sein. Auch wenn der Frontmann während der Songs sehr gerne grimmig ins Publikum schaut, wirken die Ansagen dazwischen alles andere als unsympathisch. Und auch nach der Show erweist sich der Gute als sehr entspannter und gut gelaunter Zeitgenosse.

Die heute gespielten Lieder stammen allesamt von den beiden eingangs erwähnten Kult-Alben und sind einem grossen Teil des leider nicht übermässig zahlreich anwesenden Publikum bekannt. Allgemein herrscht sehr gute Stimmung im Ice Rink, mit viel Bewegung vor der Bühne. Und auch der Sound ist überraschend gut. Waren letztes Jahr die ersten Konzerte in dieser Location noch fürchterlich abgemischt, klingt das heute ganz ordentlich. Etwas laut zwar, aber daran werden wir uns gewöhnen müssen…

Die 45 Minuten vergehen wie im Flug, ein wirklich guter und kurzweiliger Auftritt. Während der ganzen Show hatte ich den Vergleich zu einer Schweizer Band im Kopf und mir überlegt, ob ich den im Bericht bringen kann. Als dann pam auf dem Weg vom Fotograben nach hinten bei mir vorbei kommt und findet, dass sei ja „wie Hellvetica, einfach in alt“ bin ich froh, dass nicht nur mir eine gewisse Ähnlichkeit auffällt… Ich hoffe sehr, Vio-Lence bald in der Schweiz live erleben zu dürfen! Pam und ich wüssten da einen guten Support-Act (pam: So true!).

pam: Danke Kaufi fürs Intro und Luke fürs Vorwegnehmen. Nun, ich bin zwar pam, aber will jetzt nicht alles wiederholen, was da oben schon geschrieben wurde. Aber Vio-Lence ist definitiv eine der Bands auf dich ich mich freute, mal live zu erleben und ja, definitiv zu entdecken. Und ich werde nicht enttäuscht. Genau meine Überholspur. Dass mit den älteren Hellvetica hab ich mir ins Mini-Mini-Notizenbüchli – danke Kaufi dafür (fürs Notizbüechli, da ich doch glatt meinen Schreibblock vergessen habe) – reingekritzelt. Und aber auch, dass es Anthrax meets D.R.I. ist und die Band im Jahre 1985 in der Bay Area, in der Blütezeit und im Mekka des Thrash Metals, gegründet wurde. Solch gemixtes löscht meinen Durst nach der täglich empfohlenen Thrash-Dosis wunderbar. Da bleibt nichts mehr übrig, da lechze ich richtig danach. Und so richtig geil ist Sänger Sean Kilian. Der Typ sieht in seiner Diktatorkluft wie der Mini-Me in gross aus. Er zuckt so richtig rum, dass ihm fast die Adern platzen (siehe Fotos …).

Sein Rumgezucke und das Gezocke seiner Kollegen animieren die Meute schon zu einem grosse Mosh-Pit. Im Gegensatz zu Luke hab ich mir notiert, dass der Rink schon sehr gut besucht ist; vor allem wenn man bedenkt, dass jetzt grad auch der Dampfer aus dem Hafen fährt, was für die meisten Cruiser der Moment an Deck ist. 

Das Schlusswort übergebe ich gerne Sean, der es nicht treffender ausdrücken konnte: “The party has started!”. Wie wahr (entschuldige, jetzt hatte ich doch wieder das letzte Wort … aber es geht ja noch weiter 😉 ). 

Setliste Vio-Lence – Ice Rink

  1. I Profit
  2. Calling In The Coroner
  3. Kill On Command
  4. Phobophobia
  5. Officer Nice
  6. Eternal Nightmare
  7. Serial Killer
  8.  World In A World

Fotos Vio-Lence – Ice Rink (pam)

Archon Angel – Royal Theater

Kaufi: Die Thrash-Dosis zu Beginn hat mich wie erwähnt eher kalt gelassen. Das dürfte mit der folgenden Band kaum der Fall sein – ab ins Theater! Archon Angel spielen da ihre erste Show… Wie bitte? Wer ist Archon Angel? Das hat sich wohl im Vorfeld manch einer gefragt – ich inklusive. Nun, alleine die Tatsache, dass da ein gewisser Zak Stevens am Mikrofon stehen wird, war für mich Grund genug, diese Band sofort als «Muss» zu markieren! Für Unwissende und andere Banausen sei erwähnt, dass Zak seines Zeichens mehrere Jahre als Sänger und Sidekick von Jon Oliva bei den grossartigen Savatage unterwegs war…

Relativ früh bin ich am Bühnenrand und schwatze mit meinem australischen Buddy Dallas, als wir die Bekanntschaft von Mrs. Stevens machen! Kate stellt sich vor, erzählt Geschichten über Archon Angel (für die sie selber die Texte geschrieben hat) und schwärmt von Zaks Mit-Musikern. Speziell den Keyboarder, den sie nicht gekannt hat, lobt sie über den grünen Klee. Als die Band bald darauf die Bühne betritt, trifft mich beinahe der Schlag – denn der besagte Keyboarder ist niemand Geringeres als Alessandro Del Vecchio von Hardline! Mich wundert nun gar nichts mehr… Wobei es irgendwie nun trotzdem logisch scheint, denn hinter der ganzen Geschichte steht das italienische Plattenlabel Frontiers Records.

Zak und seine neue Mannschaft lassen denn auch grad mal gar nichts anbrennen und starten mit «Taunting Cobras» in ihren Set – ein Track aus seligen Savatage Zeiten. Allerdings einer, den ich persönlich immer mau gefunden habe. Aber hey – wieder mal was von Savatage live hören, da darf man nicht zu wählerisch sein!

Danach folgt ein grosser Block mit Songs vom kommenden Debüt-Album der Band. Allesamt werden (natürlich) das erste Mal live gespielt. Hier überzeugt mich vor allem «The Serpent» am Meisten. Ansonsten ist es recht schwer, ein vernünftiges Urteil zu bilden. Schlecht ist es allerdings zu keiner Sekunde – doch es ist klar, dass hier einmal Hören niemals reicht, um sich ein Bild zu machen.

Gegen Ende des kurzen Auftritts wird es nochmals nostalgisch. Zak packt nochmals ein Triple aus den 90ern aus: «Hall Of The Mountain King» (ok, das ist sogar aus den 80ern…), «Damien» und das viel umjubelte «Edge Of Thorns» (Hühnerhaut pur!) setzen dem Spektakel den Deckel auf. Es mag zwar im Moment etwas unfair erscheinen – aber den alten Savatage Klassikern kann man halt kaum das Wasser reichen. So gesehen müssen sich Archon Angel sicher noch anstrengen. Dennoch ein grossartiger Auftritt, der Lust auf mehr macht. Und da gibt es mit «Chance» (pam: Ui ja, DER Savatage-Übersong!) und «Handful Of Rain» durchaus auch noch nette Dinge, die der gute Zak den Fans servieren kann… So, und jetzt mal das kulinarische Angebot austesten. Erst zum zweiten Mal überhaupt schaffe ich es heute ins grosse, edle Restaurant… Denn da ich noch genügend Zeit in der Lounge verbringen werde, verzichte ich vorerst auf Edenbridge.

pam: Ich will jetzt nicht unnötig in die Verlängerung. Das Spiel ist ja mit den Worten von Kaufi schon entschieden und ich werde mit ihm von unseren Freunden im à la Carte-Restaurant erwartet. Aber ich muss sagen, Archon Angel unterhalten mich auch wunderprächtig. Ich bleib das ganze Set im Theater. Ich hab zwar die komplette Savatage Sammlung – ich wurde durch “Chance” angefixt – aber so richtig bis auf diesen einen Song hat es mich nie wirklich gepackt. Doch heute kommt das mit den Savatage-Songs ganz gut rüber im Live-Gewand und auch der Rest will mich unterhalten. So, jetzt aber ab in die Futterhalle.

Setliste Archon Angel – Royal Theater

  1. Taunting Cobras
  2. Rise
  3. Faces Of Innocence
  4. Fallen
  5. Twilight
  6. The Serpent
  7. Hall Of The Mountain King
  8. Damien
  9. Edge Of Thorns

Fotos Archon Angel – Royal Theater (Kaufi/pam)

pam: Sodeli Essenspause. Die ist wichtig in einer Erzählung, damit die Protagonisten auch  menschliche Züge haben. Also auch Essen und andere abführende Geschäfte machen. Aber zuerst mal essen. So ein, zwei Mal pro Cruise sollte man sich das à la Carte-Resti schon gönnen. Wobei im Schnitt über all meine 7 Cruises war es wohl unter 1. Rein foodmässig ist das nicht wirklich zwingend, da hält das Buffet im Windjammer gut mit, aber mit Freunden ist das schon eine gemütliche Geschichte in dem imposanten Essenssaal und anstelle Bier auch mal ein, zwei Glas Wein. Gemütlicher heisst aber nicht unbedingt ruhiger.  Denn auch hier hämmert es aus dem Boxen mehr Death als Rock und immer wieder Gejohle von unserem lieben Mitcruisern. Also, Luke, du darfst wieder, das Essen wird sonst kalt.

Fotos à la Carte Restaurant mit Kaufi und Freunden (Thomy & Vera – Fotos pam)

Exodus – Royal Theater

Luke: Das mit dem Essen haben wir schon erledigt. Die paar Töne die wir von Archon Angel gehört haben waren für uns nicht Grund genug zu bleiben. Und schliesslich wollen wir bereit sein für das erste Set von Exodus. Für mich sind die Bay Area-Thrasher sowas wie der Headliner der Cruise. Und scheinbar geht das nicht nur mir so, das Royal Theater ist bereits 10 Minuten vor Beginn gerappelt voll.

Als Intro ertönt „Come Sail Away With Me“ von Styx. Wenn auch musikalisch eine eher unerwartete Wahl, textlich doch sehr passend für die ersten Stunden einer Kreuzfahrt! Los geht es mit „Body Harvest“ vom immer noch aktuellen Album „Blood In Blood Out“ und zwei Erkenntnissen, einmal negativ und einmal positiv. Schlecht ist der Klang, irgendwie tönt das mehr nach Soundcheck. Die verschiedenen Instrumente klingen mal laut, dann wieder leise. Schön ist aber, das Gary Holt tatsächlich wieder mit Exodus auf der Bühne steht. Nachdem die Abschiedstournee von Slayer durch ist, kann sich der Gitarrist endlich wieder seiner eigentlichen Hauptband widmen. Wie Sänger Steve „Zetro“ Sousa später verrät, ist das hier sogar die Premiere nach der langen Pause. Welcome Back, Gary!

Zum Glück hat sich auch der Soundmann unterdessen mit der Anlage vertraut gemacht, bereits beim zweiten Track „Blood In Blood Out“ klingt das zum Glück einiges besser. Und das Publikum geht absolut steil, ab Beginn ist nicht nur ein riesiger Moshpit am Toben, sondern es sind auch unzählige Crowdsurfer unterwegs. Nicht ohne Grund hat die Security für diese Show wohl extra aufgestockt, selten war so viel Personal im Bühnengraben zu sehen. Nach „Blacklist“ folgt die erste Ansage durch Zetro. Der wie eigentlich immer ausgezeichnet gelaunte Frontmann freut sich auf „70‘000 Tons Of Party“ in den nächsten Tagen. Man merkt dem Mann an, das er sich wirklich als Teil der Metal-Familie sieht und nicht als Star auf der Bühne.

Während das zweite Set am letzten Tag im Zeichen des Debüt-Albums „Bonded By Blood“ stehen wird, ist für heute ein „normales“ Programm vorgesehen. Exodus verlassen sich dabei vor allem auf die stärksten Alben mit Sousa. So kommt „Tempo Of The Damned“ von 2004 gleich mit 3 Tracks zum Zug, und auch das erste Album mit dem (wieder) aktuellen Sänger „Fabulous Disaster“ ist mit zwei Songs vertreten. Alles in allem eine gute Auswahl, welche auch Fans von verschiedenen Phasen der Band-Historie glücklich macht. Das Debüt wird heute komplett ausgelassen, folgt ja dann am Freitag.

Bei „Toxic Waltz“ kommt es wie erwartet zu einem riesigen Circle Pit. Als der Sänger danach den letzten Song des Abends ankündigt und die Menge etwas enttäuscht reagiert, erklärt er grinsend, dass er halt auch möglichst schnell fertig werden möchte, damit er Party machen kann. Und man glaubt ihm das aufs Wort… Nachdem bei „Scar Spangled Banner“ noch eine gigantische Wall Of Death dargeboten wird, geht eine sehr energetische Show nach einer knappen Stunde viel zu schnell vorbei. Die Band hat mehr als nur abgeliefert und die Stimmung im Publikum war der Wahnsinn. Als nach Ende des Konzertes die Lichter im Theater angehen zeigt sich schnell, wie wild der Pit wirklich getobt hat: das im Theater verlegte Parkett weist bereits nach dem zweiten Konzert in dieser Location massive Löcher auf und muss anschliessend repariert werden. Exodus liefern somit einen echten Abriss, im wahrsten Sinne des Wortes…

pam: In der Presskonferenz in zwei Tagen erfahren wir, dass man in diesem Jahr im Theater eine Sitzreihe mehr entfernt hat, als in den Vorjahren – zugunsten eines grösseren Stehplatz- und somit Mosh-Bereichs. Der Teppichboden wird dann jeweils mit so puzzleartigen Elementen gedeckt. Dabei hat man die grössere Fläche nicht so ganz bedacht und hatte zu wenig oder falsche (?) von diesen Elementen eingepackt und die dann wohl auch nicht ganz richtig verlegt, so dass die dann auch gebrochen sind. Der Skipper lässt dabei durchblicken, dass wenn man nicht alles selber checkt, solches eben passiert. Das auch ein bisschen als Rechtfertigung, warum immer noch fast alles über den Skipper läuft – siehe Kommunikation … Er selbst legt dann im Theater Hand an und es wird mit Gaffer-Tape alles zugeklebt. Und wer weiss, was die Hauptrolle jedes Event-Mitarbeiters kostet, kann nachvollziehen, dass da grad ein kleines Vermögen vermoshed wurde.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich Exodus mit guten Freunden und wegen Ehepflichten versetzt habe. Nun, ich hatte ja bereits meine Daily-Thrash-Dose. Anhand des Berichts von Luke wird mir jedoch bewusst, dass ich da wohl schon was verpasst habe … aber das Gute an der 70’000 Tons of Metal: Es gibt ja eine zweite Show.

Setliste Exodus – Royal Theater

  1. Body Harvest
  2. Blood In, Blood Out
  3. Blacklist
  4. Iconoclasm
  5. Children Of A Worthless God
  6. Fabulous Disaster
  7. War Is My Sheppard
  8. Toxic Waltz
  9. Scar Spangled Banner

Sortilège – Ice Rink

Kaufi: Im Ice Rink geht mein Programm weiter. Da spielen Sortilège aus Paris. Auf der (in)offiziellen App heisst es: «Sounds like early Judas Priest with the swagger of Dokken, the continental dramatics of the Scorpions and a touch Black Sabbath Gloom». Was allerdings nirgends steht: Die Truppe hat französische Texte…

Eine Versammlung von älteren Herren auf der Bühne, denn hier feiern die Franzosen ihre Reunion. Nach dem Split Mitte der 80er Jahre, hat sich die Band erst im letzten Jahr wieder zusammengefunden. Sortilège lassen nun 45 Minuten genau diesen klassischen 80er Heavy Metal auf die Leute los, den man erwarten durfte. Bei einem Song (fragt mich jetzt aber bitte nicht, wie der heisst – ich bin mit dem Material wirklich nicht vertraut, sorry…) schimmert die Vorliebe für Judas Priest und speziell Motörhead recht stark durch. Schlecht ist das sicher nicht, aber mich schreckt ehrlich gesagt der französische Gesang etwas ab. Richtig packen will es mich nicht… Das wird sich mit den nächsten Bands ändern, das ist garantiert! Ab in die ungeliebte Lounge…

Luke: Da ich erst gerade einen grösseren Bericht über die Gruppe gelesen habe, bin ich gespannt auf die Franzosen. Nachdem ich mich bei einer kurzen Rauchpause von Exodus erholt habe, schaffe ich es auch noch auf etwas mehr als die letzte Viertelstunde in den Ice Rink. Dieser ist nicht übermässig gefüllt, somit kommt man auch easy bis fast ganz nach vorne. Und sieht, wie Kaufi richtig bemerkt, eine Versammlung von älteren Herren auf der Bühne. Aber diese „Opas“ scheinen richtig viel Spass zu haben. Das steckt mich irgendwie jeweils an… Und nicht nur mich, auch beim anwesenden Publikum ist die Stimmung ziemlich gut.

Das hier ist zwar nicht zu 100% mein Sound, aber gerade der Gitarrist Didier „Dem“ Demajean spielt noch den einen oder anderen Jungspund an die Wand. Und auch Sänger Christian „Zouille“ Augustin macht einen äusserst vitalen Eindruck. Die Töne stimmen, und auch für den joggenden Marathon-Läufer beim Lied „Messager“ scheint die Puste noch zu reichen. Zudem machen die französischen Texte das Ganze für mich eher interessanter. Wenn ich auch in der Schule noch gar kein Fan dieser Sprache war, habe ich unterdessen meinen Frieden damit geschlossen. (Anm. Kaufi: Da bist du demfall weiter als ich…) Und gesungen klingt das irgendwie geil. Ich bin jedenfalls froh, habe ich den Schluss noch gehört. Falls es passt, werde ich die Herren auf der Pool Deck-Stage dann definitiv nochmals besuchen.

pam: Yep, ich bin auch da. Zumindest zeugen Fotos und eine sehr kurze Notiz davon im Kaufi-Büechli. Die ich leider nicht mehr lesen kann. Hm, es hat mich wohl nicht gepackt. Auf dem Papier las sich die mir unbekannte Band als “französische Judas Priest” im Vorfeld zumindest spannend(er) an. Aber den französischen Mitcruisern, die alle ganz vorne am Wellenbrecher stehen, gehen ab als wär es das grosse Highlight der diesjährigen 70’000 Tons of Metal Cruise. Nun, so viele bekannte Bands können unseren Nachbarn im Metal ja nicht liefern. Es ist da wohl auch kein Zufall, dass bis heute die Scorpions zu den erfolgreichsten Bands im Land des Pariserbrotes gehören … und der für mich persönliche bekannteste französische Song aus unseren bevorzugten Genres von Anthrax gecovert wurde und als deren grösser Live-Klassiker gilt: Antisocial im Original von Trust (hier reinhören – schon krass wie sich der Song anthraxig anhört).

Setliste Sortilège – Ice Rink

  1. Marchand D Hommes
  2. Progeniture Destruct
  3. Civilisations Perdues
  4. Majeste
  5. Amazone
  6. Mourir Pour Une Princesse
  7. D‘ Ailleurs
  8. Delire D‘ Un Fou
  9. Messager
  10. Sortilège

Fotos Sortilège – Ice Rink (pam)

Devin Townsend – Royal Theater

pam: Kaufi, ich lass dich noch ein bisschen zappeln, bis du küssend explodieren darfst. (Anm. Kaufi: Ich hibble schon!)  Denn zuerst geht es ins Theater zu einem gewissen Herrn Townsend. Nun, der Name ist mir geläufig, da ich auf Metalinside.ch alle Berichte lese, bevor ich sie freischalte. Da kommt der Kanadier doch schon ab und zu in die Kränze bei unserer Prog-Garde. Nun, jungfräulich geh ich jetzt mal zu diesem Tausendsassa und lass mich überraschen … Holy Shit! Was ist das denn für ein Psycho auf der Bühne? Der toppt ja die Killer-Grimassen von Jeff Waters! Sind alle Kanadier so durchgeknallt? Nun, beide gelten als musikalische Genies und sind ihren Mit-Musikern nicht so treu. Weil wohl keiner denen ihren Qualitäten gerecht wird. Eine weitere Gemeinsamkeit sind die markanten Riffs. Was Devin da auf der Bühne schreddert, ist zu fein für den Ring eines Schwingfestes oder für den Hamster. Da bleibt nur noch Staub übrig. Also hoppla Death-Metal-Schorsch, das was ist da zu hören kriege, ist härter als erwartet.

Passend zu Psycho-Dad ist dann auch der gewöhnungsbedürftige Gesang oder wohl eher das Gekreische und Gekeife. Instrumental ist es richtig geil, aber der Gesang lässt mich jetzt nicht Lobhudeln. Dennoch eine gute Erfahrung, dieses Grimassen-Genie (und natürlich auch auf die Musik bezogen) mal live zu erleben. So, jetzt wird Herr Kaufi zabbelig. Lassen wir ihn die Lunte endlich zünden …

Fotos Devin Townsend – Royal Theater (pam)

Kissin’ Dynamite – Star Lounge

Kaufi: Als Kissin’ Dynamite für diese Cruise bestätigt wurden, war ich gelinde gesagt «sehr zufrieden». Ok, ist leicht untertrieben… Meine Frau hingegen fand das nicht so toll, sie hat immer gehofft, dass die Schwaben auf der Monsters of Rock Cruise auftauchen werden – wo sie dabei ist…

Zugegeben: Die fünf «Stadium Rocker» gehören im Billing sicherlich zu den kleineren Namen, von daher ist es nicht so erstaunlich, dass eine Show in der blöden Star Lounge stattfindet. Doch wer Kissin’ Dynamite kennt, der weiss, dass die sich von solchen «Kleinigkeiten» nicht abschrecken lassen. Auch auf kleinster Bühne lassen Hannes & Co die berühmte Sau raus…

Es ist schon ein Weilchen her, seit ich die Truppe mit einem lediglich 45-minütigen Set erlebt habe. Die Spannung ist somit gross, welche Songs es ins Programm schaffen. Und so stehe ich erneut neben dem Australier und wir feiern zusammen den Opener «I’ve Got The Fire». Die Schwaben präsentieren sich genau so, wie man sich das vorstellt: Hochmotiviert, voller Spielfreude und trotz widrigen Bedingungen mit viel Spass. Die Internettrolls mögen im Vorfeld über die Band hergezogen haben – pah! Sollen sie trollen – hier feiert eine beachtliche Anzahl Fans den klassischen 80er Sound ab! «Somebody’s Gotta Do It», «Love Me, Hate Me», «Sex Is War » – und dann folgt mit «Waging War» ihre wohl härteste Nummer überhaupt. Perfekt gemacht – Balladen sind hier nämlich fehl am Platz! Don’t feed the Trolls….

