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Crystal Viper - The Cult (Cover Artwork)
Fr, 29. Januar 2021

Crystal Viper – The Cult

Heavy Metal
25.01.2021
Crystal Viper - The Cult (Cover Artwork)

Zurück zur alten Härte?

Fertig Melodic Metal – nach einem kurzen Flirt mit eher eingängigeren Klängen zeigt die aus Polen stammende Band nun wieder ihre Giftzähne – so zumindest steht es im Promotext zum achten Studiowerk der Truppe. Ob Crystal Viper mit „The Cult“ wirklich zum wahren Heavy Metal zurückfinden? Wir haben der Schlange auf den Zahn gefühlt.

Gänzlich unbekannt ist die seit 2003 aktive Combo rund um Sängerin (und Rhythmusgitarristin) Marta Gabriel im Metalzirkus nicht – inwiefern dies mit dem doch beachtlichen Output von acht Alben innert vierzehn Jahren zu tun hat – wobei die Veröffentlichung des letzten Studiowerks „Tales of Fire and Ice“ gerade mal vierzehn Monate zurückliegt – sei dahingestellt. Faulheit kann man dem aus Kattowitz (PL) stammenden Fünfgestirn sicher nicht vorwerfen.

Wie eingangs erwähnt, stiess die beim Vorgänger vollzogene stilistische Abkehr vom grundsoliden, traditionellen Heavy Metal auf nicht allzu grosse Gegenliebe, was einerseits sicherlich dem auf „Catchyness“ getrimmten Songwriting zuzuschreiben war (siehe Review), aus meiner Sicht aber auch der auf diesem Werk etwas glattgebügelten Stimme von Frontdame Marta – wenn man eine Rocklady mit einer dermassen eindringlichen, rotzfrechen Stimme mit hohem Widererkennungswert hinter dem Mikrofon hat, ist ein solcher Schachzug in meinen Augen schon fast fahrlässig.

Promotexte lügen nicht – oder?

Glaubt man dem mitgelieferten Promomaterial, so geloben die polnischen Vipern auf „The Cult“ Besserung – oder um es in ihren eigenen Worten (resp. denen ihres neuen Labels „Listenable Records“) wiederzugeben: „Aber was wahrscheinlich noch wichtiger ist: Nach dem kurzen Flirt mit mehr Melodic Metal, der ihr letztes Album dominierte, bringt „The Cult“ Crystal Viper zurück zu ihren Wurzeln: dem traditionellen und reinen Heavy Metal.“ Klingt gar nicht so übel, doch ist Papier bekanntermassen ja geduldig.

Nach dem ruhig daher glöckelnden, rein instrumentalen Intro „Providence“ (welches die Grundthematik des später folgenden „Sleeping Giants“ vorwegnimmt) kommt der Titeltrack von der ersten Note an mit voller Wucht zur Sache – galoppierende Gitarren, gerne auch mal im Doppelpack, ein durch Schlagzeug und Bass satt gelegtes Fundament, und über allem die wieder in voller Kraft erstrahlende Stimme von Marta Gabriel. Nimmt man diesen wilden Opener als Benchmark, darf man die vollmundige Ankündigung durchaus für bare Münze nehmen!

Schlafende Riesen in einem vergessenen Land

Und dabei bleibt es nicht… Ins selbe Horn stossen nämlich auch Tracks wie das Uptempo-Feuerwerk „Down The Crypt“ (welches pure Energie mit einem eingängigen Refrain paart und die Nackenmuskeln ordentlich fordert), das etwas in die Hard Rock-Ecke schielende „Forgotten Land“, „Flaring Madness“, das eine Brücke zwischen den metallenen und melodischen CV schlägt sowie „Asenath Waite“, welches mit ruhigem Gitarrengezupfe beginnt, sich alsbald aber in ein heftiges Saitengewitter entlädt.

Für Abwechslung auf der mehrheitlich rau daherkommenden, sich aber erstaunlich harmonisch präsentierenden Langrille sorgen sodann Titel wie das Midtempo-Kleinod „Whispers from Beyond“ (bei dem insbesondere das parallel zum letzten – hymnenhaften – Refrain vorgetragene Gitarrensolo hervorsticht) sowie das episch-melodiöse „Sleeping Giants“, welches dann auch die Liebhaber eher balladesker Klänge bedient.

Die Qual der Wahl

Etwas knifflig wird es bei der Wahl des Tonträgers resp. des jeweils darauf enthaltenen Bonustracks: Während die Vinyl-Fraktion mit dem schnellen, aber ansonsten nicht unbedingt überragenden „Trial By Fire“ Vorlieb nehmen muss, werden die Käufer der Compact Disc mit einer wirklich genialen Cover-Version von King Diamonds „Welcome Home“ (bei der passenderweise Kind Diamonds Gitarrist Andy La Rocque als Gastmusiker mit von der Partie ist) belohnt.

Inspiriert wurden die Lyrics der neuen Scheibe durch H. P. Lovecraft, einem der bedeutendsten Autoren fantastischer Horrorliteratur des 20. Jahrhunderts. Etwas, bei dem Crystal Viper nicht allein dastehen, haben sich doch u.a. bereits so namhafte Acts wie Metallica, Black Sabbath oder Morbid Angel vom amerikanischen Schriftsteller animieren lassen.

Das Fanzit Crystal Viper – The Cult

„The Cult“ ist eine von diesen Scheiben, die man beim erstmaligen Hören ganz nett finden mag, die ihre wahre Pracht aber erst nach einigen Durchgängen voll zu entfalten vermögen. Crystal Viper kehren mit Album Nummer acht nicht vollends zu ihren Wurzeln zurück, was aus meiner Sicht jedoch nicht sonderlich schmerzt, stellt ihr neuster Wurf doch quasi eine Symbiose aus alter Härte und neuen, melodiösen Klängen dar.

Unterm Strich bleibt somit astreiner Heavy Metal, der gekonnt Elemente aus Power Metal sowie der symphonischen Schublade integriert, dabei aber nicht ins Kitschige oder Überladene abdriftet. Stimmlich gibt es ohnehin nichts auszusetzen, zu sehr passen Martas mit Kraft und Emotionen vorgetragene Vocals zu dieser Art von Musik. Ob damit alle Fans der ersten Stunde wieder zurück ins Nest geholt werden können, wird sich zeigen. Wer gutes, kräftiges Schwermetall mag, dürfte bei „The Cult“ fündig werden.

Anspieltipps: The Cult, Down In The Crypt, Sleeping Giants, Asenath Waite, Welcome Home

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Trackliste Crystal Viper – The Cult

  1. Providence
  2. The Cult
  3. Whispers From Beyond
  4. Down In The Crypt
  5. Sleeping Giants
  6. Forgotten Land
  7. Asenath Waite
  8. The Calling
  9. Flaring Madness
  10. Lost In The Dark
  11. Trial By Fire (LP Bonus Track)
  12. Welcome Home (CD Bonus Track)

Line Up – Crystal Viper

  • Marta Gabriel – vocals, guitars
  • Andy Wave – guitars
  • Eric Juris – guitars
  • Blaze Grygiel – bass
  • Cederick Forsberg – drums

 

Video Crystal Viper – The Cult


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 8.5/10



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