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Crystal Viper - Tales Of Fire And Ice (CD Cover Artwork)
Fr, 22. November 2019

Crystal Viper – Tales Of Fire And Ice

Dark Power Metal, Heavy Metal
17.11.2019
Crystal Viper - Tales Of Fire And Ice (CD Cover Artwork)

Der Viper Wandel zur Natter

Ich klopfe mir ja wirklich nur selten selbst auf die Schulter. Weil man das nicht macht und so. Aber in diesem speziellen Fall muss ich es einfach tun. Schliesslich glaube ich nicht, dass man die Veränderung, die Crystal Viper zwischen dem 2017er-Output Queen Of The Witches und dem hier vorliegenden Tales Of Fire And Ice durchschlängelt, mit einem treffenderen Titel beschreiben könnte.

Doch der Reihe nach. Selbstbeweihräucherungskommando zurück! Crystal Viper, eine junge, aufstrebende und ziemlich fleissige Band aus Polen, die mich live noch jedes Mal überzeugt hat und mir vor allem mit ihrem 2017er-Auftritt am Bang Your Head in Erinnerung geblieben sind. Das deshalb, weil sie Grim Reapers «See You In Hell» absolut geil gecovert haben und eben jene Band tags darauf selbst auf der Bühne stand. Bis auf den Frontmann Steve Grimmet, dem man wegen einer Infektion einen grossen Teil seines Beins amputieren musste und der deshalb mit einem Rollstuhl auf die Bühne geschoben wurde.

Zurück zu Crystal Viper, die sich bislang absolut problemlos in die eher traditionelle Ecke des Heavy Metals schubladisieren liessen. Dahingehend stimmt mir auch der vorliegende Pressetext zum neuen Album zu. Doch noch bevor ich diesen durchlas und mir Tales Of Fire And Ice zu Gemüte führte, horchte ich bereits in die Single-Auskopplung der neuen Scheibe. Und «Still Alive» machte schnell klar, dass das neue Werk unter einem neuen Blickwinkel betrachtet werden muss

Crystal Viper – Tales Of Fire And Ice

Nun also schwingt man nicht länger heroisch die Flagge des Heavy Metals, sondern reitet unter dem Banner des, und da zitiere ich, «Dark Power Metals» in die Schlacht. Ehrlich gesagt: Da schmerzte mir als Crystal Viper-Fan erst einmal das Herz. Speziell, als der Pressetext noch die Aussage nachpfefferte, dass die neuen Songs härter, intensiver und melodischer sein sollen. Melodischer ist das Ding ganz gewiss. Aber härter und intensiver? Gewiss nicht. Nicht, solange sich Titel wie Agents Of Steel, The Anvil Of Hate, The Spell Of Death oder The Witch Is Back im Katalog befinden. Oder das sich live besonders gut entfaltende When The Sun Goes Down.

Es ist ein bisschen so, wie wenn man der Viper die Giftzähne gezogen und sie somit zur fast schon zarten Natter runterdressiert hätte. Doch bevor ihr Crystal Viper-Fans da draussen jetzt das Handtuch werft und einer weiteren Band nachtrauert, die es gewagt hat, sich von ihren Wurzeln zu entfernen und sich einem kreativen Erneuerungsprozess (oder soll man dazu jetzt «Häutung» sagen?) zu unterziehen: So schlecht wurde die Umwandlung nämlich gar nicht vollzogen. Tales Of Fire And Ice kommt mir wie ein kunterbunter Mix des musikalischen Schaffens von Stratovarius, Nightwish, Unleash The Archers und natürlich Crystal Viper selbst vor.

Ich sehe schon – Köpfe werden rot, die Wutzentren der auf True Metal eingeschossenen Gehirne drehen im gefährlichen Bereich und Herzrhythmen werden leicht unregelmässig. Aber bitte beruhigt euch. Es ist richtig, die melodischere und teils epischere Schlagseite des Albums könnte man durchaus in den Gefilden von Strato, Nightwish und Co. ausfindig machen. Hölle, selbst Battle Beast könnte man neuerdings als Vergleich heranziehen. Dennoch ist da noch eine gewisse Grundhärte, die mich neu auch irgendwie auch an Unleash The Archers erinnert. Dies wiederum könnte damit zusammenhängen, dass Frontröhre Marta auf Tales Of Fire And Ice variantenreicher singt als zuvor und sich somit durchaus Vergleiche mit Brittney Hayes von den Entfesselten Bogenschützen gefallen lassen darf.