Frontmann Hannes ist generell ja auch nicht einer, der nur faul rumsteht. Doch heute dreht der Blondschopf richtig auf. Bei diversen Songs springt er auf die Absperrung und lässt sich hautnah von den Fans feiern. Und «hautnah» darf man wirklich wörtlich nehmen… Für einen Thron ist die Bühne natürlich zu klein. Aber Robe und Zepter dürfen auch in der Karibik nicht fehlen, wenn es heisst «I Will Be King»! Mit der Hymne «You’re Not Alone» (SO geht Stadium Rock!) und dem immer wieder genialen «Flying Colours» endet der erste Auftritt der Schwaben in Übersee. Hannes springt nochmals auf die Absperrung, dieses Mal muss er sogar von der Security gehalten werden, damit er nicht runterfällt. Na gut – wenn das so ist, dann kann man ja gleich mal crowdsurfen…

Da ich ganz vorne bin, kann ich nicht abschätzen, wie voll die Lounge effektiv ist. Manche sagen «etwa zur Hälfte voll», andere meinen «voll bis hinten». Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen – und stimmungsmässig tönt’s vorne jedenfalls nach beachtlich vielen Fans. Das gönnt man den Jungs – und freut sich auf Show Nummer 2!

Setliste Kissin’ Dynamite – Star Lounge

  1. I’ve Got The Fire
  2. Somebody’s Gotta Do It
  3. Love Me, Hate Me
  4. Sex Is War
  5. Waging Wars
  6. I Will Be King
  7. You’re Not Alone
  8. Flying Colours

Fotos Kissin’ Dynamite – Star Lounge (Kaufi)

 At The Gates – Ice Rink

Luke: Während Kollege Kaufi sich in der Star Lounge von Kissin’ Dynamite begeistern lässt, verschlägt es uns wieder in den Ice Rink. Es ist noch keinen Monat her, das wir die Schweden im Kiff in Aarau gesehen haben. Damals war der Auftritt nicht schlecht, aber auch nicht überragend. So sind wir gespannt, was uns heute erwartet.

Als das Intro zum aktuellen Tonträger erklingt, ist der Ice Rink sehr gut gefüllt. Und beim Opener „To Drink From The Night Itself“ – dem Titeltrack eben jener LP – ist die Stimmung bereits am Kochen. Ab Beginn ist ein grösserer Pit in Bewegung und die Crowdsurfer halten die Security bei Laune. Mit „Slaughter Of The Soul“ folgt gleich im Anschluss ein Vorgeschmack darauf, was uns am Donnerstag erwartet. Da wird das gleichnamige Kult-Album aus dem Jahr 1995 in voller Länge gespielt. Im Gegensatz zu Exodus sparen sich die Göteborger aber die Lieder dieses Klassikers nicht fürs spezielle Set auf. So stehen 5 der Stücke schon heute auf der Liste. Die restlichen heute gehörten Titel stammen von den beiden letzten Releases. Etwas mehr Vielfalt wäre durchaus möglich bei einer Band mit 6 Studio-Alben. Da aber meine liebsten Sachen der Gruppe damit abgedeckt sind, will ich mich nicht beschweren.

Frontmann Tomas „Tompa“ Lindberg hält sich heute im Gegensatz zum Auftritt im Kiff ziemlich zurück mit Ansagen. Und auch sonst passiert hier einfach nicht extrem viel. Klar, die Band ist gut, und die Songs stimmen eigentlich auch. Aber irgendwie scheint die Stimmung während des Auftritts immer etwas mehr abzunehmen, und auch das Publikum verkleinert sich besonders in der letzten Viertelstunde merklich. Keine Ahnung ob die alle rechtzeitig zu Axxis oder Emperor wechseln wollen, oder ob eine Stunde At The Gates einfach zu lange ist. Mir geht es ehrlich gesagt auch ein bisschen so, nach ungefähr 45 Minuten habe ich eigentlich genug gehört… Das liegt aber eventuell auch daran, dass wir die Band in letzter Zeit wirklich ziemlich oft gesehen haben.

So bleibt ein unter dem Strich zwar guter, aber nicht überragender Auftritt von Tompa und seinen Mitstreitern. Ich bin gespannt, ob die Schweden mich übermorgen auf der Pool Deck Stage mehr begeistern können.

Setliste At The Gates – Ice Rink

Intro – Der Widerstand

  1.  To Drink From The Night Itself
  2.  Slaughter Of The Soul
  3.  At War With Reality
  4.  A Stare Bound In Stone
  5.  Cold

Intro El Altar Del Dios Desconocido

  1.  Death And The Labyrinth
  2.  Daggers Of Black Haze
  3.  Under A Serpent Sun
  4.  The Colours Of The Beast
  5.  Heroes And Tombs
  6.  Suicide Nation
  7.  The Book Of Sand
  8.  Blinded By Fear
  9.  The Night Eternal

Fotos At The Gates – Ice Rink (pam)

Axxis – Star Lounge

Kaufi: Weiter geht’s mit deutschem Sound. Die Melodic Rocker Axxis feiern ihr 30-jähriges und sind heuer zum zweiten Mal Gast auf der 70K. Im Gegensatz zu 2017 müssen die Jungs aus dem Ruhrpott heuer einmal in der Star Lounge antreten. Wenn man bedenkt, welchen Platz vor allem Frontmann Bernie Weiss normalerweise braucht, könnte das heute spannend werden. Die Bewegungsfreiheit wird massiv eingeschränkt – zumal auf der Mini-Bühne auch noch Keyboarder Harry mit seinem Arbeitsgerät Platz haben sollte…

Pünktlich starten Bernie & Co mit «Heavy Metal Brother» in ihre Show, die vor allem von den lateinamerikanischen Fans von Beginn weg frenetisch gefeiert wird. Mit «Tales Of Glory Island» folgt auch gleich der nächste Hammer. Ich bleibe dabei: «Paradise in Flames» ist einfach DAS Axxis-Album überhaupt – schade, dass nicht mehr davon live gespielt wird.

Eines kann der Fronter auch auf Englisch: Quatsch labbern! Bernie ist ein Entertainer und es macht einfach Spass, wie er mit dem Publikum «spielt». In diesem Fall ist es allerdings etwas suboptimal, denn da die Schedule schon recht genau eingehalten werden muss (auf der Bühne steht immer ein grosser Countdown…), fliegt kurzfristig «Heavy Rain» aus dem Programm. Und anstelle von «Heaven In Black» gibt’s den Blutengel: «Blood Angel» ist zweifellos die bessere Wahl!

«Touch The Rainbow» wird wohl für immer und drei Tage einen Platz bei jeder Axxis-Show haben. Das ist heute nicht anders – und der Sänger holt sich wie üblich einen weiblichen Fan auf die Bühne. Heute ist eine Mexikanerin dran, die aber zwischenzeitlich etwas mit dem Rhythmus kämpfen muss. Macht nichts – Hauptsache Spass!

Dann gibt’s zum Abschluss ein Triple mit Klassikern: „Little Look Back“, „Living In A World“ und natürlich „Kingdom Of The Night“ beenden Auftritt Nummer 1. Fans zufrieden, Band zufrieden – alles richtig gemacht! Show Nummer 2 dann auf der Poolstage…

Setliste Axxis – Star Lounge

  1. Heavy Metal Brother
  2. Tales Of Glory Island
  3. Little War
  4. Blood Angel
  5. Touch The Rainbow
  6. Little Look Back
  7. Living In A World
  8. Kingdom Of The Night

Fotos Axxis – Star Lounge (Kaufi)

Brujeria – Ice Rink

Luke: Uns hat unterdessen die Müdigkeit etwas eingeholt. Der lange Tag mit Anreise aufs Schiff, Leute begrüssen und Konzerte schauen hat ein wenig Spuren hinterlassen. Zudem wurde doch auch schon die eine oder andere „Ravioli-Büchse“ – wie wir die grossen 0,75 Liter Fosters-Dosen liebevoll nennen – vernichtet. So verzieht sich Yvonne kurz nach At The Gates in die Kabine. Da ich Brujeria nicht verpassen will, bleibe ich aber noch etwas auf den Beinen. Zur Überbrückung höre ich mir ein paar Töne von Axxis in der vollen Lounge an und schaue für zweieinhalb Songs bei Emperor im ebenfalls sehr gut gefüllten Theater vorbei. Das kann mich zwar beides nicht so richtig überzeugen, aber immerhin bin ich noch wach für den Auftritt der „Mexikaner“ im Ice Rink.

Für Unwissende kurz zu Brujeria: Eigentlich ist die seit 1989 bestehende Combo ein Multi-Nationales Projekt mit dem „Image“ von mexikanischen Drogen-Baronen. Die Mitglieder treten maskiert und mit Pseudonymen auf. Im Laufe der Jahre waren schon einige bekannte Namen unter dem Brujeria-Banner auf der Bühne zu sehen. Als Fan weiss man aber nie genau, was für eine Besetzung einen gerade erwartet. Und so sind ich und ein ungefähr halbvoller Ice Rink gespannt, wer heute Auftritt.

Bei Showbeginn wird klar: bei meinem dritten Brujeria-Konzert sehe ich endlich einmal das langjährige Mitglied „Hongo“ – alias Shane Embury von Napalm Death – live auf der Bühne mit den Jungs. Am Schlagzeug sitzt „Hongo Jr.“, auch bekannt als Nicholas Barker, ehemals unter anderem bei Cradle Of Filth und Dimmu Borgir tätig. An der Gitarre zaubert „El Criminal“ Anton Reisenegger (u.a. Pentagramm Chile, Criminal). Dazu wie üblich die beiden Sänger „Juan Brujo“ und „El Sangron».

Obwohl das eine Mikrofon beim ersten Song ein paar Aussetzer hat, haben die Cabrones das Publikum ziemlich schnell im Sack. Musikalisch wird hier eine Mischung aus Grindcore und Death Metal geboten, die schnell zu den ersten Moshpits im Zuschauerbereich führt. Die kompletten Lyrics der Band sind in Spanisch, und da heute zumindest auf den Stehplätzen auch Grösstenteils Südamerikaner anwesend sind, erfolgen auch die meisten Ansagen zwischen den Songs Ausnahmsweise nicht wie gewohnt in Englisch mit Akzent. Und auch wenn ich nur ein paar Brocken Spanisch verstehe macht das durchaus Spass so.

Shane Embury besticht durch sein unverkennbares Bass-Spiel auf seinem leuchtenden Arbeitsgerät, und auch er scheint bei genauerem betrachten seiner Lippen die Texte zu kennen. Als Engländer, auf Spanisch… Die beiden Frontmänner bieten derweil immer wieder einiges an Entertainment fürs Auge, teilweise einstudierte Schritte und Bewegungen. Bei „Viva Presidente Trump“ kommt jemand mit Maske des Präsidenten auf die Bühne und wird von Juan Brujo standesgemäss mit dem Säbel vertrieben. Ich wundere mich ja immer, ob die Jungs mit Ihren grossen Macheten jeweils Problemlos durch den Zoll kommen… Bei „Consejos Narcos“ wird eine Frau auf die Bühne geholt, welche dem Publikum mittels drehbarem Schild immer anzeigt, ob jetzt „Si!„ (Marijuana?) oder „No!“ (El polvo?) skandiert werden soll.

Und so habe ich meine Müdigkeit für eine gute Stunde komplett vergessen. Da mir das ganze Musikalisch zusagt und auch auf der Bühne einiges an Unterhaltung geboten wird, merke ich gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht. Als das Konzert vorbei ist erklingt (wie eigentlich immer) „Marijuana“ ab Konserve – die „Macarena“-Version von Brujeria. Und nochmals zeigt sich die gute Stimmung, seit den 90ern habe ich nicht mehr eine so grosse Gruppe Leute den Macarena tanzen sehen… Das war der beste Brujeria-Auftritt den ich bisher erleben durfte, und meine Vorfreude auf die Pool-Deck Show am letzten Tag steigt. Würde mich nicht wundern, wenn die Band auf der ganz grossen Bühne nochmals einen drauflegt.

Nun heisst es aber auch für mich erst einmal Schlafen und Kräfte sammeln für Tag 2. Ich übergebe wieder an den scheinbar unermüdlichen Kaufi…

Setliste Brujeria – Ice Rink

  1. Cuiden A Los Ninos
  2. La Ley De Plomo
  3. Viva Presidente Trump
  4. Satongo
  5. Desperado
  6. La Migra (Cruz La Frontera II)
  7. Hechando Chingasos
  8. El Desmadre
  9. Anti Castro
  10. Marcha De Odio
  11. Revolucion
  12. Brujerizmo
  13. Angel De La Fronteira
  14. Consejos Narcos
  15. Colas De Rata
  16. Raza Odiada (Pito Wilson)
  17. No Aceptan Imitaciones
  18. Matando Gueros
  19. Marijuana

Ross The Boss – Star Lounge

Kaufi: Unermüdlich? Joa, kann man heute so sagen. Mitternacht ist längstens durch. Und immer noch hänge ich in der Lounge rum. Der ehemalige Manowar Gitarrist Ross Friedmann steht als nächster Programmpunkt an. Nun, ich war und bin bis heute nicht der grösste Fan von Joey DeMaio’s Truppe. Dennoch nenne ich wie wohl viele andere die beiden Alben „Fighting The World“ und „Kings Of Metal“ mein Eigen, und auch das eine oder andere ältere Stück kennt man natürlich.

Am Bang Your Head!!! Festival letzten Sommer machten Ross The Boss den Abschluss in der Halle. Aus diversen Gründen (böse Zungen behaupten, dass es mit Alkohol zu tun hatte… Frechheit, sowas!) hat’s mich allerdings nicht gepackt damals – aber heute will ich da dennoch unbedingt reinschauen. Die Location ist mehr als anständig gefüllt, da sind einige Fans hungrig auf eine gehörige Portion Trve Metal! Kein Wunder, dass die Stimmung bereits beim Opener „Blood Of The Kings“ richtig gut ist.

 Mit „The Oath“, „Sign Of The Hammer“ und „Kill With Power“ folgt ein Triple aus der Ära vor „meiner“ Zeit, dieses wird nur unterbrochen durch das schnelle „Wheels Of Fire“. Tönt aber alles gar nicht so übel. Doch danach folgt ein richtiges „Best Of“ für meine Ohren. Die restlichen vier Songs könnte ich (und wohl jeder andere der aufgeheizten Fans) problemlos im Schlaf mitsingen. Und natürlich sticht das geniale „Battle Hymn“ hier nochmals deutlich gegenüber dem Rest heraus.

Ja, Manowar haben wirklich geilen Stoff gemacht, vor langer Zeit. So gesehen finde ich das schon cool, dass man einiges davon in diesem kleinen Rahmen mal erleben darf – und das absolut ohne dass man irgendwelche pathetischen Phrasen von einem Selbstdarsteller anhören muss. Ein besonderes Augenmerk legt man natürlich bei diesen epischen Klassikern auf den Gesang. Hier gibt’s etwas Abstriche, denn Marc Lopes kommt schlussendlich nicht an das „Original“ Eric Adams heran. Dennoch macht er einen durchaus starken Job, an dem die Fans ihre wahre Freude haben. Insgesamt also ein ganz starker Auftritt, der a) den Eindruck beim BYH relativiert und b) Vorfreude auf Show Nummer 2 macht.

Setliste Ross The Boss – Star Lounge

  1. Blood Of The Kings
  2. The Oath
  3. Sign Of The Hammer
  4. Wheels Of Fire
  5. Kill With Power
  6. Violence And Bloodshed
  7. Fighting The World
  8. Battle Hymn
  9. Hail And Kill

Fotos Ross The Boss – Star Lounge (Kaufi)

Kaufi: Merchandise. Das alljährliche Thema. Es geht mittlerweile gegen 2 Uhr morgens zu – und vor dem Eingang zum Merch Store tummeln sich bereits wieder einige Leute. Teilweise in Bettdecken eingehüllt, verbringen sie die Nacht da, um möglichst als Erste an die begehrten Shirts zu kommen. Letztes Jahr habe ich mir das auch angetan… Doch da es dieses Mal wohl kaum wirklich etwas Rares für mich dabei hat (so was wie Gloryhammer oder Delain im Vorjahr), ist mir das nun egal. Ich geh mal auf Deck 11 (wie immer treppensteigend – man nimmt keinen Lift auf diesem Schiff! Danke pam…) und genehmige mir einen kleinen Imbiss. Denn mein Programm für die Nacht ist noch nicht zu Ende…

Seven Witches – Ice Rink

Kaufi: Morgens um Viertel vor Vier steht im Ice Rink eine gehörige Ladung US Power Metal auf dem Programm. Und zwar nicht irgendwelche 08/15 Stangenware – sondern 45 Minuten von einem restlos unterbewerteten Album: Seven Witches sind zurück und präsentieren ein „Passage To The Other Side“-Set! Als diese Ankündigung vor ein paar Wochen kam, musste ich dieses Werk wieder einmal ausgraben. Und oha – es war in der Tat viel zu lange, seit dem letzten Durchlauf! Etwas Auffrischung im Vorfeld schadet da nichts…

Die Reunion von Jack Frost und James Rivera ist zweifellos eine gelungene Sache. Der kleine Sänger mit seiner markanten Röhre und der mit Tattoos übersäte Blondschopf bilden optisch einen ziemlichen Kontrast. Musikalisch hingegen sorgt das fast für Pipi in den Augen. Zwar spielen die Hexen das Album nicht von A bis Z durch, „Fever In The City“ und „Betrayed“ fehlen zudem komplett. Dennoch ist es für die leider recht wenigen Fans fantastisch, Tracks wie den Opener „Dance With The Dead“ oder „The Last Horizon“ mal im Live-Gewand zu erleben.

Die komplette Band zeigt sich bei bester Laune: Rivera und Frost strahlen um die Wette, selbst wenn das beim blonden Saitenhexer optisch nicht immer danach aussieht. Der Kerl macht beim konzentrierten Spielen einen solchen Lätsch… Doch sobald er mal den Kopf hochhebt und zu den Fans schaut, zeigt auch seine Mimik den wahren Gemütszustand. Basser Dennis Hayes  geniesst den Auftritt ebenso wie Drummer Jeff Curenton, der die Band gnadenlos nach vorne peitscht. Das Publikum ist ebenfalls zufrieden – allerspätestens als die Übernummer „Passage To The Other Side“ an der Reihe ist. Genau da merkt man, dass einmal mehr ein grossartiges Album nie die Beachtung erhielt, die es verdienen würde! Mit „Mental Messiah“ und dem tiefgründigen „Nature & Wrath“ folgt danach der Abschluss der Show.

So endet nach 45 Minuten ein vielumjubeltes und absolut gelungenes Comeback, welches deutlich mehr Fans verdient gehabt hätte. Der einzige Wermutstropfen – die Frage sei erlaubt, warum Frost und Co. für diesen Set keinen besseren Slot erhielten. Aber egal, für die Standfesten hat sich das Aufbleiben zweifellos gelohnt! Und für mich sollte es am Tag 4 noch eine persönliche Begegnung mit dem Mastermind geben… (Anm. pam: Wo bleibt hier das “Danke pam”? Oder kommt das noch) ;-)).

Setliste Seven Witches – Ice Rink

  1. Dance With The Dead
  2. Johnny
  3. Apocalyptic Dreams
  4. The Last Horizon
  5. Wasted
  6. Passage To The Other Side
  7. Mental Messiah
  8. Nature & Wrath

Fotos Seven Witches – Ice Rink (Kaufi)

Kaufi: Es ist halb Fünf, die Schlange am Merch hat sich deutlich verlängert. Auch wenn sie heuer deutlich kürzer ist um diese Zeit als noch vor Jahresfrist… Für mich gibt’s nach wie vor keinen triftigen Grund, da anzustehen (Kissin‘ Dynamite haben kein Festival Shirt und Bloodbound wird hoffentlich nicht so gefragt sein, dass ich später keines mehr bekomme…) – somit mal ab ins Bett und sich ein paar Stunden Schlaf gönnen. Und weg…

Mittwoch, 8. Januar 2020 – Tag 2

Kaufi: Nach einigen Stunden Schlaf schaff ich es auch mal raus aus der Kabine und an die frische Luft. Doch zuvor muss mal ein Blick Richtung Shop gehen… Da scheint es zügiger vorwärts zu gehen als in früheren Jahren. Immerhin. Ich hole mir meine Nummer ab – und sehe, dass ich problemlos zmörgelen und erste Konzerte schauen kann. MerchandiseShopping dauert noch einen Moment. Auch gut.

Trollfest – Pool Stage

Luke: Da es bei uns nicht übertrieben spät geworden ist, stehen wir zeitig auf, um die Eröffnung der Poolbühne mitzuerleben. Das ist meine absolute Lieblings-Location auf dem Schiff, und das geht sicher nicht nur mir so. Frische Luft ist halt immer etwas Schönes, besonders mitten auf dem Meer. Zudem kann man hier, wenn ein Konzert einmal etwas uninteressant wird, auch einfach die Aussicht geniessen. Und das man da rauchen darf, ist jetzt für mich persönlich auch nicht unbedingt ein Minus-Punkt… Richtiges Open-Air Feeling halt.

Die Ehre die (angeblich) grösste, temporäre Bühne auf dem Meer zu eröffnen haben heute Trollfest aus Norwegen. Folk Metal ist jetzt nicht unbedingt mein Ding und bei Bandnamen mit dem Wortteil Troll rollen sich mir fast ein bisschen die Zehennägel. Als ich aber im Programm „True Norwegian Balkan Metal“ gelesen habe, wurde mein Interesse doch etwas geweckt. Ich habe nämlich eine heimliche Schwäche für Balkan Sounds. Die Gruppe betritt in Frauenkleidern und anderweitig „witzigen“ Verkleidungen die Bühne und steht vor einem bereits mehr als ordentlich gefüllten Zuschauerbereich. Es können wohl nicht nur viele Leute die Eröffnung der Aussenbühne kaum erwarten, die Band hat scheinbar doch auch einige Fans mit an Bord.

