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Hanternoz - Au Fleuve de Loire (Cover Artwork)
Mo, 3. Mai 2021

Hanternoz – Au Fleuve de Loire

Folk Black Metal
04.05.2021
Hanternoz - Au Fleuve de Loire (Cover Artwork)

Folkige Dämmerstunde

Wenn eine Band ein Konzeptalbum über einen Fluss schreibt, wie Hanternoz dies auf Au Fleuve de Loire tun, dann macht das neugierig. Wenn es sich dabei auch noch um die bekannte Loire handelt, steigen die Erwartungen umso mehr. Ein solches Unterfangen wirft ja durchaus die Frage auf, ob das Konzept eine mitreissende Kraft erzeugen kann oder ob die musikalische Qualität dabei den Bach runtergeht.

Denjenigen, denen der Name Hanternoz nichts sagt, sei kurz zusammengefasst, dass diese Band aus Frankreich seit rund fünfzehn Jahren existiert und sich einer Mischung aus Folk und Black Metal verschrieben hat. Au Fleuve de Loire ist erst das dritte Album der Truppe, die beim ebenfalls französischen Label Antiq, bekannt für seine detailverliebten Veröffentlichungen im melodischen Black Metal-Bereich, unterkommt. In der Zwischenzeit sind jedoch mehrere Splits und EPs erschienen, so dass immer etwas los war im Hause Hanternoz.

Etwas los ist auch auf Au Fleuve de Loire. Das Album enthält insgesamt neun Kompositionen und wird von einem wunderschönen Artwork aus der Feder des Künstlers David Thiérrée veredelt. Die Produktion ist bezüglich Klang gut gelungen, einzig die Snaredrum tönt bisweilen etwas arg mechanisch. Über weite Teile des Albums fällt das aber gar nicht auf. Bei zwei der Songs handelt es sich um das atmosphärische Intro und Outro, die sich auf Naturgeräusche und geheimnisvolle gesprochene Passagen verlassen, welche die bald anbrechende Dämmerung ankünden. Das ist stimmungsvoll umgesetzt und rahmt die Präsentation der verschiedenen Aspekte des als Thema zugrundeliegenden Flusses schön ein. Besagte besungene Aspekte sind zum Beispiel die Natur an den Flussbänken, das Los ertrunkener Seelen oder der Flusslauf als Transportweg in der anbrechenden Industrialisierung.

Musikalisch verpackt werden diese Geschichten in eine Mischung, deren Fundament aus melodischem Black Metal besteht, das bisweilen um Pagan Metal ergänzt und immer wieder mit Folkeinschüben garniert wird. Die Kompositionen glänzen dabei durch eine Rauheit, welche den fliessenden Klang der französischen Sprache sehr schön kontrastiert und gerade die folkigeren Teile hinterlassen durch ein stark erkennbares Verständnis des ihnen zugrunde liegenden musikalischen Erbes seitens der Komponisten einen sehr guten Eindruck.

Konzeptalben bestehen häufig aus einer Sammlung von Texten, die sich demselben Thema widmen oder eine Geschichte erzählen. Kompositorisch wird das Konzept leider viel zu wenig oft aufgegriffen, um das volle Potential einer solchen Veröffentlichung auszuschöpfen. Umso erfreulicher ist es, dass sich Hanternoz auf Au Fleuve de Loire dazu entschieden haben, Musik und Text als Einheit zu betrachten und die den Liedern zugrundeliegenden Inhalte durch beide gleichermassen auszudrücken. Die Musik spiegelt dabei den Text und jedes Stück enthält unterschiedliche Facetten, die sich auf das jeweils verarbeitete Thema beziehen. Das Lied „Bateliers de Loire“, welches von den Schiffersleuten auf dem Fluss erzählt, enthält Anleihen an viele Elemente deren sich Shantys, also traditionelle Gesänge von Seeleuten, oft bedienen. Den Ruf des Königs vertonen Hanternoz in „Le roi René a fait mander“ mit einem getragenen Aufbau und einem Hauch von Erhabenheit, während die Erinnerung an vergangene Zeiten im letzten Song vor dem Outro mittels ätherischem Klangbild dargestellt wird.

Dass dies ein zweischneidiges Schwert sein kann, zeigt besonders „Vieille nasse crevée“, besticht die musikalische Umsetzung der einzelnen Texte doch durch ihre Konsequenz, führt aber umgekehrt zu einer Heterogenität, die dem Zusammenhalt des ganzen Albums bisweilen zuwiderläuft. Dennoch meistern Hanternoz die Schwierigkeit, all die unterschiedlichen Charaktere der Songs auf Au Fleuve de Loire unter einen Hut zu bringen im Allgemeinen ziemlich gut. So bleibt die Hingabe zum gewählten Konzept Fluch und Segen zugleich. Schliesslich überwiegen aber die positiven Aspekte und die dem Album zugrunde liegende Beharrlichkeit ist der Band zugute zu halten.

Die beiden Glanzstücke des Albums bilden aber ganz klar „À cul de grève“ und „L’hanterdro de Languidic“, in denen die Band ihre Stärken voll ausspielt. Beides sind spannende Songs, die mit überraschenden Wendungen aufwarten, dabei die verwendeten Elemente nahtlos ineinander übergehen lassen und trotz ihrer nichtlinearen Struktur nachvollziehbar und zu all dem auch noch eingängig sind.

Das Fanzit zu Hanternoz – Au Fleuve de Loire

Auf Au Fleuve de Loire sind einige hervorragende Songs enthalten. Als ganzes Werk funktioniert das Konzeptalbum paradoxerweise gerade wegen der konsequenten Anknüpfung an das gewählte Thema leider nicht durchwegs einwandfrei. Da die Mehrheit der Songs für sich alleine jedoch überzeugt und Hanternoz zudem mehrere wirklich starke Stücke komponiert haben, vergebe ich verdientermassen gute 8 Punkte.

Audio Hanternoz – Au Fleuve de Loire


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 8/10



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Autor
04.05.2021