Fast ausnahmslos jeder Song verfügt über ein «catchy Naturell», dem man sich zugegebenermassen nur schwer entziehen kann – sofern die eigene Kehle eine Neigung zum Mitsingen hat. Speziell hervorzuheben sind hier Songs wie Still Alive, Bright Lights, Under Ice oder das Doppelbass-Gewitter One Question. Teilweise glänzen die Songs mit richtig schön langezogenen Gitarrenwellen, die gar hammerfallesk wirken können. Stellt sich nur die Frage, ob der typische Crystal Viper-Fan das ganze auch will oder mitzutragen gewillt wäre. Nebst der musikalischen Weiterentwicklung gibt es auch in der Abteilung «Lyrik» einen mehr oder weniger (un)bedeutenden Wechsel zu verzeichnen. Und zwar weg von typischen True-Metal-Fantasy-Lines hin zu Legenden, Mysterien wie das Bermuda Dreieck oder, und da kann ich eine Assoziation mit der Band Agent Steel nicht wirklich vermeiden, Entführungen durch Ausserirdische.

Bleibt eigentlich nur noch die Frage zu klären, warum die Band so einen doch recht deutlichen Stilwechsel an den Tag legt. Hatten sie einfach Bock drauf? Begehrt man eine kommerziell bessere Wahrnehmung? Wünschen würde ich der Band diese ohnehin, zumal diese Richtungsänderung nicht wirklich in die Hose ging. Und da gibt es ein mächtiges Zwinkern in die Richtung von Majesty, die in meinen Augen mit Legends ziemlich tief ins Klo gegriffen haben. Doch die Geschichte heben wir uns für ein anderes Mal auf.

Gespannt bin ich auf jeden Fall auf die Zukunft der Band. Wird sie den neuen Stil weiter festigen? Oder sich doch wieder auf die Wurzeln besinnen? Persönlich wünschen würde ich mir Letzteres.

Das Fanzit Crystal Viper – Tales Of Fire And Ice

Zugegeben, meine Wertungsaussichten für Tales Of Fire And Ice sahen zu Beginn etwas düsterer aus. Ich hab mich lange gefragt, was zum Teufel Crystal Viper geritten hat, um die nun vorliegende Stiländerung umzusetzen. Man könnte nicht mal sagen, dass der Wechsel schleichend kam. Denn das kam er nicht. Tales Of Fire And Ice erinnert zwar in seinen Grundzügen noch an vergangene Taten, kann aber schwer leugnen, dass hier Bands wie Nightwish, Battle Beast und Co. teils deutlich Pate standen. Das ist nichts schlechtes, wenn man sich nicht ohnehin schon in dieser Sparte des Metals bewegt. Aber es bringt gleichzeitig auch Einbussen mit sich. Beispielsweise bei der Eigenständigkeit und Erkennbarkeit der Songs.

Und ich, als jemand, der sich bislang durchaus gerne dem Crystal-Viper-Material ausgesetzt hat, darf das sagen: Mir ist die neue Scheibe, speziell für die Band-Verhältnisse, zu poppig, zu catchy. Wenn ich Nightwish hören will, gehe ich Nightwish hören. Will ich, dass mich Nora von Battle Beast vollröhrt und mir was vom Bastard Son Of Odin vorsingt, dann wende ich mich Battle Beast zu. Bislang hatten Crystal Viper durchaus Wiedererkennungswert, Charisma – was gerade auch im Bereich des «wahren» Heavy Metals keine Selbstverständlichkeit ist. Und genau hier sind mit Tales Of Fire And Ice leider Einbussen zu verzeichnen. Spass macht das Teil aber trotzdem. Und so reicht es auch zu einem knappen «gut».

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Trackliste Crystal Viper – Tales Of Fire And Ice

01. Prelude
02. Still Alive
03. Crystal Sphere
04. Bright Lights
05. Neverending Fire
06. Interlude
07. Under Ice
08. One Question
09. Tomorrow Never Comes (Dyatlov Pass)
10. Tears Of Arizona
11. Dream Warriors (CD Bonus Track) / Alone (Vinyl Bonus Track)

Line-Up Crystal Viper

  • Marta Gabriel – Vocals, Gitarre
  • Andy Wave – Gitarre
  • Eric Juris – Gitarre
  • Blaze J. Grygiel – Bass
  • Tomek Danczak – Drums

Videoclip Crystal Viper – Still Alive


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 6.5/10



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