Musikalisch ist das nicht so schlecht. Die „klassischen“ Metal-Instrumente werden unter anderem durch ein Akkordeon ergänzt und die Melodien klingen wirklich grösstenteils nach Osteuropa. Auch das Britney Spears Cover „Toxic“ tönt erstaunlicherweise ziemlich gut und witzig. Irgendwie ist das dann aber doch die falsche Zeit für diese Art von Musik. Ich glaube, dass mir die ganze Sache nach ein paar Bier wohl richtig Spass gemacht hätte. Nüchtern und vor dem Frühstück haben wir das dann aber nach ungefähr der Hälfte des 45 minütigen Auftritts gesehen… Also erstmal ab in den Windjammer.

pam: Ich hab gestern auch meinen Joker eingezogen und mehr als genug Schlaf erhalten, so dass ich auch schon morgens um 10 Uhr an der Poolbühne stehe. Nun, bei Trollfest frage ich mich schon, was das Ganze eigentlich soll. Wenn das Programm ist, nur einfach doof zu sein und dabei doof auszusehen – die Prinzessinnenkleider sollen das wohl unterstützen – dann überlasse ich das was auch es ist, denen die darauf abfahren. Aber, soundmässig ist eben doch nicht auch einfach doof, sondern durchaus hörbar. So bleib ich doch auch länger und erlebe dabei die längste Polonaise auf einem Kreuzfahrtschiff. Oder war es die längste der 70’000 of Metal Cruise? Egal, angeführt vom Bassisten zieht sich die wirklich ziemlich in die Länge bis auf das Oberdeck – schon witzig zu sehen, wie der Basser mit seinem Anhang hinter der Bühne und somit hinter seinen Bandkollegen rumläuft – und dann auf der anderen Seite wieder runter. Also das Funksystem vom Bass hat sich bewährt.

So, jetzt aber mal was gemütlich Zmorgenessen.

Fotos Trollfest – Pool Stage (pam)

Possessed – Pool Stage

Luke: Frisch gestärkt geht es zurück zur Pool Stage. Mit Possessed stehen nun echte Legenden des Death Metal auf dem Programm. Es handelt sich dabei nicht nur um eine der ersten Gruppen in diesem Genre. Auch die Bezeichnung Death Metal stammt vom 1984 veröffentlichten Demo der Truppe aus San Francisco. Während Yvonne vom gelungenen Auftritt am Party.San Festival 2017 schwärmt, habe ich die Band noch nie gesehen und bin entsprechend gespannt was mich erwartet.

Der Zuschauerbereich ist bereits ziemlich ordentlich gefüllt als die Musiker auf die Bühne kommen. Sänger Jeff Becerra, einzig verbliebenes Gründungsmitglied, sitzt, seit er 1990 als Opfer eines bewaffneten Raubüberfalls angeschossen wurde, im Rollstuhl. Das schränkt die Bewegungsfreiheit zwar ein kleines bisschen ein, trotzdem dreht der Fronter wenn er nicht mit growlen beschäftigt ist, fleissig seine Runden auf der grossen Bühne. Immer wieder ist auch ein Strahlen auf seinem Gesicht zu sehen. Er hat die Freude an Live-Auftritten definitiv wieder gefunden!

Es stehen heute ganze 4 Songs vom legendären Debüt „Seven Churches“ auf dem Programm, und die anderen beiden 80er-Jahre Releases werden ebenso berücksichtigt. Aber auch das erste Album seit der Wiederauferstehung, „Revelations Of Oblivion“ von 2019 (siehe Review), kommt mit total 3 Tracks zum Zuge. Und diese müssen sich vor den älteren Sachen der Gruppe keineswegs verstecken. Ich mag an der Band vor allem den geilen Groove, der immer wieder vorhanden ist. Dadurch hebt sich das Songmaterial von anderen Old School Death Metal-Sachen eindeutig ab, ohne dabei zu modern zu klingen. Und auch live passt das Ganze heute bestens, wozu auch der ausgesprochen gute Sound auf der Poolstage seinen Teil beiträgt.

Die Stimmung im Publikum ist ebenfalls gut. Trotz relativ früher Stunde und ziemlich heissen Temperaturen ist da einiges an Bewegung vorhanden – inklusive eines Rollstuhl-Crowdsurfers. Jeff wirkt nach dem 45 minütigen Konzert zwar erschöpft, aber auch glücklich. Sehr sympathisch wie er noch fleissig Setlists signiert und mit dem Publikum kommuniziert, als der Rest der Band die Bühne bereits verlassen hat. Ein rundum gelungener Auftritt!

Setliste Possessed – Pool Stage

  1. No More Room In Hell
  2. Pentagram
  3. Tribulation
  4. Demon
  5. Storm In My Mind
  6. Graven
  7. The Exorcist
  8. Fallen Angel
  9. Death Metal
  10. Swing Of The Axe

Fotos Possessed – Pool Stage (pam)

Bloodbound – Royal Theater

Kaufi: Während draussen die Poolbühne pünktlich eröffnet wurde, findet mein erster Programmpunkt im Theater statt. Um die Mittagszeit ist Power Metal der schwedischen Art angesagt: Bloodbound! Die Jungs um Frontdrache Patrick J. Selleby haben mich in den letzten Jahren immer mehr gepackt, ihr aktuelles Album „Rise Of The Dragon Empire“ gehörte 2019 zu den Top Alben des Jahres. Und nun feiert der Sechser also seine Premiere auf der Cruise.

Es ist sicher nicht der optimalste Slot, den Bloodbound hier für ihr Debüt erhalten. Doch dafür hat es anständig Publikum und die Schweden strafen ein erstes Mal diejenigen Nörgler Lügen, die meinen, dass für diese Art Mucke keinen Platz auf dem Schiff sei. Und die Nordlichter gehen auch voll motiviert zu Werke. Patrick trägt seine Drachenmaske mit leuchtend-orangem Auge, die übrigen Mitglieder tragen ihre obligaten Umhänge.

Da auch hier natürlich lediglich 45 Minuten Spielzeit zur Verfügung stehen, ist die Songauswahl für den geneigten Fan natürlich spannend. Zu meiner grossen Freude spielt die Truppe – im Gegensatz zum Auftritt im Z7 während der Tour – „The Warlock’s Trail“, einen meiner grossen Favoriten. Der Rest ist ein Mix aus neuem („Battle In The Sky“, „Dragons Are Forever“), mittel-neuem („In The Name Of Metal“, „Moria“) und altem („Nosferatu“) Material. Wobei halt einmal mehr „Moria“ das ultimative Highlight darstellt – eine unglaubliche Hymne! Der Song, der mir trotz all der anfänglichen Abneigung immer und überall gepackt hat…

Eine kleine Anekdote: Der eigentliche Drummer Daniel Sjörgen (der nebenbei vor drei Jahren auch bei Sabaton schon mal ausgeholfen hat) konnte den Trip nach Florida leider nicht mitmachen. Ob das jetzt mit seinem neuen Engagement bei Follow The Cipher zu tun hat oder ob da andere Gründe dahinter stecken, entzieht sich meiner Kenntnis. Sein Ersatz hier ist jedenfalls Kalle Löfgren. Der ist neulich ausgestiegen bei…. Genau: Follow The Cipher! Ein Drummer-Tausch, sozusagen…

Patrick leidet wohl noch etwas unter der Zeitverschiebung, als er nach gut 35 Minuten bereits den letzten Song ankündigt – und sich gleich darauf entschuldigt, denn zuerst gibt’s noch das schnelle „Rise Of The Dragon Empire“. Nach „Nosferatu“ (der auch hier „persönlich“ erscheint) ist dann aber wirklich Schluss. Insgesamt eine starke Performance, die vor allem von den nicht-Europäischen Fans begeistert aufgenommen wird! Aber jetzt raus aufs Pooldeck…

pam: Bloodbound war im 2019 mit “Rise Of The Dragon Empire” für mich die Neuentdeckung. Ich find die Scheibe der Hammer. Genau die richtige Dosis Kitsch, Melodie und Tempo für meinen Geschmack. Drum hab ich mir soooo fest gewünscht, dass die auf die Cruise kommen, Und so bin ich schon fast hibbliger als der gute Kaufi. Doch leider sind meine Erwartungen wohl etwas zu hoch gewesen. Die Band wirkt sympathisch, doch irgendwie auch etwas unsicher, unerfahren. Was ja nicht weiter schlimm ist, aber im Live-Gewand kommen diese Übersongs, zumindest die ich vom neuen Album kenne, nicht an die Konserve ran. Wenn ich das z.B. mit HammerFall vergleiche, sind das Welten. Ja sogar Galaxien. Dazu kommt, dass auch wie so oft auf der Cruise der Bass einfach alles überdröhnt. Ich hab bei meinen Kollegen so von Bloodbound geschwärmt, aber ich kann verstehen, dass die jetzt auch nicht grad so aus dem Häuschen sind.

Tschuldigung Kaufi, aber für mich war das eher enttäuschend als stark. Aber wie schon geschrieben, ich hab wohl einfach zu viel erwartet. Ich muss auch gestehen, dass ich eigentlich nur die neue Scheibe von denen kenne und davon wurden “nur” zwei Songs gespielt. Und die älteren packen mich eher weniger, vor allem “Nosferatu”, welcher als Rausschmeisser mit dem Teufel auf der Bühne persönlich fungiert und so ein bisschen als der Signature-Song positioniert wird, kann ich wenig anfangen. Find den maximal powermetalischen Durchschnitt. (Anm. Kaufi: “Nosferatu” finde ich persönlich auch eher mau, aber mittlerweile hab ich mich etwas dran gewöhnt…)

Mal schauen ob ich ihnen bei der 2. Show nochmals eine Chance gebe. 

Setliste Bloodbound – Royal Theater

  1. Battle In The Sky
  2. In The Name Of Metal
  3. The Warlock’s Trail
  4. Stand And Fight
  5. Moria
  6. Dragons Are Forever
  7. Rise Of The Dragon Empire
  8. Nosferatu

Fotos Bloodbound – Royal Theater (pam/Kaufi)

The Agonist – Ice Rink

Luke: Während Kaufi auf dem Pooldeck bei Leave‘s Eyes ist, ziehen wir den Ice Rink vor. Gemäss Programm verbinden The Agonist aus Montreal Melodic Death, Metalcore und Rock, das Ganze mit Female Vocals in clean und guttural. Klingt doch gar nicht so schlecht, und auch wenn ich kein grosser Arch Enemy-Fan bin nimmt mich Wunder, was die ehemalige Band von Alissa White-Gluz so zu bieten hat. Zu Konzertbeginn wird einem das Reinhören allerdings nicht leicht gemacht: obwohl die Venue nicht mal halbvoll ist werden die Regler erstmal komplett aufgerissen, so dass es sogar für 70K-Verhältnisse verdammt laut ist.

Musikalisch klingt das aber nach gutem und vor allem relativ schnellem Melodic Death Metal. Die Nachfolgerin von Alissa am Mikrofon der Band hört auf den Namen Vicky Psarakis und kann definitiv growlen! Das tönt doch richtig ansprechend – bis zum Zeitpunkt als Vicky auf Clean Vocals wechselt. Unabhängig davon wie einem dieses Stilmittel generell gefällt, hier sind die Töne schlicht und einfach schräg und falsch. Zum Glück gelingt schon der zweite Song etwas besser. Neben Live gesungenen Backing-Vocals der männlichen Mitmusiker gibt es zusätzlich Chöre ab Band, aber auch Frau Psarakis scheint sich etwas gefangen zu haben. Es folgt eine ziemlich krächzige Ansage über die vielen Biere, die letzte Nacht vernichtet wurden. Eigentlich ja sympathisch wenn die Musiker auch mitfeiern, es ist aber durchaus möglich, dass die stimmliche Darbietung der Frontdame nun aufgrund dieses Umstandes etwas zu wünschen übrig lässt…

Und scheinbar ist die Crew der Gruppe nicht komplett unvorbereitet, denn ab dem dritten Song werden die Clean Parts massiv ab Band gedoppelt. Die Growls scheinen live zu klappen und klingen auch nach wie vor gut, in den Refrains wird dann das Mikrofon etwas leiser geschaltet und das Band aufgedreht. Als sich das auch beim vierten Song so präsentiert entscheiden wir uns schliesslich zu gehen. Die Mini Playback Show ist zwar eine lustige Kindheitserinnerung, muss „Live“ aber nicht unbedingt sein. Schade drum, musikalisch klang das Ganze gar nicht so uninteressant.

pam: Nach Bloodbound geht’s für mich gleich nahtlos weiter vom Theater in die Eishalle zu The Agonist. Ich wurde vor Jahren über Alissa auf die Ex-Band von ihr Aufmerksam und hab mir dann grad mal ein, zwei CDs bestellt. Im Gegensatz zu Arch Enemy sang hier Frau White-Gluz nebst den Growls auch clean. Mir gefiel das schon. Vor ein paar Wochen erlebte ich The Agonist dann auch als Vorband von Jinjer im Dynamo in Zürich. Vicky hatte mich damals ziemlich überzeugt. Mit ihrem Dauersmile – trotz doch sehr fetten Growls – und ihren Pausbäckchen hatte sie sofort Zugang zu meiner Pumpe. Drum freute ich mich heute auf ein Wiedersehen und so zieh ich The Agonist heute Leaves’ Eyes vor.

Die Growls vom Mädel sind definitiv auch heute einmal mehr beeindruckend und einmal mehr bin ich einfach baff, wie frau mit reiner Technik und der doch eher sanften Stimme so was rausgeröhrt kriegt. Doch wie schon von Luke erwähnt auf Kosten der Clean-Stimme. Die ist für mich heute live zu püppihaft. Also halt das, was man von ihr eher erwarten würde, wenn man sie mit dem Daumersmile auf der Bühne sieht. Das Gesamtpaket mit brachial-melodiösem  Sound  gefällt mir jedoch – trotz dem kleinen Tolgen mit der Clean-Stimme – nach wie vor und so geniesse ich die Show von A – Z. Am Ende gibt es für mich ein klaren Daumen nach oben. Gerne bald wieder Mal. Und ja, ich mag das Mädel einfach.

Fotos The Agonist – Ice Rink (pam)

Leaves‘ Eyes – Pool Stage

Kaufi: Bei besten äusseren Bedingungen stehen Leaves‘ Eyes bereits auf der Pool Stage. Die Deutsch-Finnische Viking-/Symphonic Metaller waren vor zwei Jahren eine der Entdeckungen für mich. Speziell die damals neue Sängerin Elina Siirala vermochte mich schwer zu überzeugen, sodass ich danach recht schnell das aktuelle Album „Sign Of The Dragonhead“ geordert habe. Da ich die älteren Dinge jedoch nach wie vor nicht kenne, komme ich heute nicht so recht auf Touren. Denn ausser „Across The Sea“ und dem saugeilen „Riders On The Wind“ stehen heute vorwiegend ältere Songs im Programm. Okok – der Titeltrack ist auch der Opener, aber den hab ich noch verpasst, weil ich auf dem Weg aus dem Theater hierher war. Und „Beowulf“ ist „nur“ ein Bonustrack…

Musikalisch bin ich somit also nicht komplett auf der Höhe, doch Leaves‘ Eyes bieten heute auch sonst noch was: So stehen beispielsweise immer mal wieder zwei Wikinger auf der Bühne, die mit Schild und Schwert bewaffnet sind. Und zumindest einer post auch schön brav in die Kamera… Zum Ende erscheint dann auch Front-Growler Alex Krull in Wikinger-Montur, einzig das moderne Mikrofon wirkt da etwas komisch – ansonsten sieht das schon recht cool aus. Und abgesehen von der (in meinen Ohren) nicht optimalen Setlist, gibt es nichts zu bemängeln, im Gegenteil: Vor allem Blondschopf Elina singt auf höchstem Niveau, auch der Rest der Band überzeugt problemlos. Somit hoffe ich nun einfach auf etwas mehr vom letzten Album bei der zweiten Show…

Setliste Leaves‘ Eyes – Pool Stage

  1. Sign of the Dragonhead
  2. Serkland
  3. Across the Sea
  4. Swords in Rock
  5. Edge of Steel
  6. Riders on the Wind
  7. Hell to the Heavens
  8. Beowulf
  9. Blazing Waters

Fotos Leaves‘ Eyes – Pool Stage (Kaufi)

Suffocation – Pool Stage

Luke: Etwas vom geilsten an der Cruise finde ich die musikalische Vielfalt und die Platzierung der verschiedenen Bands. Eben noch gabs Symphonic Metal mit „süsslichem“ Gesang, direkt im Anschluss folgt eine grosse Portion sehr harter und technischer Death Metal. Klar, auch beim Wacken könnten sowohl Leave’s Eyes als auch Suffocation im Billing stehen, aber kaum auf derselben Bühne und direkt nacheinander… (pam: da pflichte ich dir zu 100% bei).

Die legendäre Gruppe aus New York zählt zu den Urvätern des Brutal Death Metal und ist vor allem Live ein Garant für mächtigen Muskelkater im Nacken. Ich hatte ein kleines bisschen gehofft, dass der ehemalige Sänger Frank Mullen für diese speziellen Shows auf der Cruise doch noch einmal mitgereist ist, aber da war wohl der Wunsch Vater des Gedankens. Wie schon bei den letzten Shows übernimmt Ricky Myers das Mikrofon, und wenn wir ehrlich sind macht auch er einen hervorragenden Job. Definitiv ein sehr starker Growler und auch an Bühnenpräsenz mangelt es nicht.

Auch die restlichen Bandmitglieder spielen nicht nur unglaublich tight, der Auftritt macht Spass zum Zuschauen. Bei Gitarrist Terrance Hobbs, dem letzten verbliebenen Gründungsmitglied der Band, frage ich mich manchmal schon, wie man es schafft diese komplexen Sachen zu spielen und gleichzeitig solche Grimassen zu schneiden. Bassist Derek Boyer trägt sein Arbeitsgerät nicht nur extrem tief, sondern stellt auch die eine (extra mit Metall verstärkte) Ecke seines Basses regelmässig auf den Boden und spielt so weiter (pam: DAS finde ich optisch extremst geil – DAS Sujet auf der Cruise – siehe Fotos nachfolgend).

Das Pooldeck ist während der Show ordentlich gefüllt. Natürlich hat es viele Death Metal-Jünger an Bord die wegen Suffocation hier sind, aber auch das nach wie vor sehr schöne Wetter tut sein Übriges. Und so ist weiter hinten im Zuschauerbereich die Stimmung auch eher verhalten, einigen Leuten, die vornehmlich zum Sonne geniessen hier sind, ist das ganze offensichtlich einen Tick zu hart. Vor der Bühne ist die Stimmung aber sehr gut, trotz Hitze tobt fast während der ganzen Show ein Moshpit und auch der Rollstuhl-Crowdsurfer ist wieder hier (Anm. von pam: Die sind bei der Security im Graben vor der Bühne nicht so beliebt. Vor zwei Jahre hat sich scheinbar ein Security wegen einem solchen ein Rippen gebrochen. Der Platz ist schon verdammt eng für solche Geschichten. So cool ich das auch finde, dass man sich wegen einem Rollstuhl nicht den ganzen Spass verkneifen will, so ist es doch für alle nicht ungefährlich. Was mich aber dieses Jahr beeindruckt, ist die freundliche Souveränität der Security-Leute. Es sind einige Neue dabei und die sind fast ausnahmslos sehr professionell und freundlich. So bittet man den Rollstuhl-Crowdsurfer freundlich aber bestimmt – ohne Aggression – seinen Surf abzubrechen. Was dieser dann auch anstandslos befolgt. Zwei Daumen hoch für alle Beteiligten).

Nach der wirklich starken 45 minütigen Show bin ich schon nur vom Headbangen ziemlich durchgeschwitzt und für einmal fast schon froh, dass mich mein persönliches Programm wieder ins etwas kühlere Innere des Schiffes zurückführt. Bei Suffocation werde ich aber – wenn irgendwie möglich – definitiv auch bei der zweiten Show nochmals reinschauen!

pam: Suffocation ist eine der Bands, die ich während einer meiner sieben 70’000 Tons of Metal Cruise-Teilnahmen entdeckte. Auch wenn es für mich als Melodien-Junkie nicht grad das bevorzugte Genre ist, hat mich damals die technische Perfektion, der Groove im Sound und vor allem wie oben schon erwähnt, der Bassist mit seiner sägenden Pose – also wenn er den E-Bass wie einen Kontrabass auf den Boden stellt – gepackt. Hab mir dann kurz darauf deren neuste Scheibe gekrallt. Auch Sänger Frank fand ich damals eine richtig coole Socke. Zuerst meinte ich, er sei ein Roadie und war dann überrascht, als er nach dem Soundcheck das Mikro in den Händen behalten durfte. Er kam mir damals äusserst sympathisch rüber und so bin ich heute doch auch etwas enttäuscht, dass er nicht auf der Bühne steht. Das mit dem Wechsel hab ich im Vorfeld gar nicht mitgekriegt.

Nichtsdestotrotz, ist das auch heute wieder eine astreine Performance – trotz oder auch grad wegen des neuen Sängers, der einen guten Job macht – und gerne wieder. Es muss ja nicht immer der Drachentöter-Kitsch sein.

Ich kann aber wegen einer Überschneidung nicht ganz bis zum Schluss dieser Death-Metal-Orgie frönen. Ich geh mich ein bisschen früher als Luke in die Eishalle abkühlen …

Fotos Suffocation – Pool Stage (pam)

Orphaned Land – Ice Rink

pam: Die Israeli sind bekanntlich auch eine der vielen Bands, die ich auf der Cruise entdeckte und lieben lernte. Sie waren damals auf meiner ersten Cruise die Entdeckung schlechthin und haben wie keine andere Band der Zusammenhalt der Metalheads über die ganze Kugel symbolisiert. Egal von wo du kommst, in welcher Farbe du geschlüpft bist: Wir haben alle nur eine Religion, die wirklich global und friedlich ist: Der Metal. Das waren damals in etwas geänderter Version die Worte von Metal-Jesus und Fronter Kobi Farhi. Auch wenn der Oriental-(Death)-Metal in den letzten Jahren etwas den Reiz verloren hat, so bin ich es ihnen alleine wegen den Erinnerungen an meine erste Cruise 2012 schuldig, schon bei der ersten Show vorbeizuschauen.

Und dann grad mal die erste Überraschung: Kobi steht ohne Leinen-Überwurf auf der Bühne. Hm, irgendwie machte dieser Jesus-Look schon einen gewissen Reiz der Israeli aus. Nun, es scheint seine Bandjünger nicht zu stören. Die spielen alle wie immer mit Dauersmile. Auch die Techniker der Band konsumieren wohl die gleichen Pilze. Wenn jetzt da noch Vicky von The Agonist dazu käme, würden wir jetzt wohl alle puderzuckerfurzende Einhörner sehen. Schönes Bild. (Anm. Kaufi: Hast Du Dich etwa bei den Pilzli der Band bedient??)

Ich erwische grad noch die letzten zwei Lieder: Mit “Sapari” auch sowas wie deren Signature Song, doch heute leider ohne bauchschwingende Schönheit aus 1001 Nacht.

Nun, das war für mich eine eher kurze Sache. Ich muss mir dann mehr von Orphaned Land in der zweiten Show gönnen – mit mir dann hoffentlich auch mehr Mitcruiser, der Ice Rink war nur gut zur Hälfte gefüllt. Aber so 100% wie vor 8 Jahren packt mich das schon nicht mehr.

Mal schauen, ob ich jetzt gleich für mich eine andere neue Band entdecke. Schnell ins Theater …

Setliste Orphaned Land – Ice Rink

  1. The Cave
  2. All Is One
  3. Like Orpheus
  4. We Do Not Resist
  5. The Kiss of Babylon (The Sins)
  6. In Propaganda / All Knowing Eye
  7. Sapari
  8. Norra el Norra (Entering the Ark)

Fotos Orphaned Land – Ice Rink (pam)

Whiplash – Royal Theater

Luke: Noch verschwitzt vom eben gesehenen Gig rennen wir die Treppen runter ins Theater. Hier steht mit Whiplash nämlich bereits ein nächster „will-ich-unbedingt-sehen“-Act auf dem Programm. Auch wenn mir der Name der Gruppe schon länger bekannt ist, hatte ich noch nie das Vergnügen eine Live-Show zu sehen. Die Band aus New Jersey wurde 1984 gegründet, also ein Jahr nach Erscheinen von Metallicas Debüt „Kill ‘Em All“. Ob der darauf enthaltene Song „Whiplash“ die Jungs bei der Wahl des Bandnamens beeinflusst hat weiss ich nicht, möglich wäre es aber durchaus. Denn musikalisch ist das gar nicht so weit auseinander: Eine Mischung aus geilem Old School Thrash und Speed Metal.

Das Trio gibt auf der Bühne verdammt Gas! Einzig verbliebenes Gründungsmitglied ist Tony Portaro, welcher nicht nur der einzige Gitarrist der Band ist, sondern nebenbei auch noch den Gesang der meisten Songs übernimmt. Dabei wirkt er mit seinem langen, weissen Bart sowie Cap und Sonnenbrille sehr cool und souverän. Bassist Danke DeLong steuert Backing Vocals bei, übernimmt aber bei einem Song auch den Lead-Gesang. Zudem nutzt er auch gerne die Breite der Bühne aus, er ist bewegungstechnisch definitiv der Aktivposten der Gruppe.

Die meisten Songs im Set (8 an der Zahl) stammen von den ersten drei Alben der Gruppe, also aus den 80ern. Das LP-Debüt von 1986 „Power And Pain“ ist heute sogar mit 4 Tracks vertreten. Und ich muss sagen, das Material gefällt mir wirklich. Keine Ahnung warum die Band nie grösser geworden ist, ob es am Fehlen einer zweiten Gitarre liegt? Auch heute hält sich der Zuschauer Aufmarsch leider ziemlich in Grenzen. Das Royal Theater ist erschreckend leer, besonders wenn man bedenkt das kein anderes Konzert zeitgleich stattfindet. Eventuell wollen viele Mit-Cruiser auch einfach noch ein bisschen das schöne Wetter geniessen…

Ich und auch die restlichen Anwesenden bereuen den Besuch aber kein bisschen, die Band legt einen wirklich guten Auftritt hin. Und auch die Musiker selbst scheinen zufrieden und gut gelaunt zu sein, nach der Show werden am Gitter vorne fleissig Hände geschüttelt und Plektren verteilt. Wir merken uns schon einmal den zweiten Auftritt in der Star Lounge vor, die ist ja ziemlich schnell voll. Dann müsste auch die Stimmung noch etwas besser sein.

pam: Der Bandname passt definitiv wie die Faust aufs Auge: Man nehme Kill ‘Em All, den Dreck von Motörhead, die Coolness von ZZ Top (inklusive Bart), die Gitarre von Angus Young (wer hat schon eine Thrash Metal-Band mit einer Gibson SG gesehen?) und was dabei rauskommt, hat sich ganz schön gebacken. Das ist genau das, was wir jetzt grad auf der Bühne sehen und aus den Boxen hören. Wer will sich da beklagen? 100% Old School Geschreddere – ich könnte nicht glücklicher sein. Es wird eine Speed-Granate nach der anderen abgefeuert. Und dann kommt die Ansage bei einem der Songs: “We do something fast for you.” Ich weiss grad nicht mehr vor welchem Song das war … aber dies war eh nur ironisch gemeint. Schnell sind sie alle.

Also Tony ist schon eine verdammt coole Socke. Er ist optisch wie oben angedeutet überhaupt nicht der klassische Thrasher, aber er könnte mit seiner Coolness locker bei ZZ Top mitmachen. Basser Rich hat übrigens eine verdammte Ähnlichkeit mit Schmier von Desctruction. Sollte Schmier mal ein Double brauchen …

Definitiv eine weitere spannende Neuentdeckung für mich. Das war sehr cool.

Noch zwei Fun-Facts: Die drei Gründer von Whiplash hiessen gemäss Wikipedia alle Tony. Und Drummer Tony hat mal Dave Lombardo bei Slayer für eine Tour ersetzt.

Aber genug Wikipedia … ich muss sofort weiter zu einem weiteren oder für mich gar DEM  Highlight der 70’000 Tons of Metal 2020 …

Setliste Whiplash – Royal Theater

  1. Last Man Alive
  2. Killing On Monroe St.
  3. Insult To Injury
  4. Burning Of Atlanta
  5. Sword Meet Skull
  6. Walk The Plank
  7. Spit On Your Grave
  8. Warmonger
  9. Nailed To The Cross
  10. Power Thrashing Death

Fotos Whiplash – Royal Theater (pam)

Kaufi: Das Nachmittagsprogramm ist nicht so meins. Interviewtermine habe ich keine dieses Jahr und einige Kollegen und ich haben beschlossen, dass wir Haggard NICHT schauen werden. Ich bin allerdings zu einem blöden Moment auf dem Pooldeck unterwegs, gerade als besagte Band (nebenbei sei erwähnt, dass die des Chefs Favoriten sind) spielt. Tut mir leid, pam – aber da rollen sich meine Zehennägel. Ich bin da sofort weg und setz mich lieber ins Jacuzzi. Da genehmige ich mir ein Bier mit Bloodbound. Deren Fronter Patrick ist übrigens immer noch mit der Drachenmaske unterwegs, die er sich auch von einem fast schon aufdringlichen weiblichen Fan nicht anfassen lässt…

pam: Da bin ich ganz anders unterwegs. Ich hab heute so meinen Super-Wednesday-Nachmittag. Nebst zwei, drei Überschneidungen reihen sie die Konzerte bei mir nahtlos aneinander und jetzt wo ich oben auf dem Pool Deck angekommen bin, lass ich Kaufi seine Spass im Jacuzzi mit aufdringlichen Rockstars und Fans, die sie nicht anfassen lassen, oder wie war das? Egal, ich werde meinen definitiv vor der Hauptbühne haben.

Haggard – Pool Deck

pam: Die Bayern bleiben für mich eine der besten Live-Bands. Bei wohl keiner Band kriegt man mehr fürs Geld. Da spielen und singen 15 – 20 Top-Musiker hochklassige Songs von Hammeralben. Und vor allem bei Haggard gibt’s nichts ab Band. Alles was du hörst, ist auch live auf der Bühne gespielt. Was grad im Symphonic Metal sonst keine andere Band bieten kann – ausser sie machen grad eine einmalige Orchester-Show.

Und klar, man muss dabei auch Klassik und Oper mit einer Prise Mittelalter mögen. Sonst flüchtet mal halt als Banause in einen Jacuzzi mit maskierten Fans und anzüglichen Rockstars … ;-). (Anm. Kaufi: Oder so….) 

Einen kleinen Haken hat die Geschichte mit Haggard: Es ist eigentlich nicht gemacht für ein einstündiges Konzert Open-Air mitten auf dem Ozean. Es ist fast ein Ding der Unmöglichkeit die im heutigen Fall zwölf Musiker (auf der Cruise sind es verständlicherweise jeweils ein bisschen weniger als in Europa auf Tour) und noch mehr Instrumente perfekt zu mixen, so dass der sonst gewohnt glasklare Sound wie ab CD rüberkommt – oder man braucht zumindest einen längeren Soundcheck, was dann das Set verkürzt. Vor drei Jahren, bei ihren letzten Gastspiel auf der 70’000 Tons of Metal, war die Pool-Deck-Show komplett vom Winde verweht. Aktuell ist es praktisch windstill somit hoffe ich doch, auf mehr Soundglück für Mastermind Asis und seine Leute.

Und was jetzt aus den Boxen kommt toppt einfach alles bisher gehörte auf der diesjährigen Cruise! Keine Widerrede Jungs. Jetzt bin ich mal der Boss. Das was da aus der Anlage kommt ist glasklar, weder zu laut, noch zu leise. Meine Skepsis zu Beginn war also das einzige, was in diesem Jahr weggeblasen wurde.

Oder ist meine Euphorie zu verfrüht? Asis und die Musiker/-innen inklusive Sopranistin Janika Gross – die nebst Tarja wohl schönste Opera-Stimme im Metal – sind scheinbar alles andere als happy was sie auf der Bühne bzw. in ihren In-Ears hören. Die Gesten sind ziemlich eindeutig und irgendwann zieht Asis seine In-Ears frustriert raus. Das scheint was ganz Übles zu sein. Nur, vor der Bühne hört man davon gar nichts. Der Sound ist immer noch glasklar und könnte nicht besser sein. Ich hab selten so guten Ton und Mix auf der Cruise erlebt.

Später als Asis und ich uns beim Buffet treffen, erzählt er mir, dass sie ganz fiese Geräusche, Rückkopplungen auf den In-Ears hatten und dies sehr schmerzvoll gewesen sei. Da kann ich die Gesten von ihnen definitiv nachvollziehen. Das frustriert dich dann auch. Umso höher rechne ich es der Band an, dass sie ihr Set trotzdem durchzogen. Hätte man es nicht an ihren schmerzvollen Zuckungen und Gesten gesehen, hätten wir von den Problemen gar nichts mitbekommen. Denn wie gesagt, fürs Publikum war der Sound perfekt.

Wie immer in den letzten Jahren verlassen Asis und sein Gitarre-Kollege Claudio bei “Herr Mannelig” die Bühnen und mischen sich unter die Fans. Die sind dann jeweils ganz baff, wenn sie auf die Bühne schauen und dann plötzlich Asis sie von der Seite angrinst. Immer wieder sehr cool das mitzuerleben. Und für mich als grosser Fan von Haggard auch ein schöner Moment, bei dem dich Asis im Publikum erkennt und während dem Spielen des Songs herzlich umarmt. Ich hoffe, er konnte sich dabei auch vom guten Sound vor der Bühne überzeugen.

Umso mehr freut es mich für ihn, dass das Pool Deck während ihrer Show sehr gut besucht ist. DAS – also nicht nur die Umarmung, aber das ganze Konzert – war für mich das bisher ganz grosse Highlight der 70’000 Tons of Metal 2020. Ich habe meine Zweifel, dass dies noch jemand toppen kann.

Das muss ich jetzt mal alles verdauen und setzen lassen. Also zuerst noch was reinfuttern, was auch physisch verdaut werden kann. Ich melde mich jetzt mal ans Buffet ab. Das übrigens in diesem Jahr noch einen Zacken besser als im Vorjahr ist, bei dem ich schon vom bisher besten Cruise-Buffet geschwärmt habe.

Fotos Haggard – Pool Deck (pam)

Stam1na – Ice Rink

Luke: Während Kaufi mit Bloodbound im Jacuzzi sitzt, müssen wir uns zwischen Haggard und Stam1na entscheiden, die ich beide nicht wirklich kenne. Da ich ein Herz für Exotenbands habe, entscheiden wir uns für die Finnen im Ice Rink und überlassen das Mittelalter-Orchester auf dem Pooldeck Chef pam. Wir legen beim Location-Wechsel noch eine kurze Rauchpause ein und nehmen es generell eher gemütlich, so verpassen wir den Anfang der Show. Als wir den Ice Rink betreten ist dieser wohl etwa zur Hälfte gefüllt. Ich vermute dass so ziemlich jeder finnische Cruiser hier anwesend ist, viele andere Sprachen hört man bei den Gesprächen zwischen den Songs jedenfalls nicht.

Und auch auf der Bühne nicht, die Lyrics sind nämlich ebenfalls in der Landessprache gehalten. Klingt natürlich für unsere Ohren sehr ungewohnt, aber irgendwie noch geil. Auch der Stilmix der Gruppe ist alles andere als 08/15. Da wechseln sich thrashige Parts mit sehr poppigen Sachen ab, öfters mal klingt das auch nach Metalcore oder Melodic Death Metal. Und alles mit sehr viel Groove. Wenn ich das in eine Schublade packen müsste wäre das wohl Nu Metal, allerdings sehr gut gespielter.

Die Band gibt auf der Bühne Vollgas und scheint richtig Spass zu haben an diesem Auftritt. Und auch das naturgemäss gut alkoholisierte Publikum – sind schliesslich grösstenteils Finnen – wirkt sehr begeistert. Jede Menge Moshpits begleiten die frenetisch abgefeierten Songs. Mich erstaunt nun überhaupt nicht mehr, dass die Gruppe in Finnland scheinbar richtig gross ist und für praktisch alle Alben schon goldene Schallplatten entgegen nehmen durfte. Die Songs sind stark und klingen trotz einem unverkennbaren Mainstream-Appeal und Keyboard nicht weichgespült oder gekünstelt. Ich denke dass mit englischen Texten auch ausserhalb des Heimatlandes einiges möglich wäre für die fünfköpfige Truppe.

Gerade Live funktioniert das jedenfalls ausgezeichnet, auch wenn man die Lyrics nicht versteht. Neben starken Songs punkten die sympathischen Skandinavier auch mit einer unglaublichen Spielfreude und jeder Menge Bewegung auf der Bühne. Ein wirklich sehr gelungener und extrem kurzweiliger Auftritt von einer Band, die ich mir jederzeit wieder Live ansehen würde, auch ohne Exoten-Bonus. Und ich komme noch zu der ersten komplett Finnisch-sprachigen Setlist für meine umfangreiche Sammlung. Falls Finnen und/oder Kenner der Band mitlesen, sorry für allfällige Fehler. Die Liste ist von Hand geschrieben und in einer Sprache die ich nicht verstehe, das macht das Abtippen nicht leichter…

Pam: Ui, das hört sich vielversprechend an. Ich hoffe, die haben dann bei deren zweiten Show nicht so eine starke Konkurrenz wie soeben.

Setliste Stam1na – Ice Rink

  1. Rokkirävistely
  2. Parkki
  3. Sudet
  4. Valtias
  5. Vihermies
  6. Masiina
  7. K35
  8. 5LP
  9. Huone
  10. Solar
  11. Enkeli

Luke: Nun heisst es für uns erstmal etwas durchatmen und vor allem Essen, schliesslich haben wir nun 5 Konzerte in Folge gesehen und uns dementsprechend nur flüssig ernährt. Natürlich hat aber genau um die Zeit der Windjammer seine Pause zwischen Lunch und Dinner. Hat eigentlich schon einmal irgendwer eine 70K-Cruise hinter sich gebracht ohne mindestens einmal hungrig vor dem geschlossenen Windjammer zu stehen? (Kaufi: Hier!) Egal, zum Glück gibt es gleich nebenan den Fish & Ships-Imbiss (Ja, der heisst wirklich so… 😉 ). Da wartet man zwar manchmal ein bisschen, wie jetzt in unserem Fall, das Essen ist aber definitiv nicht schlecht. Und während dem Warten und Essen bekommen wir dafür den Grave Digger Soundcheck mit. Wir schauen da dann auch noch kurz rein, ich habe die Band aber irgendwie schon zu oft gesehen und heute packt es mich nicht wirklich. So zieht es uns nach zwei Songs endlich einmal zum Merch und wir überlassen das Feld (bzw. die Pool Stage) Kaufi.

Grave Digger – Pool Stage

Kaufi: Am frühen Abend bin ich wieder da. Bereit für deutschen Power Metal – Grave Digger bitten zum Tanz! Die Gladbecker gehören zu jenen Bands, welche 60 Minuten Spielzeit zur Verfügung haben. Und die nutzen sie eindrücklich aus – mit einer richtig geilen Setliste!

Krank ist auf dem Schiff zwar kaum jemand – aber wenn, dass wird er jetzt geheilt: „Healed By Metal“ eröffnet den musikalischen Reigen, direkt gefolgt vom fantastischen „Lionheart“. Löwenherz scheint zurzeit einen Stammplatz zu haben im Digger’schen Programm. Dann geht’s munter weiter mit einem Querschnitt durch das über 35-jährige Schaffen von Chris Bolthendahl und seiner Band. Egal ob altes Zeugs wie „Season Of The Witch“ oder aktuelleres wie „Lawbreaker“: Das sitzt alles wie aus einem Guss. Zu den Highlights gehören sicherlich „The Curse Of Jacques“, welches auch auf der Tour im Frühjahr gespielt wurde, sowie die schottische Hymne „Highland Farewell“. Dass speziell „Rebellion (The Clans Are Marching)“ sowie das unvermeidliche „Heavy Metal Breakdown“ frenetisch gefeiert werden, versteht sich von selbst. Hier wünschte ich mir allerdings halt schon mal etwas Abwechslung….

Doch ansonsten ist die Mannschaft schon verdammt gut eingespielt, das schleckt keine Geiss weg. Während Jens Becker (Bass) und Marcus Kniep (Drums) für den Grundtakt sorgen, erstaunt es einem immer wieder, welch unglaublichen Druck Saitenhexer Axel Ritt mit seiner Klampfe aufbauen kann. Wenn man es nicht selbst sehen und hören würde, man würde kaum glauben, dass hier nur ein Gitarrist am Werk ist. Einfach eindrücklich – und nicht nur, als er zum Abschluss sogar ins Publikum geht und sein Solo dort spielt… Allerdings spielt da der Sender dann nicht richtig mit, sodass der Routinier rasch zurück auf die Bühne muss. Egal – die Fans geniessen auch kurze Kontaktaufnahmen! (pam: Ich geb ihm mal den Kontakt von Asis … siehe Haggard-Review oben ;-)).

Bleibt noch Frontmann Chris, der gewohnt routiniert und gut gelaunt durch den Abend führt. Einzig sein „The Mighty Grave Digger Is On The Boat“ will irgendwie nicht so passen. Dafür trägt im Publikum mal einer ein WIRKLICH kreatives Kostüm – kein Pokemon oder ähnlichen Schwachsinn. Da läuft einer wirklich als Reaper herum und fuchtelt immer mit seine Sense herum! Ich bin nur froh, dass sich der nicht unter die Crowdsurfer mischt… Alles in allem somit ein gewohnt starker Auftritt der deutschen Legende. Jetzt bin ich gespannt, ob sie im Gegensatz zu früheren Jahren die Setliste für die zweite Show etwas umkrempeln werden…

Setliste Grave Digger – Pool Stage

  1. Healed By Metal
  2. Lionheart
  3. The Clans Will Rise Again
  4. Lawbreaker
  5. The Dark of the Sun
  6. The Curse of Jacques
  7. Season of the Witch
  8. Highland Farewell
  9. Excalibur
  10. Ballad of a Hangman
  11. Rebellion (The Clans Are Marching)
  12. Heavy Metal Breakdown

Fotos Grave Digger – Pool Stage (Kaufi)

Havok – Star Lounge

Kaufi: Ich hab’s gesagt – ich will auch mal bei einigen Bands reinschauen, die vielleicht (oder vielleicht halt eben nicht) nach meinem Gusto sein könnten. Havok sind da auch auf der Liste. Doch während die Kollegen Sandro und Pete da einigen Gefallen finden, bin ich nach zwei Songs wieder weg. Ähnlich wie schon bei Vio-Lence ist dies die Art Thrash, die mich vertreibt.  Ich denke mal, dass dürfte eher wieder was für pam oder Luke sein – oder spart Ihr Euch das auf für den letzten Tag?

Luke: Richtig, das ist genau mein Ding! Nichts mit aufsparen, Havok ist eine der Bands bei denen ich mir schon vor der Cruise eingeplant habe beide Konzerte zu besuchen (pam: Yep, auch mein Ding, aber ich erspare mir die Lounge und spare sie für die zweite Show auf). Und deswegen schauen wir auch, dass wir zeitig in der Star Lounge sind. Die Location ist zwar ziemlich besch….eiden wenn man erst spät eintrifft und hinten im Raum steht, dafür ist ganz vorne stimmungstechnisch oft sehr viel los.

Da wir früh da und entsprechend gut positioniert sind bekommen wir auch bereits mit, dass der Bassist komplett vermummt am Einspielen ist. Auch das Konzert bestreitet der Mann am Vier-Saiter mit schwarzem Ganzkörper-Anzug inklusive Gesichtsmaske und Kapuze. Die Gruppe aus Denver Colorado ist bekannt für einen ziemlichen Verschleiss an Bassisten. Ob der Vermummte nun ein Aushilfs-Basser oder das neue Bandmitglied ist wird somit nicht klar, einige Leute spekulieren aufgrund der Verkleidung auch ob jemand bekanntes hinter der Maske steckt. (Anmerkung: Zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Textes wurde bekannt gegeben, dass Brandon Bruce neu den Bass bei Havok bedient, also ein bisher eher unbekannter Name. Passt aber zu den auf dem Schiff benutzten und verteilten Pleks mit den Buchstaben „BB“. Wieso die Verkleidung gewählt wurde bleibt somit etwas rätselhaft, eventuell einfach um die Fans „gwundrig“ zu machen…)

Das frühe Erscheinen hat sich auch sonst gelohnt, bei Konzertbeginn ist die Bude bereits sehr gut gefüllt. Zudem ist die Stimmung ab dem ersten Song am Kochen, sowohl bei der Band als auch beim Publikum. Während der ganzen Show sind viele wilde Pits in Bewegung, zudem werden jede Menge Crowdsurfer über unsere Köpfe nach vorne getragen. Auf der Bühne sorgt vor allem der vermummte Bassist für jede Menge Action. Er wirbelt von einer Seite zur anderen und kommt auch immer wieder gerne direkt zum Absperrgitter vor dem Publikum. Da hat sich die Gruppe eine richtige Rampensau an Bord geholt. Und sein Instrument beherrscht der Gute auch noch, alles andere als Standart-Bassspiel das man auch weglassen könnte (pam: Ui, da bin ich jetzt aber gespannt auf die zweite Show).

Bei der Songauswahl steht heute das grandiose „Time Is Up“-Album von 2011 im Fokus, davon werden gleich 4 Lieder gespielt. Aber auch sonst beweist die Band ein gutes Händchen bei der Setlist. Es gibt zudem einen neuen und exklusiv für die Cruise geschriebenen Song zu hören. Dieser dauert zwar nur gut 30 Sekunden und der ganze Text besteht aus der wiederholten Zeile „We’re On A Boat!“, aber immerhin…

Und so sind wieder einmal 45 Minuten viel zu schnell vorbei. Ein richtig geiler Auftritt! Und bei allem Hass dieser Location gegenüber: das war jetzt mal richtig gut in der Star Lounge. Die Stimmung ist halt in kleineren Räumen oft schon noch etwas intensiver. Und wenn man wie wir in der ersten Reihe steht hat man auch gute Sicht auf die Bühne. Nur aufs WC oder ein neues Bier holen wird eher schwierig. Wenn die Zeit aber so schnell vorbeigeht wie bei dieser Show lässt sich auch das ertragen. Nach dem Konzert verteilt der anonyme Basser vorne an der Bühne noch kleine Karton-Hüllen mit einer Bass-Saite und einem Plektrum. Einmal ein etwas anderes Souvenir, Pleks und Setlists habe ich schon öfters bekommen, eine Saite hingegen noch nie.

Setliste Havok – Star Lounge

  1. Point Of No Return
  2. From The Cradle To The Grave
  3. Give Me Liberty… Or Give Me Death
  4. No Amnestie
  5. D.O.A.
  6. Covering Fire
  7. Intention To Decive
  8. Out Of My Way
  9. Unnatural Selection

Once Human – Ice Rink

Luke: Nach der intensiven Show von Havok müssen wir zuerst einmal etwas durchatmen. Es reicht uns dann aber doch noch auf die zweite Hälfte des Sets von Once Human in den Ice Rink. Beim Durchlesen des Programmes stosse ich auf den Namen von Machine Head-Gitarrist Logan Mader und beschliesse als früherer MH-Fan, mindestens kurz reinzuschauen.

Frontfrau Lauren Hart hat eine ziemlich beeindruckende Growl-Stimme und ist zudem ein echter Blickfang auf der Bühne. Logan steht ihr da aber in nichts nach, ich glaube auf der ganzen Kreuzfahrt sieht man den Kanadier nie mit T-Shirt. Ein so trainierter Oberkörper muss natürlich bei jeder Gelegenheit gezeigt werden und nicht nur auf der Bühne. Schon nicht schlecht für einen fast 50 Jährigen… Aber  genug der Äusserlichkeiten und zurück zum Wesentlichen, der Musik: Die Band aus Los Angeles spielt einen Mix aus Melodic Death Metal, Metalcore und groovigem Thrash Metal. Gelegentlich kommt einem da Arch Enemy in den Sinn, nicht nur wegen der weiblichen Growls.

Und ähnlich wie bei der Truppe aus Schweden ist für mich auch beim amerikanischen Pendant das Hauptproblem beim Songmaterial zu suchen. Die Lieder sind eigentlich ganz ok, mehr aber auch nicht. Irgendwie packen mich die Stücke zu wenig, und es bleibt auch nichts gross hängen. Am deutlichsten wird es, als die Gruppe „Davidian“ von Machine Head spielt. Ich liebe den Song im Original, und auch die Version von Once Human ist richtig geil! Genau dadurch wird aber umso deutlicher, dass die eigenen Songs damit nicht wirklich mithalten können. Neben diesem Übertrack wirkt das eigene Material nochmals etwas langweiliger in meinen Ohren.

Somit bleibt unter dem Strich kein schlechter Auftritt, die Band gibt sich Mühe und agiert spielfreudig und aktiv. Bassist Damien Rainaud wagt sogar einen Ausflug ins Publikum. Nur war ein Coversong das deutliche Highlight, das ist immer ein bisschen ein schlechtes Zeichen. Ich würde mir die Truppe an einem Festival wo ich sowieso bin nochmals Live anschauen, eine CD kaufen aber wohl eher nicht…

pam: Ich bin auch wieder knipsend und hörend/sehend/geniessend unterwegs. Luke hat hier definitiv schon fast alles gesagt bzw. nur eine Notiz hab ich noch nicht abgehakt, dass das Mädel nicht an die Growls von Vicky (The Agonist) rankommt.

Auf dem Weg zu Epica ins Theater schau ich noch schnell in der Star Lounge bei Cattle Decapitation vorbei und mach den Kaufi. Kaum hör ich das Gekeife mach ich kehrtum und bin wieder draussen.

Fotos Once Human – Ice Rink (pam)

Fotos Candlemass – Pool Stage (Kaufi)

Epica – Royal Theater

pam: Erste Überraschung: Das Theater ist nicht ganz voll. Also wenn eine Band im diesjährigen Line-up vom Renommée sowas wie Headliner Status hat, dann hätte ich es am ehesten Epica zugetraut. Ich dachte die ziehen auch stark über Europa hinaus.

Ich war ein früher Fan von Epica und hab so ziemlich die ganze Discographie von denen in meiner CD-Sammlung. Doch als ich sie zum ersten Mal live erlebte, war ich von der schwachen Stimme von Simone Simons schwer enttäuscht. Es tat in den höheren Lagen schon fast weh, ihr zuhören zu müssen (ich riskiere jetzt grad ein Einschreiten von Dutti, der dies wohl Korrekturlesen wird … uiuiui). (Anm. Dutti: Nein, das liebe Simönchen konnte selbst mich nicht bei jedem Gig überzeugen 😉) Irgendwie haben die Holländer seit diesem Negativ-Erlebnis bei mir einen schweren Stand und ich höre Epica nur noch selten ab Konserve und auch live gabs nur noch an Festivals das eine oder andere Wiedersehen. Doch heute will ich mir wieder mal richtig Zeit nehmen und ihnen nochmals einen Chance geben, die Scharte bei mir auszumerzen. Am Ende des Tages wird es ihnen egal sein, aber ich würde mich gerne mit Simone versöhnen.

Und gleich vorweg, sie setzt eine Hammer-Duftwolke im wörtlichen und übertragenen Sinn. Also das Parfum von ihr riecht man bis in den Fotograben, aber ist definitiv gefällig. Und noch gefälliger ist mir heute ihre Stimme. Sie scheint den Höhen etwas auszuweichen und sie wird mir mit jedem Song, mit jeder Ansage (dies soll sich dann während der Jam-Session noch weiter steigern) sympathischer. Sie erklimmt da bei mir ganz neue Höhen. Und klar, ich kann Dutti schon auf verstehen, die Rothaarige ist schon auch ein optischer Leckerbissen.

Da punktet auch – vor allem auf der Spass-Skala – Keyboarder Coen Janssen. Der ist ein bisschen der Hofnarr von Königin Simone. Meist erhöht im Hintergrund neben dem Schlagzeug,  sprintet er mit seinem drehenden Keyboardständer bzw. dem Instrument oben drauf im Kreis. Am Greenfield Festival nutzte er gar die ganze Bühne in der Breite aus, um seine Jogging-Runden zu drehen. Ab und zu kommt er dann auch mit einem speziell gekrümmten Umhängekeyboard nach vorne und auch in den Fotograben. Definitiv ein Aktivposten im doppelten Sinne für die Band. Doch auch der Rest der Band ist sehr aktiv.

Wo ist eigentlich Kaufi? Das wäre doch auch sein Ding – also wenn einem Delain gefällt … (Anm. Kaufi: näääh…..)

So oder so, das war stark. So gerne wieder. Danke Epica, ihr habt mich heute als Fan zurückgewonnen.

Nach zwei starken Symphonic Metal Shows ist es wieder Zeit für Old School Thrash … mal schauen, ob Toxik das liefern … also ab ins Ice Rink, die sind dort schon am Spielen. Luke, was wird mich erwarten?

Fotos Epica – Royal Theater (pam)

Toxik – Ice Rink

Luke: Da die Star Lounge bei Cattle Decapitation komplett überfüllt ist, entschliessen wir uns, auf den zweiten Auftritt der Technical Deather zu warten. Denn von ganz hinten macht das definitiv keinen Spass, und nach vorne zu kommen sieht beim jetzigen Zuschauer Aufmarsch ziemlich Hoffnungslos aus. Also kurz was kleines Essen und dann zurück in den Ice Rink. Da stehen nun nämlich Toxik auf dem Programm. Neben Whiplash und Vio-Lence eine weitere alte, legendäre Thrash-Band. Mit dem Songmaterial der Truppe aus Westchester, New York bin ich aber gar nicht vertraut.

Die Gruppe hat in den 80er Jahren zwei Alben veröffentlicht, die unter Underground Nerds heute beide als Klassiker gelten. Auf der Cruise werden die LPs nun verteilt auf beide Sets jeweils in voller Länge gespielt. Heute ist „World Circus“ von 1987 an der Reihe.  Wie sich herausstellt bietet das Album technisch anspruchsvollen Thrash/Speed Metal, der teilweise ziemlich progressiv ist. Gitarrist Josh Christian ist das letzte verbliebene Mitglied welches schon bei den Aufnahmen in der Band war. Der neue Mann am Mikrofon Ron Iglesias ist stimmlich aber ziemlich nah am Original-Sänger Mike Sanders. Leider…

Ich stehe generell ja nicht nur auf Growls, bei der Höhe von Zetro von Exodus ist bei mir aber so ungefähr die Grenze. Mit ein paar wenigen Ausnahmen werde ich mit den ganz hohen Stimmlagen einfach nicht so recht warm, besonders im Thrash Metal. Meine bessere Hälfte Yvonne ist da sogar noch radikaler, sie wäre wohl schon beim ersten Song wieder weg gewesen. Wir beissen uns dann aber auf meinen Wunsch doch 4 Songs lang durch, schliesslich ist auch bei dieser Old School Band der Ice Rink sonst schon leer genug.

Und eigentlich ist die Performance gut: Ron ist definitiv ein geborener Frontmann, dass Crisix-Shirt das er zum Anfang der Show trägt und ihn noch sympathischer macht bleibt nicht lange am Körper. Oben ohne wird danach einiges an Laufmetern auf der Bühne abgespult. Musikalisch ist das wirklich interessant – wenn nur diese Stimme nicht wäre… So schauen wir dann halt doch mal kurz bei Venom vorbei. Ich glaube pam fand das Ganze noch ein gutes Stück besser als ich?

pam: Ich bin ähnlich gelagert. Es gibt aber schon auch geile Thrash Metal Bands mit in höheren Lagen singenden Sängern. Also ein Bobby Blitz bei Overkill reizt es schon maximal aus, aber bei ihm passt das wunderbar zum Sound von Overkill. Aber sehr oft im Thrash Metal ist etwas sehr geil gespielt, die Riffs oft packend, aber dann kommt der Gesang, der dann alles zunichte machte. Bei Toxik ist das eine Gratwanderung. Also ich find den Spargeltarzan (siehe Fotos vom Fronter nachfolgend) auf Speed schon sehr cool. Abgehen tut er definitiv. Vom Gesang her lass ich es grad noch durchgehen, könnt mir das aber auch nicht stundenlang antun.

Ein weiterer Aktivposten ist der Bassist, dessen Namen ich leider nicht ausfindig machen konnte. Der spielt auf seinem Fünfsaiter ziemlich krasse Bassläufe.

Alles in allem war das ganz cool. Definitiv eine weitere klassische Thrash Metal Kapelle, die sich lohnt zu entdecken. Ich muss mir mal deren zwei Scheiben aus den 80ern reinziehen.

Fotos Toxik – Ice Rink (pam)

Spoil Engine – Star Lounge

Luke: Nach einem doch eher kurzen Abstecher zu Venom verschieben wir wieder in die Star Lounge. Keine Ahnung wieso nicht Venom Inc. gebucht wurden, die haben am Bang Your Head letztes Jahr in der Halle so richtig abgeliefert. Die Cronos-Venom hingegen überzeugen mich auf der Pool Deck Stage heute genauso wenig wie am Party.San Festival vor zwei Jahren. Da gebe ich lieber einer Band die ich (noch) nicht kenne eine Chance. Und bei Spoil Engine steht im Programm etwas davon, dass sie 2004 aus der belgischen Hardcore-Szene entstanden sind. Da wir hier auf dem Schiff sonst nicht grad mit Core im Allgemeinen und Hardcore im speziellen verwöhnt werden also definitiv etwas zum Reinhören für mich.

Auch wenn wir erst relativ kurz vor Showbeginn kommen reicht es jetzt easy bis ganz nach vorne. So richtig viele Fans sind wohl nicht an Bord. Uns soll’s recht sein… Auf der Bühne steht mit Iris Goessens eine eher zierliche Dame, die aber über ein beeindruckendes Stimm-Organ verfügt und ausserdem sehr souverän wirkt. Musikalisch ist das Dargebotene irgendwo zwischen Melodic Death Metal und Metalcore anzusiedeln. Die HC-Wurzeln hört man definitiv, teilweise kommt das Ganze sogar ein bisschen punkig daher. Da ist definitiv viel Energie im Sound vorhanden, und Iris macht einen ausgezeichneten Job. Nicht nur die Growls sitzen bei ihr, auch die cleanen Parts passen und wirken kein bisschen peinlich. Definitiv die Beste der drei Front-Frauen die wir heute auf den verschiedenen Bühnen erlebt haben! 

Zudem hat sie auch das Publikum im Griff, das nun doch etwas zahlreicher vor der Bühne steht. Gerne erklimmen sie und Bandgründer/Gitarrist Steven „Gaze“ Sanders auch mal das Gitter direkt vor der Bühne und heizen so noch etwas mehr ein. In den sympathischen Ansagen zwischen den Songs erfahren wir von einer keineswegs problemlosen Anreise, scheinbar ist ein Teil des Gepäcks irgendwo zwischen Europa und Florida verloren gegangen. Gaze trägt vielleicht auch deswegen bereits ein Cruise-Shirt von den Landsleuten von Aborted. Man muss sich zu helfen wissen wenn die Klamotten knapp werden. Ebenso erfahren wir von einem gemeinsamen Song mit Jeff Walker, der zwar gespielt wird, aber leider ohne Gast-Vocals. Schande über mich als Carcass-Fan, kenne ich nicht. Leider habe ich kein Internet-Package gebucht, so muss ich mit dem anhören der Studio-Version bis in ein paar Tagen warten… Klingt aber auf alle Fälle auch so schon mal ganz cool!

Wir erleben einen sehr sympathischen und guten Auftritt, das zweite Set wird schon mal dick angestrichen im Programm. Und auch auf einer Clubtour in der Schweiz würde ich mir die Gruppe definitiv ansehen. Gerade wegen solchen Entdeckungen ist die Cruise etwas ganz Besonderes…

Nun ist in unserem Programm aber erst mal etwas Ebbe angesagt. Da es bis zu Origin doch noch fast zwei Stunden dauert entschliesse ich mich schweren Herzens auf den „World’s Biggest Heavy Metal Pillow Fight“ zu verzichten und erstmal für ein bisschen Schlaf zu sorgen. Schliesslich sind wir nun seit ungefähr 14 Stunden auf den Beinen und es geht für mich bereits um 3.30 Uhr weiter mit zwei Bands die ich unbedingt sehen will. Kaufi und pam, bitte übernehmen!

pam: Joa, ich bin jetzt auch noch in der Star Lounge angekommen und wow, das Mädel hat’s wirklich drauf – inklusive der Kiss-My-Ass-Attitüde des HC. Die Moves passen also definitiv und ich kann Luke nur beipflichten, die Screams sind von fetten Eltern. Vielleicht liegt es an den fehlenden Bühnenklamotten, aber rein optisch hätte ich dem Mädel eine solche selbstbewusste und starke Performance nicht zugetraut. Luke, ich bin dabei, wenn die wieder mal in der Schweiz ihr Können beweisen. (Anm. Dutti: Ja wärt ihr damals im April 2018 bloss ins Hall Of Fame gekommen 😉 )

Nun zum wohl inoffiziellen Headliner …

Setliste Spoil Engine – Star Lounge

  1. Riot
  2. The Void
  3. Medicine
  4. Hollow Crown
  5. Silence Will Fall
  6. The Hallow
  7. Venom
  8. Stormsleeper
  9. Black Sails
  10. Disconnect

Fotos Spoil Engine – Star Lounge (pam)

Michael Schenker Fest – Royal Theater (Teil 1)

Kaufi: Nachdem ich die letzten Stunden mehr mit Food, Bier und Pool verbracht habe, ist es wohl wieder mal Zeit was zu tun. Sonst schimpft der Chef und streicht mir das Geburtstagsgeschenk. Also lieber mal kein Risiko eingehen – und auf zum Theater. Da spielt gleich eine Gitarren-Legende: Michael Schenker. Über dessen Werdegang müssen wir kaum reden, über seine musikalische Bedeutung und seine Qualitäten ebenso wenig. Der Blondschopf ist neben Venom und Emperor der einzige, der hier 75 Minuten Spielzeit erhält. Das verpflichtet!

Mit etwas Verspätung startet der Hannoveraner mit seinem Fest in die erste seiner beiden Shows. Dies passiert standesgemäss mit dem UFO-Smasher „Doctor Doctor“, was von den Fans entsprechend gut aufgenommen wird (pam: Was ich absolut nicht nachvollziehen kann … ich versteh schon nicht, warum den Maiden als Intro vor den Konzerten nutzt … ich find‘s einfach nur lahm). Als Sänger fungiert hier erstmal Gary Barden – und ich verdufte bereits jetzt in den Ice Rink. Da gibt’s was anderes, was ich nicht verpassen will. Pam, Luke – jemand von Euch noch hier? Ich komme sonst später nochmals zurück…

pam: Ja, ich bin (noch) hier. Ich kenn offen gesagt kaum was von U.F.O., MSG oder geschweige denn den Scorpions. Also grad die paar Songs, die man halt kennt oder kennt und schlicht nicht weiss, dass die von denen sind. Aber eben, ist halt eine Legende und drum sollte man schon mal vorbeischauen. Also vor allem auch, wenn zum Beispiel ein Kirk Hammett vor ihm schon fast in die Hosen macht. Nun, da steht der zerbrechlich wirkende alte Mann mit seiner Russenmütze – also mit der ist er auch bei 30° draussen auf dem Pool Deck und beim Essen unterwegs – und fiedelt sich auf seiner Trademark Gitarre der Dean Flying V im schwarz-weissen Design einen runter. Und ja, da hörts bei mir schon auf. Ich bin einfach kein Fan von diesen Gitarrenhelden, die was rumfrickeln und rundherum spielt dann noch eine Band. Gitarristen mögen sich da die Augen reiben, aber bei mir regt sich da ausser grad der knipsende Finger gar nichts. Die Augen fallen mir, nach dem ich ein paar Fotos gemacht habe und mich mal hinsetze, zu. Das ist das zweite, was sich bei mir bewegte.

Ich will da Niemandem zu nahe treten, aber warum das eine 75minütiger Slot wert ist, versteh wohl nicht nur ich nicht. Denn das Theater ist praktisch leer. Die bisher mit Abstand schwächste Headliner Wahl, die ich auf einer 70’000 Tons of Metal Cruise bisher erlebt habe.

MSG hat mich in den Schlaf gespielt. Drum gibt’s leider nicht mehr von mir heute zu berichten. Also, du darfst wieder Mal die Nachtschicht übernehmen, Mr. Kaufi.

Firstbourne – Ice Rink

Kaufi: Während also im Theater Michael Schenker die Gitarren Nerds verzückt und pam in den Schlaf wiegt, schlage ich im Ice Rink auf. Da stehen bereits Firstbourne auf der Bühne. Das Quartett aus Boston wurde auf der App mit „Melodic Heavy Metal-Rock“ beschrieben – was immer das sein soll. Aber im Gegensatz zu „Experimental-Extreme Progressive Metal-Rock“ tönt das eher danach, dass es mir gefallen könnte. Zudem ist das auch eine CMM Band, also hört man da schon auch aus Solidarität mal rein!

Die vier Jungs von der US Ostküste bieten den Fans ziemlich coolen Sound. Teils recht speedig, stellenweise auch leicht progressiv angehaucht. Während man Sänger Ian Raposa optisch wohl eher in die Metalcore Ecke stecken würde, kommt er insgesamt eher ein wenig schwachbrüstig rüber. Etwas mehr Power, mehr Dreck würde es da schon vertragen. Völlig überzeugend ist hingegen Mike Kerr an der Gitarre. Das ist verdammt stark, was der Kerl da raushaut – wer’s nicht glaubt, sollte mal sehen, wie Kerr bei Yngwie Malmsteen’s „Rising Force“ zaubert!

FirstBourne bieten (auch unter den Augen und Ohren der kompletten CMM Mannschaft) wirklich gute Unterhaltung. Absolut solide und etwas, was man sich problemlos gerne wieder einmal anhört. Schade nur, dass sich die Band mit relativ bescheidenem Zuschauer Aufmarsch zufrieden geben muss. Etwas mehr hätten sie schon verdient gehabt! Aber die werden wohl im Theater bei Michael Schenker sein (pam: hehe, denkste!)… Mal nachsehen!

Setliste Firstbourne – Ice Rink

  1. Home
  2. Control
  3. Truth of the Lion
  4. Riot
  5. Symphony
  6. Firstborne Heart
  7. Pick up the Torch
  8. Breaking Chains
  9. Rising Force
  10. New Tomorrow

Fotos Firstbourne – Ice Rink (Kaufi)

Michael Schenker Fest – Royal Theater (Teil 2)

Kaufi: Hallo, jemand da? Ah doch – zwei, drei Seelen schwirren durch das Theater. Ok, das ist jetzt vielleicht etwas übertrieben und auch nicht ganz fair. Aber es ist schon erschreckend, wenn fast zur Prime Time die Location kaum zur Hälfte gefüllt ist. Ich wiederhole mich zwar: Über die musikalische Leistung Schenkers und seiner Truppe kann man nichts Schlechtes sagen! Aber das Gefühl ist ähnlich wie am Bang Your Head!!! letzten Sommer. Der Funke will einfach nicht richtig springen. Es ist irgendwie zu „nerdig“. Auch sind auch die Ansagen des Blondschopfs – wie immer mit Fellmütze unterwegs – nun ja: komisch. „I wrote this Song when I was seventeen for UFO.“ „I wrote this Song when I was nineteen for UFO.“ Schon speziell…

Die letzten beiden Tracks, die ich hier miterlebe sind „Lights Out“ und „Rock Bottom“, während „Too Hot To Handle“ wohl zeitlich bedingt gestrichen wird. Schade, denn als der erwähnte Rausschmeisser „Rock Bottom“ beginnt, zeigt der Counter noch etwa 9 Minuten an. Aber man weiss von Schenker, dass er da gerne ein sehr ausuferndes Solo spielt. Hrmpf, ein Song mehr wäre auch heute die bessere Wahl. Und so verlasse ich leise enttäuscht das Theater und nehme pam mitsamt seiner Frau grad auch mit raus (pam: hey, hast du mich geweckt?). Nicole verspricht dann sogar, dass wir uns bei meinem nächsten Konzert sehen… Da bin ich mal gespannt! Doch vorerst gibt es eine kleine Runde „Matratze horchen“ – maximal vier Stunden, dann geht’s weiter… (pam: Also Nachtschicht nicht ganz erfüllt …).

Setliste Michael Schenker Fest – Royal Theater

  1. Doctor Doctor
  2. Into the Arena
  3. Ready to Rock
  4. Attack of the Mad Axeman
  5. Armed and Ready
  6. Vigilante Man
  7. Take Me to the Church
  8. Lord of the Lost and Lonely
  9. Shoot Shoot
  10. Natural Thing
  11. Lights Out
  12. Rock Bottom

Fotos Michael Schenker Fest – Royal Theater (Kaufi)

Origin – Ice Rink

Kaufi: Nein, Origin ist nicht meine Band. Und ja, ich bin am Pennen. Offenbar macht das auch unsere ganze Belegschaft, während im Ice Rink ein Event stattfindet, den man nicht unerwähnt lassen darf: Die grösste Kissenschlacht der Welt! Oder so… Eigentlich bin ich ja ein totaler Gegner dieser verdammten Handyfilmerei an Konzerten. Doch manchmal gibt es Momente, da ist man doch froh, dass jemand die Kamera zückt – so wie in diesem Fall Kollege Pete, der (wie viele Andere, wie man sich im Youtube überzeugen kann) sowohl Kissenschlacht wie Kissen-Wall-Of-Death aufnimmt. DAS muss man gesehen haben. Zweifellos ein legendärer Moment auf der 70’000 Tons of Metal!

Aborted – Pool Stage

Luke: Origin liegen leider wirklich inmitten meines eh schon kurzen Schlaf-Fensters, weswegen ich die Kissen-Sause auch verpasse. Nach etwas mehr als 3 Stunden im Bett macht mich mein Wecker dann aber auf Aborted aufmerksam. Zusammen mit Striker bilden die Belgier am frühen Morgen nochmals ein Doppel das ich unbedingt sehen will. So unterschiedlich die beiden Bands auch sein mögen, es sind beides Garanten für gute Live-Shows und persönliche Favoriten von mir. Also heisst es aufstehen, zumindest für mich. Yvonne beschliesst dann doch lieber noch etwas weiter zu schlafen, also ziehe ich alleine los.

Nach einem ganz kurzen Boxenstopp im Windjammer komme ich zur Pool Stage und bin erstmal überrascht, wie viele Leute um diese Uhrzeit bereit für Death Metal/Goregrind sind. Beim an der Bar anstehen frage ich mich kurz, ob das nun schon ein «Guten-Morgen-Bier» oder doch noch ein «Mitten-in-der-Nacht-Bier» ist… Nicht so wichtig, also ab vor die Bühne.

Aborted wurden 1995 von Sänger und Mastermind Sven de Caluwé gegründet, welcher die Band seit nun 25 Jahren mit vielen wechselnden Bandmitgliedern betreibt. Zum Jubiläum werden zwei verschiedene Sets gespielt, das erste von heute widmet sich ausschliesslich dem letzten Album «Terrorvision» von 2018. Dieses gefällt mir sehr gut, da es die Brutalität des typischen Aborted-Sounds mit (für das Genre) erstaunlich vielen Melodien verbindet.

Zu Beginn der Show übertreibt es der Lichttechniker etwas mit der Rauchmaschine, da ziehen riesige Schwaden über die Bühne. Nach einem relativ bestimmten «Cut That Fucking Smoke» von Sven bessert das dann aber ziemlich schnell. Die Stimmung vor der Bühne ist ausgelassen, was sicher ein bisschen dem Alkohol geschuldet ist. Aber auch das Dargebotene animiert zu Bewegung. Regelmässig sind grössere Circlepits zu sehen und über mangelnde Crowdsurfer kann man sich ebenfalls nicht beklagen. Auch ein kurzer Regenschauer vertreibt die Leute nicht. Bei den aktuellen Temperaturen lässt sich ein bisschen Wasser von oben durchaus aushalten, es ist trotz der aktuellen Uhrzeit immer noch sehr angenehm warm.

Die Band liefert einen guten Auftritt, die 45-minütige Spielzeit wird sogar um 5 Minuten überzogen. Das Songmaterial gefällt mir ebenfalls. Irgendwie will sich aber keine restlose Begeisterung bei mir einstellen. Keine Ahnung ob das so kurz nach dem Aufstehen doch zu harte Kost ist. Oder ob die Setliste bestehend aus dem aktuellen Album einfach zu Wenig Überraschungen bietet, auch wenn die Lieder eigentlich gut sind. Mich haben die Jungs bei anderen Gelegenheiten jedenfalls schon mehr überzeugt. Unter dem Strich ist das aber Meckern auf hohem Niveau, Schlecht war es definitiv nicht.

Incantation – Ice Rink

Luke: Zur Überbrückung bis zu Striker schaue ich kurz im Ice Rink vorbei, wo Incantation ihren Old School Death Metal vor einem ziemlich spärlichen Publikum zum Besten geben. Ich habe die 1989 gegründete Gruppe bereits letztes Jahr am Party.San Open Air gesehen und war nicht sonderlich begeistert. Aber die Umbaupause auf dem Pool Deck ist definitiv auch nicht spannender, also mal reinhören.

Unten im Stehbereich ist der Sound ziemlich unerträglich. Bass und Drums überschlagen brutal, von Gitarre und Gesang hört man dafür praktisch gar nichts. Also besser mal die oberen Sitzplatzreihen ausprobieren… Da klingt das Ganze zum Glück einiges besser, jedenfalls von der Abmischung des Sounds. Musikalisch habe ich gerade ein paar eher doomige Stücke mit vielen langsamen Parts erwischt. Zusammen mit der eher monotonen Stimme von Frontmann John McEntee und den gemütlichen Sesseln ist das zu viel für meine momentane Fitness. Bevor mir die Augen zufallen wechsle ich lieber zurück aufs Pool Deck.

Striker – Pool Stage

Luke: Da sind Striker schon beim Soundcheck ordentlich am Posen, die Jungs scheinen gut gelaunt zu sein. Beste Voraussetzungen also für eine gute Show!  Der Zuschauer Aufmarsch ist einiges kleiner als bei Aborted zuvor. Dafür bin ich nicht mehr alleine Unterwegs, Yvonne hat sich unterdessen aufgerafft für die Show der Kanadier. Auch pams Frau Nicole und Kollege Kaufi sind bereits vor Ort.

Kaufi: Irgendwie ist es unmenschlich. Wenn ich morgens um diese Zeit aufstehen soll, kann ich ja gleich ins Büro… Wobei: DAS hier ist natürlich schon cooler. Morgens um 5 Uhr inmitten der Karibik auf einem Schiff, im T-Shirt und kurzen Hosen, über 20 Grad – und einem Gute-Morgen / Gute-Nacht Bier. Dazu geile Live Mucke vor der Nase: Striker! Sogar pam’s bessere Hälfte Nicole will sich das tatsächlich nicht entgehen lassen!

Die kanadischen Rocker sind keine Neulinge auf dem Kutter und auch bei ihrem Debüt vor drei Jahren hatten sie eher ungünstige Spielzeiten: Damals starteten sie um halb zwölf mittags… Mangelnde Motivation kann man Fronter Dan Cleary und seinen Jungs sicherlich nicht vorwerfen. Die drücken 45 Minuten richtig aufs Gaspedal und geben alles. Die nicht sehr zahlreich anwesenden Fans sind jedoch auch mehrheitlich wohl langsam durch den Wind. Aber dennoch halten fast alle durch bis zum Ende.

Ob es die Müdigkeit und die Uhrzeit ist? Oder zu viel / zu wenig (Zutreffendes unterstreichen) Alkohol? Jedenfalls finde ich – abgesehen vom Einsatz der Band – den Auftritt nicht einmal so überragend. Da haben mich in den Vorjahren Battle Beast oder Night Demon zu ähnlichen Uhrzeiten mehr weggehauen. Ob es an der Setliste liegt? Ich weiss es nicht – aber es gibt ja noch eine zweite Chance. Doch erstmal nochmals ein paar Stunden schlafen…

Ah, Luke ist doch auch irgendwo auf Deck 11? Was meinst Du eigentlich zu diesem Gig? Und weisst Du allenfalls, wer der Gastsänger da beim Rausschmeisser war? (Man merkt – die Setliste ist mir nicht geläufig…)

Luke: Natürlich lasse ich mir das nicht entgehen! Auch wenn diese Art Musik sonst eher deine Baustelle ist Kaufi, Striker find ich richtig geil. Und auch der Auftritt heute gefällt mir wirklich gut. Klar, von Seiten des Publikums könnte durchaus etwas mehr kommen, die Band liefert aber ab und scheint auch – wie beim Soundcheck schon vermutet – sehr gut gelaunt zu sein. Zwischen den Songs erfahren wir vom gesprächigen Frontmann Dan das Drummer Jonathan Webster heute seinen allerersten Auftritt mit der Band hat und sich der zweite Gitarrist Timothy Brown nur knapp rechtzeitig vor der Abreise von einer Blinddarm-OP erholt hat.

Mir gefällt auch die heutige Setliste sehr gut. Es kommen 4 Tracks vom aktuellen «Play To Win»-Album zum Zug. Sehr schön, ich finde die Platte nämlich sackstark! Aber auch einige ältere Perlen schaffen es ins Programm. Der letzte Song «Fight For Your Life» stammt vom 2012er Release «Armed To The Teeth» und ist so ein bisschen der Band-Klassiker. Der von Kaufi bereits erwähnte Gastsänger bei diesem Song ist R.A.V. von der kanadischen Band Ravenous. Mitgliedern der Facebook-Gruppe „70000 Tons Of Metal 2020“ (sowas wie der inoffizielle Info-Kanal der Cruise) dürfte dieser unter dem Namen Ravioli Musick als ziemlich fleissiger Poster bekannt sein. So bereue ich spätestens bei Striker kein bisschen, dass ich mein Bett nochmals etwas alleine gelassen habe.

Setliste Striker – Pool Stage

  1. Heart Of Lies
  2. Born To Lose
  3. Head First
  4. On The Run
  5. Former Glory
  6. Too Late
  7. Phoenix Lights
  8. The Front
  9. Out For Blood
  10. Fight For Your Life

Fotos Striker – Pool Stage (Kaufi)

Luke: Es ist mittlerweile kurz vor 6 Uhr und die Küste von Mexiko schon sehr nahe. So gehen Yvonne und ich noch auf Deck Nummer 12. Da beobachten wir gemeinsam mit Kollege Lolo aus Frankreich bei einem letzten Bier die Ankunft der „Independence Of The Seas“ in Cozumel aus nächster Nähe. Ziemlich beeindruckend wie der Kapitän das riesige Schiff knapp vorbei an einem bereits da stehenden zweiten Kreuzfahrtschiff wendet. Das ist Präzisionsarbeit vom Feinsten! Von unserer Position aus glaubt man ganz kurz, dass es jetzt zu einem Zusammenstoss kommen muss, aber irgendwie klappt das Manövrieren perfekt. Als die Crew das Schiff am Landesteg festmacht kommt langsam die Sonne zum Vorschein, dafür verschwinden wir in Richtung Kabine. Was für ein intensiver Tag auf dem Meer! Zum Glück haben wir keinen Landausflug gebucht, die starten teilweise ziemlich früh am Morgen. Und wir brauchen nun definitiv zuerst einmal etwas Schlaf…

Donnerstag, 9. Januar 2020 – Tag 3

Kaufi: Nach dem Auftritt von Striker ist nun mal etwas Schlaf angesagt. Ich bin auf diesen Fahrten eh nicht der Mensch, der da irgendwelche Ausflüge machen muss – ein Sandstrand zum chillen und das eine oder andere Bier würde mir da völlig reichen. So wie in Labadee oder Grand Turk. Cozumel ist hiervon allerdings sehr weit entfernt. Eine Touristenfalle erster Güte. Als ich mich irgendwann gegen Mittag mal von Schiff wage, liegen insgesamt sechs weitere Kreuzfahrtschiffe im Hafen der mexikanischen Insel! Entsprechend viel Volk ist da unterwegs. Mich zieht es nur rasch rüber ins Hard Rock Cafe, doch auch dieses ist weit entfernt von der gewohnten Qualität. Touristenabzocke allerorts. Nope, da geh ich rasch zurück auf “mein” Schiff und lade etwas meine Batterien.

Luke: Nach der zweiten „Schicht“ mit Schlaf haben wir es nicht sonderlich eilig mit Aufstehen. Wir haben nicht nur keinen Ausflug gebucht, sondern eigentlich auch sonst keine Pläne gemacht. Also erstmal gemütlich an Bord frühstücken… Als wir dann gegen Mittag das Schiff doch mal noch verlassen, kommen wir auch nicht weiter als Kaufi. Direkt ausserhalb des Hafens hat es wie schon angesprochen ein Hard Rock Cafe, welches uns nicht nur mit WLAN und Bier anlockt, sondern zudem auch noch Live Musik bietet. Und diese ist definitiv besser als der Service… Das lange Warten aufs Bier und die drückende, feuchte Hitze verleitet uns nicht zu weitere Unternehmungen. So kehren wir schon bald zurück aufs Schiff und entschliessen uns da ein bisschen den Poolbereich zu geniessen, bevor mit dem Schweizer Gruppenfoto der nächste (mehr oder weniger) „wichtige“ Termin auf dem Programm steht. Von der Insel Cozumel können somit andere sicher mehr berichten als ich.

Pam: Ja dann kommt der Dritte im Bunde. Ich hab nicht ganz so lange geschlafen wie meine Kollegen und während die oben berichten, bin ich nach dem Zmorgen und meinen bettflüchtigen Kumpels schon lange in einem Taxi auf der Insel unterwegs. Shy-d, wie immer top vorbereitet, hat einen schönen Sandstrand auf der gegenüberliegenden Seite der Touristenfalle/des Hafens ausgemacht. So fahren wir für 40 USD hin und dann fürs gleiche Geld zurück. Der Strand ist in der Tat schön, aber es ist eher windig und die Temperatur lädt jetzt nicht so zum Bade. So macht man halt das, was man an einem Festival tun würde: Genau, abhocken und Bier trinken. Da lernen wir auch einen ganz lustigen Kauz aus der Ostschweiz kennen: Timo. Der hat uns von der gestrigen Kissenschlacht bei Origin erzählt bzw. ein Video davon gezeigt. Das war ja der Hammer. Da haben wir definitiv was verpasst.

Nach ein paar Bierchen geht’s dann wieder zurück auf den Dampfer. Und ja, ich wiederhole mich mit der jährlich gleichen Leier: Der Stopp könnte man gut und gerne auch weglassen. Der ist schon fast eine Pflichtübung. Von mir aus könnte das stählerne Monstrum eh nur soweit aufs Meer fahren, bis man dasselbige nur noch in der offenen Variante wahrnimmt. Dann Anker werfen und den Kutter immer schön dem Wind ausrichten. Damit hätte man weniger Wetterkapriolen und könnte einige Tausend Liter Schweröl und somit Kosten und CO2 einsparen. Und auf den Fun hätte es wenig bis gar keinen Einfluss. Seien wir mal ehrlich, wer nimmt die Fahrt eigentlich wirklich wahr?

Fotos Cozumel (pam)

Kaufi: Ich – morgens um halb sechs, wenn die Sonne aufgeht! Ätsch… Während am Nachmittag nun immer mehr Metalheads zurückkehren, werden diese vom “normalen” Publikum auf dem benachbarten Schiff kritisch beäugt. Was die in schwarz gekleidete Meute zu dutzendfachen “Your Boat sucks!”-Rufen animiert. Naja, müsste nun auch nicht wirklich sein (pam: Hm, das hat schon seit der ersten Cruise Tradition und gehört irgendwie zum jährlichen Ritual so wie ich finde … und die alten Säcke verstehen eh nicht, was da diese schwarzgekleideten Wichtel ihnen zurufen, sonst würden sie jeweils auch nicht so freundlich zurückwinken…) Währenddessen ist es bald Zeit für das “Schweizer” Gruppenfoto, zu welchem sich dieses Jahr allerdings deutlich weniger Leute einfinden. Warum auch immer (pam: Joa, man müsste das mal klarer im Vorfeld kommunizieren, die meisten wissen jeweils einfach nicht Bescheid … und jeder/jede will sich halt auch nicht immer gegenüber seinen Landsleuten outen. Aber schon krass, dass man auch während der 7. Cruise immer noch Leute kennenlernt, die auch schon mehrere mitgemacht haben). Und Luke, ich muss Dich enttäuschen: Über Cozumel kann ich also auch nicht mehr erzählen weder Du. Und so wie ich pam kenne, wird auch er nicht allzu viel Zeit auf der Insel verbracht haben (pam: hey, ich habs immer weiter als die gefühlt 10 Meter vom Hafen ins Hard Rock Café geschafft …)… Doch was soll’s – in den Fokus rückt nun eh wieder der Metal!

Fotos Tag 3 (pam/N/A)

Flotsam & Jetsam – Pool Stage

Luke: Flotsam & Jetsam haben die Ehre die Pool Deck Stage zu eröffnen während wir wieder Kurs Richtung Florida aufnehmen. Und scheinbar hat die Gruppe aus Phoenix, Arizona einige Fans mit dabei, der Zuschauerraum vor der Bühne ist jedenfalls mehr als ordentlich gefüllt, trotz leichtem Regen. Könnte aber natürlich auch damit zusammenhängen, dass die Abfahrt des Schiffes zusätzliche Leute auf die obersten Decks lockt.

Die Hälfte der heutigen Setlist besteht aus Liedern des 1986 veröffentlichten Debüt-Album „Doomsday For The Deceiver“, welches bei vielen Leuten Kult-Status geniesst. Sicher keine dumme Entscheidung, in diesem Rahmen auf potentiell eher bekanntere Stücke zu setzen… Ich selber habe ein bisschen ein zwiespältiges Verhältnis zur Gruppe: ich finde die Jungs zwar gut – sowohl auf Tonträger als auch Live – aber so restlos begeistern und umhauen tut mich der Sound irgendwie nicht. Das ging mir schon beim Bang Your Head 2019 so und ist hier und heute nicht anders. Für mich bleiben Flotsam & Jetsam irgendwie immer die ehemalige Band von Jason Newsted, schlicht und einfach weil sonst zu wenig hängen bleibt….

Der Auftritt ist somit nicht schlecht, aber auch nicht überragend. Nach einem ziemlich abrupten Schluss mit einer knappen Ansage die ich leider nicht verstehe, verschwindet die Band etwas zu früh von der Bühne. Ob es am nun einsetzenden etwas stärkeren Regen liegt weiss ich nicht, jedenfalls ein sonderbares Ende der Show. Kaufi/pam, hat jemand von Euch mitbekommen was da genau los war?

Kaufi: Ich nicht. Aber ich bin auch kein Experte, hehehe. Immerhin schaue ich mir allerdings die Show doch eine gute halbe Stunde an. Zumindest die ersten beiden Tracks sind in der Tat alles andere als übel, währenddem mir “Desecrator” gar nicht passt. “Iron Maiden” hingegen klingt – wie überraschend! – schwer nach Iron Maiden! Freude bereitet zudem Tieftöner Michael Spencer, der im schicken HammerFall Shirt auf der Bühne steht… Nun ja, wenn mir die Arizona Thrasher wieder mal irgendwo über den Weg laufen würden an einem Festival, würde ich wohl wieder etwas reinhören. Doch ansonsten ist es halt wie gehabt nicht wirklich mein Sound. So, und jetzt muss ich ins Theater!

pam: Hm, irgendwie hab ich hier eine Lücke. Weiss grad nicht wo ich bin und was ich grad mache. Keine Notizen, keine Erinnerung … dann muss ich wohl beim Essen oder biertrinkend in eine heisse Diskussion verwickelt worden sein. (Luke: Also ungefähr die erste Hälfte des Sets hast du direkt neben mir gestanden. Eigentlich mit Blick zur Bühne. Aber wie von dir vermutet auch biertrinkend und teilweise diskutierend 😉 Du hast gesagt bei Exodus sei es dasselbe wie bei F&J, die kenne man auch nur wegen eines Ex-Members, der zu Metallica gewechselt hat. Worauf ich als Exodus-Fan natürlich heftig widersprochen habe! pam: Ui, ja dann … aber Exodus ist schon nochmals ein anderes Kaliber als die Ex-Band eines Metallica-Members …) Ansonsten kann ich nur wiederholen was Luke schon geschrieben hat, alles was ich mit Flotsam & Jetsam verbinde ist, dass sie die ehemalige Band von … genau, Jason sind. Ich hab sie mir auf einer früheren Cruise und mal an einem Festival auch schon kurz gegönnt, aber auch bei mir hats nie richtig gezündet. Drum folge ich dem Kaufi ins Theater. Da weiss ich auch wieder, wo ich grad bin.

Setliste Flotsam & Jetsam – Pool Deck

  1. Doomsday For The Deceiver
  2. Prisoner Of Time
  3. Desecrator
  4.  Iron Maiden
  5. I Live You Die
  6.  Hammerhead
  7. Recover
  8. No Place For Disgrace

Fotos Flotsam & Jetsam – Pool Deck (Kaufi)

Leaves’ Eyes – Royal Theater

Kaufi: Nein, ein zweites Mal verpasse ich den Anfang nicht! Leaves’ Eyes sind “must see” heute, keine Frage. Die Wikinger betreten als erstes die Bühne und los geht’s mit dem saugeilen “Sign Of The Dragonhead”, bevor mit “Serkland” ein Track der “Black Butterfly”-EP vom letzten November dran kommt.

Auffallend: Es ist wieder einmal laut, ZU laut. Während man generell die Soundprobleme früherer Tage irgendwie eher im Griff hat, wird hier hingegen der Regler zu sehr nach rechts gedreht (pam: Nach rechts? Hm, was ist denn dort? Ah, du drehst … jäso), was der Qualität einfach abträglich ist. Hingegen ist es erfreulich, dass die Symphonic Metaller ihre Setliste im Vergleich zur ersten Show umbauen. “Across The Sea” ist zwar noch an gewohnter dritter Stelle, während “Edge Of Steel” nun etwas früher zum Zug kommt. Ganz neu im Set sind dafür “Black Butterfly” sowie die Hymne “Jomsborg”, welches sich – mit Wikinger-Unterstützung – zum Highlight mausert.

“Beowulf” und “Blazing Waters” – bei dem Fronter Alex nun ebenfalls wieder als nordischer Krieger auftritt – beenden nach 45 Minuten einen vielumjubelten Gig im anständig gefüllten Theater. Der Besuch hat sich zweifellos gelohnt, auch wenn mich das Gesamtpaket schlussendlich nicht komplett überzeugt. Ich kann allerdings nicht mal sagen, woran das genau liegt. Sicher nicht an der Performance von Elina & Co, denn die war absolut tadellos!

pam: Nun Kaufi, ich vermute fest, an den fiesen Growls von Alex … ;-). (Anm. Kaufi: Also soooo viele waren das nun auch nicht….?) Auffallend Nummero zwei, sie haben auf der diesjährigen Cruise doch tatsächlich auch einen Bassisten dabei. Das war in den Vorjahren mit Atrocity und Leaves’ Eyes leider nicht der Fall. (Anm. Kaufi: Einspruch! Als Leaves’ Eyes das letzte Mal hier waren, hatten sie bereits Orden Ogan’s Niels Löffler am Bass dabei!) Die Wikinger Kombo mit mehrheitlich deutschen Söldnern macht definitiv gute Laune und die auch nicht mehr so neue Dame Elina (sie war ja schon mal mit LE auf der Cruise mit dabei) ist der ganz grosse Gewinn. Auch wenn ich schon eifrig CDs mit Liv Kristine gekauft habe, so macht es mit der “Neuen” grad live einen gewaltigen Unterschied. Und Alex muss man definitiv nicht sagen, wie man die Meute animiert. Mit ihm an der Spitze würden wohl auch Hasenfüsse mit in die Schlacht ziehen oder wie bei einem Song alle im Stehplatzbereich mitrudern. Ein schönes Bild, das hier nicht passender sein könnte. Bei einem dieser Seefahrer-Songs fängt unser Dampfer auch grad ein bisschen zu schaukeln an. Da fragt man sich einmal mehr, wer war zuerst: das Rudern oder das Schaukeln?

Setliste Leaves’ Eyes – Royal Theater

  1. Sign of the Dragonhead
  2. Serkland
  3. Across the Sea
  4. Edge of Steel
  5. Black Butterfly
  6. Jomsborg
  7. Swords in Rock
  8. Beowulf
  9. Blazing Waters

Fotos Leaves’ Eyes – Royal Theater (pam)

Atheist – Ice Rink

Luke: Unser nächster Programmpunkt findet im Ice Rink statt. Atheist habe ich mir fett markiert im Programm, beim Gig Nummer eins spät am ersten Tag musste ich aber trotzdem aufgrund Müdigkeit passen. Ein zweites Mal lasse ich mir die Florida Death Metal-Legende aber definitiv nicht entgehen. Und der Ice Rink ist sehr gut gefüllt, aufgrund des Wetters zieht es wohl einige ins Innere des Schiffs. Hier schwankt es zwar, aber sonst kann einem der nun aufgekommene Wind weniger anhaben als auf dem Pool Deck…

Musikalisch bieten Atheist eine unglaublich spannende und auch abgefahrene Version von technischem Death Metal mit einer Portion Thrash. Gewisse Parts lassen aber auch Core und insbesondere Grind-Einflüsse erahnen. Langweilig wird das jedenfalls nie, da nicht nur das Tempo ständig variiert, sondern auch sonst ziemlich viel passiert in den Songs.

Die Band berücksichtigt heute vor allem die beiden Kult Alben «Piece Of Time» (4 Tracks) und «Unquestionable Presence» (5 Tracks) von 1990 bzw. 1991, während das immer noch aktuellste Album «Jupiter» von 2010 nur mit einem Lied vertreten ist. Und mit dieser Songauswahl liegt die Gruppe goldrichtig. Es ist während des ganzen Gigs einiges los im Publikum. Toxik-Sänger Ron Iglesias ist nicht nur ständiger Gast im Pit, sondern auch der fleissigste der zahlreichen Crowdsurfer. Immer wieder wird er über die Köpfe hinweg Richtung Bühne getragen. Schön zu sehen, wie sehr er die Cruise neben Auftritten mit seiner Band auch als Fan von anderen Acts geniesst.

Auch auf der Bühne scheint der heutige Auftritt jede Menge Spass zu machen. Bassist Yoav Ruiz-Feingold ist der grösste Aktivposten. Er nutzt nicht nur die gesamte Breite der Bühne aus, sondern prägt mit seinem dominanten Spiel auch den Sound der Band wie es nur wenige 4-Saiter schaffen. Aber auch Sänger und Gründungsmitglied Kelly Shaefer wirkt sehr gut gelaunt und liefert dazu zwischen den Stücken äusserst sympathische Ansagen. Den letzten Song widmet er allen Anwesenden, egal ob sie die Band seit 30 Jahren oder erst seit 30 Minuten kennen. Nun, mir war die Gruppe zwar bereits länger flüchtig bekannt, so richtig zum Fan bin ich aber mit dieser Show geworden. Sehr starker Auftritt!

Setliste Atheist – Ice Rink

  1. On They Slay
  2. Unholy War
  3. Second To Sun
  4. Unquestionable Presence
  5. Formative Years
  6. I Deny
  7. Incarnations Dream
  8. And The Psychic Saw
  9. Mother Man
  10. Piece Of Time

Ihsahn – Pool Deck

pam: Ich hatte im letzten Jahr meine ersten zwei, drei sehr positiven Rencontres mit Black Metal-Kapellen. Gut, es war meist so atmosphärische oder gar schon eher Gothic-Geschichten. Aber zumindest weiss ich jetzt, dass was unter Black Metal segelt, nicht zwingend umschifft werden muss. Da schau ich doch auch mal bei einer wohl eher Legende des Genres vorbei; Mister Emperor Isahn. Bevor ich mir jedoch eine Meinung bilden und wirklich was berichten kann, kommt ein leider Altbekannter vorbei und vermiest mir das Ganze. Nö, nicht Kaufi, auf den freue ich mich doch immer, auch wenn er einem einen Black Metal-Auftritt schon vermiesen könnte. (Anm Kaufi: Hööh? Wie das? Ich fliehe da eher und überlasse das Gekeife den Leuten, denen das gefällt. Nicht anwesend – somit nicht vermiesend. :-p) Es ist wieder mal der … Wind. Ich lass die unschönen Wörter jetzt gepünktelt. Somit ist der Auftritt von Isahn nur von kurzer Dauer. Und ihr ahnt jetzt wohl was ich ahne … es schreit wieder mal nach einer Fuck-The-Storm-Schedule. Zumindest kommen schon mal alle Banner der Open-Air-Bühne runter – dito das Dach.

Janu, es müssen alle aus Sicherheitsgründen während dem Umbau das Oberdeck verlassen. So gehen wir halt runter ins Theater. Auf dem Weg dorthin ächzt und krächzt und knorzt das Schiff wie ein alter Holzkahn. Jetzt fehlt nur noch Moby Dick.

Fotos Ihsahn – Pool Deck (pam)

Wintersun – Royal Theater

pam: Dank dem Sturm erhalten Wintersun wieder mal eine Chance von mir. Auch wenn es mir auf dem Papier gefallen müsste, so hat mich die “neue” Band des ehemaligen Sängers und Gitarristen von Ensiferum – Jari Mäenpää – im Gegensatz zu seiner alten Band nicht gepackt. Es ist mir halt einfach ein bisschen zu viel Geschrei, aber sobald der Gesang clean ist und/oder die Chöre einsetzen, dann wird es schon richtig geil. Und da alle vom Deck runter mussten, ist das Theater auch richtig gut gefüllt. Crowdsurfing en Masse (die Security sind wieder mal absolut top, selbst wenn einer in der grüsigen Borat-Badehose angesurft kommt, Augen zu und gepackt wird der Jung). Die Stimmung erreicht ein absolutes Hoch – da kommen Erinnerungen an den Hammerauftritt von Ensiferum an gleicher Stätte vor einem Jahr auf. Ich zieh meinen imaginären Hut – wenn ich einen hätte, dann wäre er eh schon lange in den Fängen des bösen Windes der Meere geworden. 

Das muss man erstmal verdauen. Aber ohne Essen verdaut es sich auch schlecht. Darum nutzen wir wie die Flaute in mir drin und in meiner Must-See-Liste und gehen wieder Mal à la Carte schlemmen. Kaufi und Luke, the stage is yours.

Fotos Wintersun – Royal Theater

Ghost Ship Octavius – Star Lounge

Kaufi: Wieder einmal wage ich mich in die Star Lounge. Da spielt eine Truppe, die könnte mir aufgrund der Beschreibung noch gefallen – auch wenn Ghost Shop Octavius gemäss der App “Progressive Metal” spielen. Drummer Van Williams ist mir jedenfalls bekannt von Ashes Of Ares, der war auch lange in Diensten von Nevermore. Die übrigen Namen sagen mir allerdings nichts. Aber wie sagt Kollege Dutti gerne? Horizonterweiterung kann nicht schaden!

Was uns Matthew Wicklund (seines Zeichens Sänger und Gitarrist) und seine Kumpane hier präsentieren, ist sicherlich kein einfacher Stoff. Aber glücklicherweise längst nicht so progressiv, dass es mich fortjagen würde! Das Geisterschiff präsentiert epischen US Power Metal, Einflüsse von Iron Maiden oder Iced Earth sind nicht von der Hand zu weisen. Wenn man dies unter “progressiv” versteht, kann ich sehr gut damit leben… Auch wenn die Sicht in der Lounge wie gehabt natürlich kaum vorhanden ist – der Besuch lohnt sich, die 45 Minuten wissen zu gefallen. Und ich hab wieder eine CD mehr auf meiner Wunschliste…

Fotos Ghost Ship Octavius – Star Lounge

Cattle Decapitation – Ice Rink

Luke: Eigentlich wollten wir nach Atheist zuerst mal kurz aufs Pool Deck, eine Zigarette rauchen und die letzten Töne von Ihsahn anhören. Allerdings wurde dieses Konzert, wie von pam bereits geschrieben, scheinbar nach 4 Liedern aufgrund des nun doch sehr starken Windes abgebrochen. Als wir auf Deck 11 ankommen ist der Zugang zu der Pool Deck Stage bereits abgesperrt. Das Bühnendach, der grosse Banner und weitere wind-anfällige Teile werden abmontiert, damit die Auftritte später weitergehen können. Es zeichnet sich dadurch aber bereits einiges an Verzögerung bei den Bands auf der Aussenbühne ab…

Uns ist das momentan aber noch egal, nach einer kurzen Essenspause geht es zurück in den Ice Rink wo nun Cattle Decapitation auf dem Programm stehen. Die Truppe stammt aus San Diego Kalifornien und speziell Frontmann Travis Ryan ist mir vor allem als radikaler Veganer und Kämpfer für die Rechte von Tieren bekannt. (Anm. Kaufi: Ich hoffe, Du hast dafür beim Essen auch schön Salat und Gemüse geschöpft…?) Die Musik der Band ist eine ziemlich heftige Angelegenheit und irgendwo zwischen Technical Death Metal, Grind und Deathcore anzusiedeln.

Diese musikalisch harte Kost lockt einiges an Zuschauern an, der Ice Rink ist sehr gut gefüllt. Zudem ist auch die Stimmung ausgezeichnet, praktisch bei jedem Song gibt es riesige Pits zu bestaunen. Travis verfügt über eine beeindruckend vielseitige Stimme, wobei mir die Growls einiges besser gefallen als die schon fast Black Metal-mässigen Screams. Zudem zeigt der Fronter beeindruckende Gesichtsentgleisungen, die Mimik würde auch Tiptop zu einem Film-Serienkiller passen.

Alles in allem ein Auftritt der zwar ziemlich crazy ist, mir im Grossen und Ganzen aber gut gefällt. Nicht ganz so interessant und progressiv wie Atheist, aber doch auch sehr kurzweilig. Trotzdem bleiben wir nicht ganz bis zum Schluss, schliesslich steht jetzt wieder mal die Lounge auf dem Programm und da wollen wir auf keinen Fall ganz hinten sein.

Origin – Star Lounge

Luke: Da ist es nun nämlich Zeit für die zweite Show von Origin. Ich könnte mich immer noch in den Hintern beissen, dass wir die Kissenschlacht beim ersten Set letzte Nacht verpasst haben. Den zweiten Auftritt lasse ich mir aber auf gar keinen Fall entgehen. Dank dem frühen erscheinen schaffen wir es auch noch weit nach vorne, was sich diesmal wirklich auszahlt. Als Sänger Jason Keyser die Bühne überpünktlich betritt, mehrmals ein «Kill The Lights» ins Mikrofon ruft und dem Lichttechniker so ziemlich deutlich klarmacht das die Show losgehen soll, ist die Location noch eher leer. Bereits während des ersten Songs ändert sich das aber, schnell ist der enge Raum mehr als gut mit Leuten gefüllt.

Die Gruppe aus Topeka, Kansas spielt progressiven und technischen Brutal Death Metal. Sowohl Gitarrist Paul Ryan als auch Basser Mike Flores glänzen nicht nur durch unfassbar schnelle Finger, sondern sind beide auch für Backing Vocals zuständig. Und Frontmann Jason überzeugt mit seinen beeindruckenden Growls, hat aber auch zwischen den Songs einiges zu bieten. Der gute Mann könnte wohl problemlos auch mit einem Comedy-Programm auf Tour gehen. Als mitten im Set aufgrund technischer Probleme etwas Aufregung auf der Bühne aufkommt, muss Keyser die Zwangspause irgendwie überbrücken. Was manch anderem Frontmann wohl die Schweissperlen auf die Stirn treiben würde, löst der sympathische Sänger mit Leichtigkeit: Zuerst wird das Publikum zu einem Silent Moshpit animiert, anschliessend setzt sich auch noch ein grosser Teil des Publikums auf den Boden um zu rudern. Jason erklärt danach feierlich, man habe soeben den Weltrekord für den grössten Silent Moshpit geholt, der bisherige Rekord aus der Schweiz von 1997 sei geschlagen worden.

Als die Instrumente nach ein paar Minuten wieder funktionieren ist die Stimmung weiterhin hervorragend, auch dank den ständigen Animationsversuchen von der Bühne. Anstelle einer Wall Of Death wird hier eine Wall Of Boat gestartet. Das Publikum rennt nicht aufeinander zu, sondern gemeinsam von einer Seite zur anderen. So will man das Schiff zum Schaukeln bringen, was aufgrund der Wetter-Verhältnisse eigentlich gar nicht nötig wäre. Das Gerenne des Publikums sieht aber trotzdem witzig aus…

So wird eine richtig unterhaltsame Show geboten. Nur: eigentlich wäre das gar nicht nötig. Musikalisch ist die Truppe nämlich ebenfalls sehr spannend. Zumindest ich wäre auch gut unterhalten gewesen, wenn die Jungs einfach nur Ihre Songs gespielt hätten. Da passiert richtig viel in den Liedern und das Ganze ist technisch auf einem unfassbar hohen Niveau. Eventuell wäre dann aber das restliche Publikum nicht so zahlreich anwesend und die Stimmung auch weniger ausgelassen. Meiner Meinung nach wird es zum Glück nicht zu viel Klamauk, die witzigen Ansagen ergänzen die Musik und stellen sie nicht in den Schatten. Somit ist auch mit der Show alles im grünen Bereich. Ich bin nach 45 Minuten restlos begeistert und setze eine weitere Band auf meine CD-Einkaufsliste.

Grave Digger – Royal Theater

Kaufi: Prime Time im Theater. Die deutsche Metal Institution Grave Digger bittet zum Tanz und verspricht ein “Old School Set”! Gut – das mit dem “Old School” darf man nicht ganz wörtlich nehmen, denn schlussendlich schleichen sich doch ein paar Tracks neueren Datums ins Programm. Wirklich erfreulich hingegen ist der Fakt, dass Chris Boltendahl und seine Jungs die ersten zwei Drittel komplett umkrempeln! Zugegeben: Mit dem Katalog an grossartigen Alben und Songs in der Rückhand, dürfte das kein allzu grosses Problem darstellen. Doch man muss es eben zuerst auch machen…

Weil die Truppe nun also etwas Abwechslung versprochen hat, eröffnet das Quartett mit dem uralten “Headbanging Man” vom Debütalbum “Heavy Metal Breakdown”! DAS ist mal ein Zeichen… Auch “Witch Hunter” (1985) und “Circle Of Witches” (1995) haben schon ein paar Jährchen auf dem Buckel. Mit dem Titeltrack des ‘98er Albums “Knights Of The Cross” kommt nicht nur bei mir richtig Freude auf! Eine Hymne vor dem Herrn, für mich bis heute einer der besten Songs der deutschen Grabschaufler. Wunderbar, den hier erleben zu dürfen!

Während “Wedding Day” aus dem Jahr 1993 den Stempel “Old School” auch noch erhalten darf, trifft das auf “Tattoed Rider” aus dem Jahr 2014 definitiv nicht mehr zu. Das ist aber insofern egal, weil das dazugehörende Album “Return Of The Reaper” generell einiges an bockstarkem Material bietet. “Seasons Of The Witch” sei da als Beispiel genannt, welches bei Show Nummer eins an der Reihe war.

Für viele Fans gilt wohl “Tunes Of War” als DAS Album der Gladbecker. Ich persönlich bevorzuge jedoch dessen Nachfolger “Excalibur” vorbehaltlos. Müssig zu erwähnen, dass die nun folgende Doublette “The Round Table (Forever)” und “Morgane Le Fay” bei mir zu ziemlich heftigen Eskalationsschüben führt. Angetrieben von einem einmal mehr grossartig aufspielenden Axel Ritt (immer wieder beeindruckend, welche Power der Kerl aus seinen sechs Saiten holt!), ist das unbestritten der Höhepunkt der zwei Konzerte.

Eigentlich tragisch, dass nun im direkten Anschluss der Tiefpunkt folgt: “Zombie Dance”. Dieser unsägliche Polka-Track hat (nicht nur wegen Baujahr 2018) in einem “Old School Set” nichts verloren. Auch musikalisch ist das völlig deplaziert. Doch eines muss man den Deutschen dann trotzdem zugutehalten: Sie haben diesen Track aufgenommen mit der Begründung “Das ist Metal – wir machen, was wir wollen!” und unter diesem Motto lassen sie nun auch die zahlreichen Fans im Theater tanzen. Na gut, wenn’s Spass macht, will ich nicht als Spassbremse gelten…

Der Zombie-Tanz ist schnell vorbei und Grave Digger realisieren vorige Spielzeit! So wird kurzerhand noch ein zusätzlicher Song ins Programm eingebaut – und dies ist nun der erste, der auch schon beim ersten Konzert gespielt wurde. Da es sich um “Excalibur” handelt, halte ich mich zurück mit Kritik. Schliesslich ist es ja der Titeltrack meines Lieblingsalbums – da schweigt und eskaliert man.

Der Abschluss ist dann schnell erzählt – denn der trägt auch seit Jahren das Prädikat “Old School”. Die unverwüstlichen Hits “Rebellion (The Clans Are Marching)” und “Heavy Metal Breakdown” werden natürlich von der Masse begeistert gefeiert. Persönlich bin ich zwar auch jetzt der Meinung, dass man die auch mal weglassen dürfte (Klassiker haben die Herren auch dann noch zuhauf!), doch angesichts der ansonsten völlig umgekrempelten Setliste heute, kann man natürlich auch damit problemlos leben. Insgesamt somit ein äusserst gelungener Auftritt!

Setliste Grave Digger – Royal Theater

  1. Headbanging Man
  2. Witch Hunter
  3. Circle of Witches
  4. Knights of the Cross
  5. Wedding Day
  6. Tattooed Rider
  7. The Round Table
  8. Morgane le Fay
  9. Zombie Dance
  10. Excalibur
  11. Rebellion (The Clans Are Marching)
  12. Heavy Metal Breakdown

Fotos Grave Digger – Royal Theater

Omnium Gatherum – Ice Rink

Luke: Yvonne gönnt sich eine kleine Pause, und ich eile zum Schluss von Grave Digger. Als ich vor dem Theater eintreffe kommen mir allerdings die Leute bereits entgegen, also ab in den Ice Rink. Da steht mit Ominum Gatherum eine Gruppe auf dem Programm, die mir aufgrund des Stiles – Melodic Death Metal – eigentlich Gefallen müsste, mich bisher aber nie überzeugt hat. Beim ersten Auftritt den ich von den Finnen gesehen habe auf der Full Metal Cruise letztes Jahr, bin ich nach der Hälfte des Sets raus. Am Bang Your Head drei Monate später habe ich es noch weniger lange ausgehalten. Beide Male waren viele Leute mit denen ich danach gesprochen habe begeistert, nur ich nicht. Nun also die dritte Chance.

Es ist richtig voll, die Band kommt offensichtlich auch hier gut an. Unten im Stehplatz-Bereich ist der Bass wieder einmal so unfassbar laut das man es fast nicht aushält. Da kann aber die Band nichts dafür, also ab auf die Sitzplätze. Und tatsächlich, direkt vor dem Mischpult ist die Qualität einiges besser. Jedenfalls die Qualität der Abmischung… Mir verkleben die kitschigen Keyboards bereits nach kurzem wieder die Ohren. Zudem wirkt das Material der Finnen direkt nach den komplexen Songstrukturen von Origin fast wie Kinderlieder. Ich habe keine Ahnung was es genau ist. Die Landsmänner von Children Of Bodom verwenden ebenfalls ziemlich viele Keyboards und haben grösstenteils eher simples Songmaterial, gefallen mir aber trotzdem um Welten besser. Irgendwie ist mir das alles zu glatt und konstruiert, dazu fehlen jegliche Ecken und Kanten. Ich notiere mir ins Notizbüchlein den Satz «Death Metal für Leute die sonst eigentlich keinen Death Metal mögen» und gebe es nach etwas mehr als 20 Minuten endgültig auf. Ich werde wohl in diesem Leben kein Fan mehr von der Gruppe, auch wenn sie auf der Bühne alles andere als unsympathisch wirken und auch beim Publikum definitiv für gute Stimmung sorgen. Wohl einfach nicht mein Fall, wieso auch immer. Ich verdrücke mich jedenfalls freiwillig zu Michael Schenker, und das soll etwas heissen…

pam: Frisch gespiesen gönn ich mir doch mal Death Metal für Leute, die kein Death Metal mögen. Gut, darum hat man ja auch das Melodic dran gehängt. Für mich hat Melodic Death eh wenig mit Death Metal zu tun, drum gefällt es mir meistens ja sehr gut ;-). (Luke: Gebe ich dir teilweise schon Recht. Zum Beispiel At The Gates oder Carcass werden aber oft auch als Melodic Death Metal bezeichnet, und beide haben mit dem ursprünglichen DM einiges mehr zu tun als Omnium Gatherum 😉 pam: Definitiv, grad bei Carcass, die waren schon mal ziemlich deftig unterwegs im Grindcore). Beim reinen Old School Death hab ich schon mehr Anlaufschwierigkeiten. Und ja, für mich als Melodienjunkie ist Kitsch und Bombast selten fehl am Platz, auch wenn das Keyboard anfangs eher nicht so mittun will. Aber solche melodiösen Riffs mit entsprechender Härte schaffen halt einfach nur Finnen … oder vielleicht mit Amon Amarth noch die Schweden. Und da gibt es schon einige Berührungspunkte, wenn auch dieses Duell klar an die Schweden geht.

Dennoch geht’s ziemlich steil im selten bis nie so proppenvollen Rink. Nebst Mass-Surfing gibt es auch High-Speed-Head-Banging beispielsweise zu “Over The Battlefield”. Die Finnen haben die Gunst der Stunde mit dem anfangs noch geschlossenen Oberdeck und anschliessend mit der Mini-Konkurrenz der MSG definitiv genutzt. Das war stark.

Setliste Omnium Gatherum – Ice Rink

  1. The Burning
  2. Gods Go First
  3. Frontiers
  4. Be the Sky
  5. Rejuvenate!
  6. The Unknowing
  7. Over the Battlefield
  8. Skyline
  9. Cold

Fotos Omnium Gatherum – Ice Rink (pam)

Michael Schenker Fest – Pool Stage

Kaufi: Vom Theater direkt zur Pool Stage. Der Saitenhexer Michael Schenker spielt mit seiner Mannschaft die zweite Show. Auf Deck 11 herrschen allerdings erschwerte Bedingungen: Es windet nach wie vor wie blöd. Dazu herrscht auch nicht sehr viel Betrieb vor der Bühne – dafür, dass hier eigentlich schon eine Legende am Werk ist, hat es erschreckend wenig Publikum. Und dies zur Prime Time.

Nun gut – mangelnden Einsatz kann man Schenker & Co sicher nicht vorwerfen. Ich schaue und fotografiere das Treiben für eine gute halbe Stunde, dann habe ich genug. Qualitativ ist das sicher erstklassig, doch auch dieser Auftritt vermag mich einfach nicht zu fesseln. Wind und aufkommende Müdigkeit leisten dann auch ihren Beitrag dazu, dass ich schneller weg bin als eigentlich gedacht. Luke, pam – hat jemand von Euch noch was dazu zu melden?

pam: Nö. Ich hab ihm meine Aufwartung bei der ersten Show gemacht, das muss für die nächsten 50 Jahre reichen. Gitarrenhelden, die sich wie Gitarrenhelden verhalten, waren nie mein Ding.

Luke: Ja, auch ich statte der Pool Deck Stage wieder einmal einen Besuch ab. Ich bin definitiv kein grosser Michael Schenker-Fan, auch wenn ich das Lesen von Interviews mit ihm aufgrund unfreiwilliger Komik immer geniesse. Musikalisch kenne ich ausser ein paar absoluten Klassikern allerdings nicht viel… Das garstige Wetter und das sehr spärliche Publikum hat Kaufi ja bereits erwähnt, die Bedingungen sind also definitiv schwierig. Und ich habe so ein bisschen das Gefühl, der Band sei das Ganze auch anzumerken. Jedenfalls den Mitstreitern des Maestros, Michael Schenker selbst steht grinsend am Bühnenrand und wirkt tief versunken in seiner Musik. Keine Ahnung ob er das Wetter unter seiner Russen-Mütze überhaupt mitbekommt, oder ob er so sehr in seinem Gitarrenspiel aufgeht das er gar nicht merkt was rund um ihn passiert.

Eigentlich ist das Dargebotene schon gut, allerdings auch einfach alles andere als spannend. Kollege Sandro bemerkt richtigerweise, dass der Drummer zeitweise minutenlang den selben Beat vorgibt und Michael darüber einfach ein Solo nach dem anderen vom Stapel lässt. Es ist definitiv alles auf den Leadgitarristen ausgerichtet. Den Abschluss macht mit «Rock Bottom» ein Song den sogar ich kenne. Direkt nach dem letzten Ton flüchten so ziemlich alle ins Innere, sowohl auf als auch vor der Bühne. Ich bin wohl noch nie so easy zu der Setliste eines (vermeintlichen) Headliners gekommen, ein paar Sekunden nach dem Ende bin ich bereits der Einzige vorne am Gitter… (Anm. Kaufi: Und ich frage mich, ob auch wirklich ALLE Songs gespielt wurden, die da drauf stehen…. 😉 ) (Luke: Da bin ich definitiv überfragt, da ich einerseits das Material zu wenig kenne und zudem auch zeitweise durch Bier und Gespräche etwas abgelenkt war 😉 )

Setliste Michael Schenker Fest – Pool Deck (ohne Gewähr auf Richtigkeit)

  1. Doctor Doctor
  2. Coast To Coast
  3. Cry For The Nations
  4. Messing Around
  5. Rock My Nights Away
  6. Into The Arena
  7. Live And Let Live
  8. Before The Devil Knows You’re Dead
  9. Girls With The Stars In Her Eyes
  10. Shoot Shoot
  11. Natural Thing
  12. Lights Out
  13. Too Hot To Handle
  14. Rock Bottom

Fotos Michael Schenker Fest – Pool Deck (Kaufi)

Seven Witches – Star Lounge

Kaufi: Während draussen immer noch Classic Rock angesagt ist, wage ich mich nochmals in die Star Lounge. Jack Frost und seine sieben Hexen sind zum zweiten Mal an der Reihe. Die Setliste ist etwas umgekrempelt, “Mental Messiah” ballert schon recht früh aus den Boxen. Jedoch sind mit die widerlichen Umstände in diesem Laden einfach zu viel. Schade für die coole Truppe, aber ich muss hier raus. Energie und Bier tanken, die Nacht wird lang…

Fotos Seven Witches – Star Lounge (pam)

Bloodbound – Ice Rink

Kaufi: Kurz vor Mitternacht gibt’s eine ordentliche Dosis Power Metal schwedischer Prägung auf die Lauscher. Bloodbound haben allerdings etwas mit Widrigkeiten zu kämpfen. Einerseits ist es für einmal mehr schlicht ZU laut, andererseits leidet darunter dann halt genau die Soundqualität. Der Spielfreude der Band tut dies allerdings keinen Abbruch. Speziell Basser Anders Broman beeindruckt wieder einmal mit seinen unglaublichen Grimassen – sagenhaft, wie böse der Mensch dreinschauen kann!

Fronter Patrik J. Selleby hat seine Drachenmaske wieder montiert, als die Band mit “Battle In The Sky” zu ihren zweiten 45 Minuten auf dieser Cruise startet. Der Saal ist trotz der späten Stunde sehr anständig gefüllt. Und je länger die Show geht, desto mehr herrscht gute Stimmung. Das geht so weit, dass zum Ende sogar diverse Crowdsurfer in Aktion treten. Bilder, die man bei den Schweden ansonsten eher selten sieht – da zückt sogar der Sänger plötzlich sein Handy und filmt…

Insgesamt vermögen Bloodbound auch jetzt restlos zu überzeugen. “In The Name Of Metal” ist schlicht geil, “Moria” natürlich DAS Highlight und auch “The Warlock’s Trail” fährt gehörig ein. Vor dem abschliessenden “Nosferatu” versuche ich mit Zeichensprache zu erfahren, von welcher Seite der doppelt Gehörnte auf die Bühne treten wird – man will ja mit der Kamera am richtigen Ort bereit sein. Doch weder Patrik noch die beiden Gitarristen wissen das im Voraus, wie sie mir grinsend zu verstehen geben…

Schlussendlich gibt es nur einen einzigen leisen Kritikpunkt: Die Jungs spielen 1:1 das gleiche Programm wie am Vortag. Etwas mehr Risiko wäre hier sicher nicht falsch gewesen. Dennoch werden sich die Nordmänner sicher einige neue Fans erspielt haben. Gut so!

pam: Wie so selten bin ich wieder nicht gleicher Meinung, was den Auftritt von Bloodbound betrifft. Die Soundqualität ist definitiv sehr schlecht. Bei simplen Powermetal erwarte ich da einfach mehr. Das muss man hinkriegen und die Messlatte mit Bands wie Hammerfall ist diesbezüglich ja auch gut vorgegeben. Und ja, ich hab einfach zu viel erwartet. Nach deren Hammerscheibe “Rise Of The Dragon Empire” – live kommt das maximal zu 50% an die Konserve ran. Und zwei Mal die identische Setliste runterzuleiern zeigt auch nicht grad von Selbstbewusstsein – was aber gut zu der vor mir abspielenden Band passt. Die Truppe wirkt irgendwie einfach noch nicht so live-erfahren und eingespielt. Wer weiss, vielleicht packen sie mich in ein paar Jahren …

Aber natürlich immer schön, Kaufi in Extase zu erleben. Er kommt im Gegensatz zu mir aus dem Schwärmen nicht mehr raus. Dito Kollege Hagi – der hat nach 2018 seinen erneuten Freedom Call-Moment. Dann ist doch alles wunderbar, ich geb mich jetzt einfach wieder dem guten alten Thrash hin …

Setliste Bloodbound – Ice Rink

  1. Battle in the Sky
  2. In the Name of Metal
  3. The Warlock’s Trail
  4. Stand and Fight
  5. Moria
  6. Dragons Are Forever
  7. Rise of the Dragon Empire
  8. Nosferatu

Fotos Bloodbound – Ice Rink (pam/Kaufi)

Whiplash – Star Lounge

pam: In der ganzen Euphorie begleitet mich Kaufi zu Whiplash, die mich mit ihrem ersten Auftritt mächtig überzeugt haben. Schöner Moment, der so ziemlich genau 3 Sekunden dauert, dann ist der gute Kaufi schon auf der Flucht. Da hustet weit weg in der Savanne ein Löwe und die Gazelle rennt los. Und ebenso los geht’s auf der kleinen Bühne. Da soll mir der Chris von Rohr nochmals erzählen, was sie auf der Bühne mit ihrem Chilbirock bieten sei Hochleistungssport. So ziemlich alle die hier rumstehen oder in der Mehrheit wohl springen, sind einfach angetan von der Lemmy-Stimme und dem so richtig geilen Old School Thrash – u.a. auch Alex von Atrocity/Leaves’ Eyes. Der ist sich das Geknüpple ja auch eher gewohnt als unser guter alter Kaufi. 

Notiz pam: CD posten und rausfinden, von wo der Name der Band kommt. Ist es von Metallica’s “Whiplash”? Vom Stil her den sie spielen, würde das eigentlich mit dem Song passen und auch um Gründungsjahr von 1984 … da wurde mein erstes Lieblingslied von Metallica schon fleissig von den Metaltitanen auf Tour rauf und runter gespielt.

Luke: Eigentlich dachte ich, dass nun eine schwierige Entscheidung ansteht. Das «Slaughter Of The Soul»-Set von At The Gates ist genau gleichzeitig terminiert wie der zweite Whiplash-Gig. Da ich das Pool Deck der Lounge immer vorziehen würde, hatte ich mich eigentlich für At The Gates entschieden. Das stürmische Wetter hat den Zeitplan der Aussenbühne aber ziemlich durcheinandergewirbelt, es sieht definitiv nicht nach einem pünktlichen Beginn des Konzerts der Schweden aus. Also ab in die Lounge für die zweite Show der sympathischen New Jersey-Thrasher. Wir schaffens grad noch rechtzeitig in die vorderen Reihen.

Schon ab Beginn ist die Lounge mehr als ordentlich gefüllt! Frotmann Tony Portaro stellt gleich klar das heute «No Slow Songs» zu erwarten seien. Nun, das war eigentlich schon beim ersten Gig der Gruppe hier an Bord so. Der Vollgas Old School Thrash vom Feinsten sorgt für eine wirklich grossartige Stimmung. In der kleinen Location passt das fast noch besser, jedenfalls ist richtig viel Bewegung angesagt. Praktisch während der ganzen Show ist hier ein Pit am wüten. Und erneut immer mitten im Geschehen: Ron Iglesias von Toxik. Der Typ ist wohl der aktivste Zuschauer der ganzen Cruise…Mich begeistert die Band heute erneut! Es wird zwar nicht viel an der Setliste geschraubt, im Vergleich zur ersten Show sind nur zwei Songs ausgetauscht worden. Zumindest für mich ist das aber nicht tragisch, die Auswahl passt.

Eigentlich wäre ich in richtiger Top-Stimmung, super Auftritt von Whiplash und ein tolles Publikum. Leider ändert sich meine Laune beim letzten Song schlagartig. «Power Thrashing Death» animiert die Crowd nochmals zu einem grösseren Circle Pit, wie es sich gehört für eine richtige Thrash Metal Show. Nur leider sieht das ein Typ in der zweiten Reihe, der mir mit seiner ständigen Handy-Filmerei (inklusive Selfie-Stick) sowieso schon negativ auffällt, nicht so. Da er sich scheinbar durch die Bewegung hinter ihm gestört fühlt und vielleicht auch berührt wird, dreht er sich um und beginnt wahllos in den Pit zu treten! Und das mit Stiefeln und ohne Rücksicht auf Verluste, ein Mädel erwischt er ziemlich heftig. Bei solchen Sachen kann ich unmöglich einfach zusehen, also frage ich ihn was das soll. Anstatt sich zu mässigen will er dann auf mich losgehen. Zum Glück haben seinen Aussetzer auch weitere Leute vor der Bühne mitbekommen. Diese ziehen ihn dann schliesslich von mir weg, bevor Schlimmeres passiert. Ich bin ja eigentlich ein sehr friedlicher Mensch, aber gewisse Sachen gehen einfach nicht. So erhält ein grandioser Auftritt zum Ende leider einen kleinen Wermutstropfen. Danke, du Vollidiot…

Setliste Whiplash – Star Lounge

  1. Last Man Alive
  2. Killing On Monroe St.
  3. Stagedive
  4. Burning Of Atlanta
  5. Walk The Plank
  6. Red Bomb
  7. Spit On Your Grave
  8. Warmonger
  9. Nailed To The Cross
  10. Power Thrashing Death

At The Gates – Pool Stage

Luke: Als wir nach Whiplash wieder das Pool Deck betreten, scheint das spezielle “Slaughter Of The Soul”-Set von At The Gates gerade erst begonnen zu haben. Aktuell läuft der zweite Track des Albums, da die Stücke in der Original-Reihenfolge gespielt werden weiss ich was ich verpasst habe… Der Melodic Death Metal Klassiker aus dem Jahr 1995 hat einige Leute aufs Pool Deck gelockt. Trotz Verschiebung um fast eine Stunde und nach wie vor kräftigen Wind ist der Zuschauerbereich mehr als nur ordentlich gefüllt.

Und auch die Stimmung lässt wenig zu wünschen übrig. Von hinten ist man sich manchmal nicht ganz sicher ob die zahlreichen Crowdsurfer wirklich von der Menge nach vorne getragen werden, oder doch eher vom Wind. Für die Qualität des Sounds sind diese Bedingungen natürlich alles andere als förderlich, aber das Songmaterial sorgt trotzdem für Begeisterung. Und auch Frontmann Tompa und seine Mitstreiter ziehen den Gig allen Widrigkeiten zum Trotz eisern durch. Ich persönlich find‘s schön At The Gates wieder einmal mit einer etwas anderen Setlist zu sehen, auch wenn «Slaughter Of The Soul» wohl für mich nicht den übermenschlichen Status hat wie für andere Fans. Ein gutes Album ist es allemal, und es macht auch live definitiv Spass.

Nach der Show entschliesse ich mich für heute Feierabend zu machen. Wenig Schlaf in der Nacht zuvor fordert nun Tribut, und der Stimmungsdämpfer am Ende von Whiplash wirkt auch nach At The Gates noch etwas nach. So verzichte ich zähneknirschend unter anderem auf die zweiten Shows von Stam1na und Vio-Lence. Kräfte sammeln für den letzten Tag morgen ist nun angesagt… Somit zurück zu pam und Kaufi.

pam: Joa, ich steh da auch grad noch etwas lost in the wind. Was At The Gates abliefern verdient aufgrund der Umstände viel Respekt, aber ist auch sonst sehr geil. Dennoch bleib ich nur kurz, denn ich möchte mir heute wieder mal eine Ladung Trve Metal gönnen …

Ross The Boss – Royal Theater

Kaufi: Nach dem ersten starken Auftritt in der Lounge, will ich mir Show Nummero 2 des ehemaligen Manowar-Gitarristen keinesfalls entgehen lassen. Also auf ins Theater, es ist ja erst halb zwei Uhr morgens… Die späte (oder frühe – je nachdem) Uhrzeit ist wohl schuld daran, dass meine Notizen etwas mangelhaft sind. Also mal die Hirnzellen aktivieren und versuchen, woran man sich noch erinnert…

“Blood Of The Kings” ist der Opener, und der tätscht gewaltig (pam: Sackstarker Start mit einem der geilsten Manowar-Songs!), während mich das folgende “The Oath” nicht so packt. Fronter Marc Lopes tönt dafür heute klar stärker als noch am Tag 1 in der Lounge. Kann natürlich auch an den deutlich besseren Bedingungen im Theater liegen. In meinem Notizbüechli steht zudem noch, dass “Battle Hymn” toll ist. Nun ja – DAS hätte ich auch so noch gewusst… So, und jetzt aber subito rauf auf’s Pooldeck! Mal schauen, wie der Stand der Dinge draussen ist.

pam: Yep, das ist Manowar at its best. Also man nehme geile Songs, eine Hammerstimme und verzichte auf das Gelabber von Joey die Mayonnaise und das ganze Gepose und beschleunigt alles um den Faktor 1.5, das ist in etwa das, was da grad vor uns abgeht. “Wheels Of Fire” ist brutal schnell und gemäss the Boss nicht easy zu spielen, wenn man nüchtern auf dem schwankenden Boot bzw. auf der Bühne steht. Sonst eher lahme Songs werden beschleunigt und packen mich so richtig: “Sign Of The Hammer” und vor allem “Battle Hymn”. So geil hab ich den noch nie gehört Kaufi. Vielleicht wolltest du das mitteilen? (Anm. Kaufi: Möglich. Aber ich hab auch Manowar nie live gesehen – von daher fehlt mir der Vergleich…) Pam geht steil. Wenn da jetzt noch ein “Carry On”, “Holy War”, “Heart of Steel” oder gar ein “Kingdom Come” auf der Setliste wäre … uiuiui, dann hätte man pam wohl mal in Extase erlebt. (Anm. Kaufi: Da wären auch bei mir noch ein paar Schübe gekommen….)  Aber auch so ist das eine wunderbar fröhliche dreiviertel Stund. Einzig überraschend wenig Leute sind da und teilen diese Euphorie mit mir. Da hätte ich vor allem mehr Latinos erwartet … aber Manowar waren halt schon immer eher ein Europa-Ding.

Setliste Ross The Boss – Royal Theater

  1. Blood of the Kings
  2. The Oath
  3. Blood of My Enemies
  4. Wheels of Fire
  5. Sign of the Hammer
  6. Kill With Power
  7. Fighting the World
  8. Battle Hymn
  9. Hail and Kill

Fotos Ross The Boss – Royal Theater

Axxis – Pool Stage

Kaufi: Huuii! Draussen bläst es einen ja fast um! Es windet nach wie vor äusserst stark und das Programm ist ziemlich im Verzug. Aktuell beträgt die Verspätung um die 45 Minuten, doch dank speditiver Arbeitsweise beim Umbau, beginnen die Deutschen ihre Show nur eine knappe halbe Stunde zu spät. Bernie Weiss (für einmal während der ganzen Show als Kappenträger unterwegs) und seine Mitstreiter sind bekanntlich alte Hasen in diesem Business und lassen sich durch die Verzögerungen nicht allzu sehr aus der Ruhe bringen. Obwohl der Slot (geplant 2.15h) schon nicht optimal ist…

Mit “Monster Hero” geht’s los – und somit gehören auch Axxis nun zu den Bands, welche NICHT zweimal das gleiche Programm spielen! Geschätzte 250 Leute sorgen von Beginn weg für gute Stimmung, die wird mit dem göttlichen “Tales Of Glory Island” musikalisch noch gesteigert. Warum das immer der einzige Track des Götterwerks “Paradise in Flames” ist, verstehe ich auch heute nicht… Anschliessend folgt das beim ersten Konzert noch gekippte “Heaven In Black”, bevor der Fronter sich a) wieder einmal etwas verquatscht und b) eine Frau auf die Bühne holt für das obligate “Touch The Rainbow”.

Nach wie vor herrschen starke Winde, welche zweifellos eine Challenge darstellen für die Musiker – die Haare fliegen auch ohne Headbangen… “Heavy Rain” hingegen gibt es zum Glück nur in musikalischer Form, das dafür äusserst intensiv. Die Zeit rast und schon folgt das abschliessende Triple, bestehend aus “Little Look Back”, “Living In A World” und der Hymne “Kingdom Of The Night”. Viel zu schnell vergehen diese 45 Minuten, nicht nur ich könnte hier noch mehr von diesem Stoff vertragen…

Mittlerweile ist es halbi vieri, mein Tagesprogramm ist durch. Und zumal mich die alljährliche Klimaanlagenerkältung dieses Mal schon VOR dem Schiff erwischt hat, gibt es nur noch ein Ziel – schlafen… Dadurch verpasse ich dann allerdings die zweite Show von FirstBourne. Doch die wäre eh in der Lounge… Was ist eigentlich mit den anderen Metalinsidern? Jemand noch unterwegs?

Setliste Axxis – Pool Stage

  1. Monster Hero
  2. Tales of Glory Island
  3. Heaven in Black
  4. Touch the Rainbow
  5. Heavy Rain
  6. Little Look Back
  7. Living in a World
  8. Kingdom of the Night

Fotos Setliste Axxis – Pool Stage (Kaufi)

Stam1na – Star Lounge

pam: Yep, ich bin noch unterwegs. Wenn auch auf Reserve. Der Sound der Finnen hört sich äussert speziell an. Aber ich zolle meinem Körper und der Lounge Tribute. Beides ist übrigens ziemlich voll. Vor allem Letztere hab ich selten so gut besucht erlebt. Also gerne sonst mal und so hab auch ich meine Pflicht getan und horche mal was die Matratze so spielt.

Tag vier folgt… soooon!

 


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/ / 07.02.2020